Inhaltsverzeichnis
- Schmerz, OP und Medizin
- Angst, Depression und Psyche
- Selbsthypnose und Allergien
- Suggestion und Erwartung
- Sprache und Kommunikation
- Die Evidenz nach Anwendungsfeld
- Operationen und medizinische Eingriffe
- Chronischer Schmerz und Fibromyalgie
- Reizdarm und Verdauung
- Kinder und Jugendliche
- Angst, Depression und Trauma
- Hirnforschung und Mechanismen
- Onkologie
- Geburt und Schwangerschaft
- Wechseljahre und Hitzewallungen
- Gewicht, Rauchen und Sucht
- Schlaf, Stress und Alltag
- Haut, Allergie und Zahnmedizin
- Gesamt-Meta-Analysen und Übersichten
- Selbsthypnose, Apps und Leistung
- Wo die Evidenz dünn ist
- Was das für die Praxis heißt
- Häufige Fragen
Hypnose-Forschung: Die wichtigsten Studien im Überblick
Von Marian Zefferer, MSc - Psychologe & Hypnose-Lehrtrainer (WHO) · Zuletzt aktualisiert: September 2026
Was sagt die Forschung zur Wirksamkeit von Hypnose? Kurz: Hypnose ist eines der am besten untersuchten psychologischen Verfahren und in Deutschland seit 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als evidenzbasiert anerkannt. Kontrollierte Studien zeigen unter anderem 50 Prozent weniger Opioide nach Operationen, 53 Prozent Responder bei Reizdarm und Gleichwertigkeit mit kognitiver Verhaltenstherapie bei Depression und PTBS.
Kurz gesagt: Auf dieser Seite findest Du 254 Studien mit Ergebniszahlen. Den Anfang machen 19 aktuelle Studien mit konkreten Ergebniszahlen, thematisch sortiert: Schmerz und Medizin, Angst und Psyche, Selbsthypnose und Allergien, Suggestion und Erwartung sowie die Wirkung von Sprache. Jede Studie mit Kernbefund, kurzem Kontext und Quelle. Ich (Marian Zefferer) kuratiere diese Liste laufend.
Schmerz, OP und Medizin
Patienten, die vor einer Schulter-OP eine Hypnose-Audioaufnahme hörten, brauchten in den ersten 3 Tagen danach 50 Prozent weniger Opioide.
49 Patienten (25 Hypnose, 24 Standardversorgung) mit Schultergelenkersatz. Die Hypnose-Gruppe hörte ab 7 Tagen vor der OP eine Aufnahme. Zusätzlich: geringere Schmerzintensität an Tag 10 mit mittlerer Effektstärke, 97 Prozent Adhärenz. Pilotstudie, kleine Stichprobe.
Haidamous, G., Jensen, M. P., Couchara, L., Christmas, K., Simon, P., & Frankle, M. (2025). Effects of Hypnosis Therapy on Pain and Opioid Use Following Shoulder Replacement Surgery. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. https://doi.org/10.1080/00207144.2025.2544059
Über heterogene Operationsfelder hinweg senkt Hypnose signifikant die prä- und intraoperative Angst, den Verbrauch von Opioiden und Hypnotika sowie postoperative Übelkeit.
Systematisches Review randomisierter Studien zu Hypnose als Begleitintervention bei nicht-kardiovaskulären Operationen. Die typische Intervention: 15 bis 20 Minuten hypnotische Kommunikation vor dem Eingriff. Die Effektrichtung ist über alle eingeschlossenen Studien konsistent.
El-Allam, Y., Hafiani, Y., Khalyfa, M., Bouzid, J., & Mouhajir, M. (2026). Hypnosis on Perioperative Outcomes Among Patients Undergoing Non-Cardiovascular Surgeries: A Systematic Review of Randomized Trials. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. https://doi.org/10.1080/00207144.2026.2654386
Bei Herzkatheter-Eingriffen gegen Vorhofflimmern kam mit hypnotischer Begleitung kein einziger Patient in Vollnarkose; in der Vorläuferstudie (n=140) sank die Angst von 4,7 auf 0,8 und 78 Prozent erlebten die Prozedur schmerzfrei.
Italienische Pilotstudie im Katheterlabor: Hypnotische Kommunikation als Hauptverfahren der Schmerz- und Angstkontrolle bei der Vorhofflimmer-Ablation, nur 5 von rund 55 Patienten brauchten eine tiefe Sedierung, keine prozedurassoziierten Komplikationen. Hypnose wirkt also auch unter Hochstress-Bedingungen, nicht nur im ruhigen Praxisraum.
Scaglione, M., Spinoni, E. G., Battaglia, A., et al. (2026). Feasibility of hypnosis for analgosedation during atrial fibrillation ablation, including pulsed field and radiofrequency techniques: a pilot study. Europace, 28(5). https://doi.org/10.1093/europace/euag087
16 randomisierte kontrollierte Studien zu chronischen Erkrankungen zeigen konsistent positive Effekte von Hypnose auf Schmerz, emotionale Belastung, Lebensqualität, Schlaf und Erschöpfung.
Scoping Review (PRISMA-ScR) über Fibromyalgie, Krebs, Adipositas und Herzerkrankungen, Stichproben zwischen 20 und 169 Teilnehmern. Am stärksten und konsistentesten sind die Befunde bei Fibromyalgie und Krebs. Ein Scoping Review kartiert die Studienlage und berechnet bewusst keine gepoolte Effektstärke.
Rinaldi, M. R., van Luijtelaar, G., Hasanat, N. U., & Yuniarti, K. W. (2025). Clinical Hypnosis for Chronic Illnesses: A Scoping Review of Randomized Controlled Trials. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 74(2). https://doi.org/10.1080/00207144.2025.2528232
53 Prozent der Reizdarm-Patienten sprachen auf Online-Gruppenhypnose an - statistisch identisch mit der Präsenzversion (55 Prozent).
51 IBS-Patienten erhielten acht Sitzungen darmfokussierter Hypnotherapie per Videokonferenz, geleitet von geschulten Pflegekräften (Universitätsklinik Göteborg). Die Symptomschwere (IBS-SSS) sank im Median von 304 auf 225 Punkte (p < 0,001), die Wirkung blieb mindestens sechs Monate stabil.
Lövdahl, J., Törnblom, H., Ringström, G., Palsson, O. S., & Simrén, M. (2026). Online Group Hypnotherapy for Irritable Bowel Syndrome - a Pilot Study. Neurogastroenterology and Motility. https://doi.org/10.1111/nmo.70328
Bei Fibromyalgie-Patientinnen halbierten zwölf Hypnotherapie-Sitzungen die Werte für Schlafprobleme (58,9 auf 31,6) und Depression (44,4 auf 24,5), während die rein medikamentös behandelte Kontrollgruppe stagnierte.
Indische Pilotstudie mit 20 Frauen (35 bis 55 Jahre), sechswöchiges Ericksonisches Protokoll mit individuell formulierten Suggestionen. Beide Verbesserungen hoch signifikant (p < 0,001). Wichtig: Die Autoren warnen selbst, dass so kleine Stichproben Effektstärken aufblähen; Replikation in größeren Studien steht aus.
Sharma, M., Sharma, R., & Sharad, S. (2026). Hypnotherapy for Sleep Disturbance and Depressive Symptoms in Indian Women with Fibromyalgia Syndrome: An Exploratory Study. Genetics and Molecular Research, 25(4s). https://doi.org/10.4238/sa5shb55
Angst, Depression und Psyche
Ericksonsche Hypnotherapie war bei PTBS genauso wirksam wie traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (n=63, randomisiert).
Beide Verfahren senkten PTBS-Symptome, Depression und Angst (PCL-5, BDI-II, BAI) nach 12 wöchentlichen Sitzungen signifikant stärker als die Warteliste, ohne bedeutsamen Unterschied untereinander. Auch neurophysiologische Maße (EEG, autonome Reaktionen) veränderten sich parallel. Keine unerwünschten Ereignisse.
Çınaroğlu, M., Ülker, S. V., Yılmazer, E., Ahlatcıoğlu, E. N., & Hızlı Sayar, G. (2026). Ericksonian hypnotherapy versus cognitive behavioral therapy for post-traumatic stress disorder. American Journal of Clinical Hypnosis. https://doi.org/10.1080/00029157.2026.2640622
Bei subklinischer Depression und Angst wirkten kognitive Verhaltenstherapie und Ericksonsche Hypnotherapie gleichwertig - beide deutlich besser als die Warteliste (RCT, n=45).
Je 12 wöchentliche Sitzungen, gemessen mit BDI-II und BAI. Das 12-Monats-Follow-up prüft die Langzeitstabilität der Effekte ein Jahr nach Therapieende. Relevant, weil unbehandelte subklinische Belastungen ein Progressionsrisiko zu klinischen Störungen tragen.
Yilmazer, E., & Cinaroglu, M. (2026). Cognitive Behavioral Therapy versus Ericksonian Hypnotherapy for subclinical depression and anxiety: a 12-month follow-up. American Journal of Clinical Hypnosis. https://doi.org/10.1080/00029157.2026.2680685
5 von 6 experimentellen Studien (2018 bis 2023) zeigen signifikante Symptomreduktion durch kognitive Hypnotherapie; bei leichter bis mittlerer Depression war sie der kognitiven Verhaltenstherapie gleichwertig (Fuhr et al. 2021, n=153).
Systematisches Review nach PRISMA 2020. Aufschlussreich ist die einzige Studie ohne Effekt: Sie nutzte eine aufgezeichnete Hypnose ohne Therapeutenbeziehung auf der Intensivstation. Die Beziehung ist offenbar ein Wirkfaktor, nicht nur Beiwerk.
Khachumova, A., & White, D. (2026). Effectiveness of Cognitive Hypnotherapy in Mental Disorders: A Systematic Review (2018-2023). Graduate Student Journal of Psychology, 26, 80-94.
Sechs Hypnose-Sitzungen senkten bei Menschen mit sozialer Angststörung die neuronalen Bedrohungsmarker (P1, N170, N2pc, LPP) im EEG signifikant (n=69).
Erste ERP-Studie überhaupt zur Wirkung von Hypnose auf den Aufmerksamkeitsbias bei sozialer Angst. Die Reduktion der Hirnreaktionen auf bedrohliche Gesichter korrelierte mit der Symptombesserung. Hypnose verändert also messbar, wie das Gehirn soziale Bedrohung verarbeitet.
Zhang, H., Zhang, M., Li, N., et al. (2025). Event-related potentials reveal hypnotherapy's impact on attention bias in social anxiety disorder. World Journal of Psychiatry, 15(5), 102552. https://doi.org/10.5498/wjp.v15.i5.102552
Bei Alzheimer-Patienten verbesserte kognitiv-behaviorale Hypnotherapie kognitive Flexibilität, Grübeln und Stigma-Erleben mit sehr großen Effektstärken (partial η² = 0,56 bis 0,60) - die Kontrollgruppe veränderte sich nicht.
70 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz (Iran), 12 wöchentliche Sitzungen, quasi-experimentelles Design. Zur Einordnung: η² = 0,14 gilt in der Psychotherapieforschung bereits als groß. Keine Randomisierung, kein Follow-up; die Größe der Effekte macht dennoch aufmerksam.
Homayoon, M. N., Damirchi, E. S., & Lester, D. (2026). The Effects of Hypnotherapy on Cognitive Flexibility, Rumination and Stigma in Alzheimer's Patients: A Quasi-Experimental Study. Counselling and Psychotherapy Research. https://doi.org/10.1002/capr.70119
Selbsthypnose und Allergien
Nach durchschnittlich nur 2,4 Trainingssitzungen senkte Selbsthypnose die Heuschnupfen-Symptome signifikant (VAS -29,2) und die Beeinträchtigung des Wohlbefindens (VAS -26,2) - über zwei komplette Pollensaisons.
Randomisierte kontrollierte Studie mit 79 Patienten mit moderater bis schwerer Pollenallergie (Universitätsspital Basel). Bei nasaler Provokation betrug die Hazard Ratio 0,333 für das Erreichen kritischer Flusswerte. Die Teilnehmer führten ihre normale antiallergische Medikation weiter.
Langewitz, W., Izakovic, J., Wyler, J., Schindler, C., Kiss, A., & Bircher, A. J. (2005). Effect of self-hypnosis on hay fever symptoms - a randomised controlled intervention study. Psychotherapy and Psychosomatics, 74(3), 165-172. https://doi.org/10.1159/000084001
Hypnose reduziert die allergische Hautreaktion objektiv messbar - nicht nur das subjektive Empfinden.
Der historische Klassiker: Mason und Black zeigten 1958 im Lancet erstmals, dass sich unter Hypnose die Hautreaktion auf Allergene abschwächen lässt, also etwas, das als rein körperlich galt. Fry, Mason und Pearson replizierten den Befund 1964 im British Medical Journal. Diese Arbeiten begründeten die Forschung zur Psyche-Nerven-Immun-Achse in der Hypnose.
Mason, A. A., & Black, S. (1958). Allergic skin responses abolished under treatment of asthma and hayfever by hypnosis. The Lancet, 271(7020), 877-880.
Bei therapieresistenter Neurodermitis besserten sich 37 von 38 Patienten unter Hypnotherapie signifikant - und der Effekt hielt bis zu zwei Jahre.
18 Erwachsene und 20 Kinder mit atopischer Dermatitis, bei denen andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt hatten. Gemessen wurden unter anderem Juckreiz, Kratzen und Schlafstörung. Kleine Stichprobe, aber ein bemerkenswert stabiler Langzeiteffekt.
Stewart, A. C., & Thomas, S. E. (1995). Hypnotherapy as a treatment for atopic dermatitis in adults and children. British Journal of Dermatology, 132(5), 778-783.
Suggestion und Erwartung
Wenn Menschen erleben, dass Hypnose bei ihnen "funktioniert", werden 73 Prozent hoch hypnotisierbar - in der Kontrollgruppe nur 7 Prozent.
Klassisches Experiment (N=60): Versteckte Lichter und Töne bestätigten heimlich die Suggestionen, so entstand die Selbst-Erwartung "ich spreche auf Hypnose an". Diese Erwartung allein hob die gemessene Hypnotisierbarkeit dramatisch, und der Effekt blieb sogar nach Aufklärung über die Manipulation bestehen. Hypnotisierbarkeit ist damit weit weniger ein festes Persönlichkeitsmerkmal als eine formbare Erwartung.
Wickless, C., & Kirsch, I. (1989). Effects of verbal and experiential expectancy manipulations on hypnotic susceptibility. Journal of Personality and Social Psychology, 57(5), 762-768. https://doi.org/10.1037/0022-3514.57.5.762
Sprache und Kommunikation
Hypnose wirkt über Sprache. Deshalb gehören für mich auch Studien dazu, die zeigen, wie stark Formulierungen Wahrnehmung und Verhalten steuern - im Handel, in der Gesundheitskommunikation, sogar bei künstlicher Intelligenz.
Passt das sprachliche Framing einer Produktbotschaft zur Motivation der Käufer, stiegen die Verkäufe um 17,4 Prozent - bei unpassendem Framing sanken sie leicht (-0,7 Prozent).
Feldstudie im Lebensmitteleinzelhandel: identisches Produkt, zwei Botschaften (physischer vs. psychologischer Nutzen). Entscheidend war die Kongruenz zwischen Formulierung und Käufermotivation. Ein einziger Satz am Regal verschiebt reales Kaufverhalten.
Grandi, B., Graziano, S., Cardinali, M. G., & Cristini, G. (2026). From perception to purchase: evaluating physical versus psychological benefit messages in grocery retail. British Food Journal, 128(13).
Gerahmte Gesundheitsbotschaften verbesserten die Risikowahrnehmung in 5 von 6 Dimensionen des Health-Belief-Modells hoch signifikant (p < 0,001, n=130).
Quasi-experimentelle Studie mit Gesundheitsstudierenden zu Karies-Prävention über Social-Media-Botschaften. Gewinn- und Verlust-Framing veränderten Anfälligkeits- und Schweregrad-Wahrnehmung, Nutzen, Handlungsauslöser und Selbstwirksamkeit; nur die wahrgenommenen Barrieren blieben unverändert.
Nababan, I., Purba, M. R., & Yuchinda, N. (2026). Effectiveness of Social Media Message Framing on Caries Risk Perception among Health Science Students. Contagion, 8(2). https://doi.org/10.30829/contagion.v8i2.28747
Ein einziger stigmatisierender Satz in der Patientenakte reichte, um die Empfehlungen aller 9 getesteten KI-Sprachmodelle messbar zu verschieben: weniger Schmerzmittel, weniger Diagnostik, weniger aggressive Therapie.
100 Prozent der getesteten Modelle zeigten den Bias. Selbst-Korrektur (Self-Debiasing) scheiterte, weil die Modelle die stigmatisierende Sprache nicht explizit erkannten, aber implizit darauf reagierten. Ein eindrucksvoller Beleg, wie tief Wortwahl Entscheidungen prägt - beim Menschen wie bei der Maschine.
Huang, J., Zhou, D., Kamau, F., et al. (2026). Artificial Intolerance: Stigmatizing Language in Clinical Documentation Skews Large Language Model Decision-Making. Preprint. https://arxiv.org/abs/2605.17228
Wer in Investoren-Pitches den eigenen Namen in den ersten 100 Wörtern nennt, erhält messbar häufiger eine Finanzierung (Analyse von über 20.000 Pitches).
Integratives Review von 114 Studien aus 23 Jahren zu persuasiver Kommunikation bei Investitionsentscheidungen. Weitere Befunde: Sichtbare Freude am Anfang und Ende eines Pitches korreliert mit Funding-Erfolg (1.460 Pitch-Videos), konkrete Fortschritts-Erzählungen schlagen abstrakte.
Stevenson, R., Shepherd, D. A., & Allen, J. (2026). Persuasive communications in the rapidly evolving area of entrepreneurial investment. Small Business Economics. https://doi.org/10.1007/s11187-026-01210-x
Die Evidenz nach Anwendungsfeld: 235 weitere Studien
Die 19 Studien oben sind fast alle aus den Jahren 2025 und 2026. Der folgende Teil ordnet die Forschung der letzten 70 Jahre nach Anwendungsfeld. Innerhalb jedes Feldes gilt dieselbe Reihenfolge: zuerst Meta-Analysen, Cochrane-Reviews und Leitlinien, dann randomisierte kontrollierte Studien, dann Pilot- und Beobachtungsstudien. Die wichtigsten Arbeiten bekommen einen eigenen Kasten mit Kernbefund und Einordnung, die übrigen stehen kompakt darunter mit einem Satz und der Quelle. Alle Zahlen stammen aus den Abstracts der Originalarbeiten, jede Quelle ist über ihre DOI geprüft.
Insgesamt findest Du auf dieser Seite damit 254 Studien. Die Liste wächst: Jede Woche kommen neue Arbeiten dazu, und zu den wichtigsten Einzelstudien entstehen eigene Artikel, die von hier aus verlinkt werden.
Evidenz auf einen Blick
So verteilen sich die neuen Studien auf die Anwendungsfelder. Meta-Analysen und systematische Reviews fassen jeweils Dutzende Einzelstudien zusammen, deshalb zählen sie am meisten.
| Anwendungsfeld | Studien | Meta-Analysen / Reviews / Leitlinien | Randomisierte Studien |
|---|---|---|---|
| Operationen und medizinische Eingriffe | 36 | 11 | 24 |
| Chronischer Schmerz und Fibromyalgie | 26 | 12 | 12 |
| Reizdarm und Verdauung | 33 | 10 | 12 |
| Kinder und Jugendliche | 17 | 6 | 9 |
| Angst, Depression und Trauma | 18 | 8 | 9 |
| Hirnforschung und Mechanismen | 21 | 2 | 1 |
| Onkologie | 12 | 3 | 8 |
| Geburt und Schwangerschaft | 10 | 3 | 7 |
| Wechseljahre und Hitzewallungen | 4 | 0 | 4 |
| Gewicht, Rauchen und Sucht | 9 | 4 | 5 |
| Schlaf, Stress und Alltag | 15 | 3 | 5 |
| Haut, Allergie und Zahnmedizin | 11 | 2 | 4 |
| Gesamt-Meta-Analysen und Übersichten | 12 | 7 | 0 |
| Selbsthypnose, Apps und Leistung | 6 | 2 | 2 |
| Gesamt (neue Studien) | 230 | 73 | 102 |
Operationen und medizinische Eingriffe
Hier ist die Evidenz am dichtesten. Mehr als zehn Meta-Analysen und Übersichtsarbeiten sowie viele randomisierte Studien zeigen dasselbe Muster: Wer vor oder während eines Eingriffs hypnotisch begleitet wird, braucht weniger Schmerz- und Beruhigungsmittel, hat weniger Angst, und die Eingriffe laufen oft schneller. Die Studien von Elvira Lang aus dem Katheterlabor gehören zu den methodisch stärksten der gesamten Hypnoseforschung. Vertiefung: Hypnose in der Medizin.
Hypnose während des Eingriffs senkte den Schmerz um gut einen Zentimeter auf der 10-cm-Skala und das Risiko für Übelkeit und Erbrechen nach der OP um mehr als die Hälfte (Risikoverhältnis 0,43).
Die bislang größte Übersichtsarbeit zum Thema: 142 Studien mit 9238 Patienten, davon 8319 Erwachsene und 919 Kinder, alle bei Eingriffen mit Anästhesiebeteiligung. Hypnose vor dem Eingriff senkte den Schmerz danach um 0,88 cm und die Angst deutlich (SMD -0,76), Hypnose während des Eingriffs senkte die Angst danach (SMD -0,44). Die Autoren bleiben ehrlich: Für ihre Hauptfrage, ob Hypnose den Verbrauch an Narkosemitteln und Opioiden senkt, reichte die Datenlage trotz 9000 Patienten für eine klare Aussage nicht aus.
Lahoud, M. J., Gurary, S. T., & Elia, N. (2026). Hypnosis for anaesthetists: a systematic review and meta-analyses. Anaesthesia, 81(1), 103-115. https://doi.org/10.1111/anae.70013
Bei 50 randomisierten Studien mit 4269 OP-Patienten reichten rechnerisch gut drei Hypnosebegleitungen, damit ein Patient spürbar weniger seelische Belastung erlebte (NNT 3,32).
Das Update der Jenaer Arbeitsgruppe um Jenny Rosendahl fasst 50 randomisierte kontrollierte Studien zusammen, verglichen wurde Hypnose mit Standardversorgung oder einer Aufmerksamkeitskontrolle. Neben der seelischen Belastung (g = 0,55) fanden sich mittlere bis kleine Effekte auf Schmerz (g = 0,37), Medikamentenverbrauch (g = 0,46), Erholung (g = 0,26) und OP-Dauer (g = 0,23), auf körperliche Messwerte wie Puls und Blutdruck fand sich keiner. Die Einschränkung nennen die Autoren selbst: Die Studien unterscheiden sich stark voneinander, und für alle Ergebnisse außer der OP-Dauer schließt das Vorhersageintervall den Nulleffekt ein.
Holler, M., Koranyi, S., Strauß, B., & Rosendahl, J. (2021). Efficacy of Hypnosis in Adults Undergoing Surgical Procedures: A meta-analytic update. Clinical Psychology Review, 85, 102001. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2021.102001
Bei gut und mittel suggestiblen Menschen senkte Hypnose mit direkter Schmerzsuggestion den Schmerz um 42 beziehungsweise 29 Prozent.
→ Ausführlich: 42 Prozent weniger Schmerz: was 85 Hypnose-Experimente zeigen
Meta-Analyse über 85 kontrollierte Experimente mit 3632 gesunden Probanden, bei denen Schmerz im Labor erzeugt wurde. Hypnose wirkte auf alle Schmerzmaße mit mittleren bis großen Effekten (g = 0,54 bis 0,76). Entscheidend waren zwei Dinge: die Suggestibilität der Person und ob eine direkte Schmerzsuggestion gegeben wurde, wenig suggestible Menschen profitierten kaum. Für mich bestätigt das, dass der Wirkstoff die Suggestion selbst ist, also die Sprache und die Erwartung, die sie setzt. Offen bleibt, wie gut sich Laborschmerz auf chronische Schmerzpatienten übertragen lässt.
Thompson, T., Terhune, D. B., Oram, C., Sharangparni, J., Rouf, R., Solmi, M., Veronese, N., & Stubbs, B. (2019). The effectiveness of hypnosis for pain relief: A systematic review and meta-analysis of 85 controlled experimental trials. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 99, 298-310. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2019.02.013
Beim Verbandswechsel nach Verbrennungen lag der Schmerz mit Hypnose im Schnitt knapp 9 Punkte niedriger, die Angst knapp 22 Punkte.
Meta-Analyse über sechs randomisierte kontrollierte Studien mit Erwachsenen, die nach einer Verbrennung Wundversorgung brauchten. Hypnose senkte Schmerzintensität (MD -8,90) und Angst (MD -21,78), beim Medikamentenverbrauch zeigte sich kein Unterschied. Die Autoren selbst halten klinische Empfehlungen noch für verfrüht, dafür sind sechs Studien zu wenig und zu unterschiedlich.
Provençal, S., Bond, S., Rizkallah, É., & El-Baalbaki, G. (2018). Hypnosis for burn wound care pain and anxiety: A systematic review and meta-analysis. Burns, 44(8), 1870-1881. https://doi.org/10.1016/j.burns.2018.04.017
Hypnose senkte die Angst nach der OP zuverlässig (g = 0,62), live gesprochene Suggestionen wirkten ebenfalls (g = 0,55), während für Aufnahmen vom Band der Beleg fehlte.
Meta-Analyse über 26 Studien mit 1890 OP-Patienten aus der Arbeitsgruppe um Katalin Varga. Über alle suggestiven Verfahren hinweg sanken Angst (g = 0,40) und Schmerzintensität (g = 0,25) nach der OP, beim Schmerzmittelverbrauch und bei Übelkeit fand sich kein gesicherter Effekt. Die Autoren stufen die Evidenz wegen möglicher Verzerrungen in den Einzelstudien als schwach ein und raten für die Praxis zu Hypnose mit Live-Darbietung, vor allem bei kleineren Eingriffen.
Kekecs, Z., Nagy, T., & Varga, K. (2014). The Effectiveness of Suggestive Techniques in Reducing Postoperative Side Effects: A Meta-Analysis With a Focus on Hypnosis. Anesthesia & Analgesia, 119(6), 1407-1419. https://doi.org/10.1213/ANE.0000000000000466
Über 34 randomisierte Studien mit 2597 Patienten senkte Hypnose rund um Operationen die seelische Belastung mit einem mittleren Effekt (g = 0,53) und den Schmerz spürbar (g = 0,44).
→ Ausführlich: Hypnose vor der Operation: 34 Studien und eine klare Rangfolge
Die erste große Meta-Analyse der Jenaer Gruppe, nur randomisierte kontrollierte Studien, Vergleich mit Standardversorgung oder Aufmerksamkeitskontrolle. Auch Medikamentenverbrauch (g = 0,38), Erholung (g = 0,25) und OP-Dauer (g = 0,25) fielen zugunsten der Hypnose aus, körperliche Messwerte nur minimal (g = 0,10). Die Autoren mahnen, dass die interne Validität vieler Einzelstudien begrenzt ist. Acht Jahre später hat dieselbe Gruppe die Zahlen mit 50 Studien bestätigt (siehe Holler 2021).
Tefikow, S., Barth, J., Maichrowitz, S., Beelmann, A., Strauß, B., & Rosendahl, J. (2013). Efficacy of hypnosis in adults undergoing surgery or medical procedures: A meta-analysis of randomized controlled trials. Clinical Psychology Review, 33(5), 623-636. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2013.03.005
Über 26 randomisierte Studien mit 2342 Teilnehmern senkte Hypnose den seelischen Stress bei medizinischen Eingriffen mit einem großen Effekt (ES = 0,88), Kinder profitierten noch stärker als Erwachsene.
Meta-Analyse der Mount-Sinai-Gruppe um Guy Montgomery, ausgewertet wurden nur randomisierte kontrollierte Studien mit einem Belastungs-Endpunkt. Die Effektstärke unterschied sich je nach Alter und je nach Art der Hypnose-Darbietung, dagegen spielte es keine Rolle, ob die Kontrollgruppe Standardversorgung oder eine Aufmerksamkeitskontrolle bekam. Für die Praxis heißt das: Hypnose bringt mehr als reine Zuwendung, denn die Aufmerksamkeitskontrolle hatte dieselbe Zuwendung.
Schnur, J. B., Kafer, I., Marcus, C. H., & Montgomery, G. H. (2008). Hypnosis to manage distress related to medical procedures: a meta-analysis. Contemporary Hypnosis, 25(3-4), 114-128. https://doi.org/10.1002/ch.364
OP-Patienten mit begleitender Hypnose schnitten besser ab als 89 Prozent der Patienten in den Kontrollgruppen.
→ Ausführlich: Besser als 89 Prozent der Kontrollgruppe: Hypnose rund um die Operation
Meta-Analyse über 20 kontrollierte Studien mit chirurgischen Patienten, Effektstärke D = 1,20, das ist ein großer Effekt. Ob Schmerz, Angst oder andere Ergebnisse: Zwischen den Ergebniskategorien fand sich kein Unterschied, und es spielte auch keine Rolle, ob die Hypnose live oder vom Tonband kam. Die Einschränkung: Die Analyse ist über 20 Jahre alt, spätere Arbeiten mit strengeren Kriterien finden kleinere Effekte (siehe Tefikow 2013 und Holler 2021).
Montgomery, G. H., David, D., Winkel, G., Silverstein, J. H., & Bovbjerg, D. H. (2002). The Effectiveness of Adjunctive Hypnosis with Surgical Patients: A Meta-Analysis. Anesthesia & Analgesia, 94(6), 1639-1645. https://doi.org/10.1097/00000539-200206000-00052
Über 18 Studien fand sich ein mittlerer bis großer schmerzlindernder Effekt der Hypnose, und zwar gleichermaßen bei Laborschmerz und bei echten Schmerzpatienten.
→ Ausführlich: Hypnose gegen Schmerz: was die meistzitierte Meta-Analyse wirklich zeigt
Die meistzitierte Meta-Analyse zur hypnotischen Schmerzlinderung, damals die erste systematische Zusammenfassung überhaupt. Verglichen wurden Studien mit gesunden Freiwilligen und mit Schmerzpatienten, außerdem der Einfluss der Suggestibilität und der Vergleich mit anderen psychologischen Verfahren. Die Autoren folgern, dass sich hypnotische Techniken breiter in der Schmerzbehandlung einsetzen lassen. Konkrete Effektstärken mit heutigen Standards liefert die neuere Analyse von Thompson 2019.
Montgomery, G. H., DuHamel, K. N., & Redd, W. H. (2000). A meta-analysis of hypnotically induced analgesia: How effective is hypnosis? International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 48(2), 138-153. https://doi.org/10.1080/00207140008410045
Bei der Knochenmarkpunktion sank der Schmerz mit Hypnose im Median von 6 auf 2 auf der 10er-Skala, und nur 3 statt 29 Prozent der Patienten brauchten zusätzlich Lachgas.
Randomisierte, multizentrische Studie (QUALHYBOM) mit 180 Patienten in vier französischen Hämatologie-Abteilungen, alle vor ihrer ersten Knochenmarkbiopsie. Mit Hypnose zusätzlich zur Lokalanästhesie lag der Komfort im Median bei 9 statt 5, die Angst danach bei 1 statt 5, und auch der Operateur fühlte sich wohler (10 statt 7). Die Einschränkung: offenes Design, Patienten und Ärzte wussten, wer Hypnose bekam. Wer sich die Szene vorstellt, versteht, was Kooperation im Eingriffsraum bedeutet: Ein Mensch, der sich sicher fühlt, gibt auch dem Operateur ruhigere Bedingungen.
Granger, M., Gyan, E., Ochmann, M., Cherel, B., Lermenier, C., Moignet, A., Daufresne, P., Djoko, S., Vallet, N., Eloit, M., Hameon, C., Werle, O., Fromenteau, A., Le Canderff, A., Houot, R., Rousseau, C., Laviolle, B., & Lamy, T. (2026). Hypnosis associated with local anesthesia versus local anesthesia alone during bone marrow biopsy: a randomized, controlled, multicenter study, QUALHYBOM. Supportive Care in Cancer, 34(8), 788. https://doi.org/10.1007/s00520-026-11005-1
Wer unter Vollnarkose positive Suggestionen über Kopfhörer hörte, brauchte danach im Median 4,0 statt 5,3 mg Morphinäquivalent und hatte in den ersten 24 Stunden im Schnitt 25 Prozent weniger Schmerzen.
Verblindete, multizentrische randomisierte Studie an fünf deutschen Kliniken mit 385 Patienten, die ein bis drei Stunden unter Vollnarkose operiert wurden. Die Interventionsgruppe bekam ein Band mit Hintergrundmusik und hypnotherapeutisch aufgebauten Suggestionen, die Kontrollgruppe ein leeres Band. Nur 63 statt 80 Prozent brauchten danach überhaupt Opioide, die Number Needed to Treat lag bei 6, Nebenwirkungen gab es keine. Für mich eine der wichtigsten Studien überhaupt: Die Patienten waren bewusstlos, kein Trancezustand war nötig, und trotzdem wirkten die Worte. Wer im OP redet, sollte wissen, dass zugehört wird.
Nowak, H., Zech, N., Asmussen, S., Rahmel, T., Tryba, M., & Oprea, G. (2020). Effect of therapeutic suggestions during general anaesthesia on postoperative pain and opioid use: multicentre randomised controlled trial. BMJ, 371, m4284. https://doi.org/10.1136/bmj.m4284
Bei der Katheterablation wegen Vorhofflattern lag der Schmerz mit Hypnose bei 4,0 statt 5,5 auf der Skala, und die Patienten brauchten nur 1,3 statt 3,6 mg Morphin.
Randomisierte, placebokontrollierte Studie (PAINLESS) mit 113 Patienten, Durchschnittsalter 70, an einem Zentrum, veröffentlicht in einem kardiologischen Fachjournal. Der Schmerz wurde alle fünf Minuten abgefragt und lag in der Hypnosegruppe durchgängig niedriger, auch die Sedierungswerte waren besser (8,3 vs. 5,4). Bemerkenswert ist der Vergleich mit Placebo statt nur mit Standardversorgung, das ist bei Hypnosestudien selten. Ein einzelnes Zentrum, das bleibt die Grenze.
Garcia, R., Bouleti, C., Li, A., Frasca, D., El Harrouchi, S., Marechal, J., Roumegou, P., Corbi, P., Christiaens, L., Le Gal, F., & Degand, B. (2020). Hypnosis Versus Placebo During Atrial Flutter Ablation. JACC: Clinical Electrophysiology, 6(12), 1551-1560. https://doi.org/10.1016/j.jacep.2020.05.028
Empathische Zuwendung ohne Hypnose führte bei 48 Prozent der Patienten zu Zwischenfällen, mit Hypnose waren es 12 Prozent.
Randomisierte Studie mit 201 Patienten bei Tumorembolisation oder Radiofrequenzablation, drei Arme: Standardversorgung, strukturierte empathische Zuwendung durch eine zusätzliche Person, oder selbsthypnotische Entspannung plus dieselbe Zuwendung. Hypnose senkte Schmerz, Angst und den Medikamentenbedarf (2,0 statt 3,0 Einheiten). Die Überraschung: Die reine Empathie-Gruppe hatte mehr Zwischenfälle als sogar die Standardgruppe (26 Prozent). Die Autoren erklären das so: Zuwendung, die die Aufmerksamkeit nach außen lenkt und die Selbstbewältigung des Patienten nicht stärkt, kann schaden. Nett sein reicht eben nicht, der Titel der Studie sagt es selbst.
Lang, E. V., Berbaum, K. S., Pauker, S. G., Faintuch, S., Salazar, G., Lutgendorf, S. K., Laser, E., Logan, H. L., & Spiegel, D. (2008). Beneficial Effects of Hypnosis and Adverse Effects of Empathic Attention during Percutaneous Tumor Treatment: When Being Nice Does Not Suffice. Journal of Vascular and Interventional Radiology, 19(6), 897-905. https://doi.org/10.1016/j.jvir.2008.01.027
Während der Brustbiopsie stieg die Angst unter Standardversorgung Minute für Minute an (Steigung +0,18), mit Selbsthypnose sank sie (Steigung -0,27), und der Eingriff kostete sogar etwas weniger (152 statt 161 Dollar).
Dreiarmige randomisierte Studie mit 236 Frauen bei Stanzbiopsie der Brust: Standardversorgung, strukturierte empathische Zuwendung oder selbsthypnotische Entspannung, jeweils mit Schmerz- und Angstabfrage im Minutentakt. Der Schmerz stieg in allen Gruppen, unter Hypnose und Empathie aber flacher als unter Standard. Die Eingriffe waren mit Hypnose am kürzesten (39 statt 46 Minuten), obwohl eine zusätzliche Fachkraft im Raum war. Die Autoren folgern: Beide Verfahren helfen, Hypnose löst die Angst deutlich stärker.
Lang, E. V., Berbaum, K. S., Faintuch, S., Hatsiopoulou, O., Halsey, N., Li, X., Berbaum, M. L., Laser, E., & Baum, J. K. (2006). Adjunctive self-hypnotic relaxation for outpatient medical procedures: A prospective randomized trial with women undergoing large core breast biopsy. Pain, 126(1), 155-164. https://doi.org/10.1016/j.pain.2006.06.035
Bei radiologischen Eingriffen blieb der Schmerz mit Selbsthypnose über die ganze Zeit flach, in der Standardgruppe stieg er stetig, und die Eingriffe waren im Schnitt 17 Minuten kürzer (61 statt 78 Minuten).
Der Klassiker aus The Lancet: 241 Patienten bei Gefäß- und Nieren-Eingriffen, randomisiert auf Standardversorgung, strukturierte Zuwendung oder selbsthypnotische Entspannung, alle mit Schmerzpumpe. Der Medikamentenverbrauch lag in der Standardgruppe bei 1,9 Einheiten, in den beiden anderen Gruppen bei 0,8 und 0,9. Kreislaufinstabil wurde ein einziger Hypnosepatient, gegenüber zehn in der Zuwendungsgruppe und zwölf in der Standardgruppe. Was mich daran am meisten beeindruckt: Die Hypnosegruppe hat ihre Entspannung selbst gemacht, angeleitet, aber selbst. Genau das meine ich mit Kooperation.
Lang, E. V., Benotsch, E. G., Fick, L. J., Lutgendorf, S. K., Berbaum, M. L., Berbaum, K. S., Logan, H. L., & Spiegel, D. (2000). Adjunctive non-pharmacological analgesia for invasive medical procedures: a randomised trial. The Lancet, 355(9214), 1486-1490. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(00)02162-0
Unter Hypnose brauchten die Patienten bei plastischer Chirurgie weniger als die Hälfte des Schmerzmittels Alfentanil (8,7 statt 19,4 µg/kg/h) und hatten trotzdem weniger Schmerz und Angst.
Randomisierte Studie mit 60 Patienten unter Lokalanästhesie und Sedierung, verglichen wurde Hypnose mit klassischen Stressreduktionsstrategien, beides durch dieselbe Anästhesistin. Auch der Midazolam-Bedarf halbierte sich (0,04 statt 0,09 mg/kg/h), Übelkeit und Erbrechen traten bei 6,5 statt 30,8 Prozent auf, die Vitalzeichen waren stabiler, die OP-Bedingungen besser. Das ist die Studie, mit der Marie-Elisabeth Faymonville die Hypnosedierung in der Chirurgie bekannt gemacht hat. Kleine Stichprobe, eine Behandlerin, das bleibt die Grenze.
Faymonville, M., Mambourg, H. P., Joris, J., Vrijens, B., Fissette, J., Albert, A., & Lamy, M. (1997). Psychological approaches during conscious sedation. Hypnosis versus stress reducing strategies: a prospective randomized study. Pain, 73(3), 361-367. https://doi.org/10.1016/S0304-3959(97)00122-X
Weitere Studien in diesem Feld:
- Randomisierte Studie mit 203 Frauen vor einer Brustkrebs-Operation in Oslo: Eine einzige Hypnose-Sitzung innerhalb von zwei Stunden vor dem Eingriff senkte gegenüber einer gleich langen Achtsamkeits-Sitzung die Erschöpfung danach (d = 0,30), die emotionale Belastung (d = 0,24) und den Fentanyl-Verbrauch (d = 0,54). Bei Schmerz, Übelkeit und Unbehagen gab es keinen Unterschied. Je ängstlicher eine Patientin vorher war, desto größer war der Gewinn.
Rème, S. E., Munk, A., Montgomery, G. H., Schnur, J. B., Falk, R. S., Smits, M., & Jacobsen, H. B. (2025). Preoperative Hypnosis versus Mindfulness for Reducing Postoperative Symptoms in Breast Surgery: A Randomized Clinical Trial. Anesthesiology, 144, 559-569. https://doi.org/10.1097/ALN.0000000000005821 - Meta-Analyse über 20 randomisierte kontrollierte Studien mit 1250 Patienten bei invasiven Eingriffen: Hypnose senkte Angst (SMD -0,43) und Schmerz (SMD -0,35) gegenüber der Standardversorgung, auch Herzfrequenz und Blutdruck gingen zurück, Nebenwirkungen waren minimal.
Walter, N., Torres Leyva, M., Hinterberger, T., Rupp, M., Loew, T., Lambert Delgado, A. R., & Cobián Mena, A. E. (2025). Hypnosis as a non-pharmacological intervention for invasive medical procedures - A systematic review and meta-analytic update. Journal of Psychosomatic Research, 192, 112117. https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2025.112117 - Systematisches Review mit Meta-Analyse über zehn Studien mit 1365 Patienten bei minimalinvasiven Eingriffen: Mit hypnotischer Analgesie sank der Verbrauch an Schmerzmitteln je nach Studie um 21 bis 86 Prozent, ohne dass Schmerz oder Angst zunahmen, und die Eingriffe wurden sogar etwas kürzer.
Noergaard, M. W., Håkonsen, S. J., Bjerrum, M., & Pedersen, P. U. (2019). The effectiveness of hypnotic analgesia in the management of procedural pain in minimally invasive procedures: A systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Nursing, 28(23-24), 4207-4224. https://doi.org/10.1111/jocn.15025 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 198 Patienten bei Kataraktoperation: Mit Delta-Wellen-Audio über Kopfhörer (binaurale Beats, von den Autoren als Hypnoanalgesie bezeichnet) halbierten sich die Angstwerte, Herzfrequenz und Blutdruck sanken, und Patienten wie Chirurgen waren zufriedener. Zur Einordnung: Die Intervention besteht aus Tonsignalen, der Begriff Hypnose ist hier weit gefasst.
Elaskri, H., Eslem, B., Imen, N., Eya, B. A., Khallouli, A., Oueslati, Y., Maalej, A., & Iheb, L. (2026). The use of Delta wave hypnosis for reducing perioperative anxiety in cataract surgery: A prospective randomized controlled trial. European Journal of Ophthalmology, 36(3), 594-600. https://doi.org/10.1177/11206721251394941 - Randomisierte Studie mit 70 Patienten bei Leberbiopsie: Mit Ericksonscher Konversationshypnose zusätzlich zur Standardversorgung lag der Schmerz während des Eingriffs bei 2,4 statt 4,4 und die Angst bei 2,1 statt 4,8 auf der 10er-Skala.
Barat, M., Ollivier, C., Taibi, L., Nitsche, V., Sogni, P., Soyer, P., Parlati, L., Dohan, A., Abdoul, H., & Revel, M. (2025). Standard of care versus standard of care plus Ericksonian hypnosis for percutaneous liver biopsy: Results of a randomized control trial. Diagnostic and Interventional Imaging, 106(3), 93-97. https://doi.org/10.1016/j.diii.2024.09.009 - Randomisierte Studie mit 60 stark ängstlichen Patienten vor einer Hallux-valgus-OP: Nach einer Hypnosesitzung mit Virtual-Reality-Brille brauchten nur 3,3 statt 26,6 Prozent starke Schmerzmittel wie Morphin oder Ketamin, die Angstwerte sanken dagegen nur leicht (42,5 vs. 45,2).
Rougereau, G., Sandiford, M. H., Lévêque, R., Ménigaux, C., Bauer, T., & Hardy, A. (2023). Management of Anxiety for Ambulatory Hallux Valgus Surgery With a Virtual Reality Hypnosis Mask: Randomized Controlled Trial. Foot & Ankle International, 44(6), 539-544. https://doi.org/10.1177/10711007231162816 - Randomisierte Studie mit 90 Männern bei ihrer ersten starren Blasenspiegelung: Mit hypnotischer Kommunikation zusätzlich zur Lokalanästhesie waren Angst und Schmerz nach dem Eingriff niedriger, Puls und Blutdruck stabiler, der Eingriff kürzer, und die Urologen zufriedener.
Tezcan, B., Ademoğlu, D., Can, M., Kazancı, D., Mungan, İ., Taştemur, S., Ceylan, C., & Turan, S. (2021). A Randomized Clinical Trial on the Effect of Hypnosis on Anxiety and Pain in Rigid Cystoscopy Patients. Journal of Endourology, 35(1), 47-53. https://doi.org/10.1089/end.2020.0101 - Kleine randomisierte Vorläuferstudie mit 30 Patienten bei radiologischen Eingriffen: Mit selbsthypnotischer Entspannung sank der Medikamentenverbrauch von 2,01 auf 0,28 Einheiten und der Schmerz im Median von 5 auf 2, und das unabhängig von der Hypnotisierbarkeit.
Lang, E. V., Joyce, J. S., Spiegel, D., Hamilton, D. S., & Lee, K. K. (1996). Self-hypnotic relaxation during interventional radiological procedures: Effects on pain perception and intravenous drug use. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 44(2), 106-119. https://doi.org/10.1080/00207149608416074 - Kontrollierte Studie mit 60 Patienten bei Kiefer- und Gesichtsoperationen unter Vollnarkose: Wer vor der OP ein Band mit therapeutischen Suggestionen hörte, verlor 30 Prozent weniger Blut als gematchte Kontrollpatienten, mit prä- plus perioperativen Suggestionen waren es 26 Prozent. Einschränkung: keine Randomisierung, die Kontrollgruppe wurde gematcht.
Enqvist, B., von Konow, L., & Bystedt, H. (1995). Pre- and perioperative suggestion in maxillofacial surgery: Effects on blood loss and recovery. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 43(3), 284-294. https://doi.org/10.1080/00207149508409971 - Randomisierte Machbarkeitsstudie mit 41 Patienten nach Dickdarmoperation: Mit drei Hypnosesitzungen rund um die OP lag der Schmerz nach 24 Stunden im Median bei 5,0 statt 6,0, innerhalb der Hypnosegruppe sank er nach der Sitzung von 5,0 auf 2,5. Ein Zentrum, kleine Zahl, die eigentliche Wirksamkeitsstudie steht noch aus.
Toth, A., Mackey, P., Di Donato, S., & Alcacer-Pitarch, B. (2026). Hypnosis for Postoperative Pain Management Following Colectomies: A Single-Center Randomized Controlled Feasibility Trial. Diseases of the Colon & Rectum. Advance online publication. https://doi.org/10.1097/DCR.0000000000004384 - Randomisierte Pilotstudie mit 50 kognitiv beeinträchtigten Patienten über 70 bei einer Lumbalpunktion: Mit Hypnose waren die selbst und die fremd eingeschätzte Angst sowie der fremd eingeschätzte Schmerz niedriger, 68 Prozent erlebten den Eingriff als besser oder viel besser als erwartet.
Courtois-Amiot, P., Cloppet-Fontaine, A., Poissonnet, A., Benit, E., Dauzet, M., Raynaud-Simon, A., Paquet, C., & Lilamand, M. (2022). Hypnosis for pain and anxiety management in cognitively impaired older adults undergoing scheduled lumbar punctures: a randomized controlled pilot study. Alzheimer's Research & Therapy, 14(1), 120. https://doi.org/10.1186/s13195-022-01065-w - Randomisierte Multicenter-Studie auf zwei französischen Intensivstationen, 78 Patienten bei ungeplanten invasiven Eingriffen: Der Schmerz war mit Hypnose gleich hoch wie ohne (2,2 gegenüber 2,2 auf der 10er-Skala, p = 0,89), die Angst dagegen deutlich niedriger (2,4 gegenüber 4,1, p = 0,01), zusätzliches Lidocain wurde dreimal seltener gebraucht (OR 0,3, p = 0,02), und auch die Pflegekräfte selbst waren weniger gestresst (0,1 gegenüber 0,9, p = 0,003).
Maamar, A., Faleur, C., Pedrono, K., Tadié, J.-M., Gacouin, A., & Laviolle, B. (2025). Hypnosis for unplanned procedural pain in the intensive care unit: the HYPIC randomized clinical trial. Critical Care, 29, 312. https://doi.org/10.1186/s13054-025-05563-9 - Präregistrierte randomisierte Studie mit 92 Erwachsenen vor großer onkologischer Operation (45 Hypnose, 47 Standardbehandlung): Wer vor und nach dem Eingriff hypnotisch begleitet wurde, brauchte in der akuten Phase im Krankenhaus weniger Opioide (Gruppe mal Zeit, F = 3,32, p = 0,003) und neigte eine Woche nach der OP weniger zum Katastrophisieren des Schmerzes (F = 4,04, p = 0,048).
Rosenbloom, B. N., Slepian, P. M., Azam, M. A., Clarke, H., Katz, J., & Weinrib, A. (2024). A randomized controlled trial of clinical hypnosis as an opioid-sparing adjunct treatment for pain relief in adults undergoing major oncologic surgery. Journal of Pain Research, 17, 45-59. https://doi.org/10.2147/jpr.s424639 - Negativbefund: Randomisierte Studie mit 68 Patientinnen beim Entfernen des Brachytherapie-Applikators. Formale Hypnose zusätzlich zur üblichen Prämedikation veränderte die Angst nicht (STAI-Wert danach 47,7 mit gegenüber 48,1 ohne Hypnose, p = 0,76) und den Schmerz ebenfalls nicht (1,29 gegenüber 0,71, p = 0,055). Die Autorinnen halten die hypnotische Gesprächsführung trotzdem für wertvoll, weil sie die Beziehung zwischen Patientin und Behandlungsteam verbessert.
Lemoine, L., Adam, V., Salleron, J., Peiffert, D., Huin Schohn, C., & Renard, S. (2025). Randomized trial comparing hypnosis versus standard management on patient anxiety and pain during pelvic brachytherapy applicator removal. Brachytherapy, 24(6), 854-862. https://doi.org/10.1016/j.brachy.2025.07.010 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 100 Patienten bei Eingriffen an den Blutgefäßen: VR-gestützte Selbsthypnose statt Standardbetreuung senkte die Angst um 4,2 Punkte mehr (STAI, p = 0,016). Deutlich sprach an, wer überhaupt ruhiger wurde: 76 Prozent in der Hypnose-Gruppe gegenüber 46 Prozent in der Kontrollgruppe (p = 0,004). Bei Schmerzintensität, Eingriffsdauer und Medikamentenbedarf zeigte sich kein Unterschied.
Gullo, G., Rotzinger, D. C., Colin, A., Frossard, P., Gudmundsson, L., Jouannic, A.-M., & Qanadli, S. D. (2023). Virtually Augmented Self-Hypnosis in Peripheral Vascular Intervention: A Randomized Controlled Trial. CardioVascular and Interventional Radiology, 46(6), 786-793. https://doi.org/10.1007/s00270-023-03394-1 - RCT mit 64 Patienten nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks. Eine zehnminütige Hypnose-Sitzung vor der Operation senkte den Opioidverbrauch in der Gesamtgruppe nicht bedeutsam (70,5 gegenüber 90,7 Morphinäquivalenten pro 24 Stunden, p = 0,20). Bei den Patienten, die schon vor der OP Opioide nahmen, lag der Verbrauch um 54 Prozent niedriger (82,4 gegenüber 179,1, p < 0,01), das entspricht 65 mg Oxycodon pro Tag.
Markovits, J., Bláha, O., Zhao, E., & Spiegel, D. (2022). Effects of hypnosis versus enhanced standard of care on postoperative opioid use after total knee arthroplasty: the HYPNO-TKA randomized clinical trial. Regional Anesthesia & Pain Medicine, 47(9), 534-540. https://doi.org/10.1136/rapm-2022-103493 - RCT mit 169 Patienten vor einer Herzkatheter-Untersuchung. Eine Hypnose-Sitzung mit Selbsthypnose-Suggestionen senkte die Angst unmittelbar vor dem Eingriff nicht messbar stärker als ein Gespräch mit demselben Hypnotherapeuten. Unerwünschte Ereignisse traten keine auf, bei den Komplikationen des Eingriffs gab es zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied.
Abensur Vuillaume, L., Gentilhomme, C., Weber, S., Ouamara, N., Bayard, J., Valla, M., Khalifé, K., Goetz, C., & Guler, N. (2022). Effectiveness of Hypnosis for the Prevention of Anxiety During Coronary Angiography (HYPCOR study): a prospective randomized study. BMC Complementary Medicine and Therapies, 22(1), 315. https://doi.org/10.1186/s12906-022-03792-x - Randomisierte Studie mit 76 Erwachsenen vor einer Operation in drei Gruppen: Beim Betreten des OP-Saals war die Angst in der Hypnosegruppe um 56 Prozent gesunken, in der Aufmerksamkeitskontrolle um 10 Prozent und in der Standardgruppe um 47 Prozent gestiegen (p = 0,001); direkt nach der Intervention lagen die Angstwerte bei 31 gegenüber 37 und 41 Punkten.
Saadat, H., Drummond-Lewis, J., Maranets, I., Kaplan, D., Saadat, A., Wang, S.-M., & Kain, Z. N. (2006). Hypnosis reduces preoperative anxiety in adult patients. Anesthesia & Analgesia, 102(5), 1394-1396. https://doi.org/10.1213/01.ane.0000204355.36015.54 - Randomisierte Studie mit 61 schwer Brandverletzten beim Verbandswechsel: Über alle Patienten hinweg unterschied sich der Schmerz nach Hypnose nicht von der Kontrollbedingung mit Zuwendung, Information und kurzer Entspannung, bei den Patienten mit hohem Ausgangsschmerz aber deutlich; Hypnose hilft dort am meisten, wo der Leidensdruck und damit die Motivation am größten sind.
Patterson, D. R., & Ptacek, J. T. (1997). Baseline pain as a moderator of hypnotic analgesia for burn injury treatment. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 65(1), 60-67. https://doi.org/10.1037/0022-006X.65.1.60 - Randomisierte Studie mit 46 Erwachsenen bei der Wundreinigung nach Verbrennungen, Pflegekräfte und Auswerter verblindet: Gegenüber einer Aufmerksamkeits-Placebo-Bedingung sank der Schmerz im McGill-Fragebogen, der auch die gefühlsmäßige Seite des Schmerzes erfasst, deutlich, auf reinen Intensitätsskalen dagegen nicht; Hypnose verändert offenbar zuerst, wie der Schmerz sich anfühlt, und erst dann, wie stark er ist.
Askay, S. W., Patterson, D. R., Jensen, M. P., & Sharar, S. R. (2007). A randomized controlled trial of hypnosis for burn wound care. Rehabilitation Psychology, 52(3), 247-253. https://doi.org/10.1037/0090-5550.52.3.247
Chronischer Schmerz und Fibromyalgie
Bei chronischem Schmerz konkurriert Hypnose mit etablierten Verfahren wie Entspannung, Biofeedback und kognitiver Verhaltenstherapie. Die Meta-Analysen sind eindeutig: Hypnose wirkt besser als Standardversorgung und mindestens gleich gut wie andere psychologische Verfahren, bei hoch suggestiblen Menschen deutlich stärker. Wie ich das in der Praxis einsetze, steht im Artikel zur Hypnose bei Schmerzen.
Über 57 randomisierte Studien mit 4.572 Patienten senkt Hypnose klinischen Schmerz nur leicht (SMD -0,33), und gegenüber Entspannung, Schmerzedukation oder Verhaltenstherapie zeigt sich kein Vorteil.
Die bislang umfangreichste registrierte Übersichtsarbeit zu Hypnose bei klinischem Schmerz: 106 Studien eingeschlossen, 84 davon in die Meta-Analyse gerechnet, Literatursuche bis Oktober 2025. Gegenüber inaktiven Kontrollen wie Warteliste oder Regelversorgung fiel der Effekt klein aus, gegenüber Entspannung (SMD -0,13), Schmerzedukation (-0,17 bis -0,19) und kognitiver Verhaltenstherapie (-0,32) verschwand er. Weder Schmerzart noch Durchführungsform machten einen Unterschied. Die Autoren ziehen ein nüchternes Fazit: Hypnose ist eine risikoarme Ergänzung für ausgewählte Patienten und sollte nach ihrer Ansicht nicht als verlässlich überlegene Schmerzbehandlung dargestellt werden. Für mich ist das kein Rückschlag: Wenn Hypnose vor allem wirksame Kommunikation ist, teilen sich Hypnose, Entspannungsanleitung und gute Schmerzedukation denselben Wirkkern, nämlich Erwartung, Aufmerksamkeit und Kooperation.
Yim, T. H., & Derbyshire, S. W. G. (2026). A Systematic Review of Hypnosis for Clinical Pain Relief. European Journal of Pain, 30(8), e70369. https://doi.org/10.1002/ejp.70369
Kommt Hypnose zur Regelversorgung dazu, sinkt der Schmerz zusätzlich um 7 bis 9 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100, gerechnet über 70 randomisierte Studien mit 6.078 Teilnehmern.
Die Meta-Analyse (mit Lorimer Moseley und Mark Jensen) fragte gezielt nach dem Zusatznutzen: Hypnose plus Primärbehandlung gegen Primärbehandlung allein. Bei chronischem Schmerz betrug der Zusatzeffekt -8,2 Punkte, bei Eingriffen und OP-Schmerz -6,9, bei der Versorgung von Verbrennungswunden -8,8. Kombiniert mit Medikamenten lag der Zusatzeffekt bei chronischem Schmerz bei -13,2 Punkten, kombiniert mit Schmerzedukation bei -11,5. Die Autoren stufen die Evidenzsicherheit insgesamt als sehr niedrig ein, die Zahlen sind also Richtwerte und keine Garantie.
Jones, H., Rizzo, R. R. N., Pulling, B. W., Braithwaite, F., Grant, A. R., McAuley, J. H., Jensen, M. P., Moseley, G. L., Rees, A., & Stanton, T. R. (2024). Adjunctive use of hypnosis for clinical pain: a systematic review and meta-analysis. PAIN Reports, 9(5), e1185. https://doi.org/10.1097/pr9.0000000000001185
Bei chronischen Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen senkte Hypnose den Schmerz moderat (Hedges' g -0,42), ab 8 Sitzungen wurde der Effekt deutlich größer (-0,56).
Neun randomisierte Studien mit insgesamt 530 Teilnehmern gingen in die Meta-Analyse ein, Pierre Rainville aus Montreal war beteiligt. Neben der Schmerzintensität sank auch die Beeinträchtigung im Alltag (g -0,39), und der Effekt hielt bei der kurzfristigen Nachuntersuchung an (g -0,37). Unter 8 Sitzungen blieb der Effekt klein und statistisch nicht abgesichert (g -0,30). Neun Studien sind eine schmale Basis, die Dosis-Botschaft ist trotzdem klar: Hypnose bei chronischem Schmerz braucht Wiederholung.
Langlois, P., Perrochon, A., David, R., Rainville, P., Wood, C., Vanhaudenhuyse, A., & Billot, M. (2022). Hypnosis to manage musculoskeletal and neuropathic chronic pain: A systematic review and meta-analysis. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 135, 104591. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2022.104591
Über 45 kontrollierte Vergleiche hinweg reduzierte der durchschnittliche Hypnose-Patient seinen Schmerz stärker als rund 73 Prozent der Kontrollpatienten.
Die erste umfassende Meta-Analyse zu Hypnose bei klinischem Schmerz seit rund 20 Jahren: 42 Studien mit 45 Vergleichen, alle mit Kontrollgruppe. Die konservativ geschätzte Effektstärke lag bei 0,60 direkt nach der Behandlung und bei 0,61 im Follow-up, also im mittleren Bereich. Bei den 19 methodisch sauberen Studien ohne hohes Verzerrungsrisiko stieg der Effekt sogar auf 0,77. Auch die hypnotische Suggestibilität spielte eine Rolle (r = 0,53 in 6 Studien): Wer leichter auf Suggestionen anspricht, profitierte mehr. Zur Einordnung: Die Vergleiche liefen gegen Kontrollbedingungen, der Abstand zu aktiven Verfahren wie Entspannung fällt in anderen Übersichten kleiner aus.
Milling, L. S., Valentine, K. E., LoStimolo, L. M., Nett, A., & McCarley, H. S. (2021). Hypnosis and the Alleviation of Clinical Pain: A Comprehensive Meta-Analysis. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 69(3), 297-322. https://doi.org/10.1080/00207144.2021.1920330
Bei Fibromyalgie erreichten mit Hypnose oder geführter Imagination 18 Prozentpunkte mehr Patienten eine Halbierung ihres Schmerzes als in den Kontrollgruppen.
Meta-Analyse aus der Arbeitsgruppe um Winfried Häuser und Ernil Hansen: 7 randomisierte Studien mit 387 Patienten. Neben der Schmerzhalbierung (Risikodifferenz 0,18) sank die psychische Belastung (SMD -0,40). Zwei weitere Studien mit 95 Patienten verglichen Hypnose plus kognitive Verhaltenstherapie mit Verhaltenstherapie allein: Die Kombination senkte die psychische Belastung stärker (SMD -0,50), bei den übrigen Zielgrößen gab es keinen Unterschied. Die Abbruchraten unterschieden sich nicht von den Kontrollen, und keine der Studien berichtete über Sicherheit.
Zech, N., Hansen, E., Bernardy, K., & Häuser, W. (2017). Efficacy, acceptability and safety of guided imagery/hypnosis in fibromyalgia - A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. European Journal of Pain, 21(2), 217-227. https://doi.org/10.1002/ejp.933
Bei chronischen Schmerzen wirkte Hypnose moderat besser als die Standardversorgung und, außer bei Kopfschmerz, auch moderat besser als andere psychologische Verfahren.
Die erste Meta-Analyse, die Hypnose bei chronischem Schmerz gezielt gegen Standardversorgung und gegen andere psychologische Verfahren stellte. Gegenüber Standardversorgung ergab sich ein moderater Nutzen, gegenüber anderen psychologischen Verfahren ein moderater Vorsprung, allerdings nur in der Gruppe ohne Kopfschmerzpatienten. Das Abstract nennt keine Effektstärken, und die Autoren weisen auf große Unterschiede zwischen den eingeschlossenen Studien hin. Was genau unter 'Hypnose' lief, war von Studie zu Studie verschieden.
Adachi, T., Fujino, H., Nakae, A., Mashimo, T., & Sasaki, J. (2014). A Meta-Analysis of Hypnosis for Chronic Pain Problems: A Comparison Between Hypnosis, Standard Care, and Other Psychological Interventions. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 62(1), 1-28. https://doi.org/10.1080/00207144.2013.841471
Sechs kontrollierte Studien mit 239 Fibromyalgie-Patienten: Hypnose und geführte Imagination senkten den Schmerz am Behandlungsende deutlich (SMD -1,17), die Lebensqualität blieb unverändert.
Die Meta-Analyse der Häuser-Gruppe wertete Studien mit im Median 9 Sitzungen aus, die Hypnosegruppen waren mit im Median 20 Patienten klein. Der große Schmerzeffekt hat einen Haken: Er trat vor allem in Studien mit niedriger methodischer Qualität und niedriger Behandlungsqualität auf. Für Erschöpfung, Schlaf und Stimmung reichten die Daten für eine Berechnung nicht aus. Die Autoren fordern bessere Studien, bevor sich die Wirksamkeit bei Fibromyalgie sauber beziffern lässt.
Bernardy, K., Füber, N., Klose, P., & Häuser, W. (2011). Efficacy of hypnosis/guided imagery in fibromyalgia syndrome - a systematic review and meta-analysis of controlled trials. BMC Musculoskeletal Disorders, 12(1), 133. https://doi.org/10.1186/1471-2474-12-133
Randomisierte kontrollierte Studien zeigen einen verlässlichen und bedeutsamen Effekt von Hypnose auf akuten Eingriffsschmerz und auf chronische Schmerzzustände.
Die Übersichtsarbeit im Psychological Bulletin gilt bis heute als Standardreferenz der Hypnose-Schmerzforschung. Patterson und Jensen fassen drei Stränge zusammen: Laborstudien zu experimentell erzeugtem Schmerz, erste Befunde zur Aktivität des zentralen Nervensystems während hypnotischer Verfahren und die kontrollierten klinischen Studien. Effektstärken nennt das Abstract keine, es ist eine narrative Übersicht mit methodischer Kritik. Ihr eigentlicher Wert liegt im Ordnungsrahmen: Hypnose gehört in eine umfassende Schmerzbehandlung eingebettet, als ein Baustein neben anderen.
Patterson, D. R., & Jensen, M. P. (2003). Hypnosis and clinical pain. Psychological Bulletin, 129(4), 495-521. https://doi.org/10.1037/0033-2909.129.4.495
Bei 328 Veteranen mit chronischem Schmerz wirkten Hypnose, Achtsamkeitsmeditation und Schmerzedukation direkt nach 8 Gruppensitzungen gleich gut, nur die Hypnose- und die Achtsamkeitsgruppe hielten den Gewinn aber über 6 Monate.
Dreiarmige randomisierte kontrollierte Studie der Jensen-Gruppe im Fachjournal Pain: 110 Teilnehmer erhielten Hypnose, 108 Achtsamkeitsmeditation, 110 eine aktive Schmerzedukation als Kontrolle, jeweils 8 manualisierte Gruppensitzungen. Direkt nach der Behandlung besserten sich alle drei Gruppen ähnlich, ohne signifikanten Unterschied. Nach 3 und 6 Monaten lag die Hypnosegruppe bei Schmerzintensität, Beeinträchtigung und depressiven Symptomen vor der Edukationsgruppe, deren Verbesserung wieder verflog. Zwischen Hypnose und Achtsamkeit fand sich zu keinem Zeitpunkt ein Unterschied. Der Wirkkern scheint bei beiden derselbe zu sein: Die Aufmerksamkeit gezielt lenken und den Schmerz anders einordnen.
Williams, R. M., Day, M. A., Ehde, D. M., Turner, A. P., Ciol, M. A., Gertz, K. J., Patterson, D. R., Hakimian, S., Suri, P., & Jensen, M. P. (2022). Effects of hypnosis vs mindfulness meditation vs education on chronic pain intensity and secondary outcomes in veterans: a randomized clinical trial. Pain, 163(10), 1905-1918. https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000002586
Vier Sitzungen Hypnose, kognitive Therapie, hypnotische kognitive Therapie oder Schmerzedukation senkten die Schmerzintensität bei 173 Menschen mit chronischem Schmerz mit mittleren bis großen Effekten, die 12 Monate anhielten, und die beiden einzigen signifikanten Gruppenunterschiede sprachen für die hypnotische kognitive Therapie.
Randomisierte Studie in Pain von Mark Jensen und David Patterson (University of Washington), Auswerter verblindet, Messungen vor und nach der Behandlung sowie nach 3, 6 und 12 Monaten. Alle vier Verfahren wirkten ähnlich gut auf Schmerzintensität, Schmerzbeeinträchtigung und depressive Symptome, bei den sekundären Maßen mit leichtem Rückgang nach einem Jahr. Die hypnotische kognitive Therapie nutzt Hypnose, um die Bedeutung des Schmerzes zu verändern, statt ihn direkt zu dämpfen. Dass vier Sitzungen genügen, um ein Jahr lang zu tragen, ist die praktisch wichtigste Zahl dieser Studie. Vertiefung im Artikel Hypnose bei Schmerzen.
Jensen, M. P., Mendoza, M. E., Ehde, D. M., Patterson, D. R., Molton, I. R., Dillworth, T. M., Gertz, K. J., Chan, J., Hakimian, S., Battalio, S. L., & Ciol, M. A. (2020). Effects of hypnosis, cognitive therapy, hypnotic cognitive therapy, and pain education in adults with chronic pain: A randomized clinical trial. Pain, 161(10), 2284-2298. https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000001943
Sechs Sitzungen hypnotische kognitive Therapie per Telefon oder Zoom senkten die durchschnittliche Schmerzintensität bei Querschnittgelähmten nach 6 Wochen um 0,55 und nach 12 Wochen um 0,79 Punkte stärker als die übliche Versorgung, bei einem Ausgangswert von 5,9 auf der 10er-Skala.
Randomisierte, einfach verblindete Studie in Neurology mit 127 Erwachsenen mit Rückenmarksverletzung und mittlerem bis starkem chronischem Schmerz, landesweit rekrutiert, 57 Prozent mit neuropathischem Schmerz. Die Behandlung fand ausschließlich aus der Ferne statt, sechs wöchentliche Sitzungen à 60 Minuten plus tägliche Selbsthypnose mit Aufnahmen. Der Schmerz wurde viermal pro Woche erfragt und gemittelt, die Auswerter kannten die Gruppenzuteilung nicht. Auch die Depressionswerte sanken stärker als unter Standardversorgung, und Telefon wirkte genauso gut wie Video. Das ist die jüngste und methodisch sauberste Arbeit aus der Jensen-Gruppe, und sie zeigt, dass hypnotische Kommunikation auch ohne Praxisraum trägt.
Bombardier, C. H., Mendoza, M. E., Thomas, P. A., Barber, J. K., & Jensen, M. P. (2026). Hypnotic cognitive therapy for chronic pain in spinal cord injury. Neurology, 106(8), Article e214836. https://doi.org/10.1212/wnl.0000000000214836
Weitere Studien in diesem Feld:
- Meta-Analyse von 12 randomisierten Studien aus den Jahren 2014 bis 2024: Bei akutem Schmerz senkte medizinische Hypnose den Schmerz um 0,54 Standardabweichungen und den Morphinbedarf um 1,5 Standardabweichungen, bei chronischem Schmerz fand sich dagegen kein Effekt (Hedges' g 0,07).
Yerzhan, A., Ayazbekova, A., Lavage, D. R., & Chelly, J. E. (2025). The Use of Medical Hypnosis to Prevent and Treat Acute and Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Clinical Medicine, 14(13), 4661. https://doi.org/10.3390/jcm14134661 - Meta-Analyse von 10 kontrollierten Studien zu Schmerz bei Behinderung: Kurzfristig besserten sich Erschöpfung, Schmerzerleben und Stimmung deutlich (d = 0,53 gegenüber Kontrollen), nach 3 bis 6 Monaten war der Vorsprung nicht mehr nachweisbar, und gegenüber verhaltenstherapeutischen Verfahren zeigte sich kein Unterschied (d = 0,06).
Bowker, E., & Dorstyn, D. (2016). Hypnotherapy for disability-related pain: A meta-analysis. Journal of Health Psychology, 21(4), 526-539. https://doi.org/10.1177/1359105314530452 - Systematisches Review aus der Rainville-Gruppe zu Hypnose bei Migräne: 9 Studien mit 406 Teilnehmern zeigten durchgehend weniger Migränesymptome unter Hypnose, oft mit weniger Aufwand als andere nichtmedikamentöse Verfahren; eine Meta-Analyse war wegen der uneinheitlichen Studiendesigns nicht möglich, und die methodischen Mängel waren erheblich.
Cardinal, É., Landry, M., Chevestrier, A., Désilets, M., Fournier, V., Rousseaux, F., Rainville, P., & Ogez, D. (2026). Medical hypnosis for migraine management: A systematic review. Complementary Therapies in Medicine, 99, 103374. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2026.103374 - Systematisches Review von 8 Studien mit 423 MS-Patienten: Hypnotherapie senkte die Schmerzintensität um 30 bis 45 Prozent und verbesserte Erschöpfung, Schlaf und Stimmung, wobei die Schmerzlinderung ohne Auffrischung nach 6 Monaten nachließ.
Özdemir, A. O., Cozzolino, M., Gürdal, O., Arcangeli, I. C., Mancone, S., & Celia, G. (2025). A Decade of Hypnotherapy Research for Multiple Sclerosis Symptom Management: A Systematic Review. The American Journal of Medicine, 138(10), 1440-1450. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2025.05.049 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 47 Fibromyalgie-Patientinnen: Drei Hypnosesitzungen plus sechs Monate Selbsthypnose neben der laufenden Medikation ergaben am Ende weniger Schmerz, weniger Depressions- und Angstsymptome und mehr Wohlbefinden als in der Kontrollgruppe; Effektzahlen nennt das Abstract keine.
Özgünay, Ş. E., Aksoy, M. K., Deniz, K. N., Önen, S., Onur, T., Kılıçarslan, N., Eminoğlu, Ş., & Karasu, D. (2024). Effect of Hypnosis on Pain, Anxiety, and Quality of Life in Female Patients with Fibromyalgia: Prospective, Randomized, Controlled Study. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 72(1), 51-63. https://doi.org/10.1080/00207144.2023.2277853 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 97 Fibromyalgie-Patienten: Eine Hypnosesitzung plus eine Audioaufnahme für die tägliche Praxis über einen Monat senkte Schmerz, Erschöpfung, deren Beeinträchtigung im Alltag und depressive Symptome signifikant; Effektgrößen nennt das Abstract keine.
Aravena, V., García, F. E., Téllez, A., & Arias, P. R. (2020). Hypnotic intervention in people with fibromyalgia: A randomized controlled trial. American Journal of Clinical Hypnosis, 63(1), 49-61. https://doi.org/10.1080/00029157.2020.1742088 - Randomisierte Studie mit 60 MS-Patientinnen: Selbsthypnose mindestens 10-mal täglich senkte den Schmerz gegenüber der Kontrollgruppe signifikant, nach 4 Wochen war der Unterschied allerdings nicht mehr nachweisbar.
Hosseinzadegan, F., Radfar, M., Shafiee-Kandjani, A. R., & Sheikh, N. (2017). Efficacy of Self-Hypnosis in Pain Management in Female Patients with Multiple Sclerosis. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 65(1), 86-97. https://doi.org/10.1080/00207144.2017.1246878 - Randomisierte Studie mit 53 hospitalisierten Patienten um die 80 Jahre mit chronischem Schmerz: Hypnose senkte den Schmerz über den Klinikaufenthalt stärker als Massage, und nur in der Hypnosegruppe besserte sich auch die Stimmung; 3 Monate nach der Entlassung war in beiden Gruppen kein Effekt mehr messbar.
Ardigo, S., Herrmann, F. R., Moret, V., Déramé, L., Giannelli, S., Gold, G. E., & Pautex, S. (2016). Hypnosis can reduce pain in hospitalized older patients: a randomized controlled study. BMC Geriatrics, 16(1), 14. https://doi.org/10.1186/s12877-016-0180-y - Randomisierte Studie mit 100 Veteranen mit chronischem Rückenschmerz in vier Gruppen: Die Hypnosegruppen senkten die Schmerzintensität stärker als 8 Sitzungen Biofeedback, über die Hälfte der Hypnose-Teilnehmer erreichte eine klinisch bedeutsame Reduktion von mindestens 30 Prozent und hielt sie 6 Monate, und 2 Sitzungen Selbsthypnose mit Audio zum Üben wirkten so gut wie 8 Sitzungen.
Tan, G., Rintala, D. H., Jensen, M. P., Fukui, T., Smith, D. L., & Williams, W. (2015). A randomized controlled trial of hypnosis compared with biofeedback for adults with chronic low back pain. European Journal of Pain, 19(2), 271-280. https://doi.org/10.1002/ejp.545 - Randomisierte Studie mit drei Armen bei Hüft- und Kniearthrose: 8 Sitzungen Erickson-Hypnose und 8 Sitzungen Jacobson-Entspannung senkten den subjektiven Schmerz und den Schmerzmittelverbrauch gegenüber der Warteliste, bei Hypnose setzte die Besserung schneller ein; Stichprobengröße und Effektzahlen nennt das Abstract keine.
Gay, M., Philippot, P., & Luminet, O. (2002). Differential effectiveness of psychological interventions for reducing osteoarthritis pain: a comparison of Erickson hypnosis and Jacobson relaxation. European Journal of Pain, 6(1), 1-16. https://doi.org/10.1053/eujp.2001.0263 - Kontrollierte Studie mit 40 Patienten mit therapieresistenter Fibromyalgie: 12 Wochen Hypnotherapie verbesserten Schmerzerleben, morgendliche Erschöpfung, Schlaf und Gesamturteil deutlicher als Physiotherapie, auch noch nach 24 Wochen, während der per Druckmessgerät erhobene Muskelschmerz-Wert unverändert blieb.
Haanen, H. C. M., Hoenderdos, H. T. W., van Romunde, L. K. J., Hop, W. C. J., Mallee, C., Terwiel, J. P., & Hekster, G. B. (1991). Controlled trial of hypnotherapy in the treatment of refractory fibromyalgia. The Journal of Rheumatology, 18(1), 72-75. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2023202/ - Nicht randomisierte Studie mit 50 Palliativpatienten über 2 Jahre: Mit Hypnose und Selbsthypnose als Ergänzung sank der Schmerz auf der 100er-Skala von 81,9 auf 38,9, in der Kontrollgruppe von 78,5 auf 57,1, die Angst ging nur in der Hypnosegruppe zurück, und die Kontrollgruppe hatte ein rund 4-fach höheres Risiko, mehr Schmerzmittel und Opioide zu brauchen.
Brugnoli, M. P., Pesce, G., Pasin, E., Basile, M. F., Tamburin, S., & Polati, E. (2018). The role of clinical hypnosis and self-hypnosis to relief pain and anxiety in severe chronic diseases in palliative care: a 2-year long-term follow-up of treatment in a nonrandomized clinical trial. Annals of Palliative Medicine, 7(1), 17-31. https://doi.org/10.21037/apm.2017.10.03 - Randomisierte Pilotstudie mit 20 Hämophilie-Patienten: Vier wöchentliche Hypnosesitzungen zusätzlich zur Standardbehandlung verringerten die Schmerzbeeinträchtigung etwas stärker (d = -0,27) und verbesserten die Lebensqualität deutlich stärker (EQ-5D-VAS d = 1,44) als die Standardbehandlung allein, bei nur 8 gegen 10 ausgewerteten Teilnehmern.
Paredes, A. C., Costa, P., Fernandes, S., Lopes, M., Carvalho, M., Almeida, A., & Pinto, P. R. (2019). Effectiveness of hypnosis for pain management and promotion of health-related quality-of-life among people with haemophilia: a randomised controlled pilot trial. Scientific Reports, 9(1), 13399. https://doi.org/10.1038/s41598-019-49827-1 - Fallserie ohne Kontrollgruppe mit 26 Menschen mit Behinderung und chronischem Schmerz: Rund 20 Prozent erreichten eine deutliche und anhaltende Schmerzreduktion, und nach 12 Monaten nutzten 81 Prozent die gelernte Selbsthypnose weiterhin.
Jensen, M. P., Barber, J., Hanley, M. A., Engel, J. M., Romano, J. M., Cardenas, D. D., Kraft, G. H., Hoffman, A. J., & Patterson, D. R. (2008). Long-term outcome of hypnotic-analgesia treatment for chronic pain in persons with disabilities. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 56(2), 156-169. https://doi.org/10.1080/00207140701849486 - RCT mit 72 Patienten mit chronischem Schmerz ohne Tumorerkrankung. Nach drei Monaten war die Schmerzintensität in beiden Gruppen um rund 40 Prozent gesunken, egal ob die Patienten zur elektrischen Nervenstimulation zusätzlich Hypnose erhielten oder nicht. Auch bei Lebensqualität und Schmerzmittelverbrauch lagen beide Gruppen gleichauf.
Tonyé-Geoffroy, L., Mauboussin Carlos, S., Tuffet, S., Fromentin, H., Bérard, L., Leblanc, J., & Laroche, F. (2021). Efficacy of a combination of hypnosis and transcutaneous electrical nerve stimulation for chronic non-cancer pain: A randomized controlled trial. Journal of Advanced Nursing, 77(6), 2875-2886. https://doi.org/10.1111/jan.14833
Reizdarm und Verdauung
Die darmgerichtete Hypnose nach Peter Whorwell ist das Paradebeispiel für Hypnose in der Medizin: seit 1984 im Lancet belegt, in Cochrane-Reviews geprüft und heute in den Leitlinien der amerikanischen und britischen Gastroenterologen empfohlen. Zwei Drittel bis drei Viertel der Patienten sprechen an, und die Wirkung hält über Jahre. Mehr dazu im Artikel Hypnose bei Reizdarm.
In einer Netzwerk-Meta-Analyse mit 42 Studien und 5.220 Reizdarm-Patienten gehörte darmgerichtete Hypnose zu den drei Verfahren, die Bauchschmerz am zuverlässigsten linderten.
Die Autoren werteten randomisierte kontrollierte Studien zu Darm-Hirn-Verhaltenstherapien aus und fragten gezielt nach dem Bauchschmerz, dem Symptom, das Betroffene am meisten belastet. Mit Hypnose im Präsenzformat sank das Risiko, dass der Schmerz nach der Behandlung unverändert blieb, auf das 0,77-Fache (RR 0,77), mit Selbsthilfe-KVT auf das 0,71-Fache. Keines der Verfahren war einem anderen überlegen, und keine der Studien war in allen Punkten frei von Verzerrungsrisiko. Für Dich heißt das: Hypnose steht bei Bauchschmerz auf Augenhöhe mit den am besten untersuchten Verhaltenstherapien.
Goodoory, V. C., Khasawneh, M., Thakur, E. R., Everitt, H. A., Gudleski, G. D., Lackner, J. M., Moayyedi, P., Houghton, L. A., Black, C. J., & Ford, A. C. (2024). Effect of brain-gut behavioral treatments on abdominal pain in irritable bowel syndrome: Systematic review and network meta-analysis. Gastroenterology, 167(5), 934-943.e5. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2024.05.010
Netzwerk-Meta-Analyse mit 41 Studien und 4.072 Reizdarm-Patienten: Darmgerichtete Hypnose senkte das Risiko, nach der Behandlung weiter unter Symptomen zu leiden, um rund ein Drittel (RR 0,67).
→ Ausführlich: Reizdarm: 41 Studien, vier Verfahren, kein Gewinner
Verglichen wurden alle psychologischen Therapien beim Reizdarm miteinander und mit Kontrollbedingungen. Selbsthilfe-KVT (RR 0,61), Präsenz-KVT (RR 0,62) und darmgerichtete Hypnose (RR 0,67) hatten die breiteste Datenbasis und schnitten am besten ab, keine war einer anderen überlegen. Bei Patienten, bei denen die Standardbehandlung nicht ausgereicht hatte, wirkten Gruppen-KVT und Hypnose besser als Aufklärung oder Routineversorgung. Die Autoren warnen: Das Verzerrungsrisiko der Einzelstudien war hoch, die Effekte sind vermutlich überschätzt. Trotzdem waren KVT und Hypnose die beiden Verfahren mit der besten Langzeitwirkung.
Black, C. J., Thakur, E. R., Houghton, L. A., Quigley, E. M. M., Moayyedi, P., & Ford, A. C. (2020). Efficacy of psychological therapies for irritable bowel syndrome: Systematic review and network meta-analysis. Gut, 69(8), 1441-1451. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2020-321191
Meta-Analyse über 8 randomisierte Studien mit 464 Patienten: Um einem zusätzlichen Reizdarm-Patienten ausreichende Symptomlinderung zu verschaffen, mussten 5 Patienten mit Hypnose behandelt werden, langfristig nur 3.
Die Patienten erhielten im Mittel 8,5 Hypnosesitzungen über 12 Wochen. Am Ende der Behandlung war Hypnose der Kontrollbedingung bei der Symptomlinderung überlegen (RR 1,69), im Langzeit-Follow-up noch deutlicher (RR 2,17). Beim Gesamtscore der Darmsymptome blieb der Langzeiteffekt statistisch unsicher. Von 238 Hypnose-Patienten brach nur einer wegen einer Nebenwirkung ab, einer Panikattacke. Die Bilanz der Autoren: Hypnose ist sicher und verschafft 54 % der Patienten, denen die übliche Behandlung nicht half, langfristig ausreichende Linderung.
Schaefert, R., Klose, P., Moser, G., & Häuser, W. (2014). Efficacy, tolerability, and safety of hypnosis in adult irritable bowel syndrome: Systematic review and meta-analysis. Psychosomatic Medicine, 76(5), 389-398. https://doi.org/10.1097/psy.0000000000000039
Die Leitlinie des American College of Gastroenterology empfiehlt darmgerichtete Psychotherapie, zu der die darmgerichtete Hypnose zählt, zur Behandlung der Gesamtsymptome des Reizdarms.
Es ist die erste Reizdarm-Leitlinie des ACG überhaupt, erstellt nach der GRADE-Methodik und in einem Konsensverfahren. 25 klinische Fragen wurden bearbeitet, 16 davon zu Behandlungsoptionen. Neben der Low-FODMAP-Diät und bestimmten Medikamenten steht die darmgerichtete Psychotherapie als eigene Empfehlung im Dokument. Eine Leitlinie bündelt die vorhandene Evidenz und macht daraus eine Handlungsempfehlung für Ärzte. Genau das macht sie so wertvoll: Hypnose beim Reizdarm ist damit in den USA offizieller Behandlungsstandard.
Lacy, B. E., Pimentel, M., Brenner, D. M., Chey, W. D., Keefer, L. A., Long, M. D., & Moshiree, B. (2021). ACG clinical guideline: Management of irritable bowel syndrome. American Journal of Gastroenterology, 116(1), 17-44. https://doi.org/10.14309/ajg.0000000000001036
Die britische Leitlinie zum Reizdarm empfiehlt darmgerichtete Hypnose und kognitive Verhaltenstherapie als psychologische Behandlungsoptionen, gestützt auf Netzwerk-Meta-Analysen.
Die British Society of Gastroenterology hat ihre Leitlinie von 2007 komplett überarbeitet. Zentrale Neuerung: Das Reizdarmsyndrom gilt jetzt als Störung der Darm-Hirn-Interaktion. Die Empfehlungen basieren auf einer umfassenden Literatursuche und aktualisierten Meta-Analysen zu Diät, Medikamenten und psychologischen Therapien, bewertet nach dem GRADE-System. Wenn Fachgesellschaften den Darm als Teil eines Kommunikationssystems mit dem Gehirn beschreiben, wird klar, warum Sprache dort ankommt: Hypnose ist Kommunikation, und der Darm hört mit.
Vasant, D. H., Paine, P. A., Black, C. J., Houghton, L. A., Everitt, H. A., Corsetti, M., Agrawal, A., Aziz, I., Farmer, A. D., Eugenicos, M. P., Moss-Morris, R., Yiannakou, Y., & Ford, A. C. (2021). British Society of Gastroenterology guidelines on the management of irritable bowel syndrome. Gut, 70(7), 1214-1240. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2021-324598
Der Cochrane-Review fand in 4 Studien mit 147 Patienten kurzfristig bessere Ergebnisse mit Hypnose als mit Warteliste oder üblicher Behandlung, hielt die Studienqualität aber für zu schwach für ein Urteil.
Die Cochrane-Autoren suchten alle randomisierten und quasi-randomisierten Studien bis März 2006. Nur eine Studie verglich Hypnose mit einer aktiven Alternative (Psychotherapie plus Placebo-Tablette), zwei mit einer Warteliste, eine mit der üblichen ärztlichen Versorgung. Wegen unterschiedlicher Messmethoden konnten die Daten nicht zusammengerechnet werden. Bei Bauchschmerz und den Gesamtsymptomen schnitt Hypnose kurzfristig besser ab, Nebenwirkungen wurden in keiner Studie berichtet. Das Fazit ist ehrlich: kleine Studien, schwache Methodik, mehr Forschung nötig. Die großen Meta-Analysen von 2020 und 2024 haben diese Lücke inzwischen geschlossen.
Webb, A., Kukuruzovic, R. H., Catto-Smith, A. G., & Sawyer, S. M. (2007). Hypnotherapy for treatment of irritable bowel syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2007(4), Article CD005110. https://doi.org/10.1002/14651858.cd005110.pub2
Bei 230 Reizdarm-Patienten sprachen 48 % auf Hypnose beim Therapeuten an, 33 % auf Selbsthypnose per Smartphone-App und 22 % auf Online-Psychoedukation.
Multizentrische, dreiarmige randomisierte kontrollierte Studie über 12 Wochen. Als Ansprechen galt das strenge FDA-Kriterium: mindestens 30 % weniger Bauchschmerz. Die App konnte ihre Gleichwertigkeit mit dem Therapeuten statistisch nicht belegen, nach 6 Monaten waren aber beide Hypnoseformen der Psychoedukation klar überlegen (OR 3,11 bzw. 4,68). Auf psychische Symptome hatte keine der drei Behandlungen einen messbaren Effekt. Für mich ist die Reihenfolge der Ergebnisse die eigentliche Botschaft: Die Beziehung zum Therapeuten macht den Unterschied, und selbst eine App wirkt besser als reine Information.
Snijkers, J. T. W., Bosman, M. H. M. A., & Winkens, B. (2026). In-person therapist-delivered hypnotherapy versus smartphone-based self-guided hypnotherapy in IBS: A multicentre three-armed randomised controlled trial. Gut. Advance online publication. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2026-338385
Darmgerichtete Hypnose linderte die Reizdarm-Symptome nach 6 Wochen genauso stark wie die Low-FODMAP-Diät, bei 72 % der Patienten in beiden Gruppen.
74 Patienten wurden randomisiert auf Hypnose, Diät oder die Kombination. Die Gesamtsymptome sanken in allen drei Gruppen ähnlich (um 33, 30 und 36 Punkte auf der visuellen Analogskala). Nach 6 Monaten hielt die Verbesserung bei 74 % der Hypnose-Patienten an, bei 82 % der Diät-Patienten und bei 54 % in der Kombinationsgruppe. Bei Angst und Depression war die Hypnose der Diät klar überlegen. Die Stichprobe ist klein, und eine Placebogruppe fehlte. Bemerkenswert bleibt: Ein Gespräch wirkte auf den Darm so gut wie eine Ernährungsumstellung, und nur das Gespräch veränderte auch die Psyche.
Peters, S., Yao, C. K., Philpott, H., Yelland, G. W., Muir, J. G., & Gibson, P. G. (2016). Randomised clinical trial: The efficacy of gut-directed hypnotherapy is similar to that of the low FODMAP diet for the treatment of irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 44(5), 447-459. https://doi.org/10.1111/apt.13706
Nach 15 Monaten ging es 54 % der Reizdarm-Patienten mit Gruppenhypnose besser, gegenüber 25 % mit alleiniger medizinischer Betreuung.
Randomisierte kontrollierte Studie aus Wien mit 100 Patienten, bei denen die übliche Behandlung nicht ausgereicht hatte. Die Hypnosegruppe erhielt 10 wöchentliche Gruppensitzungen zusätzlich zu unterstützenden Gesprächen und Medikamenten. Direkt nach der Behandlung hatten sich 60,8 % der Hypnose-Patienten in ihrem Alltag klinisch bedeutsam verbessert, in der Kontrollgruppe 40,9 %. Geschlecht, Alter, Krankheitsdauer und Reizdarm-Typ spielten für den Langzeiterfolg keine Rolle. Mit 90 ausgewerteten Patienten ist die Studie mittelgroß, und die Kontrollgruppe erhielt weniger Zuwendung als die Hypnosegruppe.
Moser, G., Trägner, S., Gajowniczek, E. E., Mikulits, A., Michalski, M., Kazemi-Shirazi, L., Kulnigg-Dabsch, S., Führer, M., Ponocny-Seliger, E., Dejaco, C., & Miehsler, W. (2013). Long-term success of gut-directed group hypnosis for patients with refractory irritable bowel syndrome: A randomized controlled trial. American Journal of Gastroenterology, 108(4), 602-609. https://doi.org/10.1038/ajg.2013.19
In zwei randomisierten Studien mit 138 Reizdarm-Patienten besserten sich die Symptome nach 3 Monaten in den Hypnosegruppen, in den Kontrollgruppen nicht, und der Effekt hielt ein Jahr.
Die schwedische Forschergruppe wollte wissen, ob darmgerichtete Hypnose auch außerhalb hochspezialisierter Zentren funktioniert. Studie 1 (90 Patienten) fand in psychologischen Privatpraxen statt, verglichen mit unterstützender Therapie. Studie 2 (48 Patienten) lief in einem kleinen Kreiskrankenhaus gegen eine Warteliste. In Studie 1 war der Vorteil der Hypnose signifikant, in Studie 2 zeigte sich derselbe Trend ohne Signifikanz. Die Autoren schließen: Hypnose ist eine wirksame Alternative für Patienten, denen die Standardbehandlung nicht half, die Wirkung fällt außerhalb der Forschungszentren aber etwas geringer aus. Ein realistisches Bild, das ich schätze.
Lindfors, P., Unge, P., Arvidsson, P., Nyhlin, H., Björnsson, E. S., Abrahamsson, H., & Simrén, M. (2012). Effects of gut-directed hypnotherapy on IBS in different clinical settings: Results from two randomized, controlled trials. American Journal of Gastroenterology, 107(2), 276-285. https://doi.org/10.1038/ajg.2011.340
Bei funktioneller Dyspepsie besserten sich die Symptome mit Hypnose langfristig um 73 %, mit unterstützender Therapie um 34 % und mit Medikamenten um 43 %.
126 Patienten mit Reizmagen wurden für 16 Wochen randomisiert auf Hypnose, unterstützende Gespräche plus Placebo oder medikamentöse Behandlung. Schon kurzfristig lag die Hypnose vorn (59 % gegenüber 41 % und 33 %). Nach 56 Wochen hatten 90 % der Medikamentengruppe und 82 % der Gesprächsgruppe neue Medikamente begonnen, in der Hypnosegruppe niemand. Die Hypnose-Patienten gingen im Follow-up im Median einmal zum Arzt, die anderen viermal. Von 126 Patienten beendeten 79 alle Phasen der Studie, ein deutlicher Schwund. Trotzdem ein seltener Befund: Eine Gesprächsbehandlung ersetzte Medikamente auf Dauer.
Calvert, E. L., Houghton, L. A., Cooper, P., Morris, J., & Whorwell, P. J. (2002). Long-term improvement in functional dyspepsia using hypnotherapy. Gastroenterology, 123(6), 1778-1785. https://doi.org/10.1053/gast.2002.37071
Die erste randomisierte Studie zu Hypnose beim Reizdarm: Bei 30 Patienten mit schwerem Verlauf besserten sich mit Hypnose alle Symptome deutlich, mit Psychotherapie plus Placebo nur wenige.
Peter Whorwell aus Manchester verglich Hypnose mit unterstützender Psychotherapie plus Placebo-Tablette. Die Psychotherapie-Gruppe zeigte eine kleine, aber signifikante Besserung bei Bauchschmerz, Blähungen und Wohlbefinden, das Stuhlverhalten blieb unverändert. Die Hypnosegruppe besserte sich in allen Bereichen, der Unterschied zwischen den Gruppen war hochsignifikant. In 3 Monaten Nachbeobachtung gab es in der Hypnosegruppe keinen Rückfall und keine Ersatzsymptome. Mit 30 Patienten ist die Studie klein, und im Abstract fehlen Effektzahlen. Die Arbeit ist trotzdem der Grundstein: Aus ihr entstand das Manchester-Protokoll, das bis heute weltweit verwendet wird.
Whorwell, P. J., Prior, A., & Faragher, E. B. (1984). Controlled trial of hypnotherapy in the treatment of severe refractory irritable-bowel syndrome. The Lancet, 324(8414), 1232-1234. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(84)92793-4
Von 204 Reizdarm-Patienten sprachen 71 % auf Hypnose an, und 81 % von ihnen hielten die Verbesserung bis zu 6 Jahre lang.
Prospektive Langzeitbeobachtung der Manchester-Gruppe ohne Kontrollgruppe. Die Patienten füllten vor, direkt nach und bis zu 6 Jahre nach der Hypnose Fragebögen zu Symptomen, Lebensqualität, Angst und Depression aus. Alle Symptomwerte lagen im Follow-up weiter deutlich unter dem Ausgangsniveau, und es machte keinen Unterschied, ob die Behandlung 1, 2, 3, 4 oder über 5 Jahre zurücklag. Auch Arztbesuche und Medikamentengebrauch gingen zurück. Ohne Kontrollgruppe lässt sich der Anteil natürlicher Besserung schwer abgrenzen, für die Frage nach der Dauer ist die Studie aber die beste, die es gibt.
Gonsalkorale, W. M., Miller, V., Afzal, A., & Whorwell, P. J. (2003). Long term benefits of hypnotherapy for irritable bowel syndrome. Gut, 52(11), 1623-1629. https://doi.org/10.1136/gut.52.11.1623
Nach 12 Monaten berichteten 40,8 Prozent der Patienten mit Einzelhypnotherapie und 49,5 Prozent mit Gruppenhypnotherapie ausreichende Linderung ihres Reizdarms, gegenüber 22,6 Prozent nach unterstützender Schulung.
Multizentrische randomisierte Studie IMAGINE in Lancet Gastroenterology & Hepatology an 11 niederländischen Kliniken mit 354 Patienten aus Haus- und Facharztpraxen, die je sechs Sitzungen bekamen. Schon nach 3 Monaten lag die Hypnotherapie mit 40,8 beziehungsweise 33,2 Prozent vor der Kontrollgruppe mit 16,7 Prozent (Odds Ratio 2,9), nach einem Jahr blieb der Vorsprung bestehen (Odds Ratio 2,8). Die Gruppenbehandlung war der Einzelbehandlung nicht unterlegen. Bemerkenswert ist der Vergleich zum Manchester-Protokoll mit seinen rund 70 Prozent Respondern: Hier wurden nur sechs statt zwölf Sitzungen gegeben, die Therapeuten waren weniger spezialisiert, und die Kontrollgruppe bekam eine echte Behandlung. Die Wirkung bleibt auch unter Alltagsbedingungen, sie fällt nur kleiner aus. Vertiefung: Hypnose bei Reizdarm.
Flik, C. E., Laan, W., Zuithoff, N. P. A., van Rood, Y. R., Smout, A. J. P. M., Weusten, B. L. A. M., Whorwell, P. J., & de Wit, N. J. (2019). Efficacy of individual and group hypnotherapy in irritable bowel syndrome (IMAGINE): A multicentre randomised controlled trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology, 4(1), 20-31. https://doi.org/10.1016/s2468-1253(18)30310-8
Von 1.000 Patienten mit therapieresistentem Reizdarm erreichten 76 Prozent nach zwölf Sitzungen darmgerichteter Hypnotherapie eine klinisch bedeutsame Besserung, die Schmerztage sanken von 18 auf 9 pro Monat.
Auswertung der größten Reizdarm-Hypnose-Kohorte der Welt aus der Klinik von Peter Whorwell in Manchester, veröffentlicht in Alimentary Pharmacology & Therapeutics: 1.000 Patienten nach Rom-II-Kriterien, Durchschnittsalter 51,6 Jahre, 80 Prozent Frauen, alle zuvor erfolglos behandelt. Der Symptomscore sank im Mittel um 129 Punkte, 67 Prozent hatten mindestens 30 Prozent weniger Bauchschmerz, der Anteil mit Angst fiel von 63 auf 34 Prozent, der mit Depression von 25 auf 12 Prozent. Frauen sprachen etwas besser an als Männer (80 gegenüber 62 Prozent), der Stuhlgangtyp spielte keine Rolle. Eine Kontrollgruppe gab es nicht, dafür eine Fallzahl, die jede randomisierte Studie in diesem Feld um ein Vielfaches übertrifft.
Miller, V., Carruthers, H. R., Morris, J., Hasan, S. S., Archbold, S., & Whorwell, P. J. (2015). Hypnotherapy for irritable bowel syndrome: An audit of one thousand adult patients. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 41(9), 844-855. https://doi.org/10.1111/apt.13145
Weitere Studien in diesem Feld:
- Randomisierte Studie mit 362 ausgewerteten Reizdarm-Patienten über 12 Wochen, darmbezogene Hypnotherapie per App gegen Muskelentspannung per App. Der primäre Endpunkt wurde verfehlt (30,4 gegen 27,1 Prozent Schmerz-Responder, p = 0,54). Über den gesamten Behandlungszeitraum lag die Hypnotherapie vorn (29,3 gegen 18,8 Prozent, p = 0,03), ebenso in den letzten vier Behandlungswochen (30,9 gegen 21,5 Prozent, p = 0,02). Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Berry, S. K., Berry, R., Recker, D., Botbyl, J., Pun, L., & Chey, W. D. (2023). A Randomized Parallel-group Study of Digital Gut-directed Hypnotherapy vs Muscle Relaxation for Irritable Bowel Syndrome. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 21(12), 3152-3159.e2. https://doi.org/10.1016/j.cgh.2023.06.015 - Meta-Analyse über 12 Studien mit 1.158 Reizdarm-Patienten: Alle 12 Studien fanden darmgerichtete Hypnose der Vergleichsbehandlung überlegen, neun davon statistisch signifikant. Beim Bauchschmerz zeigte sich ein kleiner, aber signifikanter Vorteil (SMD 0,25), und Hypnose im Gruppenformat senkte die Gesamtsymptome deutlich (SMD 0,41).
Adler, E. C., Levine, E., Ibarra, A. N., Boparai, E. S., Hung, Y., McCrary, Q. D., & Lee, J. K. (2025). Gut-directed hypnotherapy for irritable bowel syndrome: A systematic review and meta-analysis. Neurogastroenterology & Motility, 37(7), e70037. https://doi.org/10.1111/nmo.70037 - Meta-Analyse mit 12 Studien: Über alle Studien hinweg verfehlte der Effekt der Hypnose auf die Gesamtsymptome die Signifikanz (SMD 0,24), ab 8 Sitzungen mit mindestens 6 Stunden Kontakt wurde er jedoch deutlich (SMD 0,51), ebenso bei wöchentlichen Sitzungen (SMD 0,45) und im Gruppenformat (SMD 0,45). Die Dosis entscheidet, die Datenbasis ist klein.
Krouwel, M., Farley, A., Greenfield, S., Ismail, T., & Jolly, K. (2021). Systematic review, meta-analysis with subgroup analysis of hypnotherapy for irritable bowel syndrome, effect of intervention characteristics. Complementary Therapies in Medicine, 57, 102672. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2021.102672 - Meta-Analyse über 7 randomisierte Studien mit 374 Reizdarm-Patienten: Nach 3 Monaten war der Bauchschmerz in den Hypnosegruppen deutlich stärker gesunken (SMD -0,83), und 3 von 4 Studien zeigten bessere Gesamtsymptome. Die Aussage gilt nur kurzfristig, eine Verblindung war naturgemäß unmöglich.
Lee, H. H., Choi, Y. Y., & Choi, M. (2014). The efficacy of hypnotherapy in the treatment of irritable bowel syndrome: A systematic review and meta-analysis. Journal of Neurogastroenterology and Motility, 20(2), 152-162. https://doi.org/10.5056/jnm.2014.20.2.152 - Systematischer Review über 20 Studien, davon nur 4 randomisiert: 10 von 18 Studien zeigten einen signifikanten Nutzen der Hypnose beim Reizdarm, die Stichproben waren jedoch klein und nur eine Studie erreichte gute methodische Qualität.
Wilson, S., Maddison, T., Roberts, L., Greenfield, S., & Singh, S. (2006). Systematic review: The effectiveness of hypnotherapy in the management of irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 24(5), 769-780. https://doi.org/10.1111/j.1365-2036.2006.03028.x - Dreiarmige randomisierte Studie mit 144 Reizdarm-Patienten: Direkt nach der Behandlung besserten sich die Symptome in allen drei Gruppen, nach 3 Monaten hielten nur die beiden Hypnosegruppen (Ericksonsch und klassisch) die Verbesserung, die Gruppe mit Aufklärungsvortrag war wieder auf dem Ausgangsniveau.
Wan, Y., & Ng, S. M. (2022). Hypnotherapy for persons with irritable bowel syndrome: A three-arm randomized controlled trial. American Journal of Clinical Hypnosis, 65(2), 110-135. https://doi.org/10.1080/00029157.2022.2051424 - Randomisierte Studie mit 119 Reizdarm-Patienten: Darmgerichtete Hypnose durch Pflegekräfte senkte die Symptomschwere sowohl einzeln (Median 332 auf 216 Punkte) als auch in der Gruppe (315 auf 217), ohne Unterschied zwischen beiden Formaten; 69 % bzw. 57 % galten als Responder.
Lövdahl, J., Törnblom, H., Ringström, G., Palsson, O. S., & Simrén, M. (2022). Randomised clinical trial: Individual versus group hypnotherapy for irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 55(12), 1501-1511. https://doi.org/10.1111/apt.16934 - Physiologische Studie mit 23 Reizdarm-Patienten und Vergleichswerten von 17 Gesunden: Nach 12 Wochen Hypnose stieg die Schmerzschwelle im Enddarm bei den 10 überempfindlichen Patienten signifikant an, bei normal empfindlichen blieb sie unverändert. Hypnose normalisiert die Wahrnehmung offenbar dort, wo sie gestört ist. Ohne Kontrollgruppe.
Lea, R., Houghton, L. A., Calvert, E., Larder, S., Gonsalkorale, W. M., Whelan, V., Randles, J., Cooper, P., Cruickshanks, P., Miller, V., & Whorwell, P. J. (2003). Gut-focused hypnotherapy normalizes disordered rectal sensitivity in patients with irritable bowel syndrome. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 17(5), 635-642. https://doi.org/10.1046/j.1365-2036.2003.01486.x - Behandlungsserie in The Lancet mit 33 Reizdarm-Patienten, denen die Standardbehandlung nicht half: Nach vier 40-minütigen Hypnosesitzungen besserten sich 20, davon 11 fast symptomfrei, und Gruppen bis zu 8 Personen wirkten genauso gut wie Einzeltherapie.
Harvey, R. F., Gunary, R., Hinton, R. B., & Barry, R. E. (1989). Individual and group hypnotherapy in treatment of refractory irritable bowel syndrome. The Lancet, 333(8635), 424-425. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(89)90013-5 - Kurzreview des deutschen Leitlinienautors Winfried Häuser: Darmgerichtete Hypnose zählt neben KVT-basierten Verfahren zu den Darm-Hirn-Verhaltenstherapien mit der größten Evidenz für kurz- und langfristige Wirkung und wird in europäischen und nordamerikanischen Leitlinien als Zweitlinientherapie empfohlen; standardisierte Programme gibt es auch als Audio und App.
Häuser, W. (2024). Gut-directed hypnosis and hypnotherapy for irritable bowel syndrome: A mini-review. Frontiers in Psychology, 15, Article 1389911. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1389911 - Fallserie mit 32 Kindern und Jugendlichen (8 bis 18 Jahre) mit schwerem Reizdarm: Nach 12 Sitzungen darmgerichteter Hypnose nach dem Manchester-Protokoll sprachen 88 % an, die Symptomschwere sank im Mittel um 159 Punkte, und 75 % hatten mindestens 30 % weniger Bauchschmerz. Ohne Kontrollgruppe.
Vasant, D. H., Hasan, S., Cruickshanks, P., & Whorwell, P. J. (2021). Gut-focused hypnotherapy for children and adolescents with irritable bowel syndrome. Frontline Gastroenterology, 12(7), 570-577. https://doi.org/10.1136/flgastro-2020-101679 - Übersichtsarbeit mit systematischer Studienauswertung: 6 von 7 randomisierten Reizdarm-Studien fanden signifikant weniger Gesamtsymptome nach darmgerichteter Hypnose, die Ansprechraten lagen zwischen 24 % und 73 %, und in 4 von 5 Studien hielt die Wirkung langfristig; bei Colitis ulcerosa half Hypnose, die Remission zu erhalten.
Peters, S., Muir, J. G., & Gibson, P. G. (2015). Review article: Gut-directed hypnotherapy in the management of irritable bowel syndrome and inflammatory bowel disease. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 41(11), 1104-1115. https://doi.org/10.1111/apt.13202 - Fallserie mit 50 Patienten mit schwerem Reizdarm in Gut: Die 15 Patienten der Lancet-Studie blieben nach im Mittel 18 Monaten in Remission, bei klassischem Reizdarm sprachen 95 % an, bei atypischem 43 %, bei ausgeprägter psychischer Belastung 60 %; über 50-Jährige profitierten deutlich seltener (25 %). Ohne Kontrollgruppe.
Whorwell, P. J., Prior, A., & Colgan, S. (1987). Hypnotherapy in severe irritable bowel syndrome: Further experience. Gut, 28(4), 423-425. https://doi.org/10.1136/gut.28.4.423 - Randomisierte Studie mit 54 Patienten mit Colitis ulcerosa in Remission: Nach 7 Sitzungen darmgerichteter Hypnose blieben 68 % ein Jahr lang schubfrei, in der Aufmerksamkeits-Kontrollgruppe 40 %, und der nächste Schub kam im Schnitt 78 Tage später. Lebensqualität und Stress unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht.
Keefer, L., Taft, T. H., Kiebles, J. L., Martinovich, Z., Barrett, T. A., & Palsson, O. S. (2013). Gut-directed hypnotherapy significantly augments clinical remission in quiescent ulcerative colitis. Alimentary Pharmacology & Therapeutics, 38(7), 761-771. https://doi.org/10.1111/apt.12449 - Randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie mit 448 Patienten, deren Reizdarm auf die Standardbehandlung nicht angesprochen hatte: Sechs Sitzungen darmgerichtete Hypnose wirkten so gut wie zwölf. Eine klinisch bedeutsame Besserung (mindestens 50 Punkte weniger im IBS-SSS) erreichten 78,8 Prozent nach sechs und 73,9 Prozent nach zwölf Sitzungen, und nach sechs Sitzungen brachen weniger Patienten ab (9 gegenüber 15 Prozent).
Hasan, S. S., Whorwell, P. J., Miller, V., Morris, J., & Vasant, D. H. (2021). Six vs 12 sessions of gut-focused hypnotherapy for irritable bowel syndrome: A randomized trial. Gastroenterology, 160(7), 2605-2607.e3. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2021.02.058 - Randomisierte Studie mit 240 Erwachsenen: Ein 42-tägiges Hypnoseprogramm per App schlug eine aktive Kontrollbedingung mit demselben digitalen Aufbau ohne Hypnose. 81 Prozent der Hypnose-Gruppe verbesserten sich klinisch bedeutsam gegenüber 63 Prozent der Kontrollgruppe, und eine Schmerzreduktion um mindestens 30 Prozent berichteten 71 gegenüber 35 Prozent.
Anderson, E. J., Peters, S. L., Gibson, P. R., & Halmos, E. P. (2024). Comparison of digitally delivered gut-directed hypnotherapy program with an active control for irritable bowel syndrome. The American Journal of Gastroenterology, 120(2), 440-448. https://doi.org/10.14309/ajg.0000000000002921 - Zwei-Jahres-Nachbeobachtung von 289 Patienten, die ein zwölfwöchiges Hypnoseprogramm bei Pflegekräften absolviert hatten: Die Responderquote lag direkt nach der Behandlung bei 64,3 Prozent und nach zwei Jahren noch bei 61,8 Prozent. Zwischen Einzel- und Gruppenformat zeigte sich kein Unterschied. Eine Kontrollgruppe gab es nicht.
Lövdahl, J., Blomqvist-Storm, M., Palsson, O. S., Ringström, G., Törnblom, H., Simrén, M., & Trindade, I. A. (2025). Nurse-administered gut-directed hypnotherapy for irritable bowel syndrome: A two-year follow-up study. United European Gastroenterology Journal, 13(7), 1307-1317. https://doi.org/10.1002/ueg2.70060 - 44 britisch-asiatische Patienten mit therapierefraktärem Reizdarm erhielten zwölf Sitzungen nach dem Manchester-Protokoll, betreut von einem Team mit mehrsprachigen Therapeuten: 84 Prozent besserten sich klinisch bedeutsam, 57 Prozent hatten mindestens 30 Prozent weniger Bauchschmerz, der IBS-SSS sank im Mittel um 132 Punkte. Eine Fallserie ohne Kontrollgruppe, die zeigt, dass das Protokoll auch außerhalb der ursprünglichen Zielgruppe trägt.
Sasegbon, A., Hasan, S. S., Whorwell, P. J., & Vasant, D. H. (2022). Experience and clinical efficacy of gut-directed hypnotherapy in an Asian population with refractory irritable bowel syndrome. JGH Open, 6(7), 447-453. https://doi.org/10.1002/jgh3.12770
Kinder und Jugendliche
Kinder sprechen auf hypnotische Kommunikation meist schneller an als Erwachsene, weil sie in Vorstellungen leben. Die Studien zu Nadelschmerz, Lumbalpunktion und Bauchschmerz zeigen große Effekte, oft mit wenigen Sitzungen. Einen Überblick über die Arbeit mit Kindern gibt der Artikel Hypnose bei Kindern.
Bei Kindern mit Reizdarm und funktionellen Bauchschmerzen war Hypnotherapie mit einem fast 5-fach höheren Behandlungserfolg (Risikoverhältnis 4,99) die wirksamste aller untersuchten Behandlungen.
Netzwerk-Meta-Analyse im Lancet Child & Adolescent Health: 91 randomisierte Studien mit 7.226 Kindern zwischen 4 und 18 Jahren, verglichen wurden Diäten, Medikamente, Probiotika und psychosoziale Verfahren. Nur zwei Behandlungen waren mit moderater Sicherheit wirksamer als die Kontrollen: Hypnotherapie mit großem Effekt und kognitive Verhaltenstherapie mit moderatem Effekt (Risikoverhältnis 1,99). Für alle anderen Verfahren war die Evidenz entweder negativ oder zu unsicher für ein Urteil. Für mich ist das ein Schlüsselbefund: Wenn bei Kindern das Gespräch und die Vorstellungskraft mehr bewegen als jede Tablette, zeigt sich, wie stark Erwartung und innere Bilder in den Körper hineinwirken.
Sinopoulou, V., Groen, J., Gordon, M., Mougey, E. H., Franciosi, J. P., de Meij, T. G. J., Tabbers, M. M., & Benninga, M. A. (2025). Efficacy of interventions for the treatment of irritable bowel syndrome, functional abdominal pain-not otherwise specified, and abdominal migraine in children: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet Child & Adolescent Health, 9(5), 315-324. https://doi.org/10.1016/s2352-4642(25)00058-6
Ablenkung (26 Studien) und Hypnose (7 Studien) senkten Schmerz und Stress von Kindern und Jugendlichen bei Nadelprozeduren deutlich, die Qualität der Studien war jedoch niedrig.
Systematisches Review mit Meta-Analyse im Journal of Pediatric Psychology aus der Gruppe um Patrick McGrath. Ausgewertet wurden selbstberichteter Schmerz, Fremdeinschätzung und beobachtetes Verhalten bei Impfungen, Blutabnahmen und ähnlichen Eingriffen. Die Autoren sprechen von starker Unterstützung für beide Verfahren, Effektstärken nennt das Abstract keine. Merkmale der Ablenkung (etwa ob ein Erwachsener beteiligt war), das Alter der Kinder und das Verzerrungsrisiko der Studien beeinflussten die Wirkung. Die Botschaft für die Praxis: Wer die Aufmerksamkeit eines Kindes lenkt, egal ob über Ablenkung oder Hypnose, verändert messbar, wie viel Schmerz und Stress es erlebt. Die Grenze zwischen beidem ist fließend.
Birnie, K. A., Noël, M., Parker, J. A., Chambers, C. T., Uman, L. S., Kisely, S., & McGrath, P. J. (2014). Systematic Review and Meta-Analysis of Distraction and Hypnosis for Needle-Related Pain and Distress in Children and Adolescents. Journal of Pediatric Psychology, 39(8), 783-808. https://doi.org/10.1093/jpepsy/jsu029
Nach einem Jahr waren 62 Prozent der Kinder mit Hypnose-Übungen von CD zu Hause erfolgreich behandelt, gegenüber 71 Prozent mit sechs Sitzungen beim Therapeuten, die Heimvariante war damit statistisch nicht unterlegen.
Multizentrische randomisierte Studie in JAMA Pediatrics an 9 niederländischen Kliniken: 260 Kinder zwischen 8 und 18 Jahren mit Reizdarm oder funktionellen Bauchschmerzen, 250 davon ausgewertet. Behandlungserfolg hieß: Schmerzhäufigkeit und Schmerzintensität mindestens halbiert. Direkt nach den 3 Behandlungsmonaten lag die CD-Gruppe mit 36,8 Prozent noch deutlich hinter der Therapeutengruppe mit 50,1 Prozent, nach einem Jahr hatte sie fast aufgeholt (Differenz -8,9 Prozentpunkte). Kein Kind brach wegen Nebenwirkungen ab. Für die Versorgung ist das ein großer Schritt: Eine Audioaufnahme macht die Behandlung für Kinder verfügbar, die sonst keinen Therapeuten in der Nähe haben.
Rutten, J. M. T. M., Vlieger, A. M., Frankenhuis, C., George, E. K., Groeneweg, M., Norbruis, O. F., Tjon a Ten, W., van Wering, H. M., Dijkgraaf, M. G. W., Merkus, M. P., & Benninga, M. A. (2017). Home-based hypnotherapy self-exercises vs individual hypnotherapy with a therapist for treatment of pediatric irritable bowel syndrome, functional abdominal pain, or functional abdominal pain syndrome: A randomized clinical trial. JAMA Pediatrics, 171(5), 470-477. https://doi.org/10.1001/jamapediatrics.2017.0091
Knapp 5 Jahre nach der Behandlung waren noch 68 Prozent der Kinder mit darmgerichteter Hypnotherapie in Remission, gegenüber 20 Prozent nach Standardbehandlung.
Langzeit-Nachuntersuchung der randomisierten Studie von 2007: Alle 27 Hypnose-Kinder und 22 der 25 Kinder aus der Kontrollgruppe füllten nach durchschnittlich 4,8 Jahren erneut ein Schmerztagebuch aus. Remission hieß mehr als 80 Prozent weniger Schmerz gegenüber dem Ausgangswert. Schmerzintensität und Schmerzhäufigkeit lagen bei 2,8 und 2,3 in der Hypnosegruppe gegenüber 7,3 und 7,1 nach Standardbehandlung, auch die Somatisierungswerte waren niedriger (15,2 gegenüber 22,8). Bei Lebensqualität, Arztbesuchen und Fehltagen fand sich kein Unterschied. Die Stichprobe ist klein, eine Wirkung, die nach fünf Jahren noch bei zwei Dritteln steht, ist in diesem Bereich aber bemerkenswert.
Vlieger, A. M., Rutten, J. M. T. M., Govers, A. M. A. P., Frankenhuis, C., & Benninga, M. A. (2012). Long-Term Follow-Up of Gut-Directed Hypnotherapy vs. Standard Care in Children With Functional Abdominal Pain or Irritable Bowel Syndrome. The American Journal of Gastroenterology, 107(4), 627-631. https://doi.org/10.1038/ajg.2011.487
Nach einem Jahr galten 85 Prozent der Kinder mit darmgerichteter Hypnotherapie als erfolgreich behandelt, gegenüber 25 Prozent mit Standardbehandlung.
Randomisierte kontrollierte Studie im Fachjournal Gastroenterology, die Referenzstudie zu Hypnose bei Kinderbauchschmerz: 53 Kinder zwischen 8 und 18 Jahren mit funktionellen Bauchschmerzen (31) oder Reizdarm (22) erhielten entweder 6 Hypnosesitzungen über 3 Monate oder Standardbehandlung plus 6 Sitzungen unterstützende Gespräche. Die Schmerzintensität sank in der Hypnosegruppe von 13,5 auf 1,3 und in der Kontrollgruppe von 14,1 auf 8,0, die Schmerzhäufigkeit von 13,5 auf 1,1 gegenüber 14,4 auf 9,3. Beide Gruppen besserten sich, die Kontrollgruppe bekam also ebenfalls Zuwendung, doch nur in der Hypnosegruppe verschwanden die Beschwerden weitgehend. Die Stichprobe ist mit 53 Kindern klein, die Nachuntersuchung von 2012 macht den Befund aber belastbar.
Vlieger, A. M., Menko-Frankenhuis, C., Wolfkamp, S. C., Tromp, E., & Benninga, M. A. (2007). Hypnotherapy for Children With Functional Abdominal Pain or Irritable Bowel Syndrome: A Randomized Controlled Trial. Gastroenterology, 133(5), 1430-1436. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2007.08.072
Mit Hypnose dauerte eine belastende Blasenuntersuchung bei Kindern fast 14 Minuten kürzer, und Eltern, Beobachter und Klinikpersonal bewerteten den Eingriff als deutlich weniger belastend.
Randomisierte Studie der Spiegel-Gruppe in Stanford, veröffentlicht in Pediatrics: 44 Kinder mit einem Durchschnittsalter von 7,6 Jahren, die eine Miktionszystourethrographie schon einmal als belastend erlebt hatten, bekamen entweder eine Stunde Training in selbsthypnotischer Vorstellungsarbeit plus Begleitung während des Eingriffs (21) oder die Routineversorgung (23). Die Kontrollgruppe war anspruchsvoll: 83 Prozent nahmen am klinikeigenen Vorbereitungsprogramm mit Puppen-Demonstration und Atemübungen teil. Trotzdem lag Hypnose auf allen vier Zielgrößen mit mittleren bis großen Effektstärken vorn, konkrete Werte nennt das Abstract nur für die Zeitersparnis. Die Stichprobe war klein und überwiegend weiß, und niemand war verblindet; die objektiv gemessene Zeit passte aber zu den subjektiven Urteilen.
Butler, L. D., Symons, B. K., Henderson, S. L., Shortliffe, L. D., & Spiegel, D. (2005). Hypnosis Reduces Distress and Duration of an Invasive Medical Procedure for Children. Pediatrics, 115(1), e77-e85. https://doi.org/10.1542/peds.2004-0818
Weitere Studien in diesem Feld:
- Scoping Review (mit Devin Terhune) über 38 Studien mit 2.205 Kindern bei medizinischen Eingriffen: In 76 Prozent der Studien war Hypnose Kontrollbedingungen und anderen nichtmedikamentösen Verfahren wie Ablenkung oder Akupressur mit mittleren bis großen Effekten überlegen, die Evidenzsicherheit wurde jedoch nicht bewertet, und die Berichtsqualität der Studien war oft mangelhaft.
Geagea, D., Tyack, Z., Kimble, R., Polito, V., Ayoub, B., Terhune, D. B., & Griffin, B. (2023). Clinical hypnosis for procedural pain and distress in children: A scoping review. Pain Medicine, 24(6), 661-702. https://doi.org/10.1093/pm/pnac186 - Systematisches Review von 3 randomisierten Studien mit je 22 bis 52 Kindern mit funktionellen Bauchschmerzen oder Reizdarm: Alle drei zeigten eine deutlich stärkere Besserung der Bauchschmerzen unter darmgerichteter Hypnotherapie, eine Studie mit anhaltendem Effekt nach einem Jahr, zwei mit weniger Schulfehltagen; genaue Effektgrößen ließen sich wegen der wenigen Studien nicht berechnen.
Rutten, J. M. T. M., Reitsma, J. B., Vlieger, A. M., & Benninga, M. A. (2013). Gut-directed hypnotherapy for functional abdominal pain or irritable bowel syndrome in children: a systematic review. Archives of Disease in Childhood, 98(4), 252-257. https://doi.org/10.1136/archdischild-2012-302906 - Methodischer Review von 13 kontrollierten Studien mit Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren: Hypnose linderte den Schmerz bei Knochenmarkpunktionen, Lumbalpunktionen, Blasenuntersuchungen und nach Operationen durchgehend besser als Kontrollbedingungen und mindestens so gut wie Ablenkung; Effektzahlen nennt das Abstract keine.
Accardi, M. C., & Milling, L. S. (2009). The effectiveness of hypnosis for reducing procedure-related pain in children and adolescents: a comprehensive methodological review. Journal of Behavioral Medicine, 32(4), 328-339. https://doi.org/10.1007/s10865-009-9207-6 - Systematisches Review von 7 randomisierten und einer kontrollierten Studie bei Kindern mit Krebs: Hypnose senkte Schmerz und Angst bei Eingriffen statistisch signifikant, die Studien hatten jedoch eine Reihe methodischer Schwächen, und Effektzahlen nennt das Abstract keine.
Richardson, J., Smith, J. E., McCall, G., & Pilkington, K. (2006). Hypnosis for procedure-related pain and distress in pediatric cancer patients: a systematic review of effectiveness and methodology related to hypnosis interventions. Journal of Pain and Symptom Management, 31(1), 70-84. https://doi.org/10.1016/j.jpainsymman.2005.06.010 - Randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie mit 114 ausgewerteten Kindern (6 bis 18 Jahre) bei Nadelprozeduren: Hypnose per Virtual-Reality-Brille reduzierte Schmerz und Angst genauso gut wie Hypnose durch eine geschulte Fachkraft (Differenz -0,17 Punkte auf der Wong-Baker-Skala), und beide Varianten bekamen von den Kindern Zufriedenheitsnoten von 9 bzw. 10 von 10.
van den Berg, S., Hoogeveen, M. O., van Winden, T. M. S., Chegary, M., Genco, M. S., & Jonkman, N. H. (2023). Virtual reality hypnosis for needle-related procedural pain and fear management in children: A non-inferiority randomized trial. European Journal of Pediatrics, 182(10), 4421-4430. https://doi.org/10.1007/s00431-023-05116-8 - Randomisierte Studie mit 45 krebskranken Kindern (6 bis 16 Jahre) bei Lumbalpunktion: Betäubungscreme plus Selbsthypnose führte zu weniger Erwartungsangst, weniger Schmerz und Angst während des Eingriffs und weniger sichtbarem Stress als Creme allein oder Creme plus Zuwendung, und der Nutzen blieb erhalten, als die Kinder die Selbsthypnose eigenständig anwendeten; Effektzahlen nennt das Abstract keine.
Liossi, C., White, P., & Hatira, P. (2006). Randomized clinical trial of local anesthetic versus a combination of local anesthetic with self-hypnosis in the management of pediatric procedure-related pain. Health Psychology, 25(3), 307-315. https://doi.org/10.1037/0278-6133.25.3.307 - Prospektive Studie in Pediatrics mit 28 Kindern (6 bis 12 Jahre) mit klassischer Migräne im Crossover-Design: Unter Placebo hatten die Kinder in 3 Monaten im Schnitt 13,3 Migräneanfälle, unter Propranolol 14,9 und nach dem Erlernen von Selbsthypnose 5,8, wobei die Selbsthypnose immer als letzte Phase kam und sich die Schwere der Anfälle unter keiner Behandlung änderte.
Olness, K., MacDonald, J. T., & Uden, D. L. (1987). Comparison of Self-Hypnosis and Propranolol in the Treatment of Juvenile Classic Migraine. Pediatrics, 79(4), 593-597. https://doi.org/10.1542/peds.79.4.593 - Prospektive kontrollierte Studie mit 80 krebskranken Kindern bei regelmäßigen Lumbalpunktionen in vier Gruppen: Direkte und indirekte Hypnose senkten Schmerz und Angst gleichermaßen gegenüber Aufmerksamkeitskontrolle und Standardversorgung, die Wirkung ließ jedoch nach, sobald die Kinder auf Selbsthypnose ohne Therapeuten umgestellt wurden; Effektzahlen nennt das Abstract keine.
Liossi, C., & Hatira, P. (2003). Clinical Hypnosis in the Alleviation of Procedure-Related Pain in Pediatric Oncology Patients. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 51(1), 4-28. https://doi.org/10.1076/iceh.51.1.4.14064 - Die klassische Vergleichsstudie: Bei 27 krebskranken Kindern mit Knochenmarkpunktion und 22 mit Lumbalpunktion senkte Hypnose Schmerz und Angst stärker als nichthypnotische Verhaltenstechniken (Patienten- und Beobachterurteil, p unter 0,001), bei der Lumbalpunktion reduzierte nur Hypnose den Schmerz signifikant.
Zeltzer, L., & LeBaron, S. (1982). Hypnosis and nonhypnotic techniques for reduction of pain and anxiety during painful procedures in children and adolescents with cancer. The Journal of Pediatrics, 101(6), 1032-1035. https://doi.org/10.1016/s0022-3476(82)80040-1 - Randomisierte Studie mit 52 nach Alter, Geschlecht und Diagnose gepaarten Kindern vor einer Operation: Wer vorher geführte Vorstellungen mit Suggestionen für einen guten Verlauf gelernt hatte, berichtete weniger Schmerz nach dem Eingriff, blieb kürzer im Krankenhaus und hatte weniger Angst, während die Angst in der Kontrollgruppe postoperativ stieg.
Lambert, S. A. (1996). The effects of hypnosis/guided imagery on the postoperative course of children. Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics, 17(5), 307-310. https://doi.org/10.1097/00004703-199610000-00003 - Randomisierte Studie mit 50 Kindern zwischen 2 und 11 Jahren: Hypnose als Prämedikation statt Midazolam halbierte den Anteil ängstlicher Kinder beim Aufsetzen der Narkosemaske (39 gegenüber 68 Prozent) und die Verhaltensauffälligkeiten am ersten (30 gegenüber 62 Prozent) und siebten Tag nach der Operation (26 gegenüber 59 Prozent).
Calipel, S., Lucas-Polomeni, M.-M., Wodey, E., & Ecoffey, C. (2005). Premedication in children: Hypnosis versus midazolam. Pediatric Anesthesia, 15(4), 275-281. https://doi.org/10.1111/j.1460-9592.2004.01514.x
Angst, Depression und Trauma
Die Kernfrage der Psychotherapieforschung lautet: Bringt Hypnose etwas zusätzlich zur kognitiven Verhaltenstherapie? Zwei Meta-Analysen im Abstand von 26 Jahren sagen ja. Und in direkten Vergleichen schneidet Hypnotherapie bei Depression, Angst und Trauma gleich gut oder besser ab. Vertiefung: Hypnose bei Angst.
Kognitive Verhaltenstherapie mit Hypnose wirkt besser als dieselbe Therapie ohne Hypnose: kleine bis mittlere Effekte direkt nach der Behandlung (d = 0,25 bis 0,41) und mittlere Effekte im Follow-up (d = 0,54 bis 0,59).
Aktualisierte Meta-Analyse als Nachfolger von Kirsch 1995: 48 Behandlungsvergleiche mit 1.928 Patienten direkt nach Therapieende und 25 Vergleiche mit 1.165 Patienten im Follow-up. Der Vorteil zeigte sich besonders bei gedrückter Stimmung und Schmerz, im Follow-up vor allem bei Übergewicht. Der Effekt fällt kleiner aus als in der Ursprungsanalyse von 1995 (dort mindestens d = 0,53). Das ist die ehrliche Lesart: Hypnose verstärkt eine gute Therapie und hält ihre Wirkung länger.
Ramondo, N., Gignac, G. E., Pestell, C., & Byrne, S. M. (2021). Clinical Hypnosis as an Adjunct to Cognitive Behavior Therapy: An Updated Meta-Analysis. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 69(2), 169-202. https://doi.org/10.1080/00207144.2021.1877549
Über 6 Studien mit 391 Teilnehmern zeigte Hypnotherapie bei PTBS-Symptomen einen großen Effekt (Cohen's d = 1,18).
Meta-Analyse aus 29 Datenbanken: 81 Arbeiten gesichtet, 6 davon mit auswertbaren Daten. Alle 6 Studien fanden eine Besserung von Vermeidung, Intrusionen und Gesamtsymptomatik. Rechnerisch bräuchte es 290 Studien ohne Effekt, um das Ergebnis aufzuheben. Die Basis bleibt trotzdem schmal: 6 Studien, unterschiedliche Qualität, die Effektstärken schwankten je nach Studiengüte.
O'Toole, S. K., Solomon, S. L., & Bergdahl, S. A. (2016). A Meta-Analysis of Hypnotherapeutic Techniques in the Treatment of PTSD Symptoms. Journal of Traumatic Stress, 29(1), 97-100. https://doi.org/10.1002/jts.22077
Der durchschnittliche Klient mit Verhaltenstherapie plus Hypnose verbesserte sich stärker als mindestens 70 Prozent der Klienten mit derselben Therapie ohne Hypnose.
→ Ausführlich: Hypnose plus Verhaltenstherapie: was 18 Studien über den Zusatzeffekt zeigen
Die klassische Meta-Analyse über 18 Studien, in denen eine kognitive Verhaltenstherapie mit und ohne Hypnose verglichen wurde. Besonders auffällig bei Übergewicht: Klienten mit Hypnose nahmen nach Therapieende weiter ab, die Kontrollgruppe hörte damit auf. Bemerkenswert daran ist, wie wenig sich die beiden Behandlungen im Vorgehen unterschieden. Für mich ein früher Beleg, wie stark Rahmung und Erwartung wirken: Dasselbe Verfahren, als Hypnose angeboten, entfaltet mehr Wirkung.
Kirsch, I., Montgomery, G. H., & Sapirstein, G. (1995). Hypnosis as an adjunct to cognitive-behavioral psychotherapy: A meta-analysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 63(2), 214-220. https://doi.org/10.1037/0022-006x.63.2.214
Hypnotherapie war bei leichter bis mittelschwerer Depression der kognitiven Verhaltenstherapie ebenbürtig: Der Unterschied in der Symptomreduktion lag bei 2,8 Prozentpunkten, weit innerhalb der vorab festgelegten Toleranz von 16,4.
Randomisierte kontrollierte Studie aus Tübingen mit 152 Patienten, 16 bis 20 Einzelsitzungen über sechs Monate, Beurteiler verblindet. Die Gleichwertigkeit hielt auch im Follow-up nach 6 und 12 Monaten. Eine Einschränkung nennen die Autoren selbst: Aus ethischen Gründen gab es keine unbehandelte Kontrollgruppe, die Wirksamkeit beider Verfahren wird deshalb nur indirekt belegt. Es ist die erste methodisch strenge Studie, die Hypnotherapie mit dem Goldstandard bei Depression vergleicht.
Fuhr, K., Meisner, C., Broch, A., Cyrny, B., Hinkel, J., Jaberg, J., Petrasch, M., Schweizer, C., Stiegler, A., Zeep, C., & Batra, A. (2021). Efficacy of hypnotherapy compared to cognitive behavioral therapy for mild to moderate depression - Results of a randomized controlled rater-blind clinical trial. Journal of Affective Disorders, 286, 166-173. https://doi.org/10.1016/j.jad.2021.02.069
Bei 87 Traumaüberlebenden mit akuter Belastungsstörung senkte kognitive Verhaltenstherapie mit vorgeschalteter Hypnose die Wiedererlebens-Symptome nach der Behandlung stärker als dieselbe Therapie ohne Hypnose, und beide verhinderten eine PTBS häufiger als unterstützende Beratung.
Randomisierte Studie im Journal of Consulting and Clinical Psychology von Richard Bryant (Sydney), die erste kontrollierte Prüfung von Hypnose bei akuter Belastungsstörung. Drei Gruppen mit je sechs Sitzungen: KVT aus Exposition, kognitiver Umstrukturierung und Angstbewältigung, dieselbe KVT mit einer Hypnoseinduktion und Suggestionen vor jeder Expositionsübung, und unterstützende Beratung. Bei den 69 Patienten, die die Behandlung abschlossen, erfüllten nach der Therapie und nach sechs Monaten in beiden KVT-Gruppen weniger Menschen die PTBS-Kriterien als in der Beratungsgruppe. Der Zusatznutzen der Hypnose lag im schnelleren Rückgang der Intrusionen. Für mich zeigt die Studie, wie Hypnose als Verstärker einer bewährten Methode arbeitet: Sie senkt die Schwelle, sich der Erinnerung wirklich auszusetzen. Vertiefung: Hypnose bei Angst.
Bryant, R. A., Moulds, M. L., Guthrie, R. M., & Nixon, R. D. V. (2005). The additive benefit of hypnosis and cognitive-behavioral therapy in treating acute stress disorder. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 73(2), 334-340. https://doi.org/10.1037/0022-006x.73.2.334
Weitere Studien in diesem Feld:
- Meta-Analyse über 13 Studienvergleiche zu Hypnose bei depressiven Symptomen: mittlere Effektstärke 0,71 am Ende der Behandlung, der durchschnittliche Hypnose-Teilnehmer verbesserte sich stärker als rund 76 Prozent der Kontrollpersonen; im längsten Follow-up (4 Studien) lag der Effekt bei 0,52.
Milling, L. S., Valentine, K. E., McCarley, H. S., & LoStimolo, L. M. (2019). A Meta-Analysis of Hypnotic Interventions for Depression Symptoms: High Hopes for Hypnosis? American Journal of Clinical Hypnosis, 61(3), 227-243. https://doi.org/10.1080/00029157.2018.1489777 - Meta-Analyse über 17 Studienvergleiche zu Hypnose bei Angst: Effektstärke 0,79 am Behandlungsende und 0,99 im längsten Follow-up, der durchschnittliche Hypnose-Teilnehmer reduzierte seine Angst stärker als rund 79 Prozent der Kontrollpersonen. Kombiniert mit anderen psychologischen Verfahren wirkte Hypnose stärker als allein.
Valentine, K. E., Milling, L. S., Clark, L. J., & Moriarty, C. L. (2019). The Efficacy of Hypnosis as a Treatment for Anxiety: A Meta-Analysis. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 67(3), 336-363. https://doi.org/10.1080/00207144.2019.1613863 - Meta-Analyse über 6 experimentelle Studien zu Hypnotherapie bei PTBS: großer Effekt direkt nach der Behandlung (d = 1,17), der im 4-Wochen-Follow-up sogar anstieg (d = 1,58) und auch nach 12 Monaten stabil blieb, besonders bei manualisierter abreaktiver Hypnose.
Rotaru, T., & Rusu, A. (2016). A Meta-Analysis for the Efficacy of Hypnotherapy in Alleviating PTSD Symptoms. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 64(1), 116-136. https://doi.org/10.1080/00207144.2015.1099406 - Frühe Meta-Analyse über 6 Studien zu Hypnose bei depressiven Symptomen: kombinierte Effektstärke 0,57, die Besserung war statistisch klar (p < 0,001).
Shih, M., Yang, Y., & Koo, M. (2009). A Meta-Analysis of Hypnosis in the Treatment of Depressive Symptoms: A Brief Communication. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 57(4), 431-442. https://doi.org/10.1080/00207140903099039 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 99 Erwachsenen mit Zwangsstörung: 12 Online-Sitzungen Ericksonsche Hypnotherapie senkten die Zwangssymptome ebenso deutlich wie kognitive Verhaltenstherapie, beide klar gegenüber der Warteliste. Verhaltenstherapie wirkte stärker auf Zwangshandlungen wie Waschen, Hypnotherapie stärker auf Grübelzwänge und allgemeine Angst.
Çınaroğlu, M., Yılmazer, E., Odabaşı, C., Ülker, S. V., Tan, S., & Hızlı Sayar, G. (2026). Comparing Cognitive Behavioral Therapy and Ericksonian Hypnotherapy for Obsessive-Compulsive Disorder: A Randomized Controlled Trial. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 74(1), 66-92. https://doi.org/10.1080/00207144.2025.2608846 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 120 Erwachsenen mit Cluster-B-Persönlichkeitsstörung: 8 Sitzungen achtsame Hypnotherapie senkten histrionische, narzisstische und antisoziale Symptome deutlicher als eine aktive Kontrolle aus Verhaltenstherapie- und DBT-Skills (partielles Eta-Quadrat 0,16 bis 0,21); bei Borderline-Symptomen gab es keinen Unterschied (p = 0,31).
Sadeghi, Z., & Khamseh, A. (2026). Mindful Hypnotherapy for Cluster B Personality Disorders: A Randomized Controlled Trial with an Active Control. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 1-17. https://doi.org/10.1080/00207144.2026.2690580 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 39 Studierenden mit anhaltender Trauer in Istanbul: Ericksonsche Hypnotherapie und kognitive Verhaltenstherapie verbesserten die Trauersymptome beide deutlich gegenüber der Warteliste, die Hypnotherapie geringfügig stärker. Kleine Gruppen mit je 13 Personen.
Çınaroğlu, M., Yılmazer, E., Ülker, S. V., & Çınar, F. (2026). Effects of Ericksonian Hypnotherapy Versus Cognitive Behavioral Therapy on Prolonged Grief Among University Students: A Randomized Clinical Trial. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 74(1), 93-120. https://doi.org/10.1080/00207144.2025.2464747 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 45 Erwachsenen mit unterschwelliger Depression und Angst: 12 Sitzungen Ericksonsche Hypnotherapie und kognitive Verhaltenstherapie senkten beide die Symptome deutlich gegenüber der Warteliste, ohne Unterschied zwischen den Verfahren; die Hypnotherapie senkte die Angst zur Halbzeit etwas schneller. Kleine Stichprobe, kein Follow-up.
Çınaroğlu, M., Yılmazer, E., Odabaşı, C., Ülker, S. V., & Sayar, G. H. (2025). Comparing Cognitive Behavioral Therapy and Ericksonian Hypnotherapy for subclinical depression and anxiety: a randomized controlled trial. American Journal of Clinical Hypnosis, 67(3), 288-304. https://doi.org/10.1080/00029157.2025.2460581 - Randomisierte Studie mit 34 Frauen mit Major Depression: 8 Sitzungen achtsame Hypnotherapie plus tägliche Audioübung senkten die Depression gegenüber der Warteliste deutlich (Effektstärke 0,65), verbesserten Selbstmitgefühl (0,53) und psychische Flexibilität (0,48), auch noch 2 Monate später.
Khazraee, H., Bakhtiari, M., Kianimoghadam, A. S., & Ghorbanikhah, E. (2023). The Effectiveness of Mindful Hypnotherapy on Depression, Self-Compassion, and Psychological Inflexibility in Females with Major Depressive Disorder: A Single-Blind, Randomized Clinical Trial. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 71(1), 63-78. https://doi.org/10.1080/00207144.2022.2160257 - Randomisierte Studie mit 84 Depressiven über 16 Wochen: Kognitive Hypnotherapie senkte Depression, Angst und Hoffnungslosigkeit um 6, 5 und 8 Prozent stärker als reine kognitive Verhaltenstherapie, und der Vorsprung hielt nach 6 und 12 Monaten.
Alladin, A., & Alibhai, A. (2007). Cognitive Hypnotherapy for Depression: An Empirical Investigation. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 55(2), 147-166. https://doi.org/10.1080/00207140601177897 - Kritische Übersichtsarbeit über 241 Primärstudien (2015 bis 2025) zur hypnotischen Altersregression: Nutzen wird bei Trauma, Angst, Depression und psychosomatischen Beschwerden berichtet, die Studien sind aber klein, uneinheitlich und selten mit Langzeitdaten. Die Evidenz reicht für eine klare Aussage zur Wirksamkeit nicht; Rückführungen in frühere Leben wurden wegen fehlender Belege von vornherein ausgeschlossen.
Gallardo, L. M. (2026). Age regression in clinical hypnosis: an integrative critical review of therapeutic mechanisms. American Journal of Clinical Hypnosis, 1-21. https://doi.org/10.1080/00029157.2026.2679567 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 66 Patienten mit Major Depression: zehn wöchentliche Gruppensitzungen kognitive Verhaltenstherapie, einmal mit und einmal ohne Hypnose. Im Hauptmaß lagen beide Gruppen gleichauf; bei Remission und Response übertraf die Hypnose-Gruppe nach zwölf Monaten die Vergleichsgruppe signifikant (p = 0,011). Je glaubwürdiger die Teilnehmer die Behandlung fanden, desto besser das Ergebnis, und dieser Zusammenhang war unter Hypnose stärker.
Ramondo, N., Pestell, C., Byrne, S. M., & Gignac, G. E. (2024). Cognitive Behavioral Therapy and Hypnosis in the Treatment of Major Depressive Disorder: A Randomized Control Trial. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 72(3), 229-253. https://doi.org/10.1080/00207144.2024.2354722 - Systematisches Review mit Meta-Analyse über 20 Jahre randomisierter Studien zu Hypnotherapie bei diagnostizierter Major Depression, bewertet nach RoB 2 und GRADE: Die Evidenz reicht nach Urteil der Autoren um Gary Elkins nicht aus, um Hypnose als Behandlung der Depression zu empfehlen, schwere Nebenwirkungen fanden sie keine; ein nüchterner Gegenpol zu den optimistischeren Meta-Analysen von Shih (2009) und Milling (2019) oben, der vor allem an der Studienqualität festmacht.
Souza, F. L., Moura, M. S., Vieira Almeida Silva, J., & Elkins, G. (2024). Hypnosis for depression: Systematic review of randomized clinical trials with meta-analysis. Complementary Therapies in Clinical Practice, 57, Article 101913. https://doi.org/10.1016/j.ctcp.2024.101913
Hirnforschung und Mechanismen
Was passiert im Gehirn, wenn eine Suggestion wirkt? Die Bildgebungsstudien von Pierre Rainville und Amir Raz gehören zu den meistzitierten Arbeiten der Hypnoseforschung. Sie zeigen: Suggestionen verändern messbar, wie das Gehirn Schmerz und Wörter verarbeitet. Das ist die neurologische Seite dessen, was ich in der Non-State-Theorie.
92 Sekunden gezielte Magnetstimulation des linken präfrontalen Kortex erhöhten die Hypnotisierbarkeit messbar, in der Scheinstimulations-Gruppe änderte sich nichts.
Vorregistrierte, doppelblinde randomisierte kontrollierte Studie aus Stanford mit 80 Fibromyalgie-Patienten, alle ohne Vorerfahrung mit Magnetstimulation. Die aktive Gruppe stieg im Hypnotic Induction Profile deutlich an (p < 0,001), die Scheingruppe blieb gleich (p = 0,607), der Gruppenunterschied war knapp signifikant (p = 0,046). Hypnotisierbarkeit galt bisher als stabiles Merkmal; hier wurde sie erstmals kurzfristig verändert. Ob das klinisch etwas bringt und wie lange der Effekt anhält, bleibt offen.
Faerman, A., Bishop, J. H., Stimpson, K. H., Phillips, A., Gulser, M., Amin, H., Nejad, R., DeSouza, D. D., Geoly, A., Kallioniemi, E., Jo, B., Williams, N., & Spiegel, D. (2024). Stanford Hypnosis Integrated with Functional Connectivity-targeted Transcranial Stimulation (SHIFT): a preregistered randomized controlled trial. Nature Mental Health, 2(1), 96-103. https://doi.org/10.1038/s44220-023-00184-z
Eine Suggestion, Wörter als bedeutungslose Zeichen zu sehen, senkte die Stroop-Interferenz deutlich und erklärte rund 45 Prozent der Varianz, mit oder ohne Hypnoseinduktion.
Experiment mit hoch suggestiblen Personen: Die Hälfte bekam die Suggestion in Hypnose, die andere Hälfte ohne jede Induktion. Der Effekt war in beiden Gruppen gleich groß. Der Stroop-Effekt gilt als automatisch, das Lesen lässt sich normalerweise kaum abschalten; die Suggestion konnte genau das teilweise. Für mich eine der wichtigsten Studien dieser Liste: Die Induktion war entbehrlich, die Suggestion hat gewirkt. Hypnose ist wirksame Kommunikation.
Raz, A., Kirsch, I., Pollard, J. A., & Nitkin-Kaner, Y. (2006). Suggestion reduces the Stroop effect. Psychological Science, 17(2), 91-95. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2006.01669.x
Unter posthypnotischer Suggestion sank bei hoch Hypnotisierbaren die Aktivität im anterioren Cingulum und in visuellen Arealen, der Konflikt im Gehirn wurde messbar kleiner.
Bildgebungsstudie mit fMRT und EEG, publiziert in PNAS: Hoch und weniger hypnotisierbare Personen bearbeiteten den Stroop-Test mit und ohne die Suggestion, Wörter als sinnlose Zeichenfolgen zu sehen. Nur bei den hoch Hypnotisierbaren mit Suggestion nahm die Aktivität im Konfliktmonitor des Gehirns und schon in frühen Sehregionen ab. Ein Satz verändert also, was das Sehsystem verarbeitet. Die Autoren sehen darin auch eine Brücke zum Placebo-Effekt. Das Abstract nennt keine Zahlen, das Ergebnis liegt in den Aktivierungsmustern.
Raz, A., Fan, J., & Posner, M. I. (2005). Hypnotic suggestion reduces conflict in the human brain. Proceedings of the National Academy of Sciences, 102(28), 9978-9983. https://doi.org/10.1073/pnas.0503064102
Bei 16 hoch suggestiblen Personen beseitigte eine posthypnotische Suggestion die Stroop-Interferenz vollständig, bei 16 wenig suggestiblen änderte sich nichts.
Experiment in Archives of General Psychiatry: Die Teilnehmer sollten nur auf die Farbe achten und das Lesen der Wörter unterdrücken, einmal im normalen Wachzustand, einmal unter posthypnotischer Suggestion. Das Ergebnis widerspricht der verbreiteten Annahme, dass geübte Leser Wörter zwangsläufig lesen. Es zeigt, wie stark Top-down-Prozesse, also Erwartung und Aufmerksamkeitssteuerung, in die Wahrnehmung eingreifen. Kleine Stichprobe, dafür ein klares Muster.
Raz, A., Shapiro, T., Fan, J., & Posner, M. I. (2002). Hypnotic suggestion and the modulation of Stroop interference. Archives of General Psychiatry, 59(12), 1155-1161. https://doi.org/10.1001/archpsyc.59.12.1155
Hypnotische Suggestionen veränderten, wie unangenehm ein Schmerz war, ohne seine Intensität zu verändern, und im PET zeigte sich das genau im anterioren Cingulum, während der somatosensorische Kortex unverändert blieb.
Die Science-Studie, die den Schmerzaffekt vom Schmerzsignal trennte: Gesunde Probanden bekamen unter Hypnose Suggestionen, die nur die Unangenehmheit eines Hitzereizes veränderten. Erstmals ließ sich beim Menschen direkt belegen, dass das limbische Frontalhirn das Leiden am Schmerz kodiert. Die Studie ist Grundlagenforschung ohne klinische Zielgrößen und ohne Zahlen im Abstract, aber sie erklärt, warum Worte am Schmerzerleben so viel ausrichten können: Sie greifen an der Stelle an, wo Schmerz zu Leid wird.
Rainville, P., Duncan, G. H., Price, D. D., Carrier, B., & Bushnell, M. C. (1997). Pain Affect Encoded in Human Anterior Cingulate But Not Somatosensory Cortex. Science, 277(5328), 968-971. https://doi.org/10.1126/science.277.5328.968
Unter Hypnose sank die Aktivität im dorsalen anterioren Cingulum, die Verbindung zwischen Kontrollnetzwerk und Insula wurde stärker und die Verbindung zum Default-Mode-Netzwerk schwächer, gemessen bei 57 Personen im Kernspintomografen.
Stanford-Studie um David Spiegel in Cerebral Cortex: Aus 545 gesunden Freiwilligen wurden mit zwei Skalen 57 Personen mit sehr hoher oder sehr niedriger Hypnotisierbarkeit ausgewählt. Jede durchlief im Scanner vier Bedingungen, Ruhe, Erinnerungsabruf und zwei Hypnoseerfahrungen nach standardisierter Tonaufnahme. Drei Veränderungen zeigten sich nur bei den Hochhypnotisierbaren unter Hypnose: weniger Aktivität im dorsalen anterioren Cingulum, dem Teil des Gehirns, der Aufmerksamkeit auf Neues lenkt, mehr Kopplung zwischen präfrontalem Kortex und Insula, die Körperempfindungen verarbeitet, und weniger Kopplung zwischen präfrontalem Kortex und dem Default-Mode-Netzwerk, das mit Selbstbezug und Grübeln zusammenhängt. Die Autoren deuten das als neuronales Muster für fokussierte Aufmerksamkeit, bessere Körperkontrolle und weniger Selbstbeobachtung. Für die Praxis heißt das: Was Du als Absorption im Gespräch erlebst, hat ein messbares Korrelat.
Jiang, H., White, M. P., Greicius, M. D., Waelde, L. C., & Spiegel, D. (2017). Brain activity and functional connectivity associated with hypnosis. Cerebral Cortex, 27(8), 4083-4093. https://doi.org/10.1093/cercor/bhw220
Hochhypnotisierbare Menschen zeigten schon in Ruhe eine stärkere Kopplung zwischen dem linken dorsolateralen präfrontalen Kortex und dem Salienznetzwerk als niedrig hypnotisierbare, bei identischer Hirnstruktur.
Querschnittsstudie aus Stanford in den Archives of General Psychiatry: 12 Erwachsene mit hoher und 12 mit niedriger Hypnotisierbarkeit wurden mit funktioneller Kernspintomografie in Ruhe, mit struktureller Bildgebung und mit Diffusions-Tensor-Bildgebung untersucht. Die Hochhypnotisierbaren hatten eine engere funktionelle Verbindung zwischen dem linken dorsolateralen präfrontalen Kortex, einer Region für exekutive Kontrolle, und dem Salienznetzwerk aus dorsalem anteriorem Cingulum, vorderer Insula, Amygdala und ventralem Striatum, das relevante Körper- und Gefühlssignale filtert. Bei grauer und weißer Substanz und bei der Faserqualität gab es keinen Unterschied. Hypnotisierbarkeit ist demnach eine Frage des Zusammenspiels von Aufmerksamkeit und Bedeutungsfilter, die Hirnanatomie spielt dabei keine Rolle.
Hoeft, F., Gabrieli, J. D. E., Whitfield-Gabrieli, S., Haas, B. W., Bammer, R., Menon, V., & Spiegel, D. (2012). Functional brain basis of hypnotizability. Archives of General Psychiatry, 69(10), 1064-1072. https://doi.org/10.1001/archgenpsychiatry.2011.2190
Hypnotisch suggerierter Schmerz ohne jeden Reiz aktivierte Thalamus, anteriores Cingulum, Insula sowie präfrontale und parietale Areale, bloß vorgestellter Schmerz tat das nicht.
fMRT-Studie in NeuroImage mit David Oakley: Hochhypnotisierbare Freiwillige erhielten die Suggestion, an der Hand Schmerz zu spüren, obwohl kein Reiz gesetzt wurde. Das Aktivierungsmuster glich dem bei echtem Hitzeschmerz und unterschied sich deutlich von der Bedingung, in der die Teilnehmer sich Schmerz nur vorstellen sollten. Die Autoren sehen darin den ersten direkten Beleg beim Menschen, dass das Gehirn ein Schmerzerleben ohne körperliche Ursache erzeugen kann. Für die Arbeit mit chronischem Schmerz, bei dem oft kein Befund mehr zu finden ist, ist das eine wichtige Entlastung: Der Schmerz ist echt, auch wenn er im Kopf entsteht, und was Worte erzeugen können, können Worte auch verändern.
Derbyshire, S. W. G., Whalley, M. G., Stenger, V. A., & Oakley, D. A. (2004). Cerebral activation during hypnotically induced and imagined pain. NeuroImage, 23(1), 392-401. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2004.04.033
Bei hypnotischer Lähmung der linken Hand blieb die Bewegungsvorbereitung im rechten Motorkortex erhalten, gleichzeitig stieg die Aktivität im Precuneus, während die Hemmareale des Stirnhirns anders als bei vorgetäuschter Lähmung stumm blieben.
fMRT-Studie in Neuron aus Genf: Freiwillige absolvierten eine Go/No-Go-Aufgabe in drei Bedingungen, normal, unter hypnotischer Lähmung der linken Hand und mit absichtlich vorgetäuschter Lähmung. Die Bewegungsabsicht war im Motorkortex weiterhin messbar, die Hand bewegte sich trotzdem nicht. Anstelle der Hemmregionen im rechten Stirnhirn, die bei der gespielten Lähmung aktiv wurden, war der Precuneus stärker aktiv und enger mit dem Motorkortex gekoppelt, eine Region für innere Bilder und Selbstwahrnehmung. Die Suggestion verändert also die innere Vorstellung, die das Verhalten steuert, statt wie eine Bremse auf die Motorik zu wirken. Und sie ist neuronal klar von Simulation zu unterscheiden.
Cojan, Y., Waber, L., Schwartz, S., Rossier, L., Forster, A., & Vuilleumier, P. (2009). The brain under self-control: Modulation of inhibitory and monitoring cortical networks during hypnotic paralysis. Neuron, 62(6), 862-875. https://doi.org/10.1016/j.neuron.2009.05.021
Die Reaktion auf Suggestionen ohne Hypnose sagte die Reaktion unter Hypnose fast vollständig voraus, die Induktion selbst brachte nur einen kleinen Zuwachs, und bei einer nennenswerten Minderheit senkte sie die Suggestibilität sogar.
Zwei Experimente im Journal of Personality and Social Psychology, der Klassiker der Non-State-Forschung: Irving Kirsch und Wayne Braffman maßen bei denselben Personen die Suggestibilität einmal ohne und einmal mit Hypnoseinduktion. Nichthypnotische Suggestibilität, Motivation und Erwartung erklärten 53 Prozent der Varianz des Verhaltens unter Hypnose, das subjektive Erleben wurde allein durch die nichthypnotische Suggestibilität vorhergesagt. Von den klassischen Persönlichkeitsmaßen wie Absorption oder Fantasieneigung blieb nach statistischer Kontrolle nur die Erwartung als Prädiktor übrig. Das ist die empirische Basis dessen, was ich in der Non-State-Theorie beschreibe: Was wirkt, ist die Suggestion und die Erwartung, die sie auslöst; das Ritual der Induktion trägt wenig dazu bei.
Braffman, W., & Kirsch, I. (1999). Imaginative suggestibility and hypnotizability: An empirical analysis. Journal of Personality and Social Psychology, 77(3), 578-587. https://doi.org/10.1037/0022-3514.77.3.578
Weitere Studien in diesem Feld:
- Systematische Übersicht mit Meta-Analyse der Bildgebungsstudien zu Hypnose: Über die Studien hinweg ergaben sich nur wenige verlässliche gemeinsame Hirnmuster; am stabilsten war eine Aktivierung des Gyrus lingualis, einer Region für höhere visuelle Verarbeitung und mentale Vorstellung.
Landry, M., Lifshitz, M., & Raz, A. (2017). Brain correlates of hypnosis: A systematic review and meta-analytic exploration. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 81, 75-98. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2017.02.020 - Meta-Analyse über 8 Bildgebungsstudien mit 75 gesunden Probanden: Hypnotische Schmerzsuggestionen aktivierten anteriores Cingulum, linken oberen Frontallappen und rechte Insula und dämpften gleichzeitig den Thalamus, ein Muster, das zu einer Top-down-Hemmung des Schmerzsignals passt.
Del Casale, A., Ferracuti, S., Rapinesi, C., De Rossi, P., Angeletti, G., Sani, G., Kotzalidis, G. D., & Girardi, P. (2015). Hypnosis and pain perception: An Activation Likelihood Estimation (ALE) meta-analysis of functional neuroimaging studies. Journal of Physiology-Paris, 109(4-6), 165-172. https://doi.org/10.1016/j.jphysparis.2016.01.001 - EEG-Experiment mit 22 hoch hypnotisierbaren Personen: Unter der Suggestion „sehen ohne wahrzunehmen, hören ohne zuzuhören“ erkannten sie Zielreize schlechter und langsamer, die späte Bewertungskomponente P300 wurde gedämpft, und die neuronale Dekodierung setzte statt nach 80 erst nach 160 (visuell) beziehungsweise 120 Millisekunden (auditiv) ein.
Zhang, M., Li, Y., Ma, L., Wang, K., & Li, X. (2026). Hypnosis reduces decoding accuracy of visual and auditory representations. Brain Research Bulletin, 243, 112018. https://doi.org/10.1016/j.brainresbull.2026.112018 - fMRT-Experiment mit 20 hoch hypnotisierbaren Probanden unter Schmerzreiz: Ohne Hypnose berichteten sie Schmerz und die sensorischen Rindenareale S1, S2 und S3 waren aktiv; unter hypnotisch fokussierter Analgesie berichteten sie keinen Schmerz und dieselben Areale waren deaktiviert, was die Autoren als Gate-Control-Mechanismus deuten.
Casiglia, E., Finatti, F., Tikhonoff, V., Stabile, M., Mitolo, M., Albertini, F., Gasparotti, F., Facco, E., Lapenta, A. M., & Venneri, A. (2020). Mechanisms of Hypnotic Analgesia Explained by Functional Magnetic Resonance (fMRI). International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 68(1), 1-15. https://doi.org/10.1080/00207144.2020.1685331 - Resting-State-fMRT mit 19 Probanden, bei denen eine hypnotisch suggerierte Lähmung der linken Hand sichtbar eintrat: Der Precuneus koppelte stärker an den rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex und den Gyrus angularis, die Verbindung zum primären Motorkortex blieb unverändert. Die Autoren deuten das als veränderte Selbstrepräsentation, die auf die Motorik durchschlägt.
Pyka, M., Burgmer, M., Lenzen, T., Pioch, R., Dannlowski, U., Pfleiderer, B., Ewert, A. W., Heuft, G., Arolt, V., & Konrad, C. (2011). Brain correlates of hypnotic paralysis: A resting-state fMRI study. NeuroImage, 56(4), 2173-2182. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2011.03.078 - PET- und EEG-Studie mit hypnotisierbaren Probanden: Die hypnotische Entspannung ging mit erhöhter Durchblutung im Okzipitallappen und mehr Delta-Aktivität einher (r = 0,70), Suggestionen zur Schmerzunangenehmheit aktivierten zusätzlich vor allem linksfrontale Regionen. Die Autoren lesen das als Beleg für einen eigenen hypnotischen Zustand; die frontalen Aktivierungen passen ebenso zur sprachlichen Verarbeitung der Suggestion.
Rainville, P., Hofbauer, R. K., Paus, T., Duncan, G. H., Bushnell, M. C., & Price, D. D. (1999). Cerebral mechanisms of hypnotic induction and suggestion. Journal of Cognitive Neuroscience, 11(1), 110-125. https://doi.org/10.1162/089892999563175 - Längsschnittstudie mit 50 ehemaligen Stanford-Studierenden, erstmals 1958 bis 1962 getestet und 1985 erneut: Die Hypnotisierbarkeit blieb über 25 Jahre erstaunlich stabil (Korrelation 0,71), der Median der Veränderung lag bei einem Punkt auf der 12-stufigen Skala.
Piccione, C., Hilgard, E. R., & Zimbardo, P. G. (1989). On the degree of stability of measured hypnotizability over a 25-year period. Journal of Personality and Social Psychology, 56(2), 289-295. https://doi.org/10.1037//0022-3514.56.2.289 - Übersicht der Lütticher PET-Arbeiten: Hypnose senkte die Schmerzwahrnehmung gegenüber Ruhe um rund 50 Prozent, vermittelt über den mittleren Gyrus cinguli, der unter Hypnose enger mit dem Schmerznetzwerk gekoppelt war; das Aktivierungsmuster ähnelt mentaler Vorstellung, mit dem Unterschied einer gedämpften Precuneus-Aktivität.
Faymonville, M., Boly, M., & Laureys, S. (2006). Functional neuroanatomy of the hypnotic state. Journal of Physiology-Paris, 99(4-6), 463-469. https://doi.org/10.1016/j.jphysparis.2006.03.018 - PET-Studie mit 8 hochhypnotisierbaren Personen: Unter Hypnose reagierten die Farbareale beider Hirnhälften auf die Suggestion, Farbe zu sehen, auch wenn ein Graustufenbild gezeigt wurde, und sie fuhren herunter, wenn Grau suggeriert wurde, obwohl das Bild bunt war; ohne Hypnose folgte nur die rechte Hemisphäre der Instruktion.
Kosslyn, S. M., Thompson, W. L., Costantini-Ferrando, M. F., Alpert, N. M., & Spiegel, D. (2000). Hypnotic visual illusion alters color processing in the brain. American Journal of Psychiatry, 157(8), 1279-1284. https://doi.org/10.1176/appi.ajp.157.8.1279 - fMRT- und EEG-Studie mit dem Stroop-Test: Nach einer Hypnoseinduktion stieg bei hochhypnotisierbaren Personen die konfliktbezogene Aktivität im anterioren Cingulum, die Kontrollaktivität im seitlichen Stirnhirn blieb unverändert, und die Gamma-Kohärenz zwischen beiden Regionen nahm ab; Hypnose entkoppelt demnach Fehlerüberwachung und kognitive Kontrolle.
Egner, T., Jamieson, G., & Gruzelier, J. (2005). Hypnosis decouples cognitive control from conflict monitoring processes of the frontal lobe. NeuroImage, 27(4), 969-978. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2005.05.002 - PET-Studie aus Lüttich mit 19 hochhypnotisierbaren Freiwilligen unter Hitzeschmerz: Hypnose halbierte die Schmerzwahrnehmung (minus 50 Prozent gegenüber Ruhe), einfache Vorstellung änderte nichts, und nur im hypnotischen Zustand koppelte der mittlere Cingulumkortex ein großes Netzwerk aus Insula, präfrontalem Kortex, Thalamus und Hirnstamm.
Faymonville, M.-E., Roediger, L., Del Fiore, G., Delgueldre, C., Phillips, C., Lamy, M., Luxen, A., Maquet, P., & Laureys, S. (2003). Increased cerebral functional connectivity underlying the antinociceptive effects of hypnosis. Cognitive Brain Research, 17(2), 255-262. https://doi.org/10.1016/s0926-6410(03)00113-7
Onkologie
Bei Krebspatienten geht es selten um die Erkrankung selbst, sondern um das, was Behandlung und Diagnose mit dem Menschen machen: Angst vor der Biopsie, Übelkeit, Erschöpfung, Hitzewallungen unter Hormontherapie. Genau dort hat Guy Montgomery am Mount Sinai in New York die stärksten Belege geliefert.
Brustkrebspatientinnen mit Verhaltenstherapie plus Hypnose waren am Ende der Bestrahlung deutlich weniger erschöpft als die Kontrollgruppe, und der Unterschied hielt sechs Monate später noch an (z = 7,99).
Randomisierte kontrollierte Studie mit 200 Patientinnen im Journal of Clinical Oncology, Vergleich mit einer Aufmerksamkeitskontrolle, Erschöpfung gemessen zu vier Zeitpunkten. Auf der FACIT-Skala lag die Interventionsgruppe am Ende der Bestrahlung (z = 6,73), nach vier Wochen (z = 6,98) und nach sechs Monaten (z = 7,99) signifikant niedriger, auch Muskelschwäche war am Ende und nach sechs Monaten geringer. Die Autoren betonen: keine Nebenwirkungen, und die Wirkung hält lange nach der letzten Sitzung an. Was die Studie offen lässt: welcher Anteil auf die Hypnose und welcher auf die Verhaltenstherapie zurückgeht.
Montgomery, G. H., David, D., Kangas, M., Green, S., Sucală, M., Bovbjerg, D. H., Hallquist, M. N., & Schnur, J. B. (2014). Randomized Controlled Trial of a Cognitive-Behavioral Therapy Plus Hypnosis Intervention to Control Fatigue in Patients Undergoing Radiotherapy for Breast Cancer. Journal of Clinical Oncology, 32(6), 557-563. https://doi.org/10.1200/jco.2013.49.3437
15 Minuten Hypnose vor der Brustoperation halbierten fast den Schmerz nach dem Eingriff (22 statt 48 auf der 100er-Skala) und sparten der Klinik 773 Dollar pro Patientin.
Randomisierte Studie mit 200 Frauen vor Brustbiopsie oder Lumpektomie, verglichen mit empathischem Zuhören als Aufmerksamkeitskontrolle. Die Hypnosegruppe brauchte weniger Propofol (64 statt 97 µg) und Lidocain und berichtete weniger Übelkeit (7 statt 25), Erschöpfung (29 statt 54) und emotionale Belastung (9 statt 33). Die Kostenersparnis kam vor allem durch kürzere OP-Zeiten. Ein Viertelstündchen mit einem Psychologen, und die ganze Kette danach läuft anders. Für mich das stärkste Argument dafür, Hypnose als wirksame Kommunikation zu verstehen.
Montgomery, G. H., Bovbjerg, D. H., Schnur, J. B., David, D., Goldfarb, A., Weltz, C., Schechter, C. B., Graff-Zivin, J., Tatrow, K., Price, D. D., & Silverstein, J. H. (2007). A Randomized Clinical Trial of a Brief Hypnosis Intervention to Control Side Effects in Breast Surgery Patients. JNCI Journal of the National Cancer Institute, 99(17), 1304-1312. https://doi.org/10.1093/jnci/djm106
Weitere Studien in diesem Feld:
- Meta-Analyse über acht randomisierte Studien mit 1242 Brustkrebspatientinnen: Hypnose vor der Vollnarkose senkte die Angst vor der OP (MD -2,79) und den Schmerz danach (MD -1,25), auf OP-Dauer und Übelkeit hatte sie keinen Einfluss.
Zeng, J., Wang, L., Cai, Q., Wu, J., & Zhou, C. (2022). Effect of hypnosis before general anesthesia on postoperative outcomes in patients undergoing minor surgery for breast cancer: a systematic review and meta-analysis. Gland Surgery, 11(3), 588-598. https://doi.org/10.21037/gs-22-114 - Meta-Analyse über 20 Studien mit Krebspatienten: Hypnose senkte die Angst sofort (Hedges' g 0,70 bis 1,41) und anhaltend, nach Korrektur für Publikationsverzerrung blieb ein mittlerer Effekt von 0,46. Am stärksten wirkte sie bei Kindern und bei eingriffsbezogenem Stress, und Hypnose durch einen Therapeuten wirkte deutlich besser als Selbsthypnose.
Chen, P., Liu, Y., & Chen, M. (2017). The effect of hypnosis on anxiety in patients with cancer: A meta-analysis. Worldviews on Evidence-Based Nursing, 14(3), 223-236. https://doi.org/10.1111/wvn.12215 - Systematisches Review über 13 randomisierte Studien mit 1357 Brustkrebspatientinnen: Hypnose half bei Schmerz und Belastung während der Biopsie, bei Hitzewallungen und, kombiniert mit Verhaltenstherapie, bei Erschöpfung unter Bestrahlung. Die Autoren nennen die Evidenz spärlich, aber vielversprechend.
Cramer, H., Lauche, R., Paul, A., Langhorst, J., Kümmel, S., & Dobos, G. (2015). Hypnosis in Breast Cancer Care: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials. Integrative Cancer Therapies, 14(1), 5-15. https://doi.org/10.1177/1534735414550035 - Randomisierte Studie mit 60 Krebspatienten in Schutzisolation: Nach täglich 20 Minuten Virtual-Reality-Hypnose sank die Zustandsangst um 6,4 Punkte, in der Kontrollgruppe mit einer Vergleichsaktivität um 1,9. Schmerz war in beiden Gruppen ohnehin gering. Klein, offen, ein Zentrum.
Doncker, A., Cahu, X., Bareau, B., & Masset, S. (2026). Virtual reality hypnosis during protective isolation: a parallel group randomized trial. Supportive Care in Cancer, 34(9), 895. https://doi.org/10.1007/s00520-026-11099-7 - Randomisierte Studie mit 95 Frauen nach abgeschlossener Krebsbehandlung: Eine Gruppenintervention aus Selbstfürsorge und Selbsthypnose verbesserte Erschöpfung, Schlaf, emotionale Belastung und Denkleistung gegenüber einer Warteliste, als Treiber der Erschöpfung zeigten sich Depression, Angst und Sorgen.
Grégoire, C., Faymonville, M., Vanhaudenhuyse, A., Charland-Verville, V., Jérusalem, G., Willems, S., & Bragard, I. (2020). Effects of an intervention combining self-care and self-hypnosis on fatigue and associated symptoms in post-treatment cancer patients: A randomized-controlled trial. Psycho-Oncology, 29(7), 1165-1173. https://doi.org/10.1002/pon.5395 - Randomisierte Studie mit 170 Frauen vor einer Brustbiopsie: Sowohl aufgezeichnete Hypnose als auch Musik senkten Stress, Schmerz, Angst und depressive Stimmung gegenüber der Kontrollgruppe (kleine Effekte, η²p 0,04 bis 0,07), vor der Biopsie lag Hypnose bei Schmerz und Stimmung vorn, danach waren beide gleichauf.
Sánchez-Jáuregui, T., Téllez, A., Juárez-García, D. M., García Cadena, C. H., & García, F. E. (2019). Clinical Hypnosis and Music in Breast Biopsy: A Randomized Clinical Trial. American Journal of Clinical Hypnosis, 61(3), 244-257. https://doi.org/10.1080/00029157.2018.1489776 - Kontrollierte Studie mit 67 Patienten während Knochenmarktransplantation, vier Gruppen: Hypnosetraining senkte den Mundschmerz, Übelkeit, Erbrechen und Opioidverbrauch unterschieden sich zwischen den Gruppen dagegen nicht, und das kognitiv-behaviorale Training blieb ohne Effekt.
Syrjala, K. L., Cummings, C., & Donaldson, G. (1992). Hypnosis or cognitive behavioral training for the reduction of pain and nausea during cancer treatment: a controlled clinical trial. Pain, 48(2), 137-146. https://doi.org/10.1016/0304-3959(92)90049-H - Beobachtungsstudie ohne Randomisierung mit 300 Brustkrebspatientinnen, 150 unter Vollnarkose und 150 unter Hypnosedierung operiert: Mit Hypnose lag der Krankenhausaufenthalt bei 3 statt 4,1 Tagen, nach Mastektomie wurden 103 statt 463 ml Lymphe punktiert, und unter Chemo-, Strahlen- und Hormontherapie traten Erschöpfung, Hitzewallungen und Gelenkschmerzen seltener auf. Ohne Randomisierung bleibt offen, wie vergleichbar die Gruppen waren.
Berlière, M., Roelants, F., Watremez, C., Docquier, M., Piette, N., Lamerant, S., Mégevand, V., van Maanen, A., Piette, P., Gerday, A., & Duhoux, F. P. (2018). The advantages of hypnosis intervention on breast cancer surgery and adjuvant therapy. The Breast, 37, 114-118. https://doi.org/10.1016/j.breast.2017.10.017 - Randomisierte Studie über ein Jahr mit 54 Frauen mit metastasiertem Brustkrebs: Wöchentliche Gruppentherapie senkte Schmerzempfindung (p unter 0,02) und Leiden (p unter 0,03) gegenüber der Kontrollgruppe, und die Frauen, die zusätzlich Selbsthypnose lernten, kontrollierten die Schmerzempfindung am besten (p unter 0,05); Häufigkeit und Dauer der Schmerzen blieben unverändert.
Spiegel, D., & Bloom, J. R. (1983). Group therapy and hypnosis reduce metastatic breast carcinoma pain. Psychosomatic Medicine, 45(4), 333-339. https://doi.org/10.1097/00006842-198308000-00007 - Randomisierte Studie über 12 Monate mit 124 Frauen mit metastasiertem Brustkrebs, die Replikation von Spiegel und Bloom (1983) mit mehr als doppelter Fallzahl: Gruppentherapie mit Hypnoseübungen plus Schulung bremste den Anstieg von Schmerzintensität und Leiden gegenüber Schulung allein, ohne Effekt auf Schmerzhäufigkeit; hochhypnotisierbare Frauen nutzten die Selbsthypnose öfter und übertrugen sie auf andere Beschwerden.
Butler, L. D., Koopman, C., Neri, E., Giese-Davis, J., Palesh, O., Thorne-Yocam, K. A., Dimiceli, S., Chen, X.-H., Fobair, P., Kraemer, H. C., & Spiegel, D. (2009). Effects of supportive-expressive group therapy on pain in women with metastatic breast cancer. Health Psychology, 28(5), 579-587. https://doi.org/10.1037/a0016124
Geburt und Schwangerschaft
Hypnose zur Geburtsvorbereitung hat eine lange Tradition und eine gemischte Studienlage: weniger Schmerzmittel und mehr Zufriedenheit in vielen Studien, kein Unterschied in anderen. Der Cochrane-Review fasst das ehrlich zusammen. Was ich Schwangeren empfehle, steht im Artikel Hypnobirthing.
Cochrane-Review mit 9 Studien und 2.954 Frauen: Mit Hypnose brauchten Gebärende seltener Schmerzmittel (RR 0,73), bei den meisten anderen Zielgrößen gab es keinen klaren Unterschied.
Acht der neun Studien schulten die Frauen vor der Geburt in Hypnose, mit sehr unterschiedlichen Methoden und Zeitpunkten. Keine klaren Unterschiede zeigten sich bei der Zufriedenheit mit der Schmerzlinderung, beim Gefühl, die Geburt zu bewältigen, oder bei spontanen vaginalen Geburten, und die PDA-Rate blieb gleich. Gegenüber unterstützender Beratung schnitt Hypnose besser ab (Schmerzmittel RR 0,48 in zwei Studien mit 562 Frauen). Die Cochrane-Autoren stufen die Evidenz als niedrig bis sehr niedrig ein und fordern große, gut geplante Studien. Eine ehrliche Bilanz: Hypnose senkt den Schmerzmittelbedarf unter der Geburt vermutlich etwas, für mehr reicht die Datenlage bisher nicht.
Madden, K., Middleton, P., Cyna, A. M., Matthewson, M., & Jones, L. (2016). Hypnosis for pain management during labour and childbirth. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2016(5), Article CD009356. https://doi.org/10.1002/14651858.CD009356.pub3
Meta-Analyse von 3 randomisierten Studien: Gebärende mit Hypnose brauchten nur halb so oft Schmerzmittel wie die Kontrollgruppen (RR 0,51).
Der systematische Review im British Journal of Anaesthesia fand 5 randomisierte und 14 nicht-randomisierte Vergleiche mit insgesamt 8.395 Frauen. In die Meta-Analyse gingen nur die drei randomisierten Studien mit guter oder ausreichender Qualität ein, zusammen 224 Frauen, eine kleine Basis. Von den nicht-randomisierten Studien zeigte eine geringere Schmerzwerte, eine andere weniger Opioidbedarf und mehr Geburten ganz ohne Schmerzmittel. Die Autoren fordern gut geplante Studien, um den Effekt zu bestätigen. Der spätere Cochrane-Review von 2016 fand mit mehr Daten einen kleineren, aber ähnlich gerichteten Effekt.
Cyna, A. M., McAuliffe, G. L., & Andrew, M. I. (2004). Hypnosis for pain relief in labour and childbirth: A systematic review. British Journal of Anaesthesia, 93(4), 505-511. https://doi.org/10.1093/bja/aeh225
Zwei Gruppensitzungen Selbsthypnose in der Spätschwangerschaft änderten bei 680 Erstgebärenden die PDA-Rate nicht (27,9 gegenüber 30,3 Prozent), senkten aber Angst und Furcht vor der Geburt messbar unter das erwartete Niveau.
Multizentrische randomisierte SHIP-Studie in BJOG an drei britischen Kliniken, Mitautor Peter Whorwell: Die Frauen erhielten in der 32. und 35. Woche je 90 Minuten Gruppentraining plus eine tägliche Selbsthypnose-CD. Bei 27 von 29 vorab festgelegten sekundären Zielgrößen gab es keinen Unterschied, wohl aber bei Angst (mittlere Differenz minus 0,72, p = 0,001) und Furcht (minus 0,62, p = 0,009). Die Mehrkosten lagen bei 4,83 Pfund pro Frau. Zusammen mit der HATCh-Studie und den dänischen Daten von Werner ist das Bild jetzt sehr konsistent: Kurze Selbsthypnosekurse verändern das Erleben der Geburt, die Analgesie-Statistik bleibt gleich. Was ich Schwangeren empfehle, steht im Artikel Hypnobirthing.
Downe, S., Finlayson, K., Melvin, C., Spiby, H., Ali, S., Diggle, P., Gyte, G., Hinder, S., Miller, V., Slade, P., Trepel, D., Weeks, A., Whorwell, P., & Williamson, M. (2015). Self-hypnosis for intrapartum pain management in pregnant nulliparous women: A randomised controlled trial of clinical effectiveness. BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 122(9), 1226-1234. https://doi.org/10.1111/1471-0528.13433
Weitere Studien in diesem Feld:
- Methodischer Review über 13 kontrollierte Studien: Fremd- und Selbsthypnose linderten den Geburtsschmerz durchweg besser als Standardversorgung, unterstützende Beratung oder Geburtsvorbereitungskurse, dazu kamen bessere Apgar-Werte und eine kürzere Eröffnungsphase; viele Studien waren allerdings nicht randomisiert.
Landolt, A. S., & Milling, L. S. (2011). The efficacy of hypnosis as an intervention for labor and delivery pain: A comprehensive methodological review. Clinical Psychology Review, 31(6), 1022-1031. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2011.06.002 - Randomisierte Studie mit 93 Erstgebärenden im Iran (63 ausgewertet): Nach zwei Hypnosesitzungen und täglicher Selbsthypnose per Audio lag die Geburtsangst in der aktiven Phase bei 40,8 gegenüber 75,1 Punkten und der Wehenschmerz bei 83,0 gegenüber 95,4 Punkten. Die Angst sank also viel stärker als der Schmerz; hoher Dropout, keine Verblindung.
Kamalimanesh, B., Moradi, M., Fathi, M., Afiat, M., Boroumand Rezazadeh, M., & Shakeri, M. T. (2025). Effect of self-hypnosis on fear and pain of natural childbirth: A randomized controlled trial. Journal of Complementary and Integrative Medicine, 22(2), 353-362. https://doi.org/10.1515/jcim-2024-0353 - Randomisierte Studie mit 50 Erstgebärenden in der Türkei: Nach 12 Stunden HypnoBirthing-Training plus Oxytocin-Rückenmassage lag die Geburtsangst bei 73,0 gegenüber 102,0 Punkten und die Geburtszufriedenheit bei 27,1 gegenüber 13,5. Weil beide Verfahren kombiniert wurden, bleibt der Anteil der Hypnose offen.
Şahin, E., & Kesik, M. (2025). Effects of HypnoBirthing education and oxytocin massage on labor and postpartum period in primiparous pregnant women: A randomized controlled trial. Women & Health, 65(8), 719-728. https://doi.org/10.1080/03630242.2025.2572397 - Randomisierte Studie mit 80 Erstgebärenden: Nach 4 Gruppensitzungen Hypnobirthing-Training zu je 3 Stunden hatten die Frauen weniger Geburtsangst, niedrigere Schmerzwerte in allen drei Wehenphasen, kürzere Geburten, weniger Eingriffe und häufiger eine vaginale Geburt. Konkrete Werte nennt das Abstract nicht.
Buran, G., & Aksu, H. (2022). Effect of Hypnobirthing training on fear, pain, satisfaction related to birth, and birth outcomes: A randomized controlled trial. Clinical Nursing Research, 31(5), 918-930. https://doi.org/10.1177/10547738211073394 - Randomisierte Studie mit 1.222 Erstgebärenden in Aarhus: Nach drei einstündigen Selbsthypnose-Lektionen bewerteten die Frauen ihre Geburt 6 Wochen danach besser (W-DEQ 42,9) als nach Entspannungstraining (47,2) oder Standardversorgung (47,5). Der Unterschied ist signifikant, aber klein.
Werner, A., Uldbjerg, N., Zachariae, R., Wu, C. S., & Nøhr, E. A. (2013). Antenatal hypnosis training and childbirth experience: A randomized controlled trial. Birth, 40(4), 272-280. https://doi.org/10.1111/birt.12071 - Dieselbe Aarhus-Studie mit 1.222 Erstgebärenden: Der kurze Selbsthypnose-Kurs veränderte weder die Geburtsdauer noch Komplikationen oder den Stillerfolg. In der Hypnosegruppe gab es weniger Notkaiserschnitte, und weniger Frauen wünschten sich aus Angst für die nächste Geburt einen Kaiserschnitt.
Werner, A., Uldbjerg, N., Zachariae, R., & Nohr, E. A. (2013). Effect of self-hypnosis on duration of labor and maternal and neonatal outcomes: A randomized controlled trial. Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica, 92(7), 816-823. https://doi.org/10.1111/aogs.12141 - Randomisierte HATCh-Studie mit 448 Schwangeren in Adelaide: Drei Hypnosesitzungen plus CD senkten den Einsatz von Schmerzmitteln unter der Geburt nicht (81,2 gegenüber 76,2 Prozent in der Kontrollgruppe, Relatives Risiko 1,07), die CD allein ebenso wenig (76,9 Prozent); ein klarer Negativbefund für die vorgeburtliche Gruppenhypnose als Schmerzmittelersatz.
Cyna, A. M., Crowther, C. A., Robinson, J. S., Andrew, M. I., Antoniou, G., & Baghurst, P. (2013). Hypnosis Antenatal Training for Childbirth: A randomised controlled trial. BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 120(10), 1248-1259. https://doi.org/10.1111/1471-0528.12320
Wechseljahre und Hitzewallungen
Gary Elkins von der Baylor University hat in drei randomisierten Studien gezeigt, dass Hypnose Hitzewallungen um mehr als zwei Drittel reduziert, mit oder ohne Therapeut. Das ist eine der klarsten Dosis-Wirkungs-Linien in der gesamten Literatur.
Sechs Wochen selbst angewendete Hypnose-Audios senkten den Hitzewallungs-Score um 53 Prozent, weißes Rauschen als Schein-Hypnose um 41 Prozent.
Multizentrische, einfach verblindete randomisierte Studie in JAMA Network Open mit 250 postmenopausalen Frauen mit mindestens 4 Hitzewallungen täglich, ein Viertel davon mit Brustkrebs in der Vorgeschichte. Die Kontrollgruppe war klug gewählt: Weißes Rauschen, als Hypnose verpackt, um Placebo- und Erwartungseffekte abzubilden. Der Score fiel unter Hypnose von 88,7 auf 41,3, unter Rauschen von 94,6 auf 55,9 (p = 0,04), die Beeinträchtigung im Alltag sank um 49 gegenüber 37 Prozent, einen Nutzen nahmen 90 gegenüber 64 Prozent der Frauen wahr. Der Unterschied ist real, aber schmaler als in den früheren Elkins-Studien mit Therapeut, und die Schein-Gruppe verbesserte sich auffällig stark. Erwartung leistet hier offensichtlich einen großen Teil der Arbeit, die Kühle-Imagination legt noch etwas drauf.
Elkins, G., Arring, N., Morgan, G. B., Lorenz, T. K., Muñiz, V., Lafferty, C., Scheffrahn, K., Alldredge, C. T., & Barton, D. (2025). Self-Administered Hypnosis vs Sham Hypnosis for Hot Flashes: A Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open, 8(11), e2542537. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2025.42537
Fünf Wochen klinische Hypnose senkten die Zahl der Hitzewallungen um 74 Prozent, eine strukturierte Aufmerksamkeitskontrolle um 17 Prozent.
Randomisierte, einfach verblindete Studie im Fachjournal Menopause mit 187 postmenopausalen Frauen, die mindestens 7 Hitzewallungen am Tag hatten. Fünf wöchentliche Sitzungen Hypnose oder strukturierte Aufmerksamkeit, also gleich viel Zuwendung ohne Suggestionen. Nach 12 Wochen hatte die Hypnosegruppe im Schnitt 55,8 Hitzewallungen weniger, die Kontrollgruppe 12,9; der Hitzewallungs-Score sank um 80 gegenüber 15 Prozent. Auch die physiologisch aufgezeichneten Hitzewallungen gingen um 57 gegenüber 10 Prozent zurück, ebenso besserten sich Schlafqualität und Alltagsbeeinträchtigung. Dass die objektive Messung der subjektiven folgt, ist hier der entscheidende Punkt.
Elkins, G., Fisher, W., Johnson, A. K., Carpenter, J. S., & Keith, T. Z. (2013). Clinical hypnosis in the treatment of postmenopausal hot flashes: a randomized controlled trial. Menopause, 20(3), 291-298. https://doi.org/10.1097/gme.0b013e31826ce3ed
Bei Brustkrebs-Überlebenden sank der Hitzewallungs-Score nach fünf Hypnosesitzungen um 68 Prozent.
Randomisierte Studie im Journal of Clinical Oncology: 60 Frauen nach Brustkrebs mit mindestens 14 Hitzewallungen pro Woche, 51 beendeten die Studie. Die Hypnosegruppe bekam fünf wöchentliche Sitzungen, die Kontrollgruppe keine Behandlung. Neben dem Score (Häufigkeit mal Schwere) besserten sich Angst, Depression, Schlaf und die Beeinträchtigung im Alltag gegenüber der unbehandelten Gruppe (p < 0,005). Die Einschränkung ist offensichtlich: Keine Behandlung als Vergleich lässt offen, wie viel davon Zuwendung und Erwartung sind. Die Folgestudien von 2013 und 2025 haben genau das nachgeholt.
Elkins, G., Marcus, J., Stearns, V., Perfect, M. M., Rajab, M. H., Ruud, C., Palamara, L., & Keith, T. Z. (2008). Randomized trial of a hypnosis intervention for treatment of hot flashes among breast cancer survivors. Journal of Clinical Oncology, 26(31), 5022-5026. https://doi.org/10.1200/jco.2008.16.6389
Weitere Studien in diesem Feld:
- Sekundäranalyse einer randomisierten Studie der Elkins-Gruppe mit postmenopausalen Frauen: Die eigentlich gegen Hitzewallungen entwickelte Hypnose senkte auch die Angst signifikant bis zum Endpunkt und zum Follow-up, stärker als die Kontrollbedingung und über alle Grade der Hypnotisierbarkeit hinweg; Zahlen nennt das Abstract keine.
Roberts, R. L., Rhodes, J. R., & Elkins, G. (2021). Effect of Hypnosis on Anxiety: Results from a Randomized Controlled Trial with Women in Postmenopause. Journal of Clinical Psychology in Medical Settings, 28(4), 868-881. https://doi.org/10.1007/s10880-021-09810-3
Gewicht, Rauchen und Sucht
Bei Gewicht und Rauchen ist die Evidenz uneinheitlich: Hypnose verstärkt verhaltenstherapeutische Programme messbar, als alleinige Methode sind die Effekte kleiner und die Studien älter. Meine Einordnung findest Du unter Abnehmen mit Hypnose.
Meta-Analyse über 14 randomisierte Studien: Wer bei Übergewicht mit Hypnose behandelt wurde, verlor am Behandlungsende mehr Gewicht als 94 % der Kontrollteilnehmer (d = 1,58).
Verglichen wurden Hypnose allein gegen Kontrollbedingungen und Hypnose plus KVT gegen KVT allein. Beim längsten Follow-up blieb der Vorteil gegenüber den Kontrollgruppen groß (d = 0,88, besser als 81 % der Kontrollen). Als Ergänzung zur KVT war der Effekt direkt nach der Behandlung klein (d = 0,25), wuchs bis zum Follow-up aber auf d = 0,80 an. Das passt zu Kirschs Befund von 1996, dass der Nutzen der Hypnose mit der Zeit zunimmt. Wie bei jeder Meta-Analyse hängt das Ergebnis von der Qualität der Einzelstudien ab, und die ist bei Hypnose und Gewicht gemischt.
Milling, L. S., Gover, M., & Moriarty, C. L. (2018). The effectiveness of hypnosis as an intervention for obesity: A meta-analytic review. Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice, 5(1), 29-45. https://doi.org/10.1037/cns0000139
Meta-Analyse von 4 randomisierten Studien mit 273 Rauchern: Mit Hypnose lag die Chance auf Abstinenz nach 6 bis 12 Monaten beim 4,55-Fachen, das Konfidenzintervall reichte aber knapp bis unter 1 (0,98 bis 21,01).
Die Autoren untersuchten die drei am häufigsten geprüften alternativen Entwöhnungshilfen: Akupunktur (6 Studien, 823 Patienten), Hypnose (4 Studien, 273 Patienten) und Aversionsrauchen (4 Studien, 99 Patienten). Akupunktur erreichte eine Odds Ratio von 3,53, Aversionsrauchen 4,26. Die Autoren folgern, dass Akupunktur und Hypnose Rauchern beim Aufhören helfen könnten, und fordern mehr Evidenz für den Vergleich mit Medikamenten. Mit nur 4 Hypnose-Studien und einem sehr breiten Konfidenzintervall ist der Befund vielversprechend und wackelig zugleich. Der Cochrane-Review von 2019 kam mit mehr Studien zu einem zurückhaltenderen Urteil.
Tahiri, M., Mottillo, S., Joseph, L., Pilote, L., & Eisenberg, M. J. (2012). Alternative smoking cessation aids: A meta-analysis of randomized controlled trials. The American Journal of Medicine, 125(6), 576-584. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2011.09.028
Meta-Reanalyse: Abnehmprogramme mit Hypnose brachten im Mittel 5,37 kg Gewichtsverlust, ohne Hypnose 2,72 kg, und zur letzten Messung wuchs der Abstand auf 6,75 kg gegenüber 2,74 kg.
Irving Kirsch prüfte in einer dritten Meta-Analyse, ob Hypnose kognitiv-behaviorale Abnehmprogramme verstärkt. Er holte fehlende Daten bei zwei Studienautoren nach und korrigierte Rechenfehler der beiden vorherigen Analysen. Der Effekt betrug im Mittel über alle Messzeitpunkte 0,66 Standardabweichungen, zur letzten Messung 0,98. Auffällig: Der Vorteil der Hypnose wuchs mit der Zeit deutlich (r = 0,74). Die Datenbasis ist alt und schmal, aber der Befund passt zu dem, was ich in der Praxis sehe: Hypnose verändert weniger das Essen der nächsten Woche als die Gewohnheit über Monate.
Kirsch, I. (1996). Hypnotic enhancement of cognitive-behavioral weight loss treatments: Another meta-reanalysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(3), 517-519. https://doi.org/10.1037//0022-006x.64.3.517
Bei Menschen mit Adipositas und starkem Kontrollverlust beim Essen normalisierten 67,7 % mit Hypnose ihr Essverhalten, in der Kontrollgruppe 11,1 %.
Randomisierte kontrollierte Studie (HYPNODIET) mit 80 ausgewerteten Erwachsenen mit einem BMI von 30 bis 40. Beide Gruppen erhielten 8 Workshops Ernährungsschulung, die Hypnosegruppe zusätzlich 8 Sitzungen Ericksonsche Hypnose mit Training in Selbsthypnose. Nach 8 Monaten lag der Wert für Enthemmung beim Essen in der Hypnosegruppe um 4,2 Punkte niedriger, der BMI sank um 0,8 Punkte mehr, beim Gewicht war der Vorteil von 1,8 kg knapp nicht signifikant. Die Studie zielt auf den Mechanismus, den Kontrollverlust, und weniger auf die Waage. Genau das finde ich klug: Wer das Verhalten verändert, verändert das Gewicht mit Verzögerung.
Delestre, F., Lehericey, G., Estellat, C., Diallo, M., Hansel, B., & Giral, P. (2022). Hypnosis reduces food impulsivity in patients with obesity and high levels of disinhibition: HYPNODIET randomized controlled clinical trial. The American Journal of Clinical Nutrition, 115(6), 1637-1645. https://doi.org/10.1093/ajcn/nqac046
Weitere Studien in diesem Feld:
- Randomisierte Studie mit 120 Patienten mit schwerer Adipositas in Obesity: Drei Selbsthypnose-Sitzungen zusätzlich zur Lebensstil-Intervention brachten nach einem Jahr keinen Gewichtsunterschied (-6,5 kg gegenüber -5,6 kg), wer die Selbsthypnose aber regelmäßig anwendete, verlor 9,6 kg und reduzierte die Kalorienaufnahme um 682 kcal; Sättigung, Lebensqualität und Entzündungswerte besserten sich in der Hypnosegruppe.
Bo, S., Rahimi, F., Goitre, I., Properzi, B., Ponzo, V., Regaldo, G., Boschetti, S., Fadda, M., Ciccone, G., Abbate-Daga, G., Mengozzi, G., Evangelista, A., De Francesco, A., Belcastro, S., & Broglio, F. (2018). Effects of self-conditioning techniques (self-hypnosis) in promoting weight loss in patients with severe obesity: A randomized controlled trial. Obesity, 26(9), 1422-1429. https://doi.org/10.1002/oby.22262 - Randomisierte Studie mit 164 Patienten, die wegen einer Herz- oder Lungenerkrankung im Krankenhaus lagen: 26 Wochen nach der Entlassung waren 36,6 % der Hypnose-Patienten rauchfrei gegenüber 18,0 % mit Nikotinersatz; nach statistischer Anpassung war die Abstinenzchance mit Hypnose 3,6-fach höher, der Rohvergleich verfehlte die Signifikanz knapp (p = 0,06).
Hasan, F. M., Zagarins, S. E., Pischke, C. R., Saiyed, S., Bettencourt, A. M., Beal, L., Macys, D., Aurora, S., & McCleary, N. (2014). Hypnotherapy is more effective than nicotine replacement therapy for smoking cessation: Results of a randomized controlled trial. Complementary Therapies in Medicine, 22(1), 1-8. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2013.12.012 - Pilot-Studie mit 82 Patienten mit Adipositas (41 pro Gruppe): Ernährungsschulung plus acht Gruppensitzungen Hypnose und Selbsthypnose gegenüber Ernährungsschulung allein. Acht Monate nach Start gingen die Teilnehmer der Hypnose-Gruppe ihre Probleme häufiger aktiv an statt sie emotional zu bearbeiten oder sich abzulenken (p < .001 bis p < .05) und berichteten mehr Energie und weniger Erschöpfung (p < .001). Lebensqualität und Selbstwert unterschieden sich nicht.
Untas, A., Lamore, K., Delestre, F., Lehéricey, G., Giral, P., & Cappe, É. (2023). Psychosocial effects of hypnosis in patients with obesity: a pilot randomized controlled trial. American Journal of Clinical Hypnosis, 65(4), 281-298. https://doi.org/10.1080/00029157.2022.2152308 - Dritte Meta-Analyse zur Frage, was Hypnose zu verhaltenstherapeutischen Abnehmprogrammen beiträgt, mit nachgeforderten Rohdaten und korrigierten Rechenfehlern der Vorgänger: Im Mittel 5,37 kg Gewichtsverlust mit Hypnose gegenüber 2,72 kg ohne (Effektstärke 0,66), zur letzten Messung 6,75 gegenüber 2,74 kg (Effektstärke 0,98), und der Vorsprung wuchs mit der Zeit (r = 0,74).
Kirsch, I. (1996). Hypnotic enhancement of cognitive-behavioral weight loss treatments: Another meta-reanalysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(3), 517-519. https://doi.org/10.1037/0022-006X.64.3.517 - Randomisierte Studie mit 286 Rauchern, beide Gruppen mit Nikotinpflaster: Nach 12 Monaten waren biochemisch bestätigt 20 Prozent der Hypnosegruppe rauchfrei gegenüber 14 Prozent nach Verhaltensberatung (Relatives Risiko 1,40, nicht signifikant), bei Rauchern mit Depression in der Vorgeschichte war der Vorsprung der Hypnose signifikant.
Carmody, T. P., Duncan, C., Simon, J. A., Solkowitz, S., Huggins, J., Lee, S., & Delucchi, K. (2008). Hypnosis for smoking cessation: A randomized trial. Nicotine & Tobacco Research, 10(5), 811-818. https://doi.org/10.1080/14622200802023833
Schlaf, Stress und Alltag
Schlaf und Stress sind die Felder, in denen Selbsthypnose und Audio-Programme am häufigsten eingesetzt werden. Die Studien sind kleiner als in der Medizin, zeigen aber konsistent weniger Stress, bessere Schlafqualität und mehr Tiefschlaf. Weiterlesen: Hypnose bei Stress.
Eine hypnotische Suggestion, tiefer zu schlafen, verlängerte den Tiefschlaf im anschließenden Mittagsschlaf um 81 Prozent und verkürzte die Wachzeit um 67 Prozent, gemessen mit hochauflösendem EEG.
Placebo-kontrollierte Crossover-Studie im Schlaflabor der Universität Zürich, veröffentlicht in Sleep: 70 gesunde junge Frauen hörten vor einem 90-minütigen Mittagsschlaf einmal einen Hypnosetext und einmal einen Kontrolltext. Nach der Suggestion war der Tiefschlaf länger, die Slow-Wave-Aktivität stärker und die übrigen Schlafstadien unverändert. Der Anstieg der parietalen Theta-Aktivität während des Hörens sagte voraus, wie stark der Tiefschlaf zunahm. Zusatzexperimente zeigten, dass der Effekt an die Suggestion gebunden war und bei wenig suggestiblen Frauen ausblieb. Das ist die Vorläuferstudie zu Cordi (2020) oben und einer der seltenen Belege dafür, dass Worte ein objektives Schlaf-EEG verändern. Weiterlesen: Hypnose bei Stress.
Cordi, M. J., Schlarb, A. A., & Rasch, B. (2014). Deepening sleep by hypnotic suggestion. Sleep, 37(6), 1143-1152. https://doi.org/10.5665/sleep.3778
Weitere Studien in diesem Feld:
- Meta-Analyse über 5 randomisierte kontrollierte Studien zu achtsamer Hypnotherapie: psychische Belastung sank mit Hedges' g = 0,61, Stress mit g = 0,75, und die Achtsamkeit stieg mit g = 1,38, jeweils gegenüber Warteliste und aktiven Kontrollen. Nur 5 Studien, die Autoren fordern aktive Kontrollen und Hypnotisierbarkeitsmessung.
Padilla, V. J., Muñiz, V., Scheffrahn, K., & Elkins, G. (2026). Effect of Mindful Hypnotherapy on Psychological Distress: A Systematic Review and Meta-Analysis. Behavioral Sciences, 16(1), 107. https://doi.org/10.3390/bs16010107 - Meta-Analyse über 6 randomisierte Studien zu Hypnotherapie bei Insomnie (insgesamt 502 Personen inklusive autogenem Training): Gegenüber Warteliste verkürzte Hypnose die Einschlafzeit deutlich (SMD = -0,88), gegenüber einer Scheinbehandlung gab es keinen Unterschied. 11 von 13 Studien hatten niedrige methodische Qualität.
Lam, T., Chung, K., Yeung, W., Yu, B. Y., Yung, K., & Ng, T. H. (2015). Hypnotherapy for insomnia: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Complementary Therapies in Medicine, 23(5), 719-732. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2015.07.011 - Systematische Übersicht über 44 Studien zu Hypnotherapie und Schlaf: 47,7 Prozent zeigten positive Effekte, 22,7 Prozent gemischte, 29,5 Prozent keine. In den 11 Studien mit Schlafstörung als Einschlusskriterium und schlafspezifischen Suggestionen sah es besser aus: 54,5 Prozent positiv, nur 9,1 Prozent ohne Effekt.
Wofford, N., Snyder, M. C., Corlett, C. E., & Elkins, G. (2023). Systematic Review of Hypnotherapy for Sleep and Sleep Disturbance. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 71(3), 176-215. https://doi.org/10.1080/00207144.2023.2226177 - Multizentrische randomisierte kontrollierte Studie mit 95 gestressten Erwachsenen: Nach 5 Wochen Gruppenhypnose lag der Stress auf einer 100-mm-Skala bei 41,8 mm gegenüber 62,9 mm in der Kontrollgruppe (Differenz 21,2 mm, p < 0,001), nach 12 Wochen betrug der Unterschied noch 14,7 mm.
Fisch, S., Trivaković-Thiel, S., Roll, S., Keller, T., Binting, S., Cree, M., Brinkhaus, B., & Teut, M. (2020). Group hypnosis for stress reduction and improved stress coping: a multicenter randomized controlled trial. BMC Complementary Medicine and Therapies, 20(1), 344. https://doi.org/10.1186/s12906-020-03129-6 - Randomisierte Studie mit 35 gestressten Erwachsenen: Zwei Wochen mit einer Hypnose-Audioaufnahme (Entspannung, Imagination, Ankern) brachten einen mittleren bis großen Effekt auf Stresserleben, Burnout und Wohlbefinden gegenüber Ausgangswert und Warteliste.
Cardeña, E., Svensson, C., & Hejdström, F. (2013). Hypnotic Tape Intervention Ameliorates Stress: A Randomized, Control Study. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 61(2), 125-145. https://doi.org/10.1080/00207144.2013.753820 - Randomisierte Studie mit 30 Patienten mit leichtem Bluthochdruck: 8 standardisierte Hypnosesitzungen senkten den Blutdruck gegenüber einer unbehandelten Kontrollgruppe, und zwar kurz-, mittel- und langfristig über ein Jahr. Zahlen nennt das Abstract keine.
Gay, M. (2007). Effectiveness of Hypnosis in Reducing Mild Essential Hypertension: A One-Year Follow-Up. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 55(1), 67-83. https://doi.org/10.1080/00207140600995893 - Schlaflabor-Experiment mit 43 gesunden jungen Erwachsenen über 8 Stunden Nachtschlaf: Hoch hypnotisierbare Personen hatten nach hypnotischen Suggestionen vor dem Einschlafen mehr Tiefschlaf und mehr langsamwellige Aktivität als nach einem Kontrolltext, am stärksten zu Beginn der Nacht; bei wenig Hypnotisierbaren blieb der Effekt aus.
Cordi, M. J., Rossier, L., & Rasch, B. (2020). Hypnotic suggestions given before nighttime sleep extend slow-wave sleep as compared to a control text in highly hypnotizable subjects. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 68(1), 105-129. https://doi.org/10.1080/00207144.2020.1687260 - Retrospektive Kohortenstudie eines Schlafzentrums mit 131 Parasomnie-Patienten, Nachbeobachtung bei 76 davon: 53,9 Prozent berichteten eine subjektive Besserung, 32,4 Prozent galten nach klinischem Urteil als deutlich gebessert, am ehesten bei NREM-Parasomnien wie Schlafwandeln (46,7 Prozent), seltener bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung (33,3 Prozent). Ohne Kontrollgruppe.
Kolla, B. P., Mifsud, C. S., Gugliotta, A. A., Richardson, J. W., & Mansukhani, M. P. (2026). The efficacy of clinical hypnosis in treating NREM and REM parasomnias: A retrospective study. Sleep Medicine, 146, 109096. https://doi.org/10.1016/j.sleep.2026.109096 - Randomisierte Pilotstudie mit 42 gestressten Studierenden: 8 Wochen achtsame Hypnotherapie senkten die wahrgenommene Belastung mit großem Effekt (Hedges' g = -1,14) und erhöhten die Achtsamkeit (g = 1,36) gegenüber der Warteliste; 84 Prozent hielten das Programm durch, unerwünschte Ereignisse lagen bei 4,5 Prozent.
Olendzki, N., Elkins, G., Slonena, E. E., Hung, J. T., & Rhodes, J. R. (2020). Mindful Hypnotherapy to Reduce Stress and Increase Mindfulness: A Randomized Controlled Pilot Study. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 68(2), 151-166. https://doi.org/10.1080/00207144.2020.1722028 - Fallserie mit 36 Patienten mit chronischen Parasomnien, die nur 1 bis 2 Hypnosesitzungen bekamen: 45,4 Prozent waren nach einem Monat symptomfrei oder deutlich gebessert, 42,2 Prozent nach 18 Monaten und 40,5 Prozent noch nach 5 Jahren. Keine Kontrollgruppe.
Hauri, P. J., Silber, M. H., & Boeve, B. F. (2007). The Treatment of Parasomnias with Hypnosis: a 5-Year Follow-Up Study. Journal of Clinical Sleep Medicine, 3(4), 369-373. https://doi.org/10.5664/jcsm.26858 - Literaturübersicht über 24 Studien zu Hypnose bei Non-REM-Parasomnien (Schlafwandeln, Nachtschreck): Von 148 mit Hypnose behandelten Personen sprachen rund 82,6 Prozent an, spezifische Suggestionen schnitten besser ab als allgemeine. Fast alles sind Fallberichte, nur eine Studie war kontrolliert, die Evidenzqualität ist niedrig.
Solelhac, G., Rimorini, N., Berna, C., & Siclari, F. (2026). Hypnosis as therapy for non-REM parasomnia: A literature review. Sleep Medicine Reviews, 85, 102227. https://doi.org/10.1016/j.smrv.2025.102227 - Kontrollierte Studie mit 49 Medizinstudierenden im Abschlussjahr: Eine einzige personalisierte Hypnosesitzung verbesserte die exekutiven Funktionen beim Abrufen einer belastenden Erinnerung (d = 0,62) und senkte Stress und Angst, während der Stress in der Kontrollgruppe mit Atemfokus anstieg; die Herzratenvariabilität zeigte eine bessere parasympathische Erholung.
Queirolo, L., Boscolo, A., Cracco, T., Moscardi, O., Facco, E., & Zanette, G. (2026). Hypnosis reshapes multilevel stress response and enhances executive performance in stressed medical students. Scientific Reports, 16(1). https://doi.org/10.1038/s41598-026-40770-6 - Randomisierte Studie mit 80 Personen im Alltag: Eine einzige Sitzung mit dem „Jenaer Sicherheitsanker“ senkte in der Folgewoche die Cortisol-Aufwachreaktion und die morgendliche Herzfrequenz (per Smartwatch gemessen), in der Kontrollgruppe änderte sich nichts. Zahlen zur Höhe des Effekts nennt das Abstract keine.
Schmidt, J., Riede, L., Walter, H., & Engert, V. (2026). Hypnotic safety suggestions reduce cortisol awakening response and morning heart rate in daily life. Scientific Reports, 16(1). https://doi.org/10.1038/s41598-026-52081-x - Randomisierte Studie mit 33 Medizin- und Zahnmedizinstudenten vor der ersten großen Prüfung: Wer in den Wochen davor hypnotische Entspannung trainierte, blieb im Blut vor dem prüfungsbedingten Abfall der T-Lymphozyten (CD3+, CD4+), der Lymphozytenproliferation und der Interleukin-1-Produktion verschont, den die Kontrollgruppe zeigte, und häufigeres Üben ging mit höheren T-Zell-Anteilen einher.
Kiecolt-Glaser, J. K., Marucha, P. T., Atkinson, C., & Glaser, R. (2001). Hypnosis as a modulator of cellular immune dysregulation during acute stress. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 69(4), 674-682. https://doi.org/10.1037/0022-006X.69.4.674
Haut, Allergie und Zahnmedizin
Haut und Atemwege reagieren auf Suggestion, das zeigen Studien seit den 1950er Jahren. In der Zahnmedizin ist Hypnose inzwischen so gut belegt, dass Zahnärzte sie als Standardverfahren gegen Angst und Schmerz einsetzen können. Siehe auch Hypnose beim Zahnarzt.
Über 27 Studien reduzierte Hypnose den Schmerz während und nach zahnärztlichen Eingriffen wie Zahnextraktionen und senkte den Verbrauch an Schmerzmitteln.
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse im Journal of Dentistry, Studien von 1989 bis 2021, alle Altersgruppen. Hoch hypnotisierbare Patienten sprachen in der Regel besser an. Die Studien waren sehr heterogen, ihre Zahl bleibt überschaubar, und das Abstract nennt keine Effektstärke; die Autoren sehen die Evidenz für akute Schmerzlinderung trotzdem als bestätigt. Interessant für die Praxis: Hypnose bietet sich gerade dort an, wo Schmerzmittel wegen Allergien oder Unverträglichkeiten wegfallen.
Merz, A. E., Campus, G., Abrahamsen, R., & Wolf, T. G. (2022). Hypnosis on acute dental and maxillofacial pain relief: A systematic review and meta-analysis. Journal of Dentistry, 123, 104184. https://doi.org/10.1016/j.jdent.2022.104184
Nach einem Jahr Hypnose plus täglicher Selbsthypnose beurteilten verblindete Ärzte 59 Prozent der Asthmapatienten als deutlich gebessert, in der Vergleichsgruppe mit Atem- und Entspannungsübungen 43 Prozent.
Randomisierte kontrollierte Studie der British Tuberculosis Association mit 252 Patienten zwischen 10 und 60 Jahren in 9 Zentren, publiziert im BMJ. Therapieversager gab es 7 unter Hypnose gegenüber 17 in der Kontrollgruppe, Frauen profitierten von der Hypnose besonders. Die Lungenfunktionswerte änderten sich in beiden Gruppen ähnlich. Ein Detail, das mich besonders interessiert: Ärzte mit Hypnose-Erfahrung erzielten deutlich bessere Ergebnisse als unerfahrene. Die Wirkung hing also auch daran, wer wie mit dem Patienten sprach.
Citron, K. M., Black, S. M., Crocket, J., & Maher-Loughnan, G. P. (1968). Hypnosis for asthma: A controlled trial. A report to the Research Committee of the British Tuberculosis Association. BMJ, 4(5623), 71-76. https://doi.org/10.1136/bmj.4.5623.71
Weitere Studien in diesem Feld:
- Meta-Analysen über 67 randomisierte Studien zu Zahnbehandlungsangst: Für die akute Angst während oralchirurgischer Eingriffe stützt Evidenz mittlerer Sicherheit den Einsatz von Hypnose (SMD = -0,31), Benzodiazepine schnitten ähnlich ab (SMD = -0,43) bei niedrigerer Evidenzsicherheit; für Musik, Aromatherapie, Virtual Reality und Akupunktur fand sich kein Beleg.
Steenen, S. A., Linke, F., van Westrhenen, R., & de Jongh, A. (2024). Interventions to reduce adult state anxiety, dental trait anxiety, and dental phobia: A systematic review and meta-analyses of randomized controlled trials. Journal of Anxiety Disorders, 105, 102891. https://doi.org/10.1016/j.janxdis.2024.102891 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 60 Kindern von 5 bis 7 Jahren bei einer Pulpotomie: Mit Hypnose lagen Angst und Schmerz auf der FLACC-Skala über die gesamte Behandlung niedriger als mit der üblichen Tell-Show-Do-Führung (p = 0,022), ebenso Herzfrequenz (p = 0,005) und Hautleitfähigkeit (p = 0,032).
Butrón-Téllez Girón, C., Ramírez-Carrasco, A., Sánchez-Armáss Cappello, O., Pozos-Guillén, A., & Pierdant-Pérez, M. (2024). The efficacy of hypnosis compared with the tell/show/do technique for the reduction of anxiety/pain in children undergoing pulpotomies: a randomized controlled trial. Journal of Clinical Pediatric Dentistry, 48(1), 69. https://doi.org/10.22514/jocpd.2024.009 - Randomisierte Studie mit 40 Frauen mit Kiefergelenksbeschwerden seit durchschnittlich 12 Jahren: 4 Hypnosesitzungen senkten den täglichen Schmerz von 4,5 auf 2,9 auf einer 10er-Skala (p < 0,001), die Entspannungskontrolle blieb bei 4,2 zu 3,9; für eine Schmerzhalbierung mussten 4 Patientinnen behandelt werden.
Abrahamsen, R., Zachariae, R., & Svensson, P. (2009). Effect of hypnosis on oral function and psychological factors in temporomandibular disorders patients. Journal of Oral Rehabilitation, 36(8), 556-570. https://doi.org/10.1111/j.1365-2842.2009.01974.x - Randomisierte kontrollierte Studie im BMJ mit 39 Asthmatikern: Nach 6 Wochen Hypnotherapie verbesserte sich bei den 12 hoch suggestiblen Patienten die bronchiale Überempfindlichkeit im Methacholin-Test um 74,9 Prozent, die Symptome um 41 Prozent, und der Bronchodilatator-Verbrauch sank um 26,2 Prozent; Kontrollgruppe und wenig Suggestible blieben unverändert.
Ewer, T. C., & Stewart, D. E. (1986). Improvement in bronchial hyper-responsiveness in patients with moderate asthma after treatment with a hypnotic technique: a randomised controlled trial. BMJ, 293(6555), 1129-1132. https://doi.org/10.1136/bmj.293.6555.1129 - Experiment mit 38 Personen und Histamin-Hauttest: Nach einer kognitiv-hypnotischen Übung mit Imagination und Visualisierung fiel die Quaddel bei 32 von 38 kleiner aus als in der Kontrollsitzung (t = 4,90, p < 0,0001); Gelassenheit und niedrigerer Blutdruck sagten den Effekt besser voraus als die Hypnotisierbarkeit.
Laidlaw, T. M., Booth, R. J., & Large, R. G. (1996). Reduction in Skin Reactions to Histamine After a Hypnotic Procedure. Psychosomatic Medicine, 58(3), 242-248. https://doi.org/10.1097/00006842-199605000-00008 - Frühe kontrollierte Studie im British Medical Journal mit Asthma- und Heuschnupfenpatienten: Unter Hypnose fielen Quaddel- und Rötungsreaktion der Haut auf Allergene kleiner aus, objektiv messbar. Ein Abstract mit Zahlen liegt nicht vor.
Fry, L., Mason, A. A., & Pearson, R. S. B. (1964). Effect of hypnosis on allergic skin responses in asthma and hay-fever. British Medical Journal, 1(5391), 1145-1148. https://doi.org/10.1136/bmj.1.5391.1145 - Übersichtsarbeit zu Hypnose, Entspannung und Imagination und ihrer Wirkung auf das Immunsystem, mit drei eigenen Studien: Selbsthypnose mit Immun-Imagination pufferte bei Medizinstudierenden den Prüfungsstress ab und brachte weniger Wintervirusinfekte; bei Patienten mit chronischem Herpes simplex Typ 2 halbierte ein 6-wöchiges Training die Rückfälle fast und steigerte die Aktivität natürlicher Killerzellen. Überwiegend kleine, vorläufige Studien.
Gruzelier, J. H. (2002). A review of the impact of hypnosis, relaxation, guided imagery and individual differences on aspects of immunity and health. Stress, 5(2), 147-163. https://doi.org/10.1080/10253890290027877 - Kontrollierte Studie aus Leipzig mit 102 Patienten bei einer Zahnentfernung: Mit Hypnose zusätzlich zur üblichen Behandlung war die Angst während des Eingriffs signifikant niedriger als ohne, nach dem Eingriff glichen sich beide Gruppen an, und mehr als 90 Prozent der Patienten standen der Hypnose positiv gegenüber.
Glaesmer, H., Geupel, H., & Haak, R. (2015). A controlled trial on the effect of hypnosis on dental anxiety in tooth removal patients. Patient Education and Counseling, 98(9), 1112-1115. https://doi.org/10.1016/j.pec.2015.05.007 - Zwei Experimente zur Warzenbehandlung: Hypnotische Suggestion ließ mehr Warzen zurückgehen als Placebo oder keine Behandlung, und dieselbe Suggestion ohne Hypnoseinduktion wirkte genauso gut wie mit; entscheidend war, wie lebhaft die Teilnehmer die suggerierten Bilder erlebten; die Hypnotisierbarkeit spielte keine Rolle.
Spanos, N. P., Stenstrom, R. J., & Johnston, J. C. (1988). Hypnosis, placebo, and suggestion in the treatment of warts. Psychosomatic Medicine, 50(3), 245-260. https://doi.org/10.1097/00006842-198805000-00003
Gesamt-Meta-Analysen und Übersichten
Wer nur eine Zahl will: Die großen Übersichtsarbeiten über alle Anwendungsfelder hinweg finden mittlere bis große Effekte, mit der stärksten Evidenz bei Schmerz, Reizdarm und medizinischen Eingriffen. Die deutschsprachige Meta-Analyse von Bongartz, Flammer und Schwonke war 2002 die Grundlage für die wissenschaftliche Anerkennung der Hypnotherapie in Deutschland.
Über 21 randomisierte kontrollierte Studien erreichte Hypnotherapie bei psychosomatischen Störungen eine mittlere Effektstärke von d = 0,61 gegenüber unbehandelten Kontrollen.
Meta-Analyse im International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, ausschließlich Studien, in denen Hypnotherapie allein gegen keine Behandlung getestet wurde, teils mit medizinischer Standardversorgung in beiden Armen. Klassische, gemischte und moderne Hypnoseformen unterschieden sich signifikant in der Wirkung, die Behandlungsdosis dagegen spielte keine messbare Rolle. Zur Suggestibilität lagen nur in 3 Studien Zahlen vor (mittlere Korrelation r = 0,31). Die Autoren werten das Ergebnis als klaren Wirksamkeitsbeleg; die Zahl der Primärstudien ist überschaubar.
Flammer, E., & Alladin, A. (2007). The Efficacy of Hypnotherapy in the Treatment of Psychosomatic Disorders: Meta-analytical Evidence. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 55(3), 251-274. https://doi.org/10.1080/00207140701338696
Über 43 randomisierte Studien erreichte Hypnose bei ICD-10-kodierbaren Störungen eine Effektstärke von d = 0,60 und als Begleitung medizinischer Eingriffe d = 0,38.
Deutschsprachige Meta-Analyse aus Konstanz, erschienen in der Zeitschrift Psychotherapeut, Vorläufer der internationalen Auswertung von Flammer und Bongartz 2003. Ein mittlerer Effekt für klinische Störungen, ein kleiner bis mittlerer für die Begleitung medizinischer Maßnahmen. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Die meisten ausgewerteten Studien arbeiteten mit klassischer Hypnose, und Moshagen und Musch (2008) haben später gezeigt, dass Publikationsbias solche Schätzungen um etwa ein Drittel aufblähen kann.
Bongartz, W., Flammer, E., & Schwonke, R. (2002). Die Effektivität der Hypnose. Psychotherapeut, 47(2), 67-76. https://doi.org/10.1007/s00278-002-0207-z
Über 49 Meta-Analysen mit 261 Primärstudien lagen die Effekte der Hypnose zwischen d = -0,04 und d = 2,72; 25,4 Prozent der Effekte waren mittel, 28,8 Prozent groß.
Umbrella-Review in Frontiers in Psychology, PROSPERO-registriert, über alle Meta-Analysen randomisierter Studien seit 2000 zu psychischen und körperlichen Beschwerden. Die robusteste Evidenz gibt es für Hypnose bei medizinischen Eingriffen (12 Reviews, 79 Primärstudien) und bei Schmerz (4 Reviews, 65 Primärstudien), die größten Effekte bei Schmerz, bei Eingriffen und bei Kindern und Jugendlichen. Zwei ehrliche Einschränkungen: Nur 9 der 49 Meta-Analysen hatten hohe methodische Qualität, und viele Primärstudien tauchen in mehreren Meta-Analysen auf, die Datenbasis ist also kleiner, als 49 Reviews vermuten lassen.
Rosendahl, J., Alldredge, C. T., & Haddenhorst, A. (2024). Meta-analytic evidence on the efficacy of hypnosis for mental and somatic health issues: a 20-year perspective. Frontiers in Psychology, 14, 1330238. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1330238
In 34 randomisierten Studien mit 2.597 Patienten senkte Hypnose Schmerz und emotionale Belastung bei medizinischen Eingriffen, in 8 Studien mit 464 Patienten die Beschwerden beim Reizdarm.
Systematische Übersicht über Meta-Analysen im Deutschen Ärzteblatt: Von 391 Publikationen erfüllten 5 Meta-Analysen mit je mindestens 400 Patienten die Kriterien, eine davon mit hoher, drei mit mittlerer und eine mit schwacher Qualität. Der Effekt auf den Schmerz während Eingriffen war klein, der auf die emotionale Belastung je nach Analyse klein bis groß. Zwei Meta-Analysen fanden keine Unterschiede bei Nebenwirkungen und Sicherheit. Besonders spannend für mich: 5 randomisierte Studien belegten die Wirkung von Wachsuggestionen, also therapeutischer Suggestion ohne formale Tranceinduktion. Die Autoren empfehlen sie ausdrücklich als Bestandteil der Arzt-Patienten-Kommunikation.
Häuser, W., Hagl, M., Schmierer, A., & Hansen, E. (2016). The Efficacy, Safety and Applications of Medical Hypnosis: A Systematic Review of Meta-analyses. Deutsches Ärzteblatt international, 113(17), 289-296. https://doi.org/10.3238/arztebl.2016.0289
Weitere Studien in diesem Feld:
- Meta-Analyse über 8 randomisierte kontrollierte Studien mit 676 Teilnehmern zu Ericksonscher Hypnotherapie (2015 bis 2025) bei Schmerz, Depression, Trauer, Reizdarm, Essverhalten und Alkohol: großer gepoolter Effekt gegenüber Warteliste oder Standardversorgung (SMD = 1,17; 95 % KI 0,70 bis 1,64), gegenüber aktiven Verfahren wie Verhaltenstherapie gleichwertig. Wenige, heterogene Studien.
Çınaroğlu, M., Yılmazer, E., & Ahlatcıoğlu, E. N. (2026). Ericksonian Hypnotherapy: A Systematic Review and Meta-Analysis of RCTs. Psychiatry International, 7(1), 16. https://doi.org/10.3390/psychiatryint7010016 - Meta-Analyse über 57 randomisierte Studien (aus 444 gesichteten bis 2002), in denen Hypnose allein mit unbehandelten oder konventionell behandelten Kontrollen verglichen wurde: mittlere Effektstärke d = 0,56, bei ICD-10-Störungen d = 0,63. Nicht randomisierte Vorher-Nachher-Studien lieferten mit d = 2,29 weit überhöhte Werte, ein Hinweis, wie stark das Design das Ergebnis färbt.
Flammer, E., & Bongartz, W. (2003). On the efficacy of hypnosis: a meta-analytic study. Contemporary Hypnosis, 20(4), 179-197. https://doi.org/10.1002/ch.277 - Auswertung der bei ClinicalTrials.gov registrierten Hypnose-Studien: Die Rate ernster unerwünschter Ereignisse, die auf Hypnose zurückgehen, lag bei 0 Prozent, sonstige unerwünschte Ereignisse bei 0,47 Prozent; viele Studien berichteten allerdings gar keine Sicherheitsdaten, und alle betrafen medizinische Anwendungen, keine psychiatrischen.
Bollinger, J. W. (2018). The Rate of Adverse Events Related to Hypnosis During Clinical Trials. American Journal of Clinical Hypnosis, 60(4), 357-366. https://doi.org/10.1080/00029157.2017.1315927 - Kontrollierte Studie mit Tinnitus-Patienten: 73 Prozent der Selbsthypnose-Gruppe berichteten, dass der Tinnitus während der Sitzungen verschwand, gegenüber 24 Prozent in der Vergleichsgruppe mit kurzem Hörreiz; nur die Selbsthypnose-Gruppe war nach 1 Woche und nach 2 Monaten signifikant gebessert.
Attias, J., Shemesh, Z., Shoham, C., Shahar, A., & Sohmer, H. (1990). Efficacy of self-hypnosis for tinnitus relief. Scandinavian Audiology, 19(4), 245-249. https://doi.org/10.3109/01050399009070779 - Historische Monografie von Linn Cooper und Milton Erickson zur hypnotischen Zeitverzerrung, experimentell und klinisch untersucht: Unter Hypnose kann die subjektiv erlebte Zeit von der Uhrzeit abweichen. Ein Klassiker der Erickson-Literatur, keine kontrollierte Studie nach heutigem Standard, deshalb hier nur als historischer Bezug genannt.
Cooper, L. F., & Erickson, M. H. (1959). Time distortion in hypnosis: An experimental and clinical investigation (2nd ed.). Williams & Wilkins. - Übersicht zur Sonderausgabe des International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis 2000: Nach den Kriterien von Chambless und Hollon belegt die Forschung, dass hypnotische Verfahren einige psychische und medizinische Beschwerden lindern können, oft kostengünstig; für die Bewertung von Hypnose als Ergänzung anderer Therapien passen diese Kriterien allerdings schlecht.
Lynn, S. J., Kirsch, I., Barabasz, A., Cardeña, E., & Patterson, D. R. (2000). Hypnosis as an empirically supported clinical intervention: The state of the evidence and a look to the future. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 48(2), 239-259. https://doi.org/10.1080/00207140008410050 - Theoriearbeit im American Psychologist: Die Aufteilung der Hypnoseforschung in ein State- und ein Non-State-Lager hält einer Prüfung nicht stand; die tatsächlichen Unterschiede zwischen den Theorien verlaufen quer zu dieser Trennlinie und lassen sich besser als Punkte auf einem Kontinuum beschreiben.
Kirsch, I., & Lynn, S. J. (1995). The altered state of hypnosis: Changes in the theoretical landscape. American Psychologist, 50(10), 846-858. https://doi.org/10.1037/0003-066X.50.10.846 - Theoriearbeit in der Psychological Review: Hilgards Neodissoziationstheorie erklärt die hypnotische Schmerzreduktion damit, dass ein Teil der Verarbeitung vom bewussten Erleben abgekoppelt wird. Ein Grundlagentext ohne empirische Zahlen.
Hilgard, E. R. (1973). A neodissociation interpretation of pain reduction in hypnosis. Psychological Review, 80(5), 396-411. https://doi.org/10.1037/h0020073
Selbsthypnose, Apps und Leistung
Selbsthypnose per App, Audio oder Training funktioniert. Die Studien zeigen Effekte auf Stress, Schmerz und Leistung, die mit denen der Fremdhypnose vergleichbar sind. Wie Du Selbsthypnose lernst, steht im Artikel Selbsthypnose.
Bei 84.395 App-Nutzern und 282.893 Sitzungen sank der Stress in jeder der ersten 10 Selbsthypnose-Sitzungen konsistent, mit Effektstärken zwischen d = 0,71 und 0,78.
Retrospektive Beobachtungsstudie aus der Stanford-Gruppe um David Spiegel in npj Digital Medicine: Nutzer bewerteten ihren Stress vor und nach jeder Sitzung auf einer 10-Punkte-Skala. Stärker profitierten Nutzer interaktiver und regulär langer Sitzungen, höher Hypnotisierbare, ältere Nutzer und zahlende Mitglieder. Die Einschränkung liegt im Design: kein Kontrollarm, Selbstauskunft direkt nach der Sitzung, und wer die App weiter nutzt, ist vermutlich der, dem sie hilft. Als Beleg für die Größe des Effekts taugt die Studie deshalb nur begrenzt, als Beleg dafür, dass Selbsthypnose in großem Maßstab praktikabel ist, dagegen sehr.
Tran, N., Saperia, C., Neri, E., Jo, B., Kim, B., Zewde, N., Nouriani, B., Kinderman, C., Jagielo, A. D., Faerman, A., Maldonado, J. R., & Spiegel, D. (2025). Effects of app delivered self hypnosis on stress management. npj Digital Medicine, 9(1), 11. https://doi.org/10.1038/s41746-025-02182-0
Weitere Studien in diesem Feld:
- Systematische Übersicht mit Meta-Analyse über 22 randomisierte Studien zu Selbsthypnose: mittlerer bis großer Effekt bei Schmerz, Geburt, Kindern, Stress und Angst. Selbsthypnose wirkte am ehesten, wenn sie als eigenständige Fertigkeit mit mindestens 3 Übungssitzungen vermittelt wurde; Studien, in denen Teilnehmer nur Audioaufnahmen einer Fremdhypnose hörten, fanden meist keinen Effekt.
Eason, A. D., & Parris, B. A. (2019). Clinical applications of self-hypnosis: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice, 6(3), 262-278. https://doi.org/10.1037/cns0000173 - Meta-Analyse über 5 kleine randomisierte Studien, überwiegend mit Medizin- und Pflegestudierenden: Hypnose senkte die Prüfungsangst signifikant (Effektstärke -0,39; 95 % KI -0,66 bis -0,12), größere Studien mit Prüfungsnoten als Zielgröße fehlen.
Baker, J., Ainsworth, H., Torgerson, C., & Torgerson, D. (2009). A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials evaluating the effect of hypnosis on exam anxiety. Effective Education, 1(1), 27-41. https://doi.org/10.1080/19415530903043664 - Vierarmige randomisierte kontrollierte Studie mit 504 Teilnehmern über 4 Wochen: Digitale, selbst angeleitete Hypnotherapie steigerte die Gelassenheit gegenüber der Kontrollgruppe (d = 0,33), kombiniert mit ätherischem Öl etwas mehr (d = 0,38); ein konditionierter Duft-Effekt ließ sich in Woche 5 nicht nachweisen.
Schepanski, S. N., Bogdanski, M., Siegfried, K. K., & Kessler, C. S. (2026). Promoting relaxation through essential oil-enhanced digital hypnotherapy: A randomized controlled trial. Psychological Medicine, 56. https://doi.org/10.1017/S0033291726103778 - Randomisierte kontrollierte Studie mit 333 Menschen mit Multipler Sklerose und Fatigue: 4 Wochen Zugang zu Hypnose- oder Achtsamkeits-Audioaufnahmen senkten Fatigue, Schlafstörungen und depressive Symptome deutlicher als die Standardversorgung, die Besserung hielt über 16 und 28 Wochen, ernste Nebenwirkungen blieben aus.
Jensen, M. P., Robles, S., Nash, M. G., May, S., Ehde, D. M., Day, M. A., Gottlieb, O., Sugarman, L. I., & Alschuler, K. N. (2025). Hypnosis and mindfulness audio recordings for reducing fatigue in individuals with multiple sclerosis: A randomized controlled study. Multiple Sclerosis Journal, 31(7), 833-845. https://doi.org/10.1177/13524585251329820 - Experiment mit 32 Schauspielern (16 Männer, 16 Frauen), die zwei Rollen (Feuerwehrmann, Brandopfer) unter hypnotischer und unter normaler Bedingung spielten: Mit Hypnose berichteten sie eine deutlich stärkere Immersion und authentischere Darstellung, unabhängig vom Geschlecht. Selbsteinschätzung per Fragebogen, keine Zahlen im Abstract.
Garcia, T., & Ribas, V. (2026). Hypnosis as a Tool for Theatrical Performance. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 74(3), 387-405. https://doi.org/10.1080/00207144.2026.2660984
Wo die Evidenz dünn ist
Eine Studiensammlung, die nur Erfolge zeigt, ist Werbung. Deshalb hier die Arbeiten, die Hypnose nüchtern relativieren. Sie ändern nichts am Gesamtbild, aber sie zeigen, wo die Forschung noch Lücken hat: bei der Rauchentwöhnung als alleinige Methode, bei Selbsthypnose unter der Geburt ohne Begleitung, beim Publikationsbias älterer Studien und bei der Schlafforschung, wo die Studien klein und uneinheitlich sind. Neu dazugekommen sind drei weitere ehrliche Befunde: die beiden großen Geburtsstudien HATCh und SHIP mit zusammen mehr als 1.100 Frauen, in denen Selbsthypnose die Schmerzmittelrate nicht senkte (siehe Geburt und Schwangerschaft), und die Meta-Analyse von Souza und Elkins (2024), die die Evidenz für Hypnose bei Depression als noch unzureichend einstuft (siehe Angst, Depression und Trauma).
- Randomisierte Studie mit 64 Kindern von drei bis sechs Jahren vor einer Mandel- oder Polypenoperation: Eine Hypnose-Audioaufnahme zusätzlich zum Narkose-Comic veränderte nichts. Die Angst während des Eingriffs lag in beiden Gruppen bei rund 33 von 100 Punkten, die Belastung bei rund 2 von 10, der stärkste Schmerz danach bei rund 5 von 10. Alle Kinder bekamen vorher Midazolam und waren schon durch den Comic vorbereitet, also blieb kaum Raum nach oben.
Schmidt, B., Thomas, C., Göttermann, A., Meißner, W., Geißler, K., Guntinas-Lichius, O., & Schirrmeister, A. (2025). Reducing Perioperative Anxiety and Postoperative Discomfort in Children With Hypnosis Before Tonsillotomy and Adenoidectomy: A Prospective Randomized Trial. Health Science Reports, 8(3), e70484. https://doi.org/10.1002/hsr2.70484 - Randomisierte Studie mit 1.222 Erstgebärenden: Die PDA-Rate lag nach dem Selbsthypnose-Kurs bei 31,2 %, nach Entspannungstraining bei 29,8 % und in der Standardgruppe bei 30,0 %, auch der erlebte Schmerz unterschied sich nicht. Drei Stunden Kurs reichen offenbar nicht, um den Geburtsschmerz messbar zu verändern.
Werner, A., Uldbjerg, N., Zachariae, R., & Nohr, E. A. (2013). Self-hypnosis for coping with labour pain: A randomised controlled trial. BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 120(3), 346-353. https://doi.org/10.1111/1471-0528.12087 - Cochrane-Review mit 14 Studien und 1.926 Rauchern: Die Evidenz reicht für eine klare Aussage, ob Hypnose beim Rauchstopp besser hilft als andere Unterstützung, nicht aus.
Barnes, J., McRobbie, H., Dong, C. Y., Walker, N., & Hartmann-Boyce, J. (2019). Hypnotherapy for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019(6), Article CD001008. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001008.pub3 - Systematische Übersicht über 24 Studien mit Schlaf als Zielgröße: 58,3 Prozent berichteten einen Nutzen der Hypnose, 12,5 Prozent gemischte Ergebnisse, 29,2 Prozent keinen Nutzen; unerwünschte Wirkungen waren selten. Wenige Studien mit echten Schlafpatienten und kleine Stichproben begrenzen die Aussagekraft.
Chamine, I., Atchley, R., & Oken, B. S. (2018). Hypnosis Intervention Effects on Sleep Outcomes: A Systematic Review. Journal of Clinical Sleep Medicine, 14(2), 271-283. https://doi.org/10.5664/jcsm.6952 - Methodenkritische Nachanalyse der Meta-Analyse von Flammer und Bongartz (2003) mit über 400 Studien: Publikationsbias hat die Effektschätzung vermutlich um rund ein Drittel aufgebläht. Ein substanzieller Effekt der Hypnose bleibt aber auch nach dieser Korrektur bestehen.
Moshagen, M., & Musch, J. (2008). Publication bias in studies on the efficacy of hypnosis as a therapeutic tool. Contemporary Hypnosis, 25(2), 94-99. https://doi.org/10.1002/ch.355
Was ich daraus lerne: Hypnose ist kein Selbstläufer. Die Studien mit den besten Ergebnissen haben eines gemeinsam, einen Menschen, der die Kommunikation führt und auf den Patienten eingeht. Genau das ist das Kooperationsprinzip.
Was das für die Praxis heißt
Für mich ergeben diese Studien zusammen ein klares Bild:
- Hypnose ist Begleitintervention, keine Wundermedizin. Ihre Stärke liegt dort, wo Medikamente allein nicht hinkommen: Schmerzwahrnehmung, Angst, Schlaf, Grübeln, Lebensqualität.
- Die Beziehung wirkt mit. Aufgezeichnete Hypnose ohne Therapeutenkontakt schnitt in der Depressionsforschung als einzige Intervention ohne Effekt ab. Hypnose ist Kommunikation zwischen Menschen.
- Erwartung ist ein Wirkmechanismus, kein Störfaktor. Wickless und Kirsch zeigen: Wer erlebt, dass es funktioniert, spricht stärker an. Gute Hypnose-Arbeit baut deshalb bewusst frühe Erfolgserlebnisse ein.
- Das Format ist flexibel. Online-Gruppen, Audio-Vorbereitung, Katheterlabor: Die Wirkung hängt an der Qualität der Kommunikation, nicht am Setting. Das deckt sich mit der Non-State-Theorie, die meine Arbeit prägt.
- Sprache wirkt immer. Die Framing-Forschung zeigt dieselben Mechanismen wie die acht hypnotischen Prinzipien: Kontext, Aufmerksamkeit und Formulierung steuern Verhalten, ob wir es Hypnose nennen oder nicht.
Wie das konkret im Gespräch aussieht, zeige ich im Artikel zur Konversationshypnose. Und wer die verbreiteten Fehlvorstellungen zur Hypnose loswerden will, findet sie unter Hypnose-Mythen aufgeklärt.
Häufige Fragen
Ist Hypnose wissenschaftlich anerkannt?
Ja. In Deutschland hat der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Hypnotherapie 2006 als evidenzbasiertes Verfahren anerkannt. Die Forschungsbasis umfasst Tausende kontrollierter Studien, unter anderem zu Schmerzkontrolle, Reizdarm, Angst, Depression und Operationsvorbereitung. In Belgien und Frankreich wird Hypnose-Anästhesie routinemäßig in der Chirurgie eingesetzt.
Wie groß sind die Effekte von Hypnose in Studien?
Das hängt vom Anwendungsfeld ab. Typische Beispiele von dieser Seite: 50 Prozent weniger Opioide nach Schulteroperationen, 53 Prozent Responder bei Reizdarm, Gleichwertigkeit mit kognitiver Verhaltenstherapie bei leichter bis mittlerer Depression (n=153) und bei PTBS (n=63). Kleine Pilotstudien zeigen teils sehr große Effektstärken, die in größeren Studien meist kleiner ausfallen - das gehört zur ehrlichen Einordnung dazu.
Wirkt Hypnose auch online oder per Audio-Aufnahme?
Online mit echtem Therapeuten: ja. Die Online-Gruppenhypnose bei Reizdarm erreichte 53 Prozent Responder, statistisch identisch zur Präsenzversion mit 55 Prozent. Reine Audio-Aufnahmen wirken in manchen Kontexten, etwa zur OP-Vorbereitung. Sie scheitern aber dort, wo die therapeutische Beziehung der eigentliche Wirkfaktor wäre.
Ersetzt Hypnose Medikamente oder ärztliche Behandlung?
Nein. In fast allen Studien läuft Hypnose als Begleitintervention zusätzlich zur medizinischen Standardversorgung, und genau dort zeigt sie ihre Stärke: weniger Schmerzmittelbedarf, weniger Angst, bessere Lebensqualität. Bei klinischen Erkrankungen gehört die Behandlung in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.
Wie viele Studien gibt es zur Wirksamkeit von Hypnose?
Auf dieser Seite sind 254 Studien mit Ergebniszahlen versammelt, darunter 73 Meta-Analysen, systematische Reviews und Leitlinien sowie 103 randomisierte kontrollierte Studien. Die Forschungsdatenbank PubMed listet insgesamt mehrere Tausend Arbeiten zu Hypnose. Die dichteste Evidenz gibt es bei Schmerz, medizinischen Eingriffen und Reizdarm.
Hilft Hypnose bei Reizdarm?
Ja, das ist eines der am besten belegten Anwendungsfelder. Seit der ersten Lancet-Studie von Whorwell 1984 zeigen randomisierte Studien und Meta-Analysen, dass darmgerichtete Hypnose bei etwa 50 bis 75 Prozent der Patienten die Symptome deutlich verbessert und die Wirkung über Jahre anhält. Die amerikanische und die britische Gastroenterologie-Gesellschaft empfehlen sie in ihren Leitlinien.
Wie stark wirkt Hypnose gegen Schmerzen?
Die Meta-Analyse von Thompson und Kollegen über 85 experimentelle Studien fand mittlere bis große Effekte, bei hoch suggestiblen Menschen eine Schmerzreduktion von über 40 Prozent. Bei Operationen und Eingriffen senkt Hypnose Schmerz, Angst und Medikamentenbedarf; bei chronischem Schmerz wirkt sie besser als Standardversorgung und ähnlich gut wie andere psychologische Verfahren.
Ist Hypnose so wirksam wie kognitive Verhaltenstherapie?
In direkten Vergleichen bei leichter bis mittlerer Depression, Angst und Trauma schneidet Hypnotherapie gleich gut oder besser ab. Zwei Meta-Analysen von Kirsch 1995 und Ramondo 2021 zeigen außerdem: Wer Hypnose mit kognitiver Verhaltenstherapie kombiniert, erzielt bessere Ergebnisse als mit Verhaltenstherapie allein.
Wirkt Hypnose bei Kindern?
Ja, meist sogar schneller als bei Erwachsenen. Studien zu Nadelschmerz, Lumbalpunktionen bei Krebs und funktionellem Bauchschmerz zeigen große Effekte. Bei Bauchschmerz und Reizdarm waren nach fünf Jahren noch rund zwei Drittel der Kinder mit Hypnose beschwerdefrei, gegenüber etwa einem Fünftel mit Standardbehandlung.
Gibt es Studien, in denen Hypnose nicht wirkt?
Ja, und sie stehen im Abschnitt „Wo die Evidenz dünn ist“. Bei der Rauchentwöhnung als alleinige Methode reicht die Evidenz laut Cochrane für eine klare Aussage nicht aus, bei Selbsthypnose unter der Geburt fand eine große dänische Studie keinen Unterschied, und ältere Studien zeigen Anzeichen von Publikationsbias. Das ändert nichts an der dichten Evidenz bei Schmerz, Eingriffen und Reizdarm.
Diese Seite wird laufend aktualisiert. Zuletzt: September 2026. Neue Studien kommen wöchentlich dazu.
Du willst die Mechanismen hinter diesen Studien selbst anwenden? Hol Dir Marians kostenloses Hypnose-Workbook: die 8 hypnotischen Prinzipien, praktische Übungen und Sprachmuster zum sofort Anwenden.
Workbook gratis herunterladen →Siehe auch
- Wie funktioniert Hypnose? - Die Wirkmechanismen verständlich erklärt.
- State vs. Non-State-Theorie - Ist Hypnose ein eigener Bewusstseinszustand? Die große Debatte der Hypnoseforschung.
- Hypnose-Mythen - Die fünf Klassiker und was wirklich stimmt.
- Hypnose in der Medizin - Von der Zahnbehandlung bis zur Chirurgie.
Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.
→ Mehr über Marian · → Hypnose-Practitioner · → Hypnose-Master · → Hypnose-Studien