Coaching für angehende Lehrtrainer

Ein GastbEvi Anderson-Krugeitrag von Evi Anderson-Krug, NLP-Lehrtrainerin, DVNLP,  und Landsiedel-Trainerin für Augsburg und Kitzingen.

Viele frischgebackene NLP-Trainer, die den Wunsch haben, selbst DVNLP-zertifizierte NLP-Ausbildungen durchzuführen, brauchen dafür erst einmal eine Anerkennung zum Lehrtrainer. Die bekommen sie nicht durch den Besuch einer weiteren Fortbildung. Es sind vielmehr ein paar zusätzliche Auflagen zu erfüllen, um die begehrte Lizenz zu erhalten. Schließlich soll gewährleistet sein, dass die neuen Ausbilder auch über eine hohe fachliche und persönliche Kompetenz verfügen.

Eine der Voraussetzungen ist zum Beispiel der Nachweis über 20 Einzelcoaching-Stunden, die bei einem „NLP-Anwender, der mindestens Lehrtrainer, DVNLP, und Master Coach, DVNLP, oder mindestens Lehrtrainer, DVNLP, und NLP-Berater, DVNLP, ist“, in Anspruch genommen werden (Quelle: DVNLP). Es wird also ganz klar die erforderliche fachliche Mindestqualifikation des Coaches festgelegt, der diese Stunden leisten und bescheinigen kann. Dies ist eine Kombination, die in der Praxis nicht immer so leicht zu finden ist.

Als Master-Coach (seit 2009) und Lehrtrainerin (seit 2011) bin ich berechtigt, diese Coachings durchzuführen und biete das auch seit vielen Jahren an.

Die meisten Klienten, die ein „normales“ Coaching bei mir buchen, tun dies aus einem akuten oder schon länger anhaltenden Veränderungswunsch heraus. Etwa, um aus einer privaten oder beruflichen Krise herauszukommen, einen Neubeginn zu wagen oder endlich gemäß ihrer Berufung leben zu können. Meine Klienten entscheiden sich also häufig aus einem gewissen Leidensdruck heraus für die professionelle Begleitung – und natürlich aus freien Stücken.

Doch ist diese Freiwilligkeit auch bei Klienten vorhanden, die „Pflicht“-Coachingstunden absolvieren, um eine Lizenz zu erwerben? Das kläre ich sehr offen, sobald die erste Anfrage kommt. Ich hake gezielt nach, welche Bereiche er oder sie optimieren möchte und an welchen Stellen Entwicklungspotenzial schlummert.

Was sind klassische Themen, mit denen die angehenden Lehrtrainer /-innen zu mir kommen? Wie bei jedem Klienten ist auch das natürlich sehr individuell. Ich möchte hier einen möglichen Ablauf skizzieren und habe ein paar „typische“ Anliegen herausgegriffen. Aus Respekt vor der Privatsphäre meiner Klienten habe ich mich bewusst allgemein ausgedrückt oder manches leicht abgewandelt, um keine Rückschlüsse auf konkrete Personen zuzulassen.

Ein Fallbeispiel
Beim ersten Gespräch lasse ich meine Klientin erst einmal allgemein berichten, wo sie steht, was sie bewegt und was ihre Coachingthemen und Ziele für unsere Treffen sind. Das darf natürlich alle Lebensbereiche betreffen, nicht nur ihre Trainer-Laufbahn. Gemeinsam besprechen wir die nächsten Schritte und Prioritäten: Was ist akut besonders wichtig und/oder dringend?

In diesem Fall steht ein Umzug an, sie ist beruflich stark eingespannt und weiß gar nicht, wie sie die Coachings zeitlich organisieren soll. Außerdem hat sie gerade einen Kunden, bei dem die Auftragsklärung nicht so optimal gelaufen ist. Das Seminar läuft nicht so, wie sie es erhofft hat und sie sieht sich als Trainerin in der Rolle, versäumte Führungsaufgaben des Vorgesetzten an die Teilnehmer weitergeben zu müssen. Als ich nach ihren Ressourcen frage, nennt sie die Natur und jede Form von Bewegung draußen als ihre große Kraftquelle. Nur kommt sie leider grad zu wenig dazu. Wir verabreden einige Coaching-Blöcke von mehreren Stunden am Stück. Das erspart ihr Fahrzeit und wir können länger an ihren Themen arbeiten.

Das erste Folgetreffen findet draußen statt, ein ausgiebiger Spaziergang in der Natur – Ressourcen-Aktivierung pur. Sie berichtet vom letzten Seminar, vom Verhalten der Teilnehmer, von ihren zwiespältigen Gefühlen. Einerseits sei der Auftrag gut bezahlt, andererseits wären die Teilnehmer auch zum Großteil in die Schulung geschickt worden und daher nicht von vornherein motiviert. Das Thema „Werte“ steht an. Welche Werte hat sie persönlich, welche kann sie in ihrem Trainerberuf leben? Welche möchte sie gern stärker integrieren? Das Coaching im Gehen gibt ihr ausreichend Zeit zum Überlegen.  Sie ist im Umbruch, das weiß sie auch, und ihr wird klar, dass sie künftig andere Zielgruppen erreichen möchte. Daher auch der starke Wunsch, NLP-Lehrtrainerin zu werden. Finanzen sind ihr wichtig, doch sie möchte einen Sinn in ihrem Beruf sehen. Und ihr wird klar, dass sie gerade auf dem besten Weg dahin ist.

Ein paar Bäume werden utilisiert und symbolisieren ihren Auftraggeber, sowie den ein oder anderen herausfordernden Teilnehmer. Wahrnehmungspositionen-Wechsel, Meta-Positionen auf einem Baumstumpf und einem Hochsitz finden hier am Waldrand eine passende Umgebung.  Auch die ein oder andere Übung zur Körpersprache und Status  bringen wir hier unter. Als ein Spaziergänger mit einem großen Hund vorbeikommt, kann sie ihre Wirkung gleich testen. Vor großen Hunden hat sie normalerweise etwas Angst, doch sie sie aktiviert ihren „Circle of Excellence“, bleibt innerlich stark und ruhig. Und der Hund? Läuft in angemessenem Abstand an ihr vorbei, ohne ihr zu nahe zu kommen. Test bestanden.

Wir verabschieden uns nach diesem  Outdoor-Nachmittag  und sie fühlt sich „gut durchgelüftet und wunderbar neu sortiert“.

Das nächste Treffen hat den Schwerpunkt „Trainer-Identität“. Ein paar alte Glaubenssätze dürfen sich verabschieden. Vor allem der, ob sie das Recht hat, zu führen und als Alphatier auch deutlich älteren und männlichen Teilnehmern  Anweisungen zu geben.  Führen dürfen und trotzdem weiblich sein – ist das ein Widerspruch? Es ist ein erneut intensiver, spannender Vormittag.

Innere Antreiber werden in der Folge entlarvt, zum Beispiel der, „perfekt“ sein  zu müssen oder es immer allen recht machen zu müssen. Die ganze Bandbreite wundervoller NLP-Formate und kreativen Abweichungen kann ich hier nutzen.

Der Weg zum LehrtrainerDoch auch ganz pragmatische Themen finden in einem solchen Coaching ihren Raum. Das nächste Treffen ist recht kurzfristig eingeschoben und dauert auch nicht so lange. Sie hat ein paar akute Fragen und ich habe in ihrem neuen Wohnort beruflich zu tun. Wir treffen uns auf einen Kaffee. Strategieplanung, neue Prioritäten setzen. Sie hat einen neuen Auftrag ergattert und will nicht mehr so viel mit PowerPoint arbeiten. Zeichnen kann sie aber nicht, ihrer Meinung nach. Ich zeige ihr auf ein paar Blättern Papier die ein oder andere leicht umsetzbare Idee, ihren Stoff auf Flipcharts zu zeichnen. Sie übt ein wenig und kann es gar nicht fassen, wie gut sie das kann.  Manche Glaubenssätze („ich kann das nicht“) lassen sich auch einfach wegzeichnen.

Und so wechseln sich die Themen ab  – ob es nun um neue Strategien und Fähigkeiten geht oder um die ganz wichtige Frage nach der eigenen Vision im Trainerdasein. Es ist ein spannendes Feld und sehr individuell.

Über die Autorin
Evi Anderson-Krug lebt im Raum München und begleitet Menschen in Umbruchsituationen und beim Finden neuer Lebensziele. Sie ist Master-Coach und Lehrtrainerin (DVNLP), und somit berechtigt, die Coachings für angehende Lehrtrainer durchzuführen. Evi ist darüber hinaus unsere Trainerin in Augsburg und in Kitzingen.  Weitere Infos findet ihr unter www.anderson-krug.de

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