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Hypnose plus Verhaltenstherapie: was 18 Studien über den Zusatzeffekt zeigen
Zwei Gruppen, dasselbe Therapiemanual, dieselben Hausaufgaben, dieselbe Anzahl Sitzungen. Der einzige Unterschied: Bei der einen Gruppe stand das Wort Hypnose drüber. Am Ende hatte der durchschnittliche Klient aus der Hypnose-Gruppe mehr erreicht als 70 Prozent der anderen.
Und bei den Abnehm-Studien passierte etwas, das eigentlich nicht passieren sollte: Nach dem Ende der Behandlung verloren die Hypnose-Teilnehmer weiter Gewicht. Die Vergleichsgruppe hatte da schon aufgehört.
Ich (Marian Zefferer) halte diese Arbeit von Irving Kirsch für eine der lehrreichsten der ganzen Hypnoseforschung, weil sie so wenig über Trance sagt und so viel über Rahmen. Sie ist eine von über 200 Untersuchungen, die ich in der Hypnose-Forschung mit Studien im Überblick gesammelt habe.
Was untersucht wurde
Irving Kirsch, Guy Montgomery und Guy Sapirstein durchsuchten 1995 die Literatur nach Studien mit einem bestimmten Aufbau. Es musste eine kognitiv-behaviorale Therapie geben, und daneben exakt dieselbe Therapie, ergänzt um Hypnose. Keine anderen Verfahren, kein anderes Setting, keine andere Dosis.
18 Studien erfüllten das. Die Themen reichten von Übergewicht über Angst und Schlafstörungen bis zu Schmerz und Bluthochdruck. Erschienen sind sie in einem der strengsten Fachjournale der klinischen Psychologie, dem Journal of Consulting and Clinical Psychology.
Der Clou dieses Designs: Weil sich die beiden Behandlungen im Ablauf kaum unterschieden, lässt sich der Unterschied im Ergebnis schwer auf den Inhalt schieben. Übrig bleibt der Rahmen.
Was herauskam
Der mittlere Zusatzeffekt lag bei 0,87 Standardabweichungen. In der Sprache der Klienten heißt das: Wer die Therapie mit Hypnose bekam, verbesserte sich stärker als mindestens 70 von 100 Menschen, die dieselbe Therapie ohne Hypnose bekamen.
Am deutlichsten war der Abstand beim Abnehmen, und dort vor allem in der Nachbeobachtung. Die Teilnehmer mit hypnotischen Induktionen nahmen nach dem letzten Termin weiter ab. Genau das ist der Punkt, an dem die meisten Programme scheitern.
Die Autoren betonen selbst, wie überraschend das ist angesichts der wenigen prozeduralen Unterschiede zwischen den Bedingungen. Beide Gruppen bekamen im Kern dieselbe Anleitung. Eine bekam zusätzlich eine Erklärung, eine Einladung und ein Etikett.
Wenn zwei Behandlungen fast dasselbe tun und trotzdem verschieden wirken, liegt die Wirkung in dem, was sie unterscheidet. Hier war das der Rahmen.
Was das für Deine Praxis heißt
Der Satz, den Du morgen sagen kannst, ist eine Ankündigung. "Wir machen jetzt genau das, was wir vorhin besprochen haben, und ich lade Dich ein, dabei die Augen zu schließen und Dir das Ganze innerlich vorzustellen." Damit veränderst Du keinen Inhalt. Du veränderst, in welchem Rahmen der Inhalt ankommt.
Wirksam wird hier das Kontextprinzip aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien. Derselbe Satz bedeutet etwas anderes, je nachdem, worin er steht. Eine Übung im Rahmen "wir probieren mal was" ist eine andere Übung als dieselbe im Rahmen "das ist der Teil, der bei vielen Menschen den Ausschlag gibt".
Der zweite Faktor ist die Erwartung, die Du damit aufbaust, und die Beziehung, in der sie überhaupt trägt. Beides gehört zusammen und steht ausführlich bei Rapport und Erwartung. Die Nähe zum Placebo-Effekt ist dabei ausdrücklich gewollt. Kirsch hat einen großen Teil seiner Laufbahn genau dieser Frage gewidmet.
Für die Arbeit mit Gewicht bedeutet der Nachbeobachtungs-Befund etwas sehr Praktisches. Der Erfolg zeigte sich nach dem Ende der Begleitung. Wer mit Menschen an Abnehmen mit Hypnose arbeitet, baut also am besten schon während der Sitzungen das ein, was danach ohne Dich weiterläuft.
Grenzen der Studie
Die Arbeit ist von 1995, und sie hat eine Fußnote, die man kennen sollte: Kirsch hat 1996 selbst eine Neuberechnung nachgeschoben, weil sich in die Auswertung der Gewichtsdaten Rechenfehler eingeschlichen hatten. Der Zusatzeffekt beim Abnehmen blieb bestehen, die Zahlen fielen jedoch anders aus als im Originalartikel. Wer die Werte zitiert, zitiert am besten die korrigierte Fassung mit.
Dazu kommt das Grundproblem aller Studien dieser Bauart. Niemand kann verblindet werden. Klienten wussten, ob sie Hypnose bekamen, und Therapeuten wussten es auch. Die Erwartung ist damit Teil des Effekts. Für die praktische Arbeit ist das genau der Mechanismus, den Du nutzt. Für die Frage, ob Hypnose ein eigener Bewusstseinszustand ist, ist es ein starkes Argument der Gegenseite, siehe State- und Non-State-Theorie.
Und die Themen waren gemischt. 18 Studien über Angst, Gewicht, Schlaf und Schmerz ergeben eine Aussage über den Zusatznutzen im Allgemeinen. Für ein einzelnes Störungsbild braucht es die Einzelstudien.
In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten dem Heilpraktiker- und Heilberufsrecht vorbehalten, in Österreich greift das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz gilt kantonales Recht. Als Coach arbeitest Du an Zielen und am Umgang mit Belastungen, die Diagnose bleibt beim Arzt.
Häufige Fragen
Wie viel bringt Hypnose zusätzlich zur Verhaltenstherapie? In der Meta-Analyse von Kirsch und Kollegen lag der mittlere Zusatzeffekt über 18 Studien bei 0,87 Standardabweichungen. Der durchschnittliche Klient mit Hypnose verbesserte sich damit stärker als mindestens 70 Prozent der Klienten, die dieselbe Therapie ohne Hypnose erhielten.
Warum wirkt Hypnose, wenn die Behandlung sonst gleich bleibt? Weil der Rahmen mitwirkt. Dieselbe Übung bedeutet für einen Menschen etwas anderes, wenn sie angekündigt, erklärt und benannt wird. Erwartung, Aufmerksamkeit und die Beziehung zum Gegenüber sind wirksame Bestandteile der Behandlung, siehe Kooperationsprinzip.
Hält der Effekt an? In den Abnehm-Studien wurde der Abstand nach dem Ende der Behandlung größer. Die Hypnose-Gruppe verlor weiter Gewicht, die Vergleichsgruppe kaum noch. Für andere Themen liegen aus dieser Analyse keine belastbaren Langzeitdaten vor.
Fazit
Zwei fast identische Behandlungen, ein deutlicher Unterschied im Ergebnis. Das ist der ganze Befund, und er ist unbequem für jeden, der Wirkung allein in der Technik sucht.
Angenommen, Du kündigst in Deinem nächsten Gespräch eine Übung an, die Du sonst einfach gemacht hättest. Was würde sich in der Art verändern, wie Dein Gegenüber sie annimmt?
Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du einen Rahmen aufbaust, der trägt, und woran Du merkst, dass er hält, übst Du in der Hypnose-Practitioner-Ausbildung an echten Anliegen aus der Gruppe.
Quelle
- Kirsch, I., Montgomery, G. H., & Sapirstein, G. (1995). Hypnosis as an adjunct to cognitive-behavioral psychotherapy: A meta-analysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 63(2), 214-220. https://doi.org/10.1037/0022-006x.63.2.214
- Kirsch, I. (1996). Hypnotic enhancement of cognitive-behavioral weight loss treatments: Another meta-reanalysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(3), 517-519. https://doi.org/10.1037/0022-006X.64.3.517
Siehe auch
- Hypnose-Forschung: Die wichtigsten Studien im Überblick — Der Sammelartikel mit allen Hypnose-Studien, sortiert nach Themenbereich und Evidenzstufe. Diese Meta-Analyse steht dort im Block zu Angst, Depression und Trauma.
- Hypnose gegen Schmerz: was die meistzitierte Meta-Analyse wirklich zeigt — Meta-Analyse Montgomery et al. 2000: d = 0,74, klinischer und experimenteller Schmerz gleichermaßen, Suggestibilität ...
- Forschung zur Hypnose - Welche wissenschaftlichen Studien und Erkenntnisse gibt es zur Hypnose? — Entdecke die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Studien zur Forschung zur Hypnose. Erfahre, wie Hypnose das...
- Rapport und Erwartung - warum Hypnose ohne Beziehung nichts bewirkt — Terhune et al. 2017 zeigen: Rapport aktiviert die preparedness to respond, die eigentliche Wirkungsmaschine in Hypnos...
- Kontextprinzip in der Hypnose: der Rahmen entscheidet — Was Kontext alles umfasst, Person-Situations-Debatte, Showhypnose, Online-Hypnose, fünf Mikro-Optimierungen für die P...
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.
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