Inhaltsverzeichnis
- In Kürze zusammengefasst
- Die schicksalhafte Begegnung im Garten von Phoenix
- Von der Volkswirtschaft zur Seelen-Ökonomie
- Die Geburt der Hypnosystemik: Wenn zwei Welten sich vermählen
- Das Utilisationsprinzip: Oder wie man Gold im Schrott findet
- Multiple Persönlichkeiten? Wir alle!
- Fokussierung: Die Kunst, die Wirklichkeit zu erschaffen
- Die hypnosystemische Toolbox: Interventionen mit Präzision
- 1. Trancephänomene im Alltag erkennen
- 2. Kompetenz-Archäologie
- 3. Das Prinzip der Unterschiedsbildung
- 4. Bifokal-multisensorische Interventionen
- Von der Theorie zur Praxis: Die sysTelios-Klinik
- Vom Therapiezimmer in den Vorstandsetage: Hypnosystemisches Coaching
- Es geht nicht um "Problembehebung", sondern um Kompetenzaktivierung
- Es würdigt die Komplexität von Organisationen
- Es nutzt Trance-Phänomene auch im Business-Kontext
- Was hat das mit Dir zu tun? Hypnosystemik im Coaching-Alltag
- 1. Höre auf, nach Defiziten zu suchen
- 2. Utilisiere das "Problem"
- 3. Arbeite mit Trancephänomenen
- 4. Nutze das Seitenmodell
- 5. Fokussiere auf den Möglichkeitsraum
- Die gesellschaftliche Dimension: Hypnosystemik als demokratisches Prinzip
- Was bleibt? Ein Vermächtnis, das wirkt
- Das Wichtigste in Kürze
- Häufige Fragen (FAQ)
- Wer ist Gunther Schmidt?
- Was ist Hypnosystemik?
- Wie unterscheidet sich Hypnosystemik von klassischer Hypnose?
- Was ist das Utilisationsprinzip?
- Was ist das Seitenmodell nach Gunther Schmidt?
- Wo arbeitet Gunther Schmidt heute?
- Was ist die sysTelios-Klinik?
- Für wen ist Hypnosystemik geeignet?
- Kann ich Hypnosystemik lernen?
- Was bedeutet "Fokussierung" in der Hypnosystemik?
- Was ist der Möglichkeitsraum?
- Wie unterscheidet sich Hypnosystemik von NLP?
- Was hat Gunther Schmidt mit Milton Erickson zu tun?
- Was ist die "Heidelberger Schule"?
- Welche Auszeichnungen hat Gunther Schmidt erhalten?
- Kann Hypnosystemik auch im Business-Kontext angewendet werden?
- Was ist die BIGsysther App?
- Welche Bücher hat Gunther Schmidt geschrieben?
- Was bedeutet "bifokal-multisensorisch"?
- Wie steht Hypnosystemik zur klassischen Psychoanalyse?
- Möchtest Du Hypnosystemik selbst erleben?
- Quellen
Gunther Schmidt: Der Pionier der Hypnosystemik
In Kürze zusammengefasst
Gunther Schmidt ist der Begründer der Hypnosystemik – einem integrativen Ansatz, der seit den 1980er Jahren weltweit Therapie, Coaching und Organisationsentwicklung prägt. Geboren 1945 in Karlsruhe, kombiniert der Facharzt für psychosomatische Medizin systemische Konzepte mit Milton Ericksons Hypnotherapie zu einem kraftvollen Kompetenz-fokussierenden Modell. Seine zentrale Botschaft: Menschen verfügen über weitaus mehr Ressourcen als ihnen bewusst ist – diese müssen nur wieder zugänglich gemacht werden. Als ärztlicher Direktor der sysTelios-Klinik und Leiter des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg hat Schmidt Tausende von Therapeuten und Coaches ausgebildet. Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Milton-Erickson-Preis (2014) und der Life Achievement Award (2011).
Die schicksalhafte Begegnung im Garten von Phoenix
Stell Dir vor, es ist 1979. Ein junger deutscher Arzt sitzt im Garten eines unscheinbaren Hauses in Phoenix, Arizona. Vor ihm: Milton H. Erickson höchstpersönlich, nur wenige Monate vor seinem Tod. Der alte Mann, gezeichnet von einer Lähmung, sitzt im Rollstuhl – und verändert dennoch mit wenigen Worten das Leben des Besuchers für immer.
Was Gunther Schmidt an diesem Tag erlebte, war keine gewöhnliche Therapie-Weiterbildung. Es war die Begegnung mit einem Meister der (indirekten) Kommunikation, der ihm zeigte: Die Lösung liegt nicht im Problem-Analysieren, sondern im Kompetenz-Aktivieren.
Erickson konnte aufgrund seiner Farbenblindheit nur eine Farbe erkennen: Lila. Genau diese Farbe sollte später das Logo des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg prägen – eine lebendige Erinnerung an den Mann, der Schmidt inspirierte, Therapie völlig neu zu denken.
Doch was machte Schmidt aus dieser Begegnung? Nun, er tat etwas, das nur wenige wagen...
Von der Volkswirtschaft zur Seelen-Ökonomie
Kennst Du das Gefühl, wenn Du glaubst, bereits auf dem richtigen Weg zu sein – und dann plötzlich merkst Du, dass da noch etwas Größeres auf Dich wartet?
Gunther Schmidt begann seine akademische Laufbahn mit einem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg. Ein rationaler, analytischer Zugang zur Welt. Zahlen, Modelle, Systeme. Aber irgendetwas fehlte. Die menschliche Dimension. Dies entdeckte er, als er - seiner damaligen Partnerin zuliebe - gemeinsam in Paartherapie (für sie) ging. Eigentlich mit der Idee, dass die Partnerin dann alleine weiter Therapie machte. Aber nach kurzer Zeit hatte die Freundin kein Interesse mehr, er jedoch hatte immer mehr Interesse daran, an sich zu arbeiten und an Therapie an sich.
Also studierte er Medizin - sein volkswirtschaftliches Verständnis sagte ihm, dass er damit die besten Karten hatte, wenn er Psychotherapeut werden will. Dann folgte eine tiefenpsychologische Ausbildung. Dann Familientherapie. Systemische Therapie. Psychodrama. Transaktionsanalyse. Gestalttherapie. Körpertherapien. Schmidt sammelte nicht einfach Ausbildungen wie Briefmarken – er webte aus ihnen ein völlig neues Verständnis von menschlicher Veränderung.
In der legendären "Heidelberger Schule" um Professor Helm Stierlin wurde Schmidt Mitglied einer Pioniergruppe, die in den 1970er Jahren systemische Therapie in Deutschland etablierte. Dort lernte er: Menschen sind keine isolierten Inseln, sondern eingebettet in komplexe Beziehungssysteme.
Doch etwas fehlte noch immer. Die systemische Therapie war brillant darin, Muster zu erkennen – aber wie aktiviert man schnell und nachhaltig Veränderung? Wie nutzt man die verborgenen Kompetenzen, die in jedem Menschen schlummern?
Die Antwort fand Schmidt in Phoenix, bei Milton Erickson.
Die Geburt der Hypnosystemik: Wenn zwei Welten sich vermählen
Nimm an, Du hättest zwei wertvolle Werkzeuge: Ein Mikroskop, das die feinsten Beziehungsmuster sichtbar macht. Und einen Zauberstab, der unbewusste Ressourcen aktiviert. Was würdest Du tun? Genau – Du würdest sie kombinieren.
Anfang der 1980er Jahre begann Schmidt, genau das zu tun. Er entwickelte die Hypnosystemik – eine Integration von systemischer Therapie und Ericksonscher Hypnotherapie. Klingt akademisch? Ist aber eigentlich ganz einfach:
Systemische Therapie fragt: Welche Beziehungsmuster, Kontexte und Wechselwirkungen halten das Problem aufrecht?
Hypnotherapie nach Erickson fragt: Welche unbewussten Kompetenzen und Ressourcen besitzt dieser Mensch bereits – und wie können wir sie reaktivieren?
Hypnosystemik kombiniert beide Fragen zu einer kraftvollen Synthese: Wie nutzen wir das Verständnis von Systemen und Kontexten, um die verborgenen Kompetenzen schnell und nachhaltig zu aktivieren?
Das Geniale daran: Schmidt dachte nicht in Entweder-Oder, sondern in Sowohl-Als-Auch. Er integrierte zusätzlich Elemente aus NLP, Körpertherapie, Logotherapie, Energie-Psychotherapie, EMDR und vielen anderen Ansätzen. Nicht als bunten Methodenmix, sondern als kohärentes Konzept mit einer klaren Philosophie.
Jetzt fragst Du Dich vielleicht: "Was bedeutet das konkret in der Praxis?" Gut, dass Du fragst...
Das Utilisationsprinzip: Oder wie man Gold im Schrott findet
Stell Dir vor, jemand kommt zu Dir ins Coaching und sagt: "Ich bin total blockiert. Ich kann mich nicht entscheiden. Ich bin einfach zu schwach."
Die klassische therapeutische Reaktion? Das Problem analysieren. Die Ursachen erforschen. Die Blockade verstehen.
Schmidts hypnosystemischer Ansatz? Radikal anders.
Er würdigt erst einmal, dass diese "Blockade" ein kompetenter Lösungsversuch für etwas ist. Vielleicht schützt die Unentschlossenheit vor einer falschen Entscheidung? Vielleicht bewahrt die vermeintliche "Schwäche" vor Überforderung?
Das nennt Schmidt das Utilisationsprinzip – eines der kraftvollsten Konzepte, das er von Erickson geerbt und systematisch weiterentwickelt hat. Utilisation bedeutet: Alles, was der Mensch mitbringt – auch das scheinbar Problematische – wird als Ressource genutzt.
Ein Beispiel aus der Coaching-Praxis: Ein Manager leidet unter Perfektionismus. Statt den Perfektionismus zu "bekämpfen", würdigt Schmidt ihn als Ausdruck hoher Qualitätsstandards. Dann stellt er die entscheidende Frage: "Wofür könnten diese hohen Qualitätsstandards in anderen Lebensbereichen noch nützlich sein – und wo könntest Du sie bewusst dosieren?"
Merkst Du den Unterschied? Nicht weg vom Problem, sondern durch das Problem hindurch zur Lösung.
Aber Schmidt ging noch weiter...
Multiple Persönlichkeiten? Wir alle!
"Je nachdem, was durch Fokussierung gerade am meisten assoziiert wird, erleben wir uns entsprechend anders. Wir sind also quasi multiple Persönlichkeiten." – Gunther Schmidt
Das klingt erst mal provokant, oder? Aber überleg mal: Bist Du dieselbe Person, wenn Du mit Deiner besten Freundin lachst, wie wenn Du vor einer wichtigen Präsentation nervös bist? Bist Du identisch mit Dir selbst, wenn Du verliebt bist, verglichen mit dem Moment, wenn Dich jemand kritisiert?
Natürlich nicht! Schmidt nennt es das "Seitenmodell" – eine genial einfache Konzeptualisierungen von Persönlichkeit.
Wir haben alle verschiedene "Seiten" oder "Teile" in uns:
- Die Ressourcen-Seite (die kraftvolle, kompetente)
- Die Symptom-Seite (die leidende, blockierte)
- Die Beziehungs-Seite (wie wir mit anderen in Kontakt gehen)
- Die Emotions-Seite (was wir fühlen)
- Die Zukunfts-Seite (unsere Visionen und Ängste)
Diese Seiten sind nicht statisch und sie können jeden Namen und jedes Etikett tragen. Sie werden durch Fokussierung aktiviert. Wo Deine Aufmerksamkeit hingeht, das wird lebendig.
Ein konkretes Beispiel: Jemand hat Angst vor Vorträgen. In der hypnosystemischen Arbeit würde Schmidt nicht versuchen, die Angst "wegzutherapieren". Stattdessen würde er fragen: "Welche Seite in Dir ist gerade aktiv, wenn die Angst da ist? Und welche andere Seite kennst Du, die in anderen Kontexten schon erfolgreich präsentiert hat?"
Vielleicht erzählt die Person dann von einem Moment, in dem sie im kleinen Kreis brillant erklärt hat, wie man einen Apfelkuchen backt. Diese Kompetenz ist bereits da – sie muss nur auf den neuen Kontext übertragen werden.
Das sind keine Tricks. Das ist Neurobiologie. Unser Gehirn arbeitet in Netzwerken. Welches Netzwerk aktiv ist, hängt davon ab, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken.
Und hier wird es richtig spannend...
Fokussierung: Die Kunst, die Wirklichkeit zu erschaffen
Schmidt hat einen Satz geprägt, der zunächst verstörend klingen mag: "Wir erschaffen unsere Wirklichkeit selbst."
Moment mal, wirst Du jetzt sagen. Was ist mit objektiven Fakten? Mit echtem Leid? Mit Traumata?
Natürlich leugnet Schmidt nicht die Realität von Schmerz und Schwierigkeit. Aber er macht eine wichtige Unterscheidung:
"Weder die Vergangenheit noch die Zukunft bestimmen unser Erleben in der Gegenwart. Vielmehr beeinflusst die Art und Weise, wie man sich in Beziehung setzt zu den erlebten Phänomenen, welche Wirkung Vergangenheit und Zukunft haben dürfen."
Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel. Zwei Menschen können dasselbe Ereignis erleben – und völlig unterschiedlich damit umgehen. Warum? Weil sie ihre Aufmerksamkeit unterschiedlich fokussieren.
Ein Beispiel: Nach einer schwierigen Trennung kann jemand fokussieren auf:
- "Ich bin ein Versager, niemand wird mich je lieben" (problemfokussiert)
- "Diese Beziehung war nicht stimmig, ich habe viel gelernt und bin nun freier für etwas Neues" (lösungsfokussiert)
Beides sind Interpretationen. Keine ist objektiv "wahrer" als die andere. Aber welche Fokussierung führt zu konstruktivem Handeln?
Das ist die Kunst der hypnosystemischen Arbeit: Menschen zu unterstützen, ihre Aufmerksamkeit so zu lenken, dass gewünschtes Erleben aktiviert wird.
Aber wie macht man das konkret? Schmidt entwickelte dafür...
Die hypnosystemische Toolbox: Interventionen mit Präzision
Wenn Du jetzt denkst: "Okay, verstanden. Aber wie setze ich das um?" – dann bist Du hier richtig.
Schmidt hat in 50 Jahren eine beeindruckende Methodenvielfalt entwickelt. Nicht als Sammlung von Tricks, sondern als systematisches Interventionsrepertoire. Hier einige zentrale Elemente:
1. Trancephänomene im Alltag erkennen
Hypnose ist nicht das, was Du aus Bühnen-Shows kennst. Trance ist ein alltägliches Phänomen. Jedes Mal, wenn Du in einem Buch versunken bist und die Zeit vergisst – Trance. Wenn Du in Gedanken Auto fährst und nicht merkst, wie Du nach Hause gekommen bist – Trance.
Auch Problemerleben ist Trance! Wenn jemand in Angst "gefangen" ist, fokussiert er unwillkürlich auf bedrohliche Aspekte. Schmidt nutzt dieses Verständnis, um gezielt Lösungs-Trancen zu induzieren.
2. Kompetenz-Archäologie
Schmidt ist wie ein Archäologe, der nach verborgenen Schätzen gräbt. Nur dass die Schätze nicht in der Erde liegen, sondern im unbewussten Erfahrungsrepertoire des Menschen.
Eine typische Frage: "Wann gab es mal eine Situation – vielleicht ganz anders als jetzt –, in der Du genau die Fähigkeit gezeigt hast, die Du jetzt brauchst?"
Die Person erinnert sich vielleicht an einen Moment in der Kindheit, in dem sie mutig einen Hund weggejagt hat. Diese Kompetenz ist noch da – sie muss nur reaktiviert werden.
3. Das Prinzip der Unterschiedsbildung
"Eine Musteränderung auf einer Ebene kann das ganze Problemmuster verändern", sagt Schmidt.
Stell Dir vor, jemand erlebt immer wieder dasselbe Muster: Konflikte eskalieren, weil er zu schnell wütend wird. Klassische Therapie würde versuchen, die Wut zu kontrollieren.
Schmidt fragt anders: "Auf welcher Ebene könnte eine kleine Veränderung das ganze Muster kippen?"
Vielleicht verändert sich das Muster, wenn die Person lernt, die körperlichen Frühwarnzeichen der Wut wahrzunehmen (körperliche Ebene). Oder wenn sie den inneren Dialog vor der Wut verändert (kognitive Ebene). Oder wenn sie die Wut als Ausdruck einer verletzten Seite würdigt (emotionale Ebene).
Es braucht oft nur einen geschickten Hebel – nicht das "Durcharbeiten" des ganzen Problems.
4. Bifokal-multisensorische Interventionen
Das ist ein sperriger Begriff für etwas Geniales. "Bifokal" bedeutet: Gleichzeitig zwei Fokusse halten – Problem UND Ressource.
Praktisch sieht das so aus: Jemand erzählt von einer belastenden Erinnerung. Statt nur das Belastende zu betrachten, wird dabei das innere Bild verändert (z.B. in schwarzweiß) oder es werden Augebewegungsmuster (EMDR, EMI, wingwave,...) dazu genutzt, oder die Körperhaltung und Bewegung wird dabei gezielt (in Richtung Ressourcenorientierung) verändert"
Das aktiviert parallel Sicherheit und Stabilität. Die belastende Erinnerung wird nicht verdrängt, aber neu kontextualisiert.
Und "multisensorisch"? Schmidt integriert alle Sinneskanäle: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken. Unser Unbewusstes denkt nicht in Worten, sondern in sinnlichen Bildern.
Das bringt uns zu einer der spannendsten Entwicklungen in Schmidts Arbeit...
Von der Theorie zur Praxis: Die sysTelios-Klinik
Schmidt ist kein Theoretiker im Elfenbeinturm. Er ist jemand, der seine Konzepte radikal in die Praxis bringt.
2007 gründete er die sysTelios-Klinik in Siedelsbrunn im Odenwald – eine Privatklinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung, die komplett nach hypnosystemischen Prinzipien organisiert ist.
Was bedeutet das konkret?
Nicht nur die Therapie ist hypnosystemisch – die gesamte Organisationsstruktur ebenfalls.
Die Klinik arbeitet mit intensiver Mitbeteiligung aller Mitarbeiter:innen an Entscheidungsprozessen. Hierarchien sind flach. Sinngestaltung ist gemeinsam. Die Organisation selbst wird zum "lernenden System".
Warum? Weil Schmidt erkannt hat: Wenn wir Menschen in Therapie lehren, ihre Kompetenzen zu aktivieren und selbstwirksam zu sein – wie können wir sie dann in Strukturen behandeln, die genau das Gegenteil vermitteln?
Die sysTelios-Klinik ist in dieser Form ihrer Selbstorganisation im Bereich von Klinik-Organisationen einzigartig. Und die Ergebnisse? Beeindruckend. Auch Menschen mit langwierigen leidvollen Erlebnismustern zeigen oft in kurzer Zeit konstruktive Entwicklungen.
Das zeigt: Hypnosystemik funktioniert nicht nur in der Einzelsitzung, sondern auch als Organisationsprinzip.
Aber Schmidt ging noch weiter...
Vom Therapiezimmer in den Vorstandsetage: Hypnosystemisches Coaching
Viele glauben, Hypnose und systemische Arbeit gehören nur ins Therapiezimmer. Schmidt zeigte: Das Gegenteil ist der Fall.
Seit über 20 Jahren arbeitet er in der Organisationsberatung, im Coaching und in der Teamentwicklung. Er ist Mitbegründer des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC) und hat Hunderte von Führungskräften und Coaches ausgebildet.
Was macht hypnosystemisches Coaching anders?
Es geht nicht um "Problembehebung", sondern um Kompetenzaktivierung
Ein Beispiel: Eine Führungskraft hat Konflikte im Team. Nun könnte man analysieren: Was läuft falsch? Welche Fehler macht die Führungskraft?
Hypnosystemisches Coaching fragt: In welchen Kontexten gelingt Führung bereits? Welche Kompetenzen sind schon da, aber vielleicht noch nicht optimal genutzt? Wie kann die Führungskraft ihre unbewussten Stärken bewusster einsetzen?
Es würdigt die Komplexität von Organisationen
Systeme sind komplex. Es gibt nie "die eine" Ursache für ein Problem. Schmidt arbeitet deshalb kontextbezogen und zirkulär. Er schaut nicht nur auf die Person, sondern auf das gesamte Beziehungsnetz.
Es nutzt Trance-Phänomene auch im Business-Kontext
Auch Führungskräfte erleben Trance-Zustände. Wenn jemand vor einer wichtigen Entscheidung blockiert ist, aktiviert er unwillkürlich bestimmte Muster. Schmidt hilft, diese Muster zu erkennen und umzufokussieren.
Eine seiner zentralen Botschaften für Organisationen: "Die Klinik/Organisation als lernende Organisation" – ein Konzept, das er in seinem Aufsatz "Die Klinik als ritueller Raum der Kompetenz-Fokussierung" ausgearbeitet hat.
Das bedeutet: Organisationen sollten so gestaltet sein, dass Menschen:
- Wertschätzung und Achtung erleben
- Ihre Kompetenzen wirksam einbringen können
- In Entscheidungsprozesse einbezogen werden
- Autonomie UND Zugehörigkeit leben können
- Im Herzen berührt werden und über das eigene Ich hinaus zu einem höheren Sinn beitragen
Klingt utopisch? Schmidt zeigt: Es funktioniert. In der sysTelios-Klinik. In Unternehmen. In Teams.
Jetzt wirst Du vielleicht fragen...
Was hat das mit Dir zu tun? Hypnosystemik im Coaching-Alltag
Du bist Coach oder arbeitest mit Menschen? Dann ist Schmidts Ansatz Gold wert. Hier ein paar praktische Impulse:
1. Höre auf, nach Defiziten zu suchen
Unser Bildungssystem trainiert uns darauf, Fehler zu finden. Was fehlt? Was läuft falsch? Was muss korrigiert werden?
Schmidt dreht das um: Was ist schon da? Wo funktioniert es bereits? Welche Kompetenzen zeigt dieser Mensch, auch wenn er sie vielleicht nicht als solche benennt?
Diese Haltung allein verändert schon die Beziehung zu Deinem Coachee radikal.
2. Utilisiere das "Problem"
Statt das Problem zu bekämpfen, frage: "Wofür könnte dieses Verhalten/Gefühl/Muster ein Lösungsversuch sein?"
- Prokrastination? Vielleicht Schutz vor Überforderung.
- Perfektionismus? Ausdruck hoher Qualitätsansprüche.
- Rückzug? Selbstfürsorge in stressigen Zeiten.
Wenn Du das würdigst, wird Veränderung leichter. Weil der Mensch nicht mehr gegen sich selbst kämpft.
3. Arbeite mit Trancephänomenen
Achte darauf, wann Dein Coachee "in Trance geht" – also unwillkürlich fokussiert. Das erkennst Du an:
- Veränderter Mimik
- Langsamerer Atmung
- Weiterem oder engerem Fokus
- Veränderter Stimme
In diesen Momenten ist das Unbewusste aktiv. Genau dann kannst Du ressourcenorientierte Suggestionen einstreuen.
4. Nutze das Seitenmodell
Frage Deinen Coachee: "Welche Seite in Dir ist gerade aktiv?" Und dann: "Welche andere Seite kennst Du, die anders mit dieser Situation umgehen könnte?"
Das macht Veränderung konkret und erlebbar. Menschen spüren sofort: "Ich bin nicht mein Problem. Ich habe verschiedene Seiten – und ich kann wählen, welche ich aktiviere."
5. Fokussiere auf den Möglichkeitsraum
Schmidt spricht vom "Möglichkeitsraum" – einem imaginären Raum, in dem alles möglich ist. Ein Ort der Kreativität und des Potenzials.
Lade Deinen Coachee ein: "Stell Dir vor, es gäbe keine Grenzen. Was würdest Du dann tun? Wie würdest Du Dich fühlen?"
Diese scheinbar simple Frage öffnet neue neuronale Netzwerke. Und manchmal ist genau das der Schlüssel zur Veränderung.
Aber nicht nur im Coaching ist Schmidts Arbeit relevant...
Die gesellschaftliche Dimension: Hypnosystemik als demokratisches Prinzip
Für Schmidt ist Hypnosystemik mehr als eine Therapie-Methode. Es ist eine Haltung. Eine Lebensphilosophie. Und letztlich auch ein politisches Statement.
In einem seiner jüngsten Blog-Beiträge schreibt er: "Unsere Demokratie braucht uns! Helfen wir uns und ihr durch aktives Handeln für sie."
Was meint er damit?
Hypnosystemik basiert auf der Grundannahme: Jeder Mensch verfügt über Kompetenzen. Jeder Mensch ist Experte für sein eigenes Leben. Jeder Mensch sollte als gleichrangiger Kooperationspartner behandelt werden.
Das ist das Gegenteil von autoritären Strukturen. Es ist das Gegenteil von "Experten wissen besser, was gut für Dich ist".
In diesem Sinne ist hypnosystemische Arbeit auch gesellschaftspolitische Arbeit im Dienste der Stärkung demokratischer Prinzipien in einer pluralistischen, achtungsvollen Gesellschaft.
Schmidt geht es um:
- Gegenseitige Achtung und Wertschätzung
- Mitmenschliche und ökologische Verantwortungsbereitschaft
- Sinnerfüllung für jeden Einzelnen
- Partizipation an Entscheidungen
- Würdigung von Vielfalt
Das sind nicht nur noble Ideale. Das sind Prinzipien, die er konkret lebt – in der sysTelios-Klinik, im Milton-Erickson-Institut, in seinen Seminaren.
Und vielleicht ist das die wichtigste Lektion von Gunther Schmidt...
Was bleibt? Ein Vermächtnis, das wirkt
Gunther Schmidt ist 1945 geboren – mittlerweile über 80 Jahre alt. Aber sein Schaffen ist quicklebendig.
Er bildet noch immer aus. Er schreibt Blog-Beiträge. Er entwickelt Apps (BIGsysther) für hypnosystemische Selbsthilfe. Er hält Vorträge. Er forscht.
Warum? Weil er eine Vision hat.
Seine leitende Vision, in seinen eigenen Worten: "Es so kongruent und tatkräftig, wie es möglich ist, zu einer Welt gegenseitiger Achtung, Wertschätzung, mitmenschlicher und ökologischer Verantwortungsbereitschaft und Sinnerfüllung beizutragen."
Das ist kein Marketing-Sprech. Das ist das, was ihn antreibt. Jeden Tag.
Was kannst Du von Gunther Schmidt lernen?
-
Integration statt Entweder-Oder: Schmidt hat nie einen Ansatz verworfen, um einen anderen zu umarmen. Er integriert.
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Kompetenzfokus statt Defizitorientierung: Menschen haben mehr Ressourcen, als sie wissen. Diese zu aktivieren ist kraftvoller als Defizite zu analysieren.
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Utilisation statt Bekämpfung: Auch das scheinbar Problematische ist ein Lösungsversuch – und kann genutzt werden.
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Kontextbezug statt Isolierung: Menschen sind eingebettet in Systeme. Diese zu verstehen ist essenziell.
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Praxis statt Theorie: Schmidt ist kein Schreibtisch-Theoretiker. Alles, was er lehrt, hat er selbst tausendfach erprobt.
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Gesellschaftliche Verantwortung: Therapie und Coaching sind nicht unpolitisch. Sie tragen bei zu einer humaneren Welt.
Und vielleicht die wichtigste Lektion: "Da alles Erleben Ergebnis und Ausdruck von Fokussierung ist, wird zur zentralen Frage: Wohin sollten wir den Fokus lenken, so dass ein gewünschtes Erleben zieldienlich aktiviert wird?"
Das ist die Essenz von 40 Jahren hypnosystemischer Arbeit. Komprimiert in einen Satz.
Wo ist Dein Fokus gerade? Was möchtest Du erleben? Welche Kompetenzen schlummern in Dir, bereit, aktiviert zu werden?
Gunther Schmidt hat gezeigt: Die Antworten liegen nicht in der Vergangenheit. Nicht in der Zukunft. Sie liegen in der Art, wie wir uns JETZT in Beziehung setzen zu dem, was ist.
Und das, genau das, kannst Du ab heute anders machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Gunther Schmidt ist der Begründer der Hypnosystemik, einer Integration von systemischer Therapie und Ericksonscher Hypnotherapie
- Geboren 1945, studierte Volkswirtschaft und Medizin, absolvierte zahlreiche Weiterbildungen und traf 1979 Milton Erickson persönlich
- Seit den 1980er Jahren entwickelt er das hypnosystemische Konzept kontinuierlich weiter und integriert Elemente aus NLP, Körpertherapie (Hakomie), EMDR und vielen anderen Ansätzen
- Zentrale Annahme: Menschen verfügen über weitaus mehr Kompetenzen, als ihnen bewusst ist – diese müssen reaktiviert werden
- Das Utilisationsprinzip besagt: Auch scheinbar Problematisches wird als Ressource genutzt
- Das Seitenmodell zeigt: Wir sind "multiple Persönlichkeiten" – welche Seite aktiv ist, hängt von unserer Fokussierung ab
- Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios-Klinik und Leiter des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg
- Seine Arbeit wird international angewendet in Therapie, Coaching, Organisationsentwicklung und Mediation
- Auszeichnungen: Life Achievement Award (2011), MEG-Preis (2014), Coaching Award (2019)
- Seine Vision: Beitrag zu einer Welt gegenseitiger Achtung, Wertschätzung und Sinnerfüllung
Häufige Fragen (FAQ)
Wer ist Gunther Schmidt?
Gunther Schmidt ist Facharzt für psychosomatische Medizin, Diplom-Volkswirt und der Begründer der Hypnosystemik. Er gilt international als einer der maßgeblichen Pioniere in der Integration von systemischen Modellen und Ericksonscher Hypnotherapie. Seit den 1980er Jahren prägt er mit seinem Ansatz Therapie, Coaching und Organisationsentwicklung weltweit.
Was ist Hypnosystemik?
Hypnosystemik ist ein von Gunther Schmidt entwickelter integrativer Ansatz, der systemische Therapie mit Ericksonscher Hypnotherapie kombiniert. Das Konzept nutzt systemisches Verständnis von Beziehungsmustern und Kontexten, um unbewusste Kompetenzen und Ressourcen schnell und nachhaltig zu reaktivieren. Zusätzlich integriert Schmidt Elemente aus NLP, Körpertherapie, Psychodrama und vielen anderen Ansätzen.
Wie unterscheidet sich Hypnosystemik von klassischer Hypnose?
Klassische Hypnose arbeitet oft mit direkten Suggestionen und Trance-Induktionen. Hypnosystemik versteht Trance als alltägliches Phänomen und nutzt diese Erkenntnis systematisch. Sie fokussiert weniger auf "Trance-Zustände" als auf die Frage: Wie lenken wir Aufmerksamkeit so, dass Lösungskompetenzen aktiviert werden? Zudem berücksichtigt Hypnosystemik immer den systemischen Kontext – also Beziehungen, Organisationen, Ökosysteme.
Was ist das Utilisationsprinzip?
Das Utilisationsprinzip besagt: Alles, was ein Mensch mitbringt – auch das scheinbar Problematische – wird als Ressource genutzt. Statt ein "Problem" zu bekämpfen, fragt hypnosystemische Arbeit: Wofür ist dieses Verhalten/Gefühl/Muster ein Lösungsversuch? Wie kann es würdigend genutzt werden? Ein Beispiel: Perfektionismus wird nicht als Schwäche gesehen, sondern als Ausdruck hoher Qualitätsstandards, die in anderen Kontexten hilfreich sein können.
Was ist das Seitenmodell nach Gunther Schmidt?
Das Seitenmodell geht davon aus, dass unsere Persönlichkeit aus verschiedenen "Seiten" oder "Teilen" besteht (Ressourcen-Seite, Symptom-Seite, Beziehungs-Seite, Emotions-Seite, Zukunfts-Seite usw.). Je nachdem, was durch Fokussierung gerade am meisten assoziiert wird, erleben wir uns anders. "Wir sind also quasi multiple Persönlichkeiten", sagt Schmidt. Diese Erkenntnis macht Veränderung konkret: Wir können wählen, welche Seite wir aktivieren.
Wo arbeitet Gunther Schmidt heute?
Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios-Privatklinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung in Waldmichelbach-Siedelsbrunn. Zudem leitet er das Milton-Erickson-Institut Heidelberg (Meihei) und ist als Beirat und Dozent bei der wilob AG in der Schweiz tätig. Er gibt international Seminare, hält Vorträge und bildet Therapeuten, Coaches und Berater aus.
Was ist die sysTelios-Klinik?
Die sysTelios-Klinik ist eine 2007 von Gunther Schmidt mitgegründete Privatklinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung in Siedelsbrunn im Odenwald. Sie arbeitet komplett nach hypnosystemischen Prinzipien – nicht nur in der Therapie, sondern auch in der Organisationsstruktur. Die Klinik zeichnet sich durch flache Hierarchien, intensive Mitarbeiterbeteiligung an Entscheidungsprozessen und eine konsequente Kompetenzorientierung aus.
Für wen ist Hypnosystemik geeignet?
Hypnosystemik ist vielseitig anwendbar: In der Psychotherapie bei Depressionen, Angststörungen, Zwängen, Traumata, psychosomatischen Beschwerden und Suchtproblemen. Im Coaching bei Führungsthemen, Entscheidungssituationen, Konflikten und Persönlichkeitsentwicklung. In der Organisationsentwicklung für Teamprozesse, Change-Management und Unternehmenskultur. Der Ansatz eignet sich für alle, die ihre vorhandenen Kompetenzen besser nutzen und neue Lösungswege finden möchten.
Kann ich Hypnosystemik lernen?
Ja! Das Milton-Erickson-Institut Heidelberg (Meihei) bietet verschiedene Curricula an: Für klinische Hypnose (KliHyp), medizinische Hypnose (MedHyp) und Organisationsentwicklung (Orga). Es gibt Basis-, Aufbau- und Zertifizierungskurse. Auch die wilob AG in der Schweiz bietet Weiterbildungen mit Gunther Schmidt an. Die Ausbildungen richten sich an Therapeuten, Ärzte, Psychologen, Coaches, Berater und OE-Experten.
Was bedeutet "Fokussierung" in der Hypnosystemik?
Fokussierung meint: Wo wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken, bestimmt unser Erleben. "Da alles Erleben Ergebnis und Ausdruck von Fokussierung ist", sagt Schmidt, "wird zur zentralen Frage: Wohin sollten wir den Fokus lenken, so dass ein gewünschtes Erleben zieldienlich aktiviert wird?" Problemerleben entsteht durch problemfokussierte Aufmerksamkeit, Lösungserleben durch lösungsfokussierte Aufmerksamkeit. Hypnosystemik hilft, Fokussierung bewusst zu gestalten.
Was ist der Möglichkeitsraum?
Der Möglichkeitsraum ist ein von Gunther Schmidt genutztes Konzept: Ein imaginärer Raum, in dem alles möglich ist. Ein Ort der Kreativität und des Potenzials. In der therapeutischen oder Coaching-Arbeit lädt Schmidt Menschen ein, sich vorzustellen: "Wenn es keine Grenzen gäbe – was würdest Du tun? Wie würdest Du Dich fühlen?" Diese Frage öffnet neue neuronale Netzwerke und macht Veränderung erlebbar.
Wie unterscheidet sich Hypnosystemik von NLP?
Beide Ansätze teilen die Kompetenzorientierung und die Arbeit mit unbewussten Mustern. Hypnosystemik geht jedoch systematischer vor: Sie integriert systemische Perspektiven (Beziehungen, Kontexte, Organisationen) und nutzt Trance-Phänomene differenzierter. NLP hat oft einen stärkeren Technik-Fokus, Hypnosystemik betont stärker Haltung und Würdigung. Schmidt hat NLP-Elemente in sein Konzept integriert, aber deutlich erweitert und theoretisch fundiert.
Was hat Gunther Schmidt mit Milton Erickson zu tun?
1979 besuchte Gunther Schmidt Milton Erickson persönlich in Phoenix, Arizona – nur wenige Monate vor Ericksons Tod. Diese Begegnung prägte Schmidt fundamental. Er übernahm Ericksons Kompetenzfokussierung, Utilisationsprinzip und indirekte Kommunikation, verband sie aber mit systemischen Konzepten zu etwas Neuem: der Hypnosystemik. Schmidt leitet das Milton-Erickson-Institut Heidelberg und war über 20 Jahre zweiter Vorsitzender der Milton-Erickson-Gesellschaft (MEG).
Was ist die "Heidelberger Schule"?
Die "Heidelberger Schule" ist eine Gruppe von Therapeuten um Professor Helm Stierlin, die ab Mitte der 1970er Jahre systemische Therapie in Deutschland etablierte. Gunther Schmidt war von Anfang an Mitglied dieser Pioniergruppe. Hier lernte er, Menschen nicht isoliert zu betrachten, sondern eingebettet in Beziehungssysteme. Diese systemische Perspektive kombinierte er später mit Ericksonscher Hypnotherapie zur Hypnosystemik.
Welche Auszeichnungen hat Gunther Schmidt erhalten?
Gunther Schmidt wurde mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet: 2011 erhielt er den Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche, 2014 den Milton-Erickson-Preis (MEG-Preis) und 2019 den Coaching Award für besondere Verdienste im Bereich des Coachings. Diese Auszeichnungen würdigen seine über 40-jährige Pionierarbeit in Therapie, Coaching und Organisationsentwicklung.
Kann Hypnosystemik auch im Business-Kontext angewendet werden?
Absolut! Schmidt arbeitet seit über 20 Jahren in der Organisationsberatung, im Coaching und in der Teamentwicklung. Er ist Mitbegründer des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC). Hypnosystemisches Coaching fokussiert auf Kompetenzaktivierung statt Problemanalyse, würdigt Komplexität von Organisationen und nutzt Trance-Phänomene auch im Business-Kontext. Themen sind z.B. Führung, Entscheidungsfindung, Konfliktmanagement, Change-Prozesse.
Was ist die BIGsysther App?
BIGsysther ist eine von Gunther Schmidt entwickelte App für hypnosystemische Selbsthilfe. Sie richtet sich an Menschen, die psychotherapeutische Unterstützung suchen, aber keinen Zugang zu Präsenzterminen haben. Die App soll hypnosystemische Konzepte zugänglich machen und Menschen helfen, ihre Kompetenzen selbst zu aktivieren. Die App befindet sich noch in der Entwicklung.
Welche Bücher hat Gunther Schmidt geschrieben?
Zu Schmidts wichtigsten Werken gehören: "Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung" (2005), "Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten" (2004), "Reden reicht nicht?! Bifokal-multisensorische Interventionsstrategien für Therapie und Beratung" (2016, mit Michael Bohne u.a.), "Alkoholabhängigkeit" (2017, mit Rudolf Klein) sowie "Gut beraten in der Krise" (2010).
Was bedeutet "bifokal-multisensorisch"?
"Bifokal" bedeutet: Gleichzeitig zwei Fokusse halten – Problem UND Ressource. Beispiel: Jemand erzählt von einer belastenden Erinnerung und spürt gleichzeitig, wie die Füße fest auf dem Boden stehen. So wird Belastendes nicht verdrängt, aber neu kontextualisiert. "Multisensorisch" meint: Alle Sinneskanäle einbeziehen (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken), da unser Unbewusstes in sinnlichen Bildern statt in Worten denkt.
Wie steht Hypnosystemik zur klassischen Psychoanalyse?
Während die Psychoanalyse oft defizitorientiert arbeitet und nach Ursachen in der Vergangenheit sucht, ist Hypnosystemik kompetenzorientiert und zukunftsgerichtet. Schmidt sagt: "Weder die Vergangenheit noch die Zukunft bestimmen unser Erleben in der Gegenwart." Entscheidend ist, wie wir uns JETZT in Beziehung setzen zu dem, was war oder sein wird. Hypnosystemik würdigt die Vergangenheit, fokussiert aber auf vorhandene Lösungskompetenzen.
Möchtest Du Hypnosystemik selbst erleben?
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Quellen
Schmidt, G. (2005). Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.
Schmidt, G. (2004). Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.
Schmidt, G., Bohne, M., Ohler, M., & Trenkle, B. (2016). Reden reicht nicht?! Bifokal-multisensorische Interventionsstrategien für Therapie und Beratung. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.