Warm beleuchteter verknoteter Faden, der sich nach rechts in eine ruhig fließende Linie öffnet
Ein verknoteter Faden, der sich löst. Mehr war es nicht.

Kinderbauchweh: 85 gegen 25 Prozent nach einem Jahr

Ein Kind, elf Jahre alt, führt ein Schmerztagebuch. Jede Woche trägt es ein, wie oft der Bauch weh tat und wie stark. Am Anfang steht dort eine 13,5. Ein Jahr später eine 1,3. Dazwischen liegen sechs Gespräche, in denen jemand mit ihm über einen Fluss gesprochen hat, der ruhig durch seinen Bauch läuft. Keine Tablette, keine Diät.

So sahen die Tagebücher von 27 Kindern aus, die 2007 in den Niederlanden darmgerichtete Hypnotherapie bekamen. In der Vergleichsgruppe sank derselbe Wert von 14,1 auf 8,0.

Ich (Marian Zefferer) halte diese Arbeit für die wichtigste Einzelstudie zu Hypnose bei Kindern. Sie ist eine von über 300 auf meiner Seite Hypnose-Forschung: Studien im Überblick, und die, auf die sich fast alle späteren Kinderstudien beziehen.

Was untersucht wurde

Eine Gruppe um Arine Vlieger und Marc Benninga nahm 53 Kinder zwischen 8 und 18 Jahren auf, 31 mit funktionellen Bauchschmerzen, 22 mit Reizdarmsyndrom. Alle hatten die Beschwerden schon lange, alle waren ärztlich abgeklärt.

Der Zufall entschied über die Gruppe. Die eine Hälfte bekam sechs Sitzungen darmgerichtete Hypnotherapie über drei Monate. Die andere die übliche medizinische Versorgung plus sechs Sitzungen unterstützende Gespräche.

Dieser Punkt macht die Studie stark. Die Kontrollgruppe sass nicht auf einer Warteliste. Sie bekam ebenfalls Zeit, Aufmerksamkeit und einen Menschen, der zuhörte, sechs Mal. Was die Studie misst, ist also der Unterschied zwischen Zuwendung und Zuwendung plus hypnotischer Sprache.

Gemessen wurde mit wöchentlichen Schmerztagebüchern: Intensität, Häufigkeit und Begleitsymptome, zu Beginn, während der Therapie und 6 sowie 12 Monate danach. Erschienen ist das Ergebnis in Gastroenterology, dem Leitjournal der Magen-Darm-Medizin.

Was herauskam

Beide Gruppen besserten sich. Der Abstand war trotzdem deutlich:

  • Schmerzintensität: Hypnose von 13,5 auf 1,3, Standardbehandlung von 14,1 auf 8,0
  • Schmerzhäufigkeit: Hypnose von 13,5 auf 1,1, Standardbehandlung von 14,4 auf 9,3
  • Behandlungserfolg nach einem Jahr: 85 Prozent gegenüber 25 Prozent

Die Überlegenheit der Hypnose war mit P kleiner 0,001 statistisch eindeutig.

Was heißt das im Alltag einer Familie? Ein Wert von 8,0 bedeutet: Das Kind hat noch regelmäßig Bauchweh, nur weniger als vorher. Ein Wert von 1,3 bedeutet: Das Thema ist weg. Das Kind geht wieder in die Schule, bleibt bei Geburtstagen, isst mit.

Beide Gruppen bekamen sechs Sitzungen und einen Menschen, der zuhörte. Nur in einer Gruppe verschwanden die Beschwerden.

Fünf Jahre später schaute dieselbe Gruppe noch einmal nach. Von den Hypnose-Kindern waren nach durchschnittlich 4,8 Jahren noch 68 Prozent in Remission, in der Kontrollgruppe 20 Prozent. Eine Wirkung, die ein halbes Kinderleben lang hält, nach sechs Gesprächen.

2017 prüfte das Team, ob es auch ohne Therapeuten geht: 260 Kinder, Übungen von einer Audioaufnahme zu Hause gegen Sitzungen in der Praxis. Nach einem Jahr 62 gegen 71 Prozent Erfolg, statistisch gleichwertig. Und die große Netzwerk-Meta-Analyse von 2025 stellte Hypnotherapie an die Spitze aller geprüften Behandlungen bei diesem Krankheitsbild, mit einem Risikoverhältnis von 4,99.

Was das für Deine Praxis heißt

Darmgerichtet heißt hier: Das Kind entwickelt ein Bild für seinen eigenen Bauch und verändert dieses Bild. Ein Fluss, der frei läuft. Ein Knoten, der sich löst. Das Bild kommt vom Kind.

Genau das ist das Kooperationsprinzip aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien. Du arbeitest mit dem Material, das der Mensch mitbringt, und bei Kindern ist dieses Material sofort da. Wie Du diese Haltung sprachlich aufbaust, steht im Kooperationsprinzip in der Hypnose.

Der Satz, den Du morgen sagen kannst, bei einem Kind mit abgeklärtem Bauchweh: „Wenn Dein Bauch gerade ein Knoten ist, wie fest ist der? Und was müsste passieren, damit er ein kleines Stück lockerer wird?"

Zwei Fragen. Das Kind antwortet mit einem Bild, und ab da arbeitest Du daran. Keine Induktion, keine geschlossenen Augen, kein Pendel. Mehr zu dieser Altersgruppe steht in Hypnose bei Kindern, zur Einordnung der Beschwerden in Hypnose beim Reizdarmsyndrom.

Grenzen der Studie

53 Kinder sind wenig. Bei dieser Größe kann ein einzelnes Kind das Gruppenergebnis sichtbar verschieben, und der Unterschied von 85 zu 25 Prozent beruht auf 27 gegen 25 Kinder.

Niemand war verblindet. Kinder und Eltern wussten um ihre Gruppe und füllten die Tagebücher selbst aus. Bei einem Symptom, das nur die Betroffenen spüren, geht es kaum anders, die Erwartung färbt die Zahlen aber mit.

Dazu kam die Behandlung von einem erfahrenen Team in einer spezialisierten Klinik. Ob dasselbe in einer normalen Praxis herauskommt, sagt die Studie nicht.

Und der wichtigste Punkt: Bauchweh bei Kindern gehört immer zuerst in ärztliche Abklärung. Funktionelle Bauchschmerzen sind eine Ausschlussdiagnose. In Deutschland greifen Heilpraktiker- und Heilberufsrecht, in Österreich das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz kantonales Recht. Als Coach arbeitest Du daneben, am Umgang mit den Beschwerden, mit Einverständnis der Eltern. Wo Hypnose im medizinischen Umfeld sauber dazukommt, zeigt Hypnose in der Medizin.

Häufige Fragen

Wie viele Sitzungen brauchte es in dieser Studie? Sechs Sitzungen darmgerichtete Hypnotherapie, verteilt auf drei Monate. Nach einem Jahr galten 85 Prozent der Kinder als erfolgreich behandelt, gegenüber 25 Prozent in der Kontrollgruppe, die ebenfalls sechs Sitzungen bekam, allerdings als unterstützende Gespräche.

Hält die Wirkung an? Dieselbe Forschungsgruppe untersuchte die Kinder nach durchschnittlich 4,8 Jahren erneut. 68 Prozent der Hypnosegruppe waren noch in Remission, in der Kontrollgruppe 20 Prozent. Remission hieß dabei mehr als 80 Prozent weniger Schmerz gegenüber dem Ausgangswert.

Muss ein Kind dafür in Trance gehen? Nein. Gewirkt haben Sprache und innere Bilder, die das Kind selbst entwickelte. Ein besonderer Zustand ist dafür keine Voraussetzung, wie die State- und Non-State-Theorie zeigt. Die Variante mit Audioaufnahme zu Hause kam 2017 auf fast dieselben Erfolgszahlen.

Fazit

Zwei Gruppen Kinder, dieselbe Zahl Sitzungen, derselbe Zeitraum. Der Unterschied steckte in der Sprache. Nach einem Jahr war das Bauchweh in einer Gruppe weitgehend weg, in der anderen halb so stark wie vorher. Für mich ist das der deutlichste Hinweis darauf, dass die Worte arbeiten. Zuwendung allein hat die Kontrollgruppe auch bekommen.

Angenommen, Du würdest beim nächsten Kind, das von seinem Bauch erzählt, nur eine Frage stellen: Wie sieht dieser Bauch gerade aus? Was würde das Kind Dir zeigen?

Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im Gespräch aufbaust, lernst Du im Hypnose-Practitioner.

Quelle

  • Vlieger, A. M., Menko-Frankenhuis, C., Wolfkamp, S. C., Tromp, E., & Benninga, M. A. (2007). Hypnotherapy for Children With Functional Abdominal Pain or Irritable Bowel Syndrome: A Randomized Controlled Trial. Gastroenterology, 133(5), 1430-1436. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2007.08.072
  • Vlieger, A. M., Rutten, J. M. T. M., Govers, A. M. A. P., Frankenhuis, C., & Benninga, M. A. (2012). Long-Term Follow-Up of Gut-Directed Hypnotherapy vs. Standard Care in Children With Functional Abdominal Pain or Irritable Bowel Syndrome. The American Journal of Gastroenterology, 107(4), 627-631. https://doi.org/10.1038/ajg.2011.487
  • Rutten, J. M. T. M., Vlieger, A. M., Frankenhuis, C., George, E. K., Groeneweg, M., Norbruis, O. F., Tjon a Ten, W., van Wering, H. M., Dijkgraaf, M. G. W., Merkus, M. P., & Benninga, M. A. (2017). Home-based hypnotherapy self-exercises vs individual hypnotherapy with a therapist for treatment of pediatric irritable bowel syndrome, functional abdominal pain, or functional abdominal pain syndrome: A randomized clinical trial. JAMA Pediatrics, 171(5), 470-477. https://doi.org/10.1001/jamapediatrics.2017.0091

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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