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Halber Schmerz nach der Brust-OP: 15 Minuten Hypnose
Eine Frau wartet auf ihre Brustoperation. Ein Psychologe setzt sich für eine Viertelstunde zu ihr, dann geht sie in den Saal. Beim Entlassungsgespräch gibt sie ihren Schmerz mit 22 von 100 an. Die Frau zwei Zimmer weiter hatte dieselbe Viertelstunde, dieselbe Aufmerksamkeit, denselben Berufsstand am Bett. Sie sagt 48.
Das steht im September 2007 im Journal of the National Cancer Institute. Guy Montgomery und sein Team am Mount Sinai in New York hatten 200 Frauen begleitet, die zu einer Brustbiopsie oder Lumpektomie kamen. Ich (Marian Zefferer) halte diese Arbeit für eine der wichtigsten der ganzen Hypnoseforschung, weil sie an einer Stelle misst, an der sonst niemand misst: in der Buchhaltung der Klinik. Diese Studie ist eine von über 300 auf meiner Seite Hypnose-Forschung: Studien im Überblick.
Was untersucht wurde
200 Patientinnen, Durchschnittsalter 48,5 Jahre, zufällig auf zwei Gruppen verteilt. Die eine bekam 15 Minuten Hypnose durch einen Psychologen, kurz vor dem Eingriff. Die andere bekam dieselben 15 Minuten mit einem Psychologen, der zuhörte und mitfühlte, ohne zu lenken.
Dieser Vergleichsarm macht die Studie stark. Beide Gruppen hatten Zeit, Zuwendung und einen Fachmann am Bett. Verschieden war allein, was in diesen 15 Minuten gesprochen wurde.
Gemessen wurde auf drei Ebenen. Erstens, was im Saal verbraucht wurde: Lidocain, Fentanyl, Propofol, Midazolam. Zweitens, was die Patientinnen beim Entlassungsgespräch angaben, auf einer Skala von 0 bis 100: Schmerzstärke, Unangenehmheit des Schmerzes, Übelkeit, Erschöpfung, Unbehagen, emotionale Belastung. Drittens, was in der Akte stand: Zeit im Operationssaal und Kosten.
Was herauskam
Beim Schmerz lag die Hypnosegruppe bei 22, die Vergleichsgruppe bei 48. Das ist auf der gewohnten 10er-Skala ungefähr der Unterschied zwischen einer 2 und einer 5. Die Unangenehmheit des Schmerzes lag bei 21 gegen 39.
Die Nebenwirkungen gingen in dieselbe Richtung, teils deutlicher. Übelkeit 7 gegen 25. Erschöpfung 29 gegen 54. Unbehagen 23 gegen 43. Emotionale Belastung 9 gegen 33.
Bei den Medikamenten brauchte die Hypnosegruppe weniger Propofol (64 statt 97 Mikrogramm) und weniger Lidocain (24 statt 31 Milliliter). Bei Fentanyl, Midazolam und den Schmerzmitteln im Aufwachraum fand sich kein Unterschied. Der Effekt greift also nicht überall gleich.
Und dann die Zahl, die diese Studie berühmt gemacht hat. Ein solcher Eingriff kostete das Mount Sinai 8561 Dollar pro Patientin. Die Hypnosegruppe kostete 772,71 Dollar weniger, vor allem weil sie kürzer im Saal lag.
Beide Gruppen bekamen 15 Minuten mit einem Psychologen. Verschieden war nur der Inhalt des Gesprächs. Ergebnis: halber Schmerz, ein Drittel der Übelkeit, weniger Narkosemittel und 773 Dollar weniger Kosten pro Patientin.
Montgomery hatte fünf Jahre vorher schon zusammengetragen, was 20 Studien zur Hypnose rund um Operationen hergaben. Diese Meta-Analyse steht ausführlich in Hypnose bei Operationen: besser als 89 Prozent der Kontrollgruppe. 2007 hat er dann selbst geliefert, was dort gefehlt hat: harte Zahlen aus der Akte. Wie das im klinischen Alltag eingebaut wird, steht in Hypnose in der Medizin.
Was das für Deine Praxis heißt
Das Entscheidende an dieser Studie: Die Hypnose war vorbei, bevor das Eigentliche anfing. Niemand sprach im Saal mit diesen Frauen. Die ganze Wirkung wurde in einer Viertelstunde davor aufgebaut und hielt dann durch den Eingriff und bis zum Entlassungsgespräch.
Das ist das Kontextprinzip, eines meiner 8 hypnotischen Prinzipien. Du färbst eine Situation ein, bevor sie beginnt. Danach arbeitet die Färbung weiter, ohne dass Du dabei sein musst.
Der Satz, den Du morgen sagen kannst, vor jeder unangenehmen Sache, beim Zahnarzt, vor der Blutabnahme, vor dem Elterngespräch: „Wir haben noch zwei Minuten. Erzähl mir in diesen zwei Minuten, wie Du Dich danach fühlen willst."
Du behauptest nichts. Du stellst eine Frage, in der das Danach schon vorkommt, und Du lässt den anderen das Bild bauen.
Und dann die unbequeme Hälfte dieses Befundes: Die Vergleichsgruppe hatte einen Psychologen, der 15 Minuten lang warm und aufmerksam zugehört hat. Sie lag beim Schmerz bei 48. Zuwendung allein hat es also nicht gemacht. Es kam darauf an, worauf die Aufmerksamkeit in diesen Minuten gerichtet wurde. Dass dafür kein besonderer Zustand notwendig ist, zeigt die State- und Non-State-Theorie der Hypnose.
Grenzen der Studie
Ein Haus, ein Team, eine Indikation: Brustbiopsie und Lumpektomie. Auf eine große Bauchoperation oder eine Chemotherapie lässt sich das nicht übertragen.
Verblinden war unmöglich, die Patientinnen wussten, in welcher Gruppe sie lagen, und Schmerz, Übelkeit und Erschöpfung gaben sie selbst an. Unabhängig von der Erwartung sind nur der Medikamentenverbrauch, die Zeit im Saal und die Kosten, und genau diese drei tragen den Befund.
Die Kostenersparnis ist in der Richtung klar, in der Größe nicht. Der Vertrauensbereich reicht von 75 bis 1470 Dollar. Wer mit 773 Dollar pro Patientin kalkuliert, rechnet mit der Mitte einer breiten Spanne.
Bei Fentanyl, Midazolam und den Schmerzmitteln im Aufwachraum änderte sich nichts. Und Hypnose kam hier zur Medizin dazu, niemals an ihre Stelle.
Häufige Fragen
Hilft Hypnose vor einer Brustkrebs-Operation? Die randomisierte Studie von Montgomery und Kollegen aus dem Jahr 2007 verglich bei 200 Frauen vor Brustbiopsie oder Lumpektomie 15 Minuten Hypnose mit 15 Minuten einfühlsamem Zuhören. Die Hypnosegruppe gab beim Entlassungsgespräch halb so viel Schmerz an (22 statt 48 auf der 100er-Skala), deutlich weniger Übelkeit (7 statt 25) und Erschöpfung (29 statt 54) und brauchte weniger Propofol und Lidocain.
Wie lange muss so eine Sitzung dauern? In dieser Studie waren es 15 Minuten, einmalig, direkt vor dem Eingriff. Das reichte für messbare Unterschiede bis zum Entlassungsgespräch. Bei chronischen Beschwerden sieht die Datenlage anders aus, dort braucht es mehr Sitzungen, wie der Vergleich in Hypnose bei Schmerzen zeigt.
Spart Hypnose der Klinik wirklich Geld? In dieser Studie ja: 772,71 Dollar pro Patientin, bei Gesamtkosten von 8561 Dollar pro Eingriff, hauptsächlich durch kürzere Zeit im Operationssaal. Der Vertrauensbereich von 75 bis 1470 Dollar zeigt aber, wie unscharf diese Zahl ist. Sie stammt aus einem einzigen Haus mit dessen Kostenstruktur.
Fazit
200 Frauen, dieselbe Klinik, dieselben Chirurgen, zweimal 15 Minuten mit einem Psychologen. Der Unterschied steckte darin, was in dieser Viertelstunde gesagt wurde.
Dass eine Hypnosestudie in einer onkologischen Fachzeitschrift über Betriebskosten spricht, ist selten. Genau deshalb wird diese Arbeit seit bald zwanzig Jahren zitiert, inzwischen weit über 200 Mal.
Angenommen, Du hättest vor dem nächsten unangenehmen Termin eines Menschen zwei Minuten. Was würdest Du in diesen zwei Minuten fragen?
Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im Gespräch aufbaust, lernst Du im Hypnose-Practitioner.
Quelle
- Montgomery, G. H., Bovbjerg, D. H., Schnur, J. B., David, D., Goldfarb, A., Weltz, C., Schechter, C. B., Graff-Zivin, J., Tatrow, K., Price, D. D., & Silverstein, J. H. (2007). A Randomized Clinical Trial of a Brief Hypnosis Intervention to Control Side Effects in Breast Surgery Patients. JNCI Journal of the National Cancer Institute, 99(17), 1304-1312. https://doi.org/10.1093/jnci/djm106
Siehe auch
- Hypnose-Forschung: Studien im Überblick — Der Hauptartikel: alle Hypnose-Studien mit konkreten Zahlen, nach Themenblöcken sortiert und laufend ergänzt.
- 17 Minuten kürzer: Selbsthypnose im Eingriffsraum — Studien-Spoke zum Pillar: Randomisierte Lancet-Studie Lang et al. 2000 (Band 355, Heft 9214, Seiten 1486-1490, April ...
- Hypnose im OP: 142 Studien, eine offene Frage — Studien-Spoke zum Pillar: Systematische Übersichtsarbeit Lahoud, Gurary & Elia 2026 in Anaesthesia, 142 Studien mit 9...
- Hypnose bei Schmerz: sauberste Studien, stärkster Effekt — Meta-Analyse Milling et al. 2021, erste umfassende Bestandsaufnahme zu Hypnose bei klinischem Schmerz seit rund 20 Ja...
- Besser als 89 Prozent der Kontrollgruppe: Hypnose rund um die Operation — Meta-Analyse Montgomery et al. 2002: 20 kontrollierte Studien mit chirurgischen Patienten, D = 1,20, besser als 89 Pr...
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.
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