Zwei warme Lichtlinien auf dunklem Grund, die untere flacht ab, die obere steigt weiter an
Zwei Wege, gleicher Start. Der eine hört am letzten Termin auf, der andere läuft weiter.

Abnehmen mit Hypnose: 5,37 kg gegen 2,72 kg

Sechs Abnehmprogramme, überall dieselbe Verhaltenstherapie, in der einen Hälfte kam Hypnose dazu. Am Ende standen im Mittel 5,37 kg Gewichtsverlust mit Hypnose gegen 2,72 kg ohne. Bei der jeweils letzten Messung waren es 6,75 kg gegen 2,74 kg.

Die zweite Zahl ist die interessante. Zwischen Programmende und letzter Messung hatte die Gruppe ohne Hypnose praktisch aufgehört abzunehmen. Die andere machte weiter.

Ich (Marian Zefferer) mag diese Arbeit von Irving Kirsch aus einem zweiten Grund: Sie ist die dritte Rechnung über dieselben sechs Studien. Und alle drei kamen zu einem anderen Ergebnis. Diese Studie ist eine von über 270 auf meiner Seite Hypnose-Forschung: Studien im Überblick, und sie zeigt besonders gut, warum eine einzelne Effektstärke noch keine Antwort ist.

Was untersucht wurde

1995 hatten Kirsch, Montgomery und Sapirstein 18 Studien zusammengetragen, in denen eine kognitiv-behaviorale Therapie gegen exakt dieselbe Therapie plus Hypnose antrat. Sechs davon drehten sich ums Abnehmen. Für diese sechs berichteten sie einen riesigen Zusatzeffekt von 1,96 Standardabweichungen. Die Einordnung dieser Arbeit findest Du bei der Kirsch-Meta-Analyse von 1995.

Ein Jahr später rechneten David Allison und Myles Faith die sechs Studien nach. Sie fanden Übertragungs- und Rechenfehler. Ihr Ergebnis: 0,26 Standardabweichungen. Ließ man eine methodisch fragwürdige Studie weg, blieben 0,21, und das war statistisch nicht mehr abgesichert. Ihr Fazit lautete: höchstens ein kleiner Zusatznutzen.

Kirsch rechnete daraufhin ein drittes Mal. Er forderte bei zwei Studienautoren die fehlenden Rohdaten nach und korrigierte Rechenfehler in beiden vorherigen Analysen, auch in seiner eigenen. Beide Artikel erschienen 1996 in derselben Ausgabe des Journal of Consulting and Clinical Psychology, direkt hintereinander.

Was herauskam

Über alle Messzeitpunkte gemittelt lag der Unterschied bei 0,66 Standardabweichungen. Rechnerisch heißt das: Der durchschnittliche Teilnehmer mit Hypnose hatte mehr abgenommen als etwa 74 von 100 Teilnehmern ohne.

Zur jeweils letzten Messung wuchs der Abstand auf 0,98 Standardabweichungen, also auf rund 84 von 100. In Kilogramm: 6,75 gegen 2,74.

Der Befund, der mich am meisten interessiert, ist eine Korrelation. Je länger der Abstand zum Programmende, desto größer der Vorsprung der Hypnose-Gruppen (r = 0,74). Die Wirkung zeigte sich also nicht am letzten Sitzungstag. Sie zeigte sich in den Monaten danach.

Der Effekt war am Ende der Begleitung am kleinsten und bei der letzten Messung am größten. Gewicht ist ein Gewohnheitsthema, und Gewohnheiten brauchen Zeit.

Dass das kein Einzelbefund ist, zeigt die Meta-Analyse von Ramondo und Kollegen 2021 mit 48 Vergleichen und 1.928 Patienten: dort d = 0,25 bis 0,41 am Therapieende und d = 0,54 bis 0,59 im Follow-up. Dasselbe Muster, mit moderner Datenbasis. Nachzulesen bei Hypnose plus Verhaltenstherapie im Update von 2021.

Was das für Deine Praxis heißt

Wenn die Wirkung nach dem letzten Termin weiterläuft, dann ist die wichtigste Frage der Begleitung nicht die nach dieser Woche. Sie lautet: Was läuft weiter, wenn ich nicht mehr dabei bin?

Der Satz, den Du morgen sagen kannst, ist eine Frage am Ende der Sitzung: „Was von heute nimmst Du mit, das so klein ist, dass Du es auch an einem miesen Tag machst?" Klein heißt wirklich klein. Eine Minute. Ein Satz vor dem Essen. Ein einziger Moment am Abend, in dem der Mensch nochmal kurz dort hinschaut, wo er hin will.

Hier greift das Prinzip der Wiederholung aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien. Was sich wiederholt, prägt sich ein, und zwar unabhängig davon, ob Du im Raum bist. Der Kontext macht in diesen Studien den Anfang, die Wiederholung macht den Rest. Wie Du das in einem konkreten Abnehmprozess aufbaust, steht bei Abnehmen mit Hypnose.

Grenzen der Studie

Die Datenbasis ist schmal und alt. Sechs Studien, kleine Gruppen, größtenteils aus den 1980er Jahren. Wer aus sechs Studien eine Zahl zieht, zieht eine wackelige Zahl, und genau das hat dieser Streit gezeigt.

Und der Streit ist mit Kirschs dritter Rechnung nicht entschieden. Allison und Faith blieben bei ihrem Urteil, dass hier höchstens ein kleiner Zusatznutzen steckt. Kirsch kam mit nachgeforderten Rohdaten auf mehr. Beide Zahlen stehen im selben Heft. Ehrlich ist: Die Richtung ist stabil, die Größe ist es nicht. Die modernen Meta-Analysen von Milling 2018 und Ramondo 2021 liegen am Therapieende deutlich unter 1996er Werten und wachsen erst im Follow-up.

Dazu das Grundproblem dieser Bauart: Niemand ist verblindet. Die Teilnehmer wussten, dass sie Hypnose bekamen, und diese Erwartung ist Teil der Wirkung. Für die Praxis ist das der Mechanismus, mit dem Du arbeitest. Für die Frage, ob Hypnose ein eigener Bewusstseinszustand ist, ist es ein Argument der Gegenseite, siehe State- und Non-State-Theorie.

In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten dem Heilpraktiker- und Heilberufsrecht vorbehalten, in Österreich greift das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz gilt kantonales Recht. Adipositas ist eine Erkrankung. Als Coach arbeitest Du an Zielen, Gewohnheiten und am Umgang mit Belastungen, die Diagnose bleibt beim Arzt.

Häufige Fragen

Nimmt man mit Hypnose doppelt so viel ab? In diesen sechs Studien war es so: 5,37 kg gegen 2,72 kg im Mittel über alle Messzeitpunkte. Bei sechs alten Studien mit kleinen Gruppen ist das ein Hinweis und keine Garantie. Die größeren, neueren Meta-Analysen finden am Behandlungsende kleinere Unterschiede, die im Follow-up wachsen.

Warum wächst der Vorsprung nach dem Programmende? Das ist die offene Frage. Kirsch selbst vermutete die Erwartung: Wer glaubt, dass etwas in ihm weiterarbeitet, verhält sich monatelang entsprechend. Praktisch plausibel finde ich auch die schlichtere Erklärung, dass Menschen, die mit Bildern und Selbsthypnose gearbeitet haben, ein Werkzeug mitnehmen, das sie nach der letzten Sitzung weiter benutzen.

Reicht Hypnose allein zum Abnehmen? Diese Studien sagen dazu nichts. In allen sechs kam Hypnose zu einem verhaltenstherapeutischen Programm hinzu. Wie Du so eine Begleitung sauber aufbaust, übst Du im Hypnose-Practitioner.

Fazit

Dieselben sechs Studien, dreimal gerechnet, drei Ergebnisse. Für mich ist das keine Schwäche der Hypnoseforschung. Es ist gute Wissenschaft im Zeitraffer, öffentlich, mit Rohdaten und Korrektur der eigenen Fehler.

Was bleibt, ist das Muster: Der Vorteil zeigte sich spät. Angenommen, Du würdest Deine nächste Begleitung so anlegen, dass sie in den Monaten danach ihre stärkste Zeit hat. Was würdest Du am letzten Termin anders machen?

Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im Gespräch aufbaust, lernst Du im Hypnose-Practitioner.

Quelle

  • Kirsch, I. (1996). Hypnotic enhancement of cognitive-behavioral weight loss treatments: Another meta-reanalysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(3), 517-519. https://doi.org/10.1037/0022-006X.64.3.517
  • Allison, D. B., & Faith, M. S. (1996). Hypnosis as an adjunct to cognitive-behavioral psychotherapy for obesity: A meta-analytic reappraisal. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 64(3), 513-516. https://doi.org/10.1037/0022-006X.64.3.513
  • Kirsch, I., Montgomery, G. H., & Sapirstein, G. (1995). Hypnosis as an adjunct to cognitive-behavioral psychotherapy: A meta-analysis. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 63(2), 214-220. https://doi.org/10.1037/0022-006x.63.2.214

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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