Coaching – die Königsdisziplin am Beispiel eines Flugangst Coachings

Von Ingrid Huttary, NLP-Lehrtrainerin am Landsiedelstandort Berlin und NLP-Master-Coach .

Ingrid Huttary -150x150-300dpi
Als ich vor über 15 Jahren auf meinem ersten Infoabend über Trainer- und Coachausbildungen war, kannte ich noch nicht einmal den Unterschied zwischen Training und Coaching. Seither ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen (ich komme ursprünglich aus der Gegend von Köln).

Seit gut 10 Jahren lebe ich davon, zu trainieren und zu coachen. Wenn ich Trainings gebe, dann heißt das, dass ich meinen Teilnehmern Wissen vermittle. Bei genügend Zeit, sprich bei ausreichend langen Trainings, begleite ich sie dann noch dabei, aus diesem Wissen ein erstes Können zu machen, indem sie unter meiner Anleitung üben und wir uns über ihre Erfahrungen austauschen.

Coaching eröffnet den Zugang zur eigenen Lösung

Coaching ist für mich im Vergleich zum Training die Königsdisziplin. Beim Coaching vermittle ich kein Wissen, sondern ich wende mein Können an, um die Menschen, die sich mir anvertrauen, dabei zu begleiten, den Zugang zu ihrer Lösung zu finden.

Die Grundlage dieser Arbeit bilden mein Erfahrungsschatz und meine Fähigkeit, die Inhalte und die Strukturen der Herausforderungen, mit denen Menschen zu mir kommen, zu trennen. Und der feste Glaube an die NLP-Vorannahme: Jeder Mensch hat bereits alle Ressourcen, die er zur Lösung seines Problems braucht, in sich. Meine Aufgabe ist es, diese Ressourcen zu aktivieren und in der dem Problem angemessenen Art und Weise und Reihenfolge nutzbar zu machen.

Die Struktur der Flugangst

Gerade vor ein paar Wochen hatte ich erst ein Flugangstcoaching. Wer unter Flugangst leidet, hat zunächst mitnichten das Gefühl, die notwendigen Ressourcen zur Bewältigung des Problems in sich zu tragen. Die meisten Menschen, die unter Flugangst leiden, wissen, dass ihre Angst irrational ist. Aber da liegt eben die Krux – Wissen hat noch nie Einfluss auf irrationale Reaktionen gehabt. Es nützt dem Betroffenen herzlich wenig, wenn ich ihm erzähle, dass rein statistisch gesehen, Flugzeuge die sichersten Verkehrsmittel der Welt sind. Und doch liegt die Lösung im Klienten – nur eben nicht im kognitiven Bereich.

Die Frau mit der ich gearbeitet habe, litt seit Jahren unter zunehmender Flugangst. Sie fühlte sich dieser Angst hilflos ausgeliefert – kein besonders ressourcevoller Zustand. Und doch ist es uns gelungen, das Problem in weniger als 30 Minuten in den Griff zu bekommen – mit der so genannten V-K-Dissoziation. Dabei habe ich die Klientin angeleitet, den inneren Film, der zur Angst führte und das Gefühl – die Angst – zu trennen. Ich habe sie mithilfe einer Kinometapher eingeladen, aus sicherer Distanz den Film zu betrachten, der ihrer Angst zugrunde lag und diesen dann immer schneller rückwärts laufen zu lassen. Eine kleine Intervention mit erfahrungsgemäß großer Wirkung.

aircraft-479772_640

Am nächsten Tag sind wir gemeinsam geflogen und meine Klientin konnte kaum glauben, dass die kleine, kurze Intervention vom Vortag einen derartigen Effekt hatte. Ihre Angst war tatsächlich wie weggeblasen und sie konnte es zum ersten Mal so richtig genießen, während des Fluges aus dem Fenster zu schauen.

Vorhandene Ressourcen aktivieren

Die Ressourcen für die Veränderung waren alle bereits bei der Klientin vorhanden: der innere Film, das Gefühl, die Fähigkeit zur Dissoziation und damit die Fähigkeit, die inneren Abläufe Film und Gefühl voneinander zu trennen. Ich als Coach habe meine Erfahrung und mein Wissen um die Struktur des Problems eingebracht und die Frau angeleitet, ihre Ressourcen in der für das Problem angemessenen Reihenfolge zu nutzen.

Hier offenbart sich auch gleich eines der Missverständnisse, die mir in Bezug auf die Grundannahme, dass jeder Mensch alle Ressourcen bereits in sich trägt, immer mal wieder begegnet. Gerade Menschen, die selbst schon einige Ausbildungen absolviert haben, wie den Practitioner und den Master, denken oft, dass sie doch nun wirklich alle Ressourcen in sich haben und all ihre Herausforderungen ohne Hilfe selbst in den Griff bekommen müssten.

Warum ein Coaching auch für Coaches sinnvoll ist

Und ich denke auch, dass ich mir mit NLP in sehr vielen Lebenssituationen selbst helfen kann. Aber eben nicht in allen. Wenn ich einen richtigen Knoten im Hirn habe und auch noch emotional verstrickt bin mit meinem Problem, dann fehlt mir die nötige Distanz, um Inhalt und Struktur zu trennen. Dann habe ich zwar alle Ressourcen, die ich für die gewünschte Veränderung brauche in mir, brauche aber trotzdem noch jemanden, der mir hilft, diese Ressourcen auch zu aktivieren.

Und deswegen gehe auch ich, die ich seit vielen Jahren als Coach arbeite, immer mal wieder zu Kollegen – weil ich aus Erfahrung weiß, wie wertvoll es ist, sich von jemand anderem führen zu lassen auf dem Weg zur eigenen Lösung.

Ingrid Huttary, Entscheidungs- und Dranbleibcoach, schreibt jede Woche auf ihrem Blog http://geschafft.net über Themen rund um Selbstmotivation und Lebensfreude.

Post to Twitter

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Coaching-Blogs veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.