Aufgeschlagenes Buch mit warmem Licht und Notizen, dazu Tasse Tee - Marians meistempfohlene Lektüre für Storytelling im Coaching
Bernhard Trenkles "Dazu fällt mir eine Geschichte ein" - Marians Rezension

Bernhard Trenkle "Dazu fällt mir eine Geschichte ein" (Buchrezension)

Wenn ich (Marian Zefferer) in meinen Ausbildungen ein einziges Buch empfehlen dürfte, in der Hypnose-Ausbildung wie auch im Storytelling-Modul, dann ist es dieses. Bernhard Trenkles "Dazu fällt mir eine Geschichte ein" ist seit Jahren meine Nummer-eins-Empfehlung. Es liest sich, wie der Titel verspricht: locker. Leicht. Locker-flockig. Und es ist gleichzeitig extrem inhaltsdicht. Das ist eine seltene Kombination, und sie ist kein Zufall.

Worum es geht

Trenkle steht in der Tradition Milton Ericksons: Veränderung über Geschichten statt über direkte Anweisungen. Sein Buch sammelt eigene Fallvignetten aus Therapie, Coaching und Supervision, ergänzt durch viele Geschichten, die er im Coaching tatsächlich nutzt. Dazu kommen neun Grundregeln für das Erzählen persönlicher Geschichten und Hilfestellungen, wie einem im richtigen Moment die passende Geschichte einfällt.

Bernhard Trenkle ist Mitgründer des Carl-Auer-Verlags und Herausgeber der Reihe „Hypnose und Hypnotherapie". Wer beim deutschsprachigen Hypnose-Standardverlag in dieser Position sitzt, der hat sich seinen Platz nicht über Diplom-Urkunden erschrieben, sondern über Bücher. Und das merkt man jeder Seite an.

Meine ehrliche Lese-Erfahrung

Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen. Es ist mir einfach durchgeflutscht - von Fallbeispiel zu Fallbeispiel, von Regel zu Regel. Das passiert mir bei Fachbüchern selten. Meistens lege ich nach 30 Seiten kurz ab, sortiere, schreibe etwas dazu. Bei Trenkle nicht. Bei Trenkle bist Du auf einmal fertig.

Das hat einen Grund. Trenkle ist einer der wenigen Autoren, die nicht nur exzellent hypnotisch arbeiten, sondern auch hypnotisch schreiben können. Er kann mit Text begeistern. Es gibt durchaus großartige Hypnotiseure, die nicht gut schreiben - bei denen die Methode in der Praxis sitzt, aber das Buch zäh wird. Bei Trenkle stimmt beides.

Locker geschrieben - und gleichzeitig dicht. Das ist nicht „locker, weil nichts drin steht". Sondern locker, weil die Form dem Inhalt nicht im Weg steht.

Was das Buch stark macht

Sehr viele konkrete Fallbeispiele - immer mit Erklärung warum

Trenkle erzählt nicht nur Geschichten. Er erklärt direkt mit, warum sie an dieser Stelle wirken: welches Prinzip dahintersteht, welches Sprachmuster gerade gezündet hat, welche indirekte Botschaft beim Klienten ankommt. Das macht es zu einem echten Lern-Buch und nicht zu einer reinen Anekdotensammlung.

Ein klassisches Trenkle-Beispiel - zu seiner Regel zwei: Geschichten brauchen eine klare, zielorientierte Botschaft - ist die Geschichte „Den nehme ich zum Üben":

Ein Amtsleiter kommt zu Trenkle, fühlt sich vom neuen Oberbürgermeister gemobbt, jammert mehr als dass er einen klaren Auftrag stellt. Trenkle reagiert humorvoll-provokativ: „Gehe ich recht in der Annahme, dass der neue Oberbürgermeister nicht zusammen mit Ihnen zur Paartherapie zu mir kommen wird?" Der Klient muss lachen. Daran schließt Trenkle an: „Wissen Sie, das mit der Fernhypnose beherrsche ich auch noch nicht so richtig. Soweit ich sehe, sind Sie der Einzige, mit dem ich arbeiten könnte."

Und dann kommt die Geschichte. Trenkles Sohn hatte am ersten Schultag im Gymnasium Pech mit einem Kunstlehrer. Der schaute auf das Bild des Sohnes, fragte nach der Grundschulnote (eine drei), und sagte: „Dann hast Du bei mir eine vier. Setz Dich wieder hin." Der Junge kam weinend nach Hause. Trenkle, wütend, wollte sofort in die Schule. Er beschreibt seinen eigenen Ärger - das tat dem Sohn schon sichtbar gut. Dann hatte er eine andere Idee. Er setzte sich zu seinem Sohn und sagte sinngemäß: Du wirst später in einer Firma arbeiten, irgendwann gibt Dir ein Chef einen Auftrag, Du machst Deine Sache gut - und er wirft sie in den Papierkorb. Solche Leute gibt es. Manchmal haben sie einen schlechten Tag, manchmal sind sie immer so. Und dann die entscheidende Frage: „Soll ich hingehen und ihm sagen, das hört auf - oder nimmst Du ihn zum Üben?"

Nach minutenlangem Schweigen sagte der Sohn: „Den nehme ich zum Üben."

Trenkle hat nie wieder etwas von diesem Lehrer gehört. Der Sohn hat ihn zum Üben genommen und sich in der Schullaufbahn die Reputation erworben, mit den verschiedensten Lehrertypen geschickt umzugehen.

Diese Geschichte erzähle ich in meinen Trainings immer wieder. Sie ist eine perfekte Demonstration von Trenkles Regel zwei - die Botschaft an den Klienten („Der Bürgermeister ist Dein Übungsobjekt, nicht Dein Schicksal") sitzt sauber, ohne dass sie je direkt ausgesprochen wird. Und sie ist gleichzeitig eine echte Vater-Sohn-Geschichte, die Trenkle erlebt hat. Authentizität und Wirkung in einem.

Witze, die nebenher zünden

Zwischen den Fallbeispielen streut Trenkle eingestreute Witze ein - kurze, präzise, oft am Rand des Erlaubten. Zum Beispiel die Antwort von Jay Haley auf die Frage, wie er es schaffe, dass die Väter mit zur Familientherapie kommen: „Ich rufe selbst direkt den Mann an und sage: 'Ich brauche Ihre Hilfe in diesem Fall, ich komme mit Ihrer Frau in dieser Frage nicht mehr klar.' Das versteht jeder Mann." Oder der Sozialarbeiter-Witz: Zwei Sozialarbeiter finden auf der Straße einen schwer verletzten Mann mit fünfundzwanzig Messerstichen. Sie eilen weiter und murmeln vor sich hin: „Der, der so etwas Schreckliches gemacht hat - der braucht unsere Hilfe."

Die Witze sind nicht Beiwerk. Sie sind selbst eingebettete Botschaften: über Berufsstand, über professionelle Reflexion, über die Frage, wem Hilfe gilt. Beim Lesen lacht man - und merkt erst hinterher, was hängen geblieben ist.

Die neun Grundregeln

Trenkles neun Grundregeln für das Erzählen persönlicher Geschichten sind das didaktische Rückgrat des Buchs. Sie sind nicht abstrakt, sondern werden jeweils mit Vignetten illustriert. Wer das Buch einmal durchgearbeitet hat, hat ein Repertoire, das in Coaching, Therapie, Training, Eltern-Kind-Gesprächen, Beratung oder einfach Smalltalk am Gartenzaun trägt.

Mein Fazit

Das Buch ist exzellent. Ich würde nichts ändern, und das sage ich ehrlich selten.

Es ist eines der wenigen Bücher, das wirklich für alle Lesertypen geeignet ist - für Profis im Coaching wie für Anfänger. Es ist keine Einführung in Hypnose. Du lernst hier keine formellen hypnotischen Sprachmuster im engeren Sinn (außer der Storytelling-Schiene). Du lernst keine Induktionen - und das wäre ohnehin keine Empfehlung von mir. Aber Storytelling ist hochhypnotisch, und in diesem Buch lernst Du alles, was Du dafür brauchst.

Für wen ist es nicht das richtige Buch? Für Leser, die ein striktes Methodik-Lehrbuch mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen suchen. Trenkle arbeitet anekdotisch, nicht in Protokollen. Wer das nicht mag, der greift besser zu einem anderen Format.

Was Du danach lesen kannst

Wenn Du nach Trenkle tiefer ins Storytelling einsteigen willst, empfehle ich:

  • Hanna Milling (2020). Storytelling - Konflikte lösen mit Herz und Verstand. Wolfgang Metzner Verlag. Eine Anleitung zur Erzählkunst mit über hundert Geschichten plus dreiunddreißig neuen in der erweiterten Auflage. Milling kommt aus dem Mediations-Bereich - das verschiebt den Fokus von Trenkles Therapie-Kontext hin zu Konflikten in Organisationen, Beruf, Partnerschaft. Gut als zweites Storytelling-Buch.
  • Mein Artikel zur Geschichtenfindung im Coaching beschreibt, wie Du Deine eigenen Geschichten systematisch entwickelst - mit der ABC-Methode und der Linklater-Ein-Jahres-Übung.
  • Mein kostenloses Hypnose-Workbook für die 8 hypnotischen Prinzipien - die Grundlage, auf der jede gute Geschichte wirkt.
  • Mein Hypnose-Practitioner-Online-Training, in dem Storytelling und Konversationshypnose praktisch geübt werden, mit Feedback und Live-Coaching.

Häufige Fragen

Was ist die zentrale Idee von "Dazu fällt mir eine Geschichte ein"?

Veränderung über Geschichten statt über direkte Anweisungen. Trenkle steht in der Tradition Milton Ericksons: Eine gut platzierte Geschichte entfaltet eine Wirkung im Klienten, die jede direkte Intervention um Längen übersteigt. Das Buch zeigt, wie man die richtige Geschichte zur richtigen Zeit findet und erzählt.

Für wen ist das Buch geeignet?

Für alle, die ihre Sprache, ihr Storytelling oder ihre Wirkung in Kommunikation verbessern wollen - also für Coaches, Therapeuten, Trainer, Lehrer, Eltern, Berater, Verkäufer und ganz allgemein Menschen, die in Gesprächen Veränderung anstoßen wollen. Es ist explizit keine Hypnose-Einführung und kein Induktionsbuch. Wer das sucht, ist beim Workbook oder im Hypnose-Practitioner besser aufgehoben.

Warum empfiehlst Du gerade Trenkle und nicht Lankton, Hammel oder O'Hanlon?

Trenkles Mischung aus persönlich erlebten Geschichten, lustigen Witzen und didaktisch sauber erklärten Wirkmechanismen ist in dieser Form einzigartig. Lankton ist akademischer, Hammel umfassender in der Breite, O'Hanlon stärker auf die Erickson-Schule fokussiert. Trenkle ist der zugänglichste Einstieg und trägt gleichzeitig in die Tiefe. In meinen Trainings ist es das einzige Buch, das ich Anfängern wie Fortgeschrittenen gleichermaßen ans Herz lege.

Brauche ich Vorwissen, um Trenkles Buch zu lesen?

Nein. Das ist eine der Stärken. Du brauchst weder Erickson gelesen zu haben noch Hypnose-Grundlagen mitzubringen. Trenkle erklärt unterwegs alles, was Du brauchst. Wer schon Hypnose-Erfahrung hat, sieht zusätzlich die feinen Sprachmuster zwischen den Zeilen. Beide Lesertypen profitieren - nur unterschiedlich.

Quelle

  • Trenkle, B. (2021). Dazu fällt mir eine Geschichte ein: Direkt-indirekte Botschaften für Therapie, Beratung und über den Gartenzaun. Carl-Auer Verlag.

Siehe auch

Hypnose wirklich beherrschen.

Im Hypnose-Practitioner lernst Du die 8 hypnotischen Prinzipien strukturiert anzuwenden - Schritt für Schritt, praxisnah und mit viel Lebendigkeit im Online-Raum. Der Einstieg für alle, die Hypnose wirklich im Alltag anwenden wollen.

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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