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Fibromyalgie: 18 von 100 halbieren ihren Schmerz
Fibromyalgie heißt: Es tut überall weh, und niemand findet, warum. Der Befund ist unauffällig, der Schmerz bleibt. Sieben kontrollierte Studien mit 387 Betroffenen haben geprüft, was passiert, wenn dazu jemand mit Bildern und Worten arbeitet. Am Behandlungsende hatten 18 von 100 Patienten mehr ihren Schmerz halbiert als in den Kontrollgruppen.
Ich (Marian Zefferer) finde an dieser Auswertung eine zweite Zahl noch spannender, und die steht weiter unten. Diese Meta-Analyse ist eine von über 200 Arbeiten, die ich in der Hypnose-Forschung mit Studien im Überblick gesammelt habe, und sie steht dort im Block zum chronischen Schmerz.
Was untersucht wurde
Nina Zech und Ernil Hansen aus Regensburg, zusammen mit Kathrin Bernardy und Winfried Häuser, durchsuchten bis Februar 2016 vier große Datenbanken nach randomisierten Studien zu Fibromyalgie. Gesucht wurde alles, was unter geführter Imagination oder Hypnose lief. Beides fassten sie zusammen, weil sich die beiden Verfahren in der Praxis kaum trennen lassen: In beiden Fällen sitzt jemand da und richtet mit Sprache die Aufmerksamkeit eines anderen Menschen neu aus.
Sieben Studien mit zusammen 387 Teilnehmern verglichen dieses Vorgehen mit einer Kontrollbedingung. Zwei weitere Studien mit 95 Teilnehmern hatten etwas anderes gemacht: Sie stellten kognitive Verhaltenstherapie plus Hypnose gegen Verhaltenstherapie allein.
Die Autoren legten vorher fest, woran sie Erfolg messen wollten. Halbierung des Schmerzes. Zwanzig Prozent bessere Lebensqualität. Weniger seelische Belastung. Und, weil das dazugehört: Wie viele Patienten brachen ab, und gab es Schäden.
Was herauskam
Am Ende der Behandlung erreichten in den Hypnose- und Imaginationsgruppen deutlich mehr Menschen eine Halbierung ihres Schmerzes. Der Unterschied betrug 18 Prozentpunkte, mit einem Vertrauensbereich von 2 bis 35 Prozentpunkten.
Übersetzt: Behandelst Du sechs Fibromyalgie-Patienten auf diese Weise, halbiert einer von ihnen seinen Schmerz, der es sonst nicht geschafft hätte. Bei einem Krankheitsbild, das seit Jahren jeder Therapie widersteht, ist das eine Menge. Und es ist zugleich eine Zahl, die man nicht zur Wunderheilung aufblasen sollte. Fünf von sechs merken auf dieser Ebene nichts.
Die seelische Belastung ging ebenfalls zurück, mit einem Effekt von SMD -0,40. Ein kleiner bis mittlerer Wert. Die Abbruchquoten unterschieden sich nicht von den Kontrollgruppen, die Menschen blieben also dabei.
Jetzt zur zweiten Zahl. In den beiden Studien, die Verhaltenstherapie mit und ohne Hypnose verglichen, war die Kombination der reinen Verhaltenstherapie überlegen. Die seelische Belastung sank mit SMD -0,50 stärker, wenn Hypnose dazukam.
Dieselbe Therapie, dieselbe Dauer, derselbe Inhalt. Einmal mit hypnotischer Sprache, einmal ohne. Die Variante mit wirkte besser.
Für mich ist das der stärkste Punkt der Arbeit. Hier wurde nichts ersetzt und nichts weggelassen. Es kam etwas dazu, und zwar die Art, wie gesprochen wurde. Genau das meine ich, wenn ich sage, dass Hypnose wirksame Kommunikation ist. Mehr dazu in meinem Artikel zur State- und Non-State-Theorie der Hypnose.
Was das für Deine Praxis heißt
Der Satz, den Du morgen sagen kannst, lautet: "Erzählen Sie mir von einer Stunde in der letzten Woche, in der es ein kleines bisschen erträglicher war. Was war da anders?"
Damit suchst Du nach der Ausnahme, die es fast immer gibt, und Du arbeitest mit dem, was der Mensch mitbringt. Das ist die Utilisation aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien. Bei Fibromyalgie ist sie wichtiger als bei fast allem anderen, weil diese Patienten jahrelang gehört haben, dass mit ihnen körperlich alles in Ordnung sei. Wer ihnen als Nächstes ein Versprechen macht, hat sie verloren.
Die zweite Konsequenz ist die bequemere. Du musst niemandem seine laufende Therapie ausreden. Die beiden Kombinationsstudien zeigen den umgekehrten Weg: Hypnotische Sprache legt sich auf ein bestehendes Verfahren und macht es besser. Wenn Dein Klient bei einem Verhaltenstherapeuten in Behandlung ist, arbeite mit dieser Behandlung statt dagegen. Das ist das Kooperationsprinzip in seiner praktischsten Form.
Dass ein Vorsprung gegen die Standardversorgung auch bei anderen chronischen Schmerzbildern auftaucht, zeigt die Meta-Analyse von Adachi und Kollegen zu chronischem Schmerz. Weitere Anwendungsfelder findest Du unter Hypnose bei Schmerzen.
Grenzen der Studie
Der Vertrauensbereich der Hauptzahl reicht von 2 bis 35 Prozentpunkten. Die untere Grenze liegt knapp über der Null. Der wahre Effekt kann also bei "kaum messbar" liegen oder bei "sehr deutlich", und sieben Studien reichen nicht, um das zu entscheiden.
Der Vorsprung zeigte sich am Ende der Behandlung. Drei Monate später war er in den Daten nicht mehr sauber nachweisbar. Wer Fibromyalgie behandelt, weiß, dass genau dort die eigentliche Frage liegt.
Zur Sicherheit konnten die Autoren nichts sagen, weil keine einzige der eingeschlossenen Studien darüber berichtet hat. Das ist eine Lücke, die seit Jahren jeder in diesem Feld beklagt und niemand schließt.
Und der Vergleich mit einer älteren Auswertung derselben Arbeitsgruppe ist lehrreich: Bernardy und Kollegen fanden 2011 noch einen sehr großen Schmerzeffekt von SMD -1,17, allerdings vor allem in methodisch schwachen Studien. Je strenger gerechnet wird, desto kleiner werden die Zahlen. Das ist der normale Gang der Dinge, und es spricht für die Ehrlichkeit dieser Gruppe, dass sie die eigene frühere Zahl nach unten korrigiert hat.
In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten dem Heilpraktiker- und Heilberufsrecht vorbehalten, in Österreich greift das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz gilt kantonales Recht. Fibromyalgie gehört immer auch in ärztliche Hände. Wie Hypnose dort eingebettet wird, beschreibe ich unter Hypnose in der Medizin.
Häufige Fragen
Hilft Hypnose bei Fibromyalgie? In der Meta-Analyse von Zech und Kollegen über sieben randomisierte Studien mit 387 Patienten erreichten 18 Prozentpunkte mehr Teilnehmer eine Halbierung ihres Schmerzes als in den Kontrollgruppen. Auch die seelische Belastung sank stärker (SMD -0,40). Drei Monate nach Behandlungsende war der Vorsprung in den Daten nicht mehr nachweisbar.
Ersetzt Hypnose die Verhaltenstherapie bei Fibromyalgie? Die Auswertung legt das Gegenteil nahe. In zwei Studien mit 95 Patienten wirkte kognitive Verhaltenstherapie plus Hypnose besser auf die seelische Belastung als Verhaltenstherapie allein (SMD -0,50). Die Hypnose kam dort als Zusatz, und genau als Zusatz zeigte sie ihren Wert.
Wie viele Sitzungen braucht es? Die eingeschlossenen Studien arbeiteten überwiegend im Bereich von etwa neun Sitzungen. Eine saubere Dosisempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Wie Du Sprache gezielt auf Schmerzerleben richtest, übst Du in der Hypnose-Practitioner-Ausbildung.
Fazit
Eine ehrliche Auswertung mit einer bescheidenen Zahl. 18 von 100 halbieren ihren Schmerz zusätzlich, drei Monate später ist der Vorsprung verschwunden, und zur Sicherheit weiß niemand etwas. Das ist kein Werbematerial.
Der Satz, der bleibt, steht in den beiden kleinen Kombinationsstudien: Dieselbe Therapie wirkt besser, wenn hypnotisch gesprochen wird. Die Worte sind kein Zusatzangebot. Sie sind Teil der Behandlung.
Angenommen, Du würdest in Deiner nächsten Sitzung nichts an der Methode ändern und ausschließlich an Deiner Sprache arbeiten. Was würde Dein Klient als Erstes bemerken?
Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie sicher einsetzt, lernst Du im Hypnose-Practitioner.
Quelle
- Zech, N., Hansen, E., Bernardy, K., & Häuser, W. (2017). Efficacy, acceptability and safety of guided imagery/hypnosis in fibromyalgia - A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. European Journal of Pain, 21(2), 217-227. https://doi.org/10.1002/ejp.933
- Bernardy, K., Füber, N., Klose, P., & Häuser, W. (2011). Efficacy of hypnosis/guided imagery in fibromyalgia syndrome - a systematic review and meta-analysis of controlled trials. BMC Musculoskeletal Disorders, 12(1), 133. https://doi.org/10.1186/1471-2474-12-133
Siehe auch
- Hypnose-Forschung: Die wichtigsten Studien im Überblick — Der Sammelartikel mit allen Hypnose-Studien, sortiert nach Themenbereich und Evidenzstufe. Diese Meta-Analyse steht dort im Block zu chronischem Schmerz und Fibromyalgie.
- Chronischer Schmerz: die Hypnose-Zahl, die alle zitieren — Meta-Analyse Adachi et al. 2014: 14 kontrollierte Studien zu chronischem Schmerz. Gegen Standardversorgung d = 0,60 a...
- Hypnose vor der Operation: 34 Studien und eine klare Rangfolge — Meta-Analyse Tefikow et al. 2013: 34 randomisierte Studien mit 2597 Patienten. Seelische Belastung g = 0,53, Schmerz ...
- Hypnose gegen Schmerz: was die meistzitierte Meta-Analyse wirklich zeigt — Meta-Analyse Montgomery et al. 2000: d = 0,74, klinischer und experimenteller Schmerz gleichermaßen, Suggestibilität ...
- 42 Prozent weniger Schmerz: was 85 Hypnose-Experimente zeigen — Meta-Analyse Thompson et al. 2019: g = 0,54 bis 0,76 über 85 Laborexperimente, 42 Prozent Schmerzreduktion bei hoher ...
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.
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