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Hypnose bei PTBS: was 6 Studien mit 391 Menschen zeigen
Eine Straße, in die jemand seit vier Jahren nicht mehr abbiegt. Ein Geräusch im Treppenhaus, nach dem der Puls hochschießt, obwohl nur der Nachbar die Tür zugezogen hat. Ein Film, der sich nachts von selbst startet. Vermeidung und Intrusion heißen diese zwei Dinge in der Traumaforschung, und sie sind die Messgrößen, um die es hier geht. Über 6 Studien mit 391 Teilnehmern fand eine Meta-Analyse nach hypnotherapeutischer Behandlung einen großen Effekt auf genau diese Symptome: Cohen's d = 1,18.
Ich (Marian Zefferer) habe bei dieser Arbeit länger gebraucht als bei anderen, bis ich wusste, was ich von ihr halte. Die Zahl ist die größte, die mir in der ganzen Hypnoseforschung begegnet ist. Die Datenbasis ist die schmalste. Beides stimmt gleichzeitig, und genau das macht sie lehrreich. Sie ist eine von über 280 Arbeiten, die ich in der Hypnose-Forschung mit Studien im Überblick gesammelt habe, und steht dort im Block zu Angst, Depression und Trauma.
Was untersucht wurde
Siobhan O'Toole und ihr Team wollten wissen, was hypnotherapeutische Techniken bei Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung bewirken. Die Suche lief über 29 Datenbanken, also deutlich breiter als üblich.
Dann kommt die Zahl, die über diese Arbeit mehr aussagt als jede Effektstärke: 81 Arbeiten zu Hypnose und PTBS wurden gesichtet. Sechs erfüllten die Einschlusskriterien. Alle übrigen 75 waren Fallberichte, Theorieaufsätze, Behandlungsbeschreibungen, Diskussionsbeiträge. Nach über einem halben Jahrhundert Hypnosearbeit mit Traumatisierten blieben sechs auswertbare Studien mit zusammen 391 Teilnehmern.
Ausgewertet wurden drei Dinge getrennt: Vermeidung, Intrusion und die PTBS-Symptomatik insgesamt.
Was herauskam
Alle sechs Studien zeigten nach der Hypnosebehandlung eine Verbesserung der PTBS-Symptome. Nicht eine fiel aus der Richtung.
Gesamteffekt über 6 Studien und 391 Teilnehmer: Cohen's d = 1,18 (p < 0,001).
In Alltagssprache: Dem durchschnittlichen Teilnehmer aus der Hypnosegruppe ging es hinterher besser als etwa 88 von 100 Menschen aus den Vergleichsgruppen. Zum Vergleich: Die großen Meta-Analysen zur Hypnose bei Schmerz oder rund um Operationen liegen bei Werten zwischen 0,4 und 0,6, der Zusatzeffekt zur Verhaltenstherapie bei Ramondo bei 0,25 bis 0,59. Ein Wert von 1,18 ist in diesem Feld ein Ausreißer nach oben.
Die Autoren haben noch etwas geprüft. Die Effektstärken schwankten je nach Studienqualität, blieben aber in jeder Qualitätsstufe groß und statistisch abgesichert. Der schwächere Teil der Studien zog das Ergebnis also nicht allein nach oben.
Zum Publikationsbias rechneten sie den klassischen Fail-safe N: Es bräuchte 290 unveröffentlichte Studien ohne Effekt, um dieses Ergebnis zu neutralisieren. Das klingt beeindruckend und ist mit Vorsicht zu lesen, dazu unten mehr.
Was das für Deine Praxis heißt
Trauma gehört in fachliche Behandlung. Trotzdem steckt in dieser Arbeit etwas, das jeder brauchbar findet, der mit Menschen arbeitet.
Vermeidung und Intrusion wurden getrennt gemessen, weil sie zwei verschiedene Bewegungen sind. Intrusion heißt: Das Vergangene kommt ungefragt ins Jetzt. Vermeidung heißt: Der Mensch räumt sein Leben um die Erinnerung herum. Beide haben dieselbe Ursache, der eine Mechanismus ist aber laut und der andere still. Nach dem lauten wirst Du gefragt. Den stillen findest Du nur, wenn Du nachfragst.
Der Satz dafür kostet Dich zehn Sekunden, und Du kannst ihn morgen sagen:
„Was machst Du seit damals nicht mehr?"
Die Antwort kommt ruhig und sie kommt konkret. Jemand fährt nicht mehr Autobahn. Jemand geht nicht mehr allein einkaufen. Jemand ruft seine Mutter nur noch mittags an. Du hast damit eine Landkarte der Vermeidung, in seinen Worten, und zwar ohne das Ereignis selbst zu berühren.
Hier greift das Kontextprinzip aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien. Der Kontext entscheidet, was ein Mensch erleben kann. Wer über die Autobahn spricht, während er sicher im Sessel sitzt, erlebt die Autobahn anders als auf der Autobahn. Genau diesen Abstand bauen die Verfahren auf, die in diesen sechs Studien eingesetzt wurden. Welche Methoden dabei zum Einsatz kommen, habe ich bei der Traumabehandlung mit Hypnose aufgeschrieben.
Grenzen der Studie
Sechs Studien. 391 Teilnehmer. Eine Effektstärke von 1,18 aus dieser Basis ist ein Hinweis mit großer Streuung. Käme morgen eine siebte, große, saubere Studie dazu, könnte der Wert deutlich fallen.
Der Fail-safe N von 290 wirkt stärker, als er ist. Diese Methode gilt seit Jahren als überholt, weil sie von Studien ohne jeden Effekt ausgeht und nicht von Studien mit kleinen Effekten. Die moderneren Verfahren zur Prüfung des Publikationsbias setzen voraus, dass genug Studien vorliegen. Bei sechs geht das nicht.
„Hypnotherapeutische Techniken" ist über sechs Studien hinweg kein einheitliches Vorgehen. Meist kam Hypnose zu einer laufenden Psychotherapie hinzu. Was der Hypnoseanteil für sich beigetragen hat, lässt sich aus diesen Zahlen nicht herauslösen. Wie diese Debatte grundsätzlich läuft, liest Du unter State- und Non-State-Theorie.
Die Arbeit ist von 2016 und wurde nicht aktualisiert. In den Behandlungsleitlinien zur PTBS stehen traumafokussierte Verhaltenstherapie und EMDR an erster Stelle, mit einer viel breiteren Datenbasis.
In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten dem Heilpraktiker- und Heilberufsrecht vorbehalten, in Österreich greift das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz gilt kantonales Recht. Eine posttraumatische Belastungsstörung ist eine Diagnose und gehört in die Hände von Psychotherapeuten und Ärzten. Als Coach arbeitest Du an Zielen, Ressourcen und am Alltag, siehe auch Hypnose bei Angst.
Häufige Fragen
Wie gut wirkt Hypnose bei PTBS? In der Meta-Analyse von O'Toole und Kollegen lag der Gesamteffekt über 6 Studien mit 391 Teilnehmern bei Cohen's d = 1,18 und war statistisch abgesichert. Das ist ein großer Effekt auf einer schmalen Datenbasis von sechs Studien.
Warum sind es nur sechs Studien? Von 81 gesichteten Arbeiten zu Hypnose und PTBS erfüllten nur sechs die Einschlusskriterien. Der Rest waren Fallberichte und Theoriebeiträge. Das sagt mehr über den Zustand der Forschung als über die Wirkung.
Ersetzt Hypnose eine Traumatherapie? Nein. In diesen Studien kam Hypnose überwiegend zu einer laufenden Psychotherapie hinzu. Wie Du hypnotische Sprache sauber in eine Begleitung einbaust, übst Du im Hypnose-Practitioner.
Fazit
Die größte Effektstärke der Hypnoseforschung steht auf den dünnsten Beinen. Für mich ist das keine Enttäuschung. Es ist eine Einladung: Sechs auswertbare Studien bei einem Störungsbild, das Millionen betrifft, heißt, dass hier fast alles noch zu tun ist.
Was bleibt, ist die stille Hälfte. Angenommen, Du würdest bei Deinen nächsten fünf Gesprächen einmal nach dem fragen, was jemand seit damals nicht mehr macht. Was würdest Du erfahren, das Dir bisher entgangen ist?
Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im Gespräch aufbaust, lernst Du im Hypnose-Practitioner.
Quelle
- O'Toole, S. K., Solomon, S. L., & Bergdahl, S. A. (2016). A Meta-Analysis of Hypnotherapeutic Techniques in the Treatment of PTSD Symptoms. Journal of Traumatic Stress, 29(1), 97-100. https://doi.org/10.1002/jts.22077
Siehe auch
- Hypnose-Forschung: Studien im Überblick — Der Sammelartikel mit allen Studien, nach Themenbereich und Evidenzstufe sortiert.
- Traumabehandlung mit Hypnose — Welche Methoden der Hypnosetherapie bei Traumata eingesetzt werden und wie sie aufgebaut sind.
- Hypnose plus Verhaltenstherapie: der Effekt hält länger — Meta-Analyse Ramondo et al. 2021: 48 Vergleiche mit 1.928 Patienten, und im Follow-up wächst der Vorsprung.
- Hypnose plus Verhaltenstherapie: was 18 Studien über den Zusatzeffekt zeigen — Meta-Analyse Kirsch et al. 1995, der Klassiker zum Zusatzeffekt von Hypnose in der Psychotherapie.
- Angst: Behandlung mit Hypnose — Wie Hypnose bei Ängsten und Angststörungen eingesetzt wird, mit Abgrenzung zur fachlichen Behandlung.
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.
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