Eine warme Handfläche über einer ruhig werdenden konzentrischen Wellenform in Bauchhöhe

Reizmagen: 73 Prozent Besserung nach Hypnose

Ein Mann sitzt seit Jahren mit demselben Druck im Oberbauch beim Arzt. Die Magenspiegelung ist sauber. Die Blutwerte sind sauber. Die Tabletten helfen ein bisschen, solange er sie nimmt. Ein Jahr nach zwölf Hypnosesitzungen gibt er seine Beschwerden um 73 Prozent gebessert an, und er hat in diesem Jahr kein einziges neues Medikament angefangen. In der Vergleichsgruppe mit Tabletten taten das 90 von 100.

Diese Zahlen stehen im Dezember 2002 in Gastroenterology. Emma Calvert und Peter Whorwell haben in Manchester 126 Menschen mit funktioneller Dyspepsie begleitet, also mit einem Reizmagen ohne krankhaften Befund. Ich (Marian Zefferer) mag diese Arbeit, weil sie eine Frage stellt, die Studien sonst vermeiden: Was macht der Patient ein Jahr später, wenn niemand mehr zuschaut? Diese Studie ist eine von über 300 auf meiner Seite Hypnose-Forschung: Studien im Überblick.

Was untersucht wurde

126 Patienten, alle mit Reizmagen und unauffälliger Abklärung, wurden zufällig auf drei Gruppen verteilt. Gruppe eins bekam zwölf Sitzungen darmgerichtete Hypnose über 16 Wochen, nach dem Manchester-Protokoll, das Whorwell schon 1984 beim Reizdarm eingesetzt hatte. Gruppe zwei bekam genauso viele Termine, gefüllt mit unterstützenden Gesprächen, dazu ein Scheinmedikament. Gruppe drei bekam die übliche medikamentöse Behandlung.

Dieser Aufbau ist der Grund, warum die Studie zählt. Die Gesprächsgruppe hatte dieselbe Anzahl Termine, dieselbe Zuwendung, dieselbe Aufmerksamkeit einer Fachperson. Verschieden war allein, was in diesen Stunden passierte.

Gemessen wurde zweimal: nach 16 Wochen und nach 56 Wochen. Neben dem Symptomscore erfasste das Team die Lebensqualität, und zusätzlich zwei Dinge, die sich schwer schönreden lassen: wie viele Patienten im Nachbeobachtungsjahr neue Medikamente begannen und wie oft sie zum Arzt gingen.

Was herauskam

Nach 16 Wochen hatte die Hypnosegruppe ihre Beschwerden im Median um 59 Prozent gebessert. Die Gesprächsgruppe um 41 Prozent, die Medikamentengruppe um 33 Prozent. Bei der Lebensqualität war der Abstand größer: 42 Prozent gegen 10 und 11 Prozent.

Nach 56 Wochen wurde der Abstand größer statt kleiner. Hypnose 73 Prozent, Gespräche 34 Prozent, Medikamente 43 Prozent. Der Effekt wuchs also weiter, nachdem die letzte Sitzung längst vorbei war. Dasselbe Muster findest Du in der Reizdarm-Meta-Analyse von Schaefert.

Und dann die Zahl, die diese Studie trägt. Im Nachbeobachtungsjahr begannen 90 Prozent der Medikamentengruppe und 82 Prozent der Gesprächsgruppe ein neues Medikament. In der Hypnosegruppe keiner. Zum Arzt gingen die Hypnose-Patienten in diesem Jahr im Median einmal, die anderen beiden Gruppen viermal.

Alle drei Gruppen hatten 16 Wochen Behandlung. Ein Jahr danach lag die Hypnosegruppe bei 73 Prozent Besserung, ging ein Viertel so oft zum Arzt und hatte kein einziges neues Medikament begonnen.

Was das für Deine Praxis heißt

Das Besondere steckt in dem, was die Patienten mitgenommen haben. Das Manchester-Protokoll arbeitet mit der eigenen Hand auf dem eigenen Bauch, mit Wärme, mit Bildern vom Verdauungsvorgang, und es gibt dem Patienten eine Aufnahme für zu Hause. Am Ende der 16 Wochen besitzt dieser Mensch ein Werkzeug, das ihm gehört. Deshalb arbeitet die Besserung weiter, wenn keine Termine mehr stattfinden.

Das ist das Kooperationsprinzip, eines meiner 8 hypnotischen Prinzipien. Du machst nichts mit jemandem. Du gibst ihm etwas in die Hand, das er ohne Dich benutzen kann.

Der Satz, den Du morgen sagen kannst, bei Bauchweh, bei Nervosität, bei Anspannung vor einem Termin: „Leg Deine Hand dorthin, wo es sich am meisten meldet. Und erzähl mir, was sich unter Deiner Hand verändert, während Du ausatmest."

Du behauptest keine Veränderung. Du fragst danach. Und die Hand gehört dem anderen. Wie sich das in der Behandlung einordnet, steht in Hypnose in der Medizin, und speziell für den Bauch in Hypnose beim Reizdarmsyndrom.

Grenzen der Studie

Von 126 Patienten beendeten 79 alle Phasen: 26 in der Hypnosegruppe, 24 in der Gesprächsgruppe, 29 unter Medikamenten. Fast vier von zehn fielen heraus. Bei so kleinen Gruppen verschiebt jeder Einzelne das Ergebnis.

Verblinden war unmöglich, und die Symptome gaben die Patienten selbst an. Härter sind die beiden Verhaltenszahlen: Medikamentenstart und Arztbesuche. Genau diese beiden tragen den Befund.

Ein Haus, ein Team, ein Protokoll. Whorwells Gruppe in Manchester hat diese Methode entwickelt, und sie hat sie hier selbst geprüft. In der Gesprächsgruppe begannen zudem fünf Patienten im Nachbeobachtungsjahr Antidepressiva, was deren Lebensqualitätszahl von 43 Prozent schwer lesbar macht. Und Hypnose kam hier zur medizinischen Abklärung dazu. Ein Reizmagen gehört zuerst abgeklärt.

Häufige Fragen

Hilft Hypnose bei Reizmagen und funktioneller Dyspepsie? Die randomisierte Studie von Calvert und Kollegen aus dem Jahr 2002 verglich bei 126 Patienten zwölf Sitzungen darmgerichtete Hypnose mit unterstützenden Gesprächen plus Placebo und mit medikamentöser Behandlung. Nach 56 Wochen lag die Besserung der Beschwerden bei 73 Prozent gegenüber 34 und 43 Prozent.

Wie viele Sitzungen braucht es? In dieser Studie waren es zwölf Sitzungen über 16 Wochen, dazu eine Aufnahme zum Üben daheim. Bei Bauchschmerzen von Kindern reichten sechs Sitzungen für vergleichbar deutliche Unterschiede.

Ersetzt Hypnose die Magenmedikamente? Diese Studie zeigt, dass im Nachbeobachtungsjahr niemand aus der Hypnosegruppe ein neues Medikament begann, während es in den anderen Gruppen 82 und 90 Prozent waren. Das ist eine Beobachtung an 26 Menschen, die alle vorher abgeklärt waren. Was Du nimmst oder absetzt, entscheidest Du mit Deinem Arzt.

Fazit

126 Menschen mit Reizmagen, drei Behandlungen, gleich viele Termine. Ein Jahr später war die Gruppe am besten dran, die ein Werkzeug für die eigene Hand bekommen hatte.

Angenommen, Du gibst dem nächsten Menschen, der Dir von seinem Bauch erzählt, etwas mit, das er heute Abend allein benutzen kann. Was wäre das?

Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im Gespräch aufbaust, lernst Du im Hypnose-Practitioner.

Quelle

  • Calvert, E. L., Houghton, L. A., Cooper, P., Morris, J., & Whorwell, P. J. (2002). Long-term improvement in functional dyspepsia using hypnotherapy. Gastroenterology, 123(6), 1778-1785. https://doi.org/10.1053/gast.2002.37071

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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