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Abstrakte Darstellung einer ruhigen Klangwelle, die sich durch einen kühlen dunklen Raum zieht

Suggestionen unter Narkose: 385 Patienten, weniger Opioide

Du bist bewusstlos. Vollnarkose, der Eingriff läuft, Du bekommst von nichts etwas mit. Auf Deinen Ohren liegen Kopfhörer, und aus ihnen kommen leise Musik und freundliche Sätze. An fünf deutschen Kliniken haben 385 Patienten genau das erlebt. Ergebnis: Im ersten Tag nach der Operation brauchten sie im Median 4,0 statt 5,3 mg Morphinäquivalent, und ihre Schmerzwerte lagen im Schnitt um 25 Prozent niedriger.

Die Arbeit ist 2020 im BMJ erschienen, einem der vier großen medizinischen Journale weltweit. Ich (Marian Zefferer) halte sie für eine der wichtigsten Hypnosestudien überhaupt, und das aus einem Grund, der nichts mit Schmerz zu tun hat: Hier war kein Mensch in Trance. Die Patienten waren nicht entspannt, nicht fokussiert, nicht aufnahmebereit. Sie waren weg. Und die Worte wirkten trotzdem.

Diese Studie ist eine von 323 auf meiner Seite Hypnose-Forschung: Studien im Überblick. Im Block Operationen und medizinische Eingriffe steht sie bei den randomisierten Studien.

Was untersucht wurde

Hartmuth Nowak, Nina Zech, Ernil Hansen und ihre Kollegen rekrutierten im Jahr 2018 fortlaufend 400 Patienten an fünf deutschen Kliniken der höchsten Versorgungsstufe. 385 blieben in der Auswertung, 191 in der Interventionsgruppe und 194 in der Kontrollgruppe. Alle standen vor einer Operation von einer bis drei Stunden unter Vollnarkose.

Jeder bekam Kopfhörer. Die Interventionsgruppe hörte eine Aufnahme mit Hintergrundmusik und positiven Suggestionen, aufgebaut nach hypnotherapeutischen Grundsätzen: 20 Minuten Band, dann 10 Minuten Stille, und das wiederholt über die gesamte Narkosezeit. Die Kontrollgruppe bekam dieselben Kopfhörer mit einem leeren Band.

Gemessen wurde die Opioiddosis in den ersten 24 Stunden nach der Operation, abgerufen über die patientengesteuerte Schmerzpumpe oder vom Pflegepersonal, bei regelmäßiger Abfrage der Schmerzstärke auf einer Skala von 0 bis 10. Die Studie war verblindet und im Deutschen Register klinischer Studien angemeldet.

Was herauskam

Die Interventionsgruppe brauchte in den ersten 24 Stunden weniger Opioide:

  • Median 4,0 mg Morphinäquivalent (Interquartilbereich 0 bis 8) gegen 5,3 mg (2 bis 12), P = 0,002
  • Effektstärke Cohen's d 0,36 (Vertrauensbereich 0,16 bis 0,56)
  • 121 von 191 Patienten (63 Prozent) brauchten überhaupt Opioide, in der Kontrollgruppe 155 von 194 (80 Prozent), P = 0,001
  • Number Needed to Treat, um ein Opioid nach der OP zu vermeiden: 6
  • Schmerzwerte durchgängig und signifikant niedriger, im Schnitt 25 Prozent
  • Keine Nebenwirkungen

Was heißt das im Alltag? Sechs Menschen bekommen Kopfhörer, einer von ihnen braucht danach kein Opioid. Das ist eine Zahl, die jeder Hausarzt versteht. Eine Effektstärke von 0,36 gilt als klein, und 1,3 mg Morphin sind kein Durchbruch. Der zweite Wert trägt die Studie: 63 gegen 80 Prozent. Jeder sechste Patient kam ohne ein Medikament aus, das Übelkeit, Verstopfung und Abhängigkeit mitbringt.

Die Patienten waren bewusstlos. Kein Zustand, keine Mitarbeit, keine Aufmerksamkeit. Und die Worte kamen an.

Die Autoren ziehen daraus eine zweite Schlussfolgerung, die im OP-Alltag unbequemer ist als die erste. Ein erheblicher Teil der Patienten nahm während der Narkose etwas wahr. Also sollten Chirurgen und Anästhesisten darauf achten, was im Raum gesprochen wird. Dieselbe Richtung zeigt Faymonville 1997 bei bewusster Sedierung, wo der Verbrauch an Alfentanil unter Hypnose auf die Hälfte fiel, und Lang 2000 im Lancet bei wachen Patienten im Eingriffsraum.

Was das für Deine Praxis heißt

Was hier gewirkt hat, war Wiederholung. 20 Minuten Band, 10 Minuten Stille, immer wieder, über die ganze Operation. Keine Induktion, kein Rapport, kein Gespräch. Das ist das zweite meiner 8 hypnotischen Prinzipien: Was sich wiederholt, prägt sich ein. Dieses Prinzip braucht Deinen Gesprächspartner nicht als Mitwirkenden. Es arbeitet auch dann, wenn niemand zuhört.

Der Satz, den Du morgen sagen kannst, vor einer Blutabnahme, am Behandlungsstuhl, bei der Prämedikation, und dann im Verlauf noch zweimal in anderen Worten:

„Dein Körper weiß schon, wie das geht. Er wird gut damit umgehen, und Du wirst merken, dass es leichter wird, als Du gedacht hast."

Dreimal gesagt ist das eine andere Intervention als einmal. Und die Umkehrung gilt genauso. „Das wird jetzt gleich unangenehm", zwei Minuten später wieder gesagt, ist ebenfalls eine Wiederholung. Nur in die falsche Richtung. Formulierungen für die richtige findest Du in Hypnose in der Medizin und Hypnose gegen Schmerzen.

Grenzen der Studie

Die Effektstärke ist klein, und die Interquartilbereiche überlappen stark: 0 bis 8 mg gegen 2 bis 12 mg. In beiden Gruppen gab es Patienten mit viel und mit wenig Bedarf. Der Median verschiebt sich, die Streuung bleibt.

Was genau gewirkt hat, bleibt offen. Auf dem Band lagen Musik und Suggestionen gemeinsam. Eine Gruppe mit Musik ohne Text hätte die Frage beantwortet, sie gab es nicht.

Und der Geltungsbereich ist eng: Operationen von einer bis drei Stunden, fünf deutsche Kliniken, 2018. Ob das bei einer achtstündigen Operation ebenso läuft, weiß niemand. Die große Übersichtsarbeit von Lahoud 2026 konnte die Frage nach dem Medikamentenverbrauch über alle Studien hinweg bis heute nicht klären.

Häufige Fragen

Wirken Suggestionen unter Vollnarkose? In dieser randomisierten Studie mit 385 Patienten an fünf deutschen Kliniken ja. Die Gruppe mit Suggestionsband brauchte im Median 4,0 statt 5,3 mg Morphinäquivalent in 24 Stunden, 63 statt 80 Prozent brauchten überhaupt Opioide, und die Schmerzwerte lagen um rund 25 Prozent niedriger. Nebenwirkungen traten keine auf.

Hört ein Patient unter Narkose mit, was im OP gesprochen wird? Die Autoren fanden bei einem erheblichen Teil der Patienten Hinweise auf Wahrnehmung während der Narkose und leiten daraus ab, dass Operateure und Anästhesisten auf Hintergrundgeräusche und Gespräche achten sollten.

Braucht es für so eine Wirkung eine Trance? Hier war Trance ausgeschlossen, die Patienten lagen in Vollnarkose. Warum Sprache auch ohne besonderen Zustand wirkt, zeigt der Überblick zur State- und Non-State-Theorie der Hypnose, und für den medizinischen Alltag die Übersicht von Häuser 2016 im Deutschen Ärzteblatt.

Fazit

385 Patienten, ein Band mit freundlichen Sätzen, ein Drittel weniger Menschen mit Opioidbedarf. Für die Medizin ist das ein billiges, sicheres Verfahren mit kleinem Effekt. Für das Verständnis von Hypnose ist es mehr.

Jede Erklärung, die einen besonderen Bewusstseinszustand als Voraussetzung braucht, kommt hier an ihre Grenze. Diese Menschen hatten keinen Zustand. Sie hatten Kopfhörer. Was blieb, war Sprache, die sich wiederholt, und ein Nervensystem, das mithört, auch wenn niemand zu Hause ist.

Angenommen, Deine Worte hätten diese Wirkung auch beim nächsten Menschen, der angespannt vor Dir sitzt und Dir gar nicht richtig zuhört. Welchen Satz würdest Du dann dreimal sagen?

Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im Gespräch aufbaust, lernst Du im Hypnose-Practitioner.

Quelle

  • Nowak, H., Zech, N., Asmussen, S., Rahmel, T., Tryba, M., Oprea, G., Grause, L., Schork, K., Moeller, M., Loeser, J., Gyarmati, K., Mittler, C., Saller, T., Zagler, A., Lutz, K., Adamzik, M., & Hansen, E. (2020). Effect of therapeutic suggestions during general anaesthesia on postoperative pain and opioid use: multicentre randomised controlled trial. BMJ, 371, m4284. https://doi.org/10.1136/bmj.m4284

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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