Coaching zwischen Tür und Angel

– ein Gastbeitrag von Christoph Schalk

Wer viel Verantwortung hat, hat in der Regel auch viel zu tun. Da bleibt Führungskräften für das Coaching ihrer Mitarbeiter oft keine Zeit mehr. Coaching ist zwar wichtig, aber eben meistens nicht dringlich. Es lässt sich leicht auf die lange Bank schieben.

Dahinter steht der Gedanke, dass Coaching immer mit einem festen Termin verbunden ist, der auch noch eine gewisse Länge hat und idealerweise das Label „wiederkehrend“ trägt. Aber es geht auch anders. Es ist ohne großen Aufwand möglich, Coaching in den alltäglichen Umgang mit Ihren Mitarbeitern einzubauen. Es muss nicht immer das formelle und im Voraus geplante Gespräch sein.

Coaching zwischen Tür und AngelStellen Sie sich zum Beispiel vor, ein Mitarbeiter kommt mit einem Problem auf Sie zu und fragt Sie: „Was soll ich nur machen? Was empfehlen Sie mir?“

Ihre typische Reaktion ist vermutlich, dass Sie sich über weitere Details informieren lassen und dann selbst – möglicherweise sogar alleine und ohne den Mitarbeiter – das Problem lösen. Oder Sie sagen dem Mitarbeiter zumindest sehr genau, was er jetzt tun soll. Danach hat er ja schließlich auch gefragt, oder?

Aber nicht immer machen wir unsere Mitarbeiter damit glücklich, wenn wir Ihnen Lösungen vorgeben und ihnen die Lösungsfindung abnehmen. Alternativ können Sie nämlich auf die Frage des Mitarbeiters mit einer Gegenfrage reagieren: „Das ist wirklich schwierig. Aber stellen Sie sich mal vor, ich wäre heute aus irgendeinem Grund nicht da. Was hätten Sie selbst unternommen? Wie wären Sie mit dieser Situation umgegangen?“

Mit dieser Gegenfrage – so ungewöhnlich sie erst einmal klingen mag – sind Sie schon mitten in einem Coaching-Gespräch. Dies hat mehrere Vorteile:

  • In der Natur eines Coachinggesprächs liegt es, dass Sie die Fähigkeiten Ihres Mitarbeiters aktivieren. Sie fordern ihn heraus, seine Möglichkeiten voll zu nutzen.
  • Sie fördern das Selbstvertrauen Ihres Mitarbeiters. Sie werden staunen, was Ihr Mitarbeiter sich alles zutraut, wenn Sie ihm etwas zutrauen.
  • Sie drücken Wertschätzung aus. Ihr Mitarbeiter fühlt sich in seinen Fähigkeiten ernst genommen.
  • Sie schaffen langfristige Veränderung. Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter vermitteln, dass Sie seinen Fähigkeiten vertrauen und davon überzeugt sind, dass er sein Anliegen selbst lösen kann, wird er beim nächsten Problem vielleicht selbstständig auf seine Ressourcen zurückgreifen – ohne zuerst zu Ihnen zu kommen.
  • Sie sparen Zeit: Statt künftig Probleme für Ihre Mitarbeiter zu lösen, können Sie die gewonnene Zeit darin investieren, Termine für „echte“ Coaching-Gespräche einzuplanen.

Auf dem Feld entscheiden die Spieler, nicht der Coach
Wenn ich in meinen Schulungen Führungskräften verdeutlichen will, wie sie ihre Rolle als Vorgesetzte mit einer Rolle als Coach verbinden können, verwende ich gerne die Skizze von einem Fußballfeld am Flipchart. Die Spieler befinden sich auf dem Spielfeld, der Coach am Spielfeldrand, also außerhalb des Spielfelds. Vor dem Spiel hat der Trainer klar abgesprochen, wer wie auf welcher Position spielt und was das Ziel ist (der Ball muss ins gegnerische Tor und nach Möglichkeit keine Bälle ins eigene Tor).

Der Schlüssel liegt darin, mit jedem Mitarbeiter klar abzusprechen, was sein „Spielfeld“ ist. Wo er also selbst entscheiden, eigene Ziele formulieren und selbständig Schritte zum Ziel gehen kann. Während eines Fußballspiels hat der Coach nichts auf dem Feld verloren. Er spielt nicht für seine Spieler. Er lässt Sie machen. Aber nach dem Spiel hilft er ihnen beim Auswerten und Reflektieren, damit sie beim nächsten Mal noch besser sind.

Mit CoaCoaching zwischen Tür und Angelching zwischen Tür und Angel können Sie Ihren Mitarbeitern immer wieder den Ball zurückgeben und ihnen deutlich machen, dass sie auf dem Spielfeld Verantwortung haben und selbst agieren können. Sie geben nur kleine Impulse, Ihre Mitarbeiter entscheiden und handeln.

Sie werden staunen, wie viel in Ihren Mitarbeitern steckt. Ihre Mitarbeiter werden ebenfalls staunen, wie viel in ihnen steckt, wenn man es ihnen zutraut. Manchmal müssen Sie als Coach etwas nachdrücklich sein und sich nicht dazu hinreißen lassen, schnell eine Lösung anzubieten. Auf lange Sicht werden Sie dafür mit selbstständigen Mitarbeitern belohnt werden.

Über den Autor
Coaching zwischen Tür und AngelChristoph Schalk ist Diplom-Psychologe, Senior Coach BDP und Master Coach EASC. Vom Magazin Focus als „Top Coach 2016“ ausgezeichnet. Zusammen mit einem Kollegen leitet er die Würzburger Business Coach Akademie und hat sich auch einen Namen als Fachbuchautor gemacht (u. a. „Mitarbeiter coachen – Gemeinsam Ziele erreichen“.

Mehr unter www.christophschalk.com

 

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Ein Kommentar zu Coaching zwischen Tür und Angel

  1. Hallo Christoph. Sie sprechen mir aus dem Herzen. Besonders der Aspekt, dass sich der Mitarbeiter wertgeschätzt fühlt, wenn er gecoacht wird, gerät leider immer wieder aus dem Fokus. Deshalb bin ich dankbar, dass sie diesen in Ihre Argumentation aufgenommen haben. Dies ist ein ganz wichtiger Aspekt beim Coaching!

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