Kompasszeiger zeigt auf einen einzelnen klaren Satz - Kernbotschaft als Richtung für Storytelling im Coaching
Erst die Kernbotschaft, dann die Geschichte - die Reihenfolge entscheidet über die Wirkung.

Kernbotschaft im Storytelling - Geschichten gezielt finden

Im NLP-Master-Kurs werde ich oft gefragt: "Marian, wie findest Du eigentlich die passende Geschichte für einen Klienten?" Lange habe ich darauf nur geantwortet: "Mir fällt einfach eine ein." Das ist keine gute Antwort. Sie hilft niemandem außer mir. Bis ich gemerkt habe: was bei mir unbewusst geschieht, hat eine ganz klare Reihenfolge - und die ist lernbar. Ich (Marian Zefferer) zeige Dir die zwei Schritte, die jede gute Coaching-Geschichte erst zur Geschichte machen.

Die meiste Zeit erzählst Du an der Sache vorbei

Ein Coach sitzt vor seinem Klienten. Der Klient erzählt von seinem Thema. Dem Coach fällt etwas ein - ein Onkel, eine Klientin, ein Film. Er erzählt los. Der Klient hört höflich zu. Es passiert nichts.

Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Geschichten im Coaching wirken selten daran, dass jemand schlecht erzählt. Sie wirken daran, dass die Geschichte nicht trägt, was sie tragen soll. Es fehlt der Boden. Es fehlt die Botschaft.

Wer in der Hypnose-Practitioner-Ausbildung anfängt, mit Storytelling zu arbeiten, macht alle den gleichen Schritt zuerst: Geschichte rein, schauen was passiert. Das ist die falsche Reihenfolge. Die richtige ist umgekehrt.

Schritt 1: Kernbotschaft benennen, in einem Satz

Bevor Du eine Geschichte aussuchst, beantwortest Du eine einzige Frage: Was soll der Klient mitnehmen? Ein klarer Satz. Keine Liste. Kein Konzept. Ein Satz.

Ein paar Beispiele aus meiner Praxis:

  • "Lass den Perfektionismus los und fang an."
  • "Wenn Dir was wichtig ist, kümmere Dich um Dein State Management - bereite Dich vor."
  • "Geh den Konflikt an. Es geht meistens gut aus."
  • "Hör mit dem Prokrastinieren auf. Es kostet Dich was."
  • "Liebe Deinen Nächsten."

Diese Sätze sind nicht subtil. Sie sind nicht hypnotisch verpackt. Sie sind die Botschaft im Klartext, für Dich selbst. Der Klient bekommt sie nie wortwörtlich zu hören - er bekommt die Geschichte. Aber Du brauchst die Botschaft im Klartext, weil Du sonst Geschichten erzählst, die in alle Richtungen ziehen.

Wenn Du mit der Botschaft im Klartext nicht arbeitest, passiert das, was in den meisten Coaching-Sitzungen passiert: drei Geschichten, drei Botschaften, kein Effekt. Eine Geschichte über Mut, eine über Geduld, eine über Selbstvertrauen. Drei verschiedene Stoffe in einem Topf. Der Klient nimmt nichts mit, weil es nichts zum Mitnehmen gibt.

Wer eine Botschaft im Satz fixiert hat, trägt automatisch das Aufmerksamkeitsprinzip richtig: alles, was Du danach erzählst, fällt in einen klar gerahmten Raum, und alles, was nicht zur Botschaft passt, bleibt draußen.

Schritt 2: Frag Dich, wo Du das schon erlebt hast

Erst jetzt kommt die Geschichte. Und sie kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus Deinem Leben.

Du fragst Dich: Wo habe ich das schon erlebt? Wo hat das ein Freund erlebt? Welche Geschichte aus einem Buch oder einem Film passt? In dieser Reihenfolge. Eigene Erlebnisse zuerst, weil sie am authentischsten kippen. Dann Familie und Freunde, weil sie konkret bleiben. Dann gelesen oder gesehen, als Reserve.

Wenn Dir nichts einfällt, hast Du zwei Möglichkeiten. Erstens: Du gehst nochmal an die Botschaft - oft ist sie noch zu allgemein. "Sei mutig" produziert nichts. "Wenn Du Angst hast, etwas Wichtiges zu sagen, sag es trotzdem - der Schaden vom Schweigen ist größer als vom Reden" produziert sofort drei Erinnerungen. Zweitens: Du lebst. Stefan Landsiedel hat im Trainer-Modus mal einem Teilnehmer gesagt: "Geh raus und lebe. Wenn Du lebst, erlebst Du auch Geschichten." Wer aus Tablet und Computer besteht, hat dünneres Material.

Wichtig dabei: Stichworte, keine ganzen Geschichten. "Onkel Werner, Garage, Sturm" reicht. Die Ausformulierung passiert live, im Bezug zum Klienten. Wenn Du ganze Geschichten festschreibst, lernst Du sie auswendig - und genau das hört man Dir an.

Eine Botschaft, mehrere Geschichten - der große Hebel

Wenn die Botschaft sehr wichtig ist, reicht eine Geschichte oft nicht. Drei Geschichten für denselben Satz sind das eigentliche Werkzeug. Drei Schauplätze, drei Hauptpersonen, ein Boden. Das nennt sich Storykaskade und ist die direkte Anwendung der Kernbotschafts-Methode auf Klienten mit zäheren Themen.

Ich hatte eine Klientin, die ihren Vortrag für eine Prüfung perfektionieren wollte und nicht ins Schreiben kam. Botschaft: "Lass den Perfektionismus los und schreib einfach." Ich habe ihr drei Geschichten erzählt - eine eigene aus meiner Studienzeit, eine über meine eigene damalige Seminararbeit, die ich abgegeben habe wie sie war (Note: 4, beste Vier meines Lebens), eine kurze über einen Coaching-Klienten mit einer Bewerbung. Eine Woche später sagte sie: "Ich glaube, Du hast mir gesagt, ich soll nicht so perfektionistisch sein." Nein. Ich hatte ihr drei Geschichten erzählt. Aber genau das war die Botschaft, die unten lag - und genau die hat sie mitgenommen.

Die Falle: Botschaft hinterher dranflicken

Der häufigste Fehler: Du hast eine Lieblingsgeschichte und legst Dir die Botschaft im Nachhinein zurecht. Dann passt es ungefähr, aber nie genau. Der Klient spürt das. Geschichten, deren Botschaft nicht vorher steht, fühlen sich an wie nett erzählt, aber irgendwie nicht gemeint.

Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar. Erst die Botschaft, dann die Geschichte. Wer es andersrum macht, fällt zurück in den Anekdoten-Modus.

Mini-Übung für Dich

Nimm Dir zehn Minuten und mach Folgendes:

  1. Schreib drei Kernbotschaften auf, die Dir gerade in Deinem Leben oder Deiner Coaching-Praxis wirklich wichtig sind. Ein Satz pro Botschaft.
  2. Schreib unter jede Botschaft drei Stichworte zu Erlebnissen, die zu dieser Botschaft passen. Eigene zuerst, dann Freunde/Familie, dann gelesen.
  3. Prüf: passt das Stichwort wirklich zur Botschaft? Oder steht es nur zufällig daneben?

Was Du jetzt hast, ist ein erster Storytelling-Dachboden. Drei klare Botschaften, neun konkrete Anker. Das ist mehr als die meisten Coaches je systematisch beisammen haben.

Wer das ausbaut - eine Liste mit 20-30 Kernbotschaften, jeweils 3-5 Stichworten daneben - hat im Akut-Moment immer eine Geschichte. Nicht weil ihm etwas einfällt, sondern weil er weiß, wo er nachschaut.

Bezug zur Hypnose und zu den 8 Prinzipien

Eine Geschichte mit klarer Kernbotschaft trägt mehrere der acht hypnotischen Prinzipien gleichzeitig: Aufmerksamkeit (klarer Fokus), Kontext (die konkrete Situation, in der die Geschichte spielt), Assoziation (mehrere Wege zur selben Bedeutung, plus Identifikation mit dem Protagonisten der Geschichte), Sinnesaktivierung (Stories aktivieren von sich aus sehr stark Bilder, Geräusche, Körpergefühle) und Wiederholung (durch Mehrfachhinweise, wenn Du drei Stories hintereinander legst).

Was als reines "Geschichtenerzaehlen" aussieht, ist eigentlich ein dichtes hypnotisches Sprachmuster. Du verzichtest auf direkte Suggestion. Der Klient zieht die Pointe selbst. Genau deshalb sitzt sie.

Wenn Du tiefer einsteigen willst

Im Hypnose-Workbook findest Du Uebungen zu den acht Prinzipien, die das Storytelling-Fundament legen. Wer die Methode systematisch lernen will - inklusive Storykaskade, Nested Loops, Seeding und Pre-Framing - ist im Hypnose-Practitioner richtig: dort baust Du Dir Deinen eigenen Storytelling-Dachboden auf, den Du ein Leben lang erweiterst.

Häufige Fragen

Wie finde ich die passende Geschichte für mein Coaching?

Nicht über die Geschichte. Über die Kernbotschaft. Ein klarer Satz - was soll der Klient mitnehmen. Erst danach fragst Du Dich: wo habe ich das erlebt, wo ein Freund, in welchem Buch oder Film. In dieser Reihenfolge.

Wie viele Geschichten brauche ich für eine Botschaft?

Bei einfachen Themen reicht eine. Bei tieferen oder zäheren Themen sind drei Geschichten zu derselben Botschaft das eigentliche Werkzeug - die Storykaskade. Drei Schauplätze, drei Hauptpersonen, ein Boden.

Wo packe ich die Pointe einer Story hin - Anfang oder Ende?

Meistens ans Ende - oder auch gar nicht ausgesprochen. Die Geschichte führt hin, der Klient zieht selbst die Pointe. Manchmal bewusst am Anfang, als Pre-Frame, wenn Du den Hörer auf eine bestimmte Bedeutung lenken willst.

Kann ich auch fremde Geschichten verwenden, die ich nur gehört oder gelesen habe?

Ja. Eigene Erlebnisse wirken am dichtesten, aber gelesene und gesehene Geschichten funktionieren ebenso, wenn die Kernbotschaft klar ist. Wichtig: deklariere fremd als fremd. Geschichten, die nicht Dir gehören, niemals als eigene Erfahrung verkaufen.

Was, wenn mir zu einer Botschaft gar keine Geschichte einfällt?

Zwei Hebel: Erstens, die Botschaft schärfen - oft ist sie noch zu allgemein. Zweitens, mehr leben. Wer wenig erlebt, hat wenig Stoff. Stefan Landsiedel sagt im Trainer-Modus dazu: "Geh raus und lebe."

Quelle

  • Lankton, S. R., & Lankton, C. H. (1986). Geschichten mit Hypnose. Therapeutische Metaphern in der Ericksonschen Hypnotherapie. Junfermann.
  • Trenkle, B., & Lütz, M. (2021). Dazu fällt mir eine Geschichte ein: Direkt-indirekte Botschaften für Therapie, Beratung und über den Gartenzaun (4. Aufl.). Carl-Auer Verlag GmbH.

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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