Abstrakte warme Lichtbänder von unterschiedlicher Stärke, die nebeneinander durch eine dunkle Fläche laufen
Sechs Messbereiche, sechs verschiedene Zahlen. Die Reihenfolge verrät mehr als jede einzelne davon.

Hypnose vor der Operation: 34 Studien und eine klare Rangfolge

Ein Mann liegt auf dem OP-Tisch und wartet. Sein Blutdruck ist fast derselbe wie der des Patienten vor ihm, sein Puls auch. Verändert hat sich etwas anderes: Er hat weniger Angst, er braucht danach weniger Schmerzmittel, und der Eingriff selbst geht schneller vorbei. 34 randomisierte Studien mit 2597 Patienten zeigen genau dieses Muster. Am stärksten wirkte Hypnose auf die seelische Belastung (g = 0,53). Am schwächsten auf die Geräte am Bett (g = 0,10).

Ich (Marian Zefferer) finde diese Rangfolge interessanter als jede einzelne Zahl darin. Die Arbeit ist eine von über 250 Untersuchungen, die ich in der Hypnose-Forschung mit Studien im Überblick gesammelt habe, und sie steht dort im Block zu Operationen und Eingriffen.

Was untersucht wurde

Susan Tefikow und die Arbeitsgruppe um Jenny Rosendahl an der Universität Jena gingen strenger vor als frühere Auswertungen zum Thema. Sie ließen ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien zu. Die Kontrollgruppen bekamen entweder die normale Versorgung oder eine Aufmerksamkeitskontrolle, also jemanden, der sich ebenso lange mit ihnen beschäftigte, ohne zu hypnotisieren.

34 Studien erfüllten diese Kriterien, zusammen 2597 erwachsene Patienten vor, während und nach Operationen und medizinischen Eingriffen.

Und die Jenaer Gruppe schaute gleich auf sechs Ergebnisbereiche: seelische Belastung, Schmerz, Medikamentenverbrauch, körperliche Messwerte, Erholung und die Dauer des Eingriffs.

Was herauskam

In allen sechs Bereichen fiel das Ergebnis zugunsten der Hypnose aus. Interessant wird es, wenn man sie nebeneinanderlegt:

  • Seelische Belastung: g = 0,53
  • Schmerz: g = 0,44
  • Medikamentenverbrauch: g = 0,38
  • Erholung: g = 0,25
  • Dauer des Eingriffs: g = 0,25
  • Körperliche Messwerte: g = 0,10

Ein g von 0,53 ist ein mittlerer Effekt. Übersetzt heißt das: Von zwei zufällig herausgegriffenen Patienten, einer aus jeder Gruppe, ging es dem aus der Hypnosegruppe in etwa 65 von 100 Fällen besser. Ein g von 0,10 dagegen ist ein Wert, den man in einer einzelnen Studie kaum bemerken würde.

Je näher ein Ergebnis am Erleben liegt, desto stärker wirkte die Hypnose. Je näher es am Messgerät liegt, desto schwächer.

Eine Zahl in dieser Liste steht etwas quer: die Dauer des Eingriffs. Ein Chirurg operiert nicht schneller, weil er sich das vornimmt. Er operiert schneller, wenn der Mensch unter seinen Händen ruhig liegt, wenn weniger nachgesteuert werden muss, wenn zwischendurch niemand beruhigt werden muss. Die Sprache vor dem Eingriff kommt also im Operationssaal an, ohne dass jemand dort noch etwas sagen müsste.

Was das für Deine Praxis heißt

Der Satz, den Du morgen sagen kannst, ist eine Frage: "Was von dem, was Sie dort erwartet, können Sie sich im Moment am schlechtesten vorstellen?"

Damit arbeitest Du am Erleben statt an der Physiologie, und genau dort liegt laut dieser Auswertung der Hebel. Du nutzt das Prinzip Aufmerksamkeit aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien: Was ein Mensch beleuchtet, wächst. Solange die dunkle Stelle unbenannt bleibt, füllt seine Fantasie sie mit dem Schlimmsten. Sobald sie einen Namen hat, lässt sich etwas danebenlegen.

Der zweite Punkt ist der grundsätzlichere. Wenn Hypnose dort am kräftigsten wirkt, wo Menschen etwas erleben, und dort am schwächsten, wo Maschinen messen, dann verhält sie sich genau so, wie man es von wirksamer Kommunikation erwarten würde. Das ist ein Argument in der Debatte um State- und Non-State-Theorie, und es passt zum Kooperationsprinzip: Die Arbeit macht der Patient, Du stellst den Rahmen.

Praktisch heißt das auch: Versprich nichts über Werte, die auf einem Monitor stehen. Sprich über das, was der Mensch spürt und erwartet. Wie Hypnose im medizinischen Umfeld sonst eingesetzt wird, findest Du unter Hypnose in der Medizin. Eine ältere Auswertung mit deutlich größeren Zahlen und schwächerer Methodik steht daneben in der Meta-Analyse von Montgomery zu Hypnose rund um die Operation.

Grenzen der Studie

Die Autoren sind in ihrem eigenen Fazit ungewöhnlich zurückhaltend: Die interne Validität der eingeschlossenen Studien sei begrenzt. Viele der 34 Arbeiten hatten kleine Stichproben, unklare Verblindung oder eine lückenhafte Beschreibung, wie zufällig zugeteilt wurde. Der wahre Effekt kann also kleiner sein als die Zahlen oben.

Die Rangfolge der sechs Bereiche ist eine Beobachtung und kein statistischer Test. Tefikow und Kollegen haben nicht geprüft, ob sich g = 0,53 und g = 0,10 signifikant voneinander unterscheiden. Meine Deutung dieser Reihenfolge ist eine Deutung.

Und Patienten wissen in solchen Studien, dass sie Hypnose bekommen. Erwartung ist Teil der Wirkung. Fürs Behandeln ist das brauchbar, für die Frage nach dem Mechanismus bleibt es offen.

Acht Jahre später hat dieselbe Jenaer Gruppe mit 50 Studien nachgelegt und kam zu vergleichbaren Ergebnissen. Das ist die bessere Nachricht an dieser Arbeit: Sie hat gehalten.

In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten dem Heilpraktiker- und Heilberufsrecht vorbehalten, in Österreich greift das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz gilt kantonales Recht. Hypnose rund um eine Operation läuft immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Häufige Fragen

Wie stark wirkt Hypnose bei Operationen? In der Meta-Analyse von Tefikow und Kollegen über 34 randomisierte Studien mit 2597 Patienten lag der Effekt auf die seelische Belastung bei g = 0,53 und auf den Schmerz bei g = 0,44. Das sind mittlere Effekte. Medikamentenverbrauch (g = 0,38), Erholung und Dauer des Eingriffs (je g = 0,25) fielen ebenfalls zugunsten der Hypnose aus.

Verändert Hypnose auch Blutdruck und Puls? In dieser Auswertung nur minimal: g = 0,10 über alle körperlichen Messwerte hinweg. Die Wirkung zeigte sich vor allem dort, wo Patienten etwas erlebten und berichteten, also bei Angst, Schmerz und Medikamentenbedarf.

Warum dauerte der Eingriff mit Hypnose kürzer? Die Meta-Analyse zeigt den Zusammenhang (g = 0,25) und erklärt ihn nicht. Naheliegend ist, dass ein ruhiger Patient weniger Unterbrechungen verursacht. Wie Du Sätze baust, die vor und während eines Eingriffs tragen, übst Du in der Hypnose-Practitioner-Ausbildung.

Fazit

Sechs Messbereiche, sechs Zahlen, und die Reihenfolge erzählt eine eigene Geschichte. Am weitesten kam die Hypnose beim Menschen, am wenigsten weit beim Messgerät.

Angenommen, Du würdest bei Deinem nächsten Klienten nur noch an dem arbeiten, was er tatsächlich erlebt. Was würdest Du dann als Erstes weglassen?

Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im medizinischen Umfeld sicher einsetzt, lernst Du im Hypnose-Practitioner.

Quelle

  • Tefikow, S., Barth, J., Maichrowitz, S., Beelmann, A., Strauß, B., & Rosendahl, J. (2013). Efficacy of hypnosis in adults undergoing surgery or medical procedures: A meta-analysis of randomized controlled trials. Clinical Psychology Review, 33(5), 623-636. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2013.03.005

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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