Chronische Blasenentzündungen bei Frauen: Ursachen verstehen und Rückfällen vorbeugen

Eine Frau mit Blasenentzündung sitzt auf einem Bett und hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Unterbauch.

Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und ein unangenehmer Druck im Unterbauch: Viele Frauen haben mindestens einmal im Leben eine Blasenentzündung. Bei einigen kommen die Beschwerden in kurzen Abständen wieder oder klingen über Wochen kaum ab. Im Alltag ist dann oft von chronischen Blasenentzündungen die Rede. Sie gehören zu den häufigen Themen der Frauengesundheit, denn insbesondere bei Frauen gelangen Bakterien leichter in die Blase als bei Männern.

Wiederkehrende Blasenentzündungen verlaufen meist ohne schwere Folgen, solange die Infektion auf die Blase beschränkt bleibt. Belastend sind sie trotzdem: Sie können das Sexualleben, die Freizeit und den Beruf deutlich einschränken und am Selbstwertgefühl kratzen.

Hinter anhaltenden oder immer neuen Beschwerden an der Blase können unterschiedliche Ursachen stecken. Manchmal handelt es sich tatsächlich um wiederholte Infektionen, die durch Bakterien verursacht werden. In anderen Fällen bleiben die Beschwerden bestehen, obwohl keine Erreger mehr nachweisbar sind. Für eine passende Behandlung kommt es deshalb darauf an, die Ursache genauer einzugrenzen.

Wann spricht man von chronischen Blasenentzündungen?

In der Fachsprache heißt die Blasenentzündung Zystitis. Gemeint ist eine Entzündung der Blasenschleimhaut, die meist durch Bakterien ausgelöst wird. Von einer chronischen Zystitis oder chronischen Blasenentzündung sprechen viele Frauen, wenn die typischen Anzeichen immer wiederkommen oder über längere Zeit nicht abklingen. Medizinisch wird dabei genauer unterschieden: Kommt es wiederholt zu neuen Infektionen, oder bestehen die Beschwerden ohne erneute Infektion fort?

Wiederkehrende Harnwegsinfekte

Treten innerhalb von sechs Monaten mindestens zwei Blasenentzündungen auf oder innerhalb eines Jahres mindestens drei, spricht man von wiederkehrenden Harnwegsinfekten. Der medizinische Begriff dafür lautet rezidivierende Harnwegsinfektionen. Gezählt werden dabei nur Infektionen, die mit den typischen Anzeichen einhergehen. Finden sich bei einer Routineuntersuchung Bakterien im Urin, ohne dass Sie etwas davon spüren, gilt das nicht als Harnwegsinfekt. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einer asymptomatischen Bakteriurie, die außerhalb der Schwangerschaft in der Regel nicht behandelt wird.

Jede dieser Episoden verläuft als akuter Infekt. Bei einer häufig wiederkehrenden Blasenentzündung handelt es sich meist jedes Mal um eine neue Infektion: Die Erreger stammen erneut aus der Darm- oder Scheidenflora und gelangen über die Harnröhre in die Blase. Seltener überstehen einige Bakterien die Behandlung, sodass die Entzündung innerhalb von etwa zwei Wochen wieder ausbricht. Fachleute sprechen dann von einem Rückfall.

Anhaltende Beschwerden ohne neue Infektion

Manche Frauen haben über Wochen oder Monate Beschwerden, die sich wie eine Blasenentzündung anfühlen: häufiger Harndrang, ständiges Wasserlassen in kleinen Mengen oder Schmerzen und Druck im Unterbauch. In der Urinkultur finden sich jedoch keine krankmachenden Keime. Antibiotika wirken in diesem Fall nicht, denn sie richten sich ausschließlich gegen Bakterien.

Ähnliche Beschwerden können zum Beispiel von einer Reizblase ausgehen. Bei ihr reagiert die Blase überempfindlich, sodass schon bei geringer Füllung starker Harndrang entsteht. Eine andere mögliche Ursache ist die interstitielle Zystitis, auch Blasenschmerzsyndrom genannt. Bei dieser chronischen Erkrankung bestehen Schmerzen in Blase oder Unterbauch und häufiges Wasserlassen, ohne dass sich Krankheitserreger nachweisen lassen. Auch eine Entzündung der Scheide oder der Harnröhre kann Beschwerden beim Wasserlassen verursachen, vor allem wenn gleichzeitig Juckreiz oder veränderter Ausfluss auftreten.

Weil sich die Anzeichen so ähneln, lässt sich allein anhand der Symptome nicht immer sicher sagen, ob eine Blasenentzündung vorliegt. Eine Urinuntersuchung, bei Bedarf mit Urinkultur, sorgt hier für mehr Klarheit.

Welche Symptome sind typisch?

Anzeichen einer Blasenentzündung

Eine akute Blasenentzündung macht sich meist plötzlich bemerkbar. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • häufiger, dringender Harndrang, auch wenn nur wenig Urin in der Blase ist
  • häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen, auch nachts
  • Schmerzen oder Druck im Unterbauch
  • trüber oder auffällig riechender Urin
  • Blut im Urin

Diese Anzeichen müssen nicht alle gleichzeitig auftreten. Kommen Schmerzen beim Wasserlassen zusammen mit häufigem Harndrang vor, ist eine Harnwegsinfektion sehr wahrscheinlich. Bei wiederkehrenden Infekten zeigen sich die Symptome einer chronischen Blasenentzündung meist genauso wie bei einer einmaligen Erkrankung.

Nach den Wechseljahren kann eine Blasenentzündung auch andere Anzeichen haben. In dieser Lebensphase deuten vor allem ungewollter Urinverlust, der nicht beim Husten oder Niesen auftritt, und ein veränderter Geruch des Urins auf eine Infektion hin. Brennen und häufiger Harndrang sind bei älteren Frauen dagegen weniger aussagekräftig.

Warnzeichen für eine aufsteigende Infektion

Steigen die Bakterien von der Blase weiter bis zu den Nieren auf, kann sich das Nierenbecken entzünden. Hinweise darauf sind Fieber über 38 Grad und Schmerzen in der Flanke, also seitlich im Rücken unterhalb der Rippen. Auch Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen können hinzukommen. Bei diesen Anzeichen sollten Sie sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt wenden. Menschen ab etwa 70 Jahren haben häufig eine veränderte Temperaturregulation, deshalb gilt bei ihnen schon eine Temperatur ab 37,4 Grad als Fieber.

Ärztlicher Rat ist außerdem sinnvoll, wenn die Beschwerden länger als ein paar Tage anhalten oder sich verschlimmern und wenn Symptome in der Schwangerschaft auftreten. Sichtbares Blut im Urin kann zwar zu einer Blasenentzündung gehören. Trotzdem sollte es ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn es wiederholt vorkommt.

Wie entsteht eine Blasenentzündung, und warum trifft es Frauen häufiger?

Nieren, Harnleiter, Blase und Harnröhre bilden zusammen die Harnwege. Eine Blasenentzündung gehört zu den Infektionen im unteren Abschnitt, eine Nierenbeckenentzündung betrifft den oberen Abschnitt.

Bakterien aus dem Darm als häufigste Auslöser

Eine Blasenentzündung wird meist durch Bakterien ausgelöst, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen und sich dort vermehren. In den meisten Fällen ist der Erreger Escherichia coli, kurz E. coli. Dieses Bakterium lebt natürlicherweise im Darm und gehört dort zur gesunden Darmflora. Die meisten E.-coli-Stämme sind harmlos. Einige können jedoch Harnwegsinfektionen verursachen, wenn sie aus der Umgebung des Afters in die Harnröhre gelangen.

Haben sich Bakterien in der Blase vermehrt, entzündet sich die Blasenschleimhaut und verursacht die typischen Beschwerden. Seltener lösen andere Bakterienarten eine Blasenentzündung aus. Pilze oder Viren sind nur selten die Ursache.

Die kurze Harnröhre der Frau

Frauen bekommen deutlich häufiger eine Blasenentzündung als Männer. Ein wichtiger Grund ist die Anatomie: Die weibliche Harnröhre ist nur wenige Zentimeter lang und damit viel kürzer als die männliche. Außerdem liegt die Harnröhrenöffnung bei Frauen näher am After, in dessen Umgebung sich viele Darmbakterien befinden. Die Erreger haben dadurch nur einen kurzen Weg bis zur Harnröhre und von dort in die Blase.

Hinzu kommt die Nähe zur Scheide. Dadurch ist die Umgebung der Harnröhrenöffnung bei Frauen feuchter als bei Männern, was das Ansiedeln von Bakterien begünstigt.

Diese anatomischen Voraussetzungen erklären, warum Blasenentzündungen vor allem Frauen betreffen. Warum die Infektionen bei manchen Frauen immer wiederkommen, ist nicht immer bekannt. Bestimmte Risikofaktoren wie Geschlechtsverkehr, hormonelle Veränderungen oder Diabetes erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit dafür.

Warum kommen Blasenentzündungen immer wieder?

Die Ursachen für wiederkehrende Blasenentzündungen sind vielfältig. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen. Frauen, die schon einmal eine Blasenentzündung hatten, erkranken eher erneut. Auch eine erste Blasenentzündung vor dem 15. Lebensjahr und häufige Blasenentzündungen in der Familie gelten als Risikofaktoren.

Geschlechtsverkehr und Honeymoon-Zystitis

Beim Geschlechtsverkehr können Bakterien aus der Umgebung von Scheide und After leichter in die Harnröhre gelangen. Kurz nach dem Sex ist das Risiko für eine Blasenentzündung deshalb erhöht. Umgangssprachlich wird eine solche Infektion als Honeymoon-Zystitis bezeichnet. Besonders bei jüngeren, sexuell aktiven Frauen spielt Geschlechtsverkehr eine große Rolle. Mit einer sexuell übertragbaren Erkrankung hat das nichts zu tun: Die Erreger stammen in der Regel aus der eigenen Darmflora.

Verhütung als möglicher Risikofaktor

Auch die Wahl der Verhütung kann sich darauf auswirken, wie häufig Harnwegsinfekte auftreten. Spermizide, also Mittel, die Samenzellen abtöten, können das Risiko für Blasenentzündungen erhöhen. Das gilt für Diaphragmen, die meist zusammen mit einem spermiziden Gel verwendet werden, und für Kondome mit spermienabtötender Beschichtung. Auch die Dreimonatsspritze wird mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht. Wer häufig Blasenentzündungen hat und so verhütet, kann mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt über andere Methoden sprechen.

Hormonelle Veränderungen in Schwangerschaft und Wechseljahren

In der Schwangerschaft verändern sich Nieren und Harnwege. Der Urin ist stärker verdünnt und enthält weniger Stoffe, die Infektionen hemmen. Zudem ist die Harnröhre weniger angespannt. Die wachsende Gebärmutter drückt auf die Harnwege, sodass der Urin langsamer abfließt. Weil Bakterien in dieser Zeit leichter bis zu den Nieren aufsteigen, wird eine Blasenentzündung in der Schwangerschaft immer ärztlich behandelt.

Nach den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel deutlich. Die Schleimhäute von Scheide und Harnröhre werden dadurch dünner und trockener. Gleichzeitig gehen die Milchsäurebakterien zurück, die im Intimbereich normalerweise für ein saures, schützendes Milieu sorgen. Darmbakterien können sich dann leichter ansiedeln und von dort in die Harnröhre aufsteigen.

Restharn, Diabetes und andere Erkrankungen

Bleibt nach dem Wasserlassen Urin in der Blase zurück, spricht man von Restharn. Bakterien werden dann nicht vollständig ausgespült und können sich leichter vermehren. Restharn kann zum Beispiel durch eine Blasensenkung entstehen, durch Nervenschäden oder durch Harnsteine und Engstellen, die den Urinabfluss behindern. Auch manche Medikamente beeinflussen die Blasenentleerung. Eine Blasenschwäche, bei der ungewollt Urin abgeht, erhöht ebenfalls das Risiko für wiederkehrende Infektionen.

Bei Diabetes ist die Abwehr gegen Bakterien oft eingeschränkt, besonders wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist. Gelangt Zucker in den Urin, kann das die Ansiedlung von Erregern in den Harnwegen begünstigen. Langfristig können diabetesbedingte Nervenschäden zudem die Blasenentleerung stören.

Darmflora und Scheidenflora aus dem Gleichgewicht

Darm und Scheide sind natürlicherweise von zahlreichen Bakterien besiedelt. Gerät dieses Gleichgewicht durcheinander, können sich Krankheitserreger leichter vermehren. Antibiotika können die Flora stören, weil sie auch nützliche Bakterien treffen. Mögliche Folgen sind Durchfall oder eine Pilzinfektion der Scheide. Eine Antibiotikaeinnahme in den Wochen vor einer Harnwegsinfektion gilt selbst als Risikofaktor dafür.

Bei Frauen mit häufigen Harnwegsinfekten ist die Darmflora außerdem oft weniger vielfältig. Ob das die Rückfälle begünstigt, wird derzeit noch erforscht.

Immunsystem, Stress und Psyche

Das Immunsystem wehrt Bakterien ab, die in die Harnwege gelangen. Bei geschwächtem Immunsystem steigt das Risiko für Infektionen. Das betrifft zum Beispiel Frauen, die eine Chemotherapie erhalten oder Medikamente einnehmen, welche die Abwehr unterdrücken. Auch im höheren Lebensalter lässt die Immunabwehr häufig nach.

Ob seelische Belastungen Blasenentzündungen begünstigen, ist noch nicht sicher geklärt. Bekannt ist ein Zusammenhang in beide Richtungen: Häufige Rückfälle gehen oft mit Ängsten einher, die mit der Zahl der Infektionen zunehmen. Umgekehrt wird vermutet, dass anhaltender Stress die Immunabwehr schwächt und Entzündungsvorgänge im Körper fördert. Auch Darmflora und Hormonhaushalt reagieren auf Stress und könnten so die Anfälligkeit für Infektionen beeinflussen. Mit dem Zusammenspiel von Psyche, Nervensystem und Immunsystem beschäftigt sich die klinische Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI).

Blasenbeschwerden ohne nachweisbare Bakterien

Bleiben Beschwerden an der Blase bestehen, obwohl sich in der Urinkultur keine Bakterien finden, kommen verschiedene Erkrankungen infrage. Für eine passende Behandlung sollten die spezifischen Ursachen ärztlich abgeklärt werden.

Beschwerden, die nach einer Infektion anhalten

Nach einer Blasenentzündung kann es eine Weile dauern, bis die Beschwerden ganz abklingen. Auch wenn die Bakterien beseitigt sind, kann die Entzündung der Blasenschleimhaut noch eine Zeit lang fortbestehen. Halten die Beschwerden zwei Wochen nach der Behandlung weiter an, sollte die Ursache erneut ärztlich geprüft werden.

Eine Urinkultur ohne auffälligen Befund schließt eine Infektion dabei nicht in jedem Fall aus. Bei typischen Anzeichen können auch geringe Mengen von E. coli im Urin auf eine bakterielle Infektion hinweisen. Wiederholte Kontrollen helfen, eine verbliebene Infektion von einer anderen Erkrankung der Blase zu unterscheiden.

Reizblase

Bei einer Reizblase, medizinisch überaktive Blase genannt, ist die Funktion der Blase gestört. Typisch ist ein plötzlicher, sehr starker Harndrang, der sich kaum aufschieben lässt, obwohl sich erst wenig Urin angesammelt hat. Betroffene müssen deshalb häufig zur Toilette, oft auch nachts. Manchmal geht dabei ungewollt Urin verloren. Urinuntersuchungen und weitere Befunde sind meist unauffällig, denn eine Reizblase wird erst festgestellt, wenn Infektionen und andere Erkrankungen ausgeschlossen sind.

Eine Reizblase tritt häufig zusammen mit einem Reizdarm auf. Blase und Darm liegen im Becken dicht beieinander und teilen sich einen Teil ihrer Nervenbahnen. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass sich eine Überempfindlichkeit von einem Organ auf das andere übertragen kann.

Die Auslöser einer Reizblase lassen sich häufig nicht eindeutig klären. Als mögliche Ursachen gelten unter anderem Stress und seelische Belastungen, Kälte, eine gestörte Zusammenarbeit der Beckenbodenmuskulatur und ein sinkender Östrogenspiegel nach den Wechseljahren. Harntreibende Medikamente sowie reichlich Kaffee oder Tee können den Harndrang zusätzlich verstärken.

Interstitielle Zystitis beziehungsweise Blasenschmerzsyndrom

Die interstitielle Zystitis ist eine eigenständige chronische Erkrankung der Harnblase. Krankheitserreger lassen sich dabei nicht nachweisen. Typisch sind Schmerzen oder ein Druckgefühl im Bereich von Blase und Unterbauch, starker Harndrang und häufiges Wasserlassen, auch nachts. Die Beschwerden können dauerhaft bestehen oder in Schüben auftreten. Weil sie einer Blasenentzündung ähneln, wird die Erkrankung oft erst spät erkannt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Im Alltag wird die interstitielle Zystitis manchmal als Form der chronischen Blasenentzündung bezeichnet. Medizinisch ist sie klar von wiederkehrenden Infektionen abzugrenzen, weil sie anders behandelt wird. Fachleute verwenden heute meist die Doppelbezeichnung interstitielle Zystitis/Blasenschmerzsyndrom. Bei der interstitiellen Zystitis im engeren Sinn zeigen eine Blasenspiegelung oder eine Gewebeprobe entzündliche Veränderungen der Blasenwand. Beim Blasenschmerzsyndrom fehlen solche Veränderungen.

Die genaue Ursache ist bis heute nicht geklärt. Eine verbreitete Annahme ist, dass die schützende Schicht auf der Blasenschleimhaut durchlässiger geworden ist. Bestandteile des Urins könnten dann in tiefere Schichten der Blasenwand eindringen und dort Reizungen und Entzündungen auslösen. Diskutiert werden außerdem Veränderungen an den Nerven der Blase und eine Beteiligung des Immunsystems. Festgestellt wird die Erkrankung erst, wenn andere Ursachen wie Infektionen, Harnsteine, Tumoren oder gynäkologische Erkrankungen ausgeschlossen sind.

Wie wiederkehrende Blasenentzündungen den Alltag und die Psyche belasten

Wer immer wieder unter einer Blasenentzündung leidet, richtet den Alltag oft nach der Blase aus. Bei Ausflügen, auf Reisen oder bei der Arbeit ist häufig die erste Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, rechtzeitig auf die Toilette zu gehen. Häufiger Harndrang in der Nacht stört zudem den Schlaf. Manche Frauen verzichten sogar auf Freizeitaktivitäten wie Schwimmen.

Auch die Sexualität ist häufig betroffen. Treten die Infektionen vor allem nach dem Geschlechtsverkehr auf, ist Intimität oft mit der Sorge verbunden, dass sie erneut zu einer Blasenentzündung führen könnte. Manche Frauen haben dadurch weniger Lust auf Sex. Auch die Partnerschaft kann unter der Situation leiden.

Hinzu kommt die Unsicherheit. Bei jedem Ziehen im Unterbauch oder leichten Brennen stellt sich die Frage, ob sich gerade die nächste Infektion ankündigt. Diese ständige Sorge kann auf Dauer sehr anstrengend sein. Viele Frauen, die unter einer chronischen Blasenentzündung leiden, fühlen sich zudem mit ihren Beschwerden allein gelassen, besonders wenn Untersuchungen ohne Befund bleiben oder Behandlungen nur kurz helfen. Hält die Belastung lange an, können Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen hinzukommen.

Bei der Behandlung sollte die seelische Belastung deshalb mitberücksichtigt werden. Werden persönliche Risikofaktoren erkannt und gezielt angegangen, kann das die Zahl der Infektionen verringern und die Lebensqualität verbessern. Gespräche über Ängste und psychologische Unterstützung können zudem helfen, mit der Situation besser umzugehen.

Wie werden wiederkehrende Blasenentzündungen abgeklärt?

Bei einer einzelnen, unkomplizierten Blasenentzündung mit eindeutigen Beschwerden reicht für die Diagnose oft schon das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. Kommen die Infektionen immer wieder, sind weitere Untersuchungen sinnvoll. Sie sollen klären, ob tatsächlich jedes Mal eine bakterielle Infektion vorliegt, welche Erreger beteiligt sind und welche zugrunde liegenden Ursachen eine Rolle spielen.

Im Gespräch geht es zunächst um die Beschwerden und ihren Verlauf. Gefragt wird zum Beispiel, wie oft die Infektionen auftreten, ob sie mit dem Geschlechtsverkehr zusammenhängen, wie Sie verhüten und ob Erkrankungen wie Diabetes bestehen. Eine gründliche Abklärung ist die Grundlage für eine gezielte Diagnose und Behandlung.

Urinuntersuchung und Urinkultur

Ein Urinteststreifen gibt erste Hinweise. Er zeigt an, ob sich weiße und rote Blutkörperchen oder Nitrit im Urin befinden. Nitrit entsteht, wenn bestimmte Bakterien Bestandteile des Urins umwandeln. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen wird zusätzlich eine Urinkultur empfohlen. Dabei wird die Probe im Labor bebrütet, um festzustellen, welche Erreger darin wachsen und gegen welche Antibiotika sie empfindlich sind. Hilfreich ist das vor allem, wenn eine Behandlung nicht angeschlagen hat oder kurz zuvor bereits Antibiotika eingenommen wurden.

Damit das Ergebnis verlässlich ist, kommt es auf eine saubere Probe an. Üblich ist sogenannter Mittelstrahlurin: Nach dem Waschen der Hände und des Intimbereichs mit Wasser und milder Seife lässt man die erste Portion in die Toilette laufen und fängt erst den mittleren Teil im Becher auf. Das Spreizen der Schamlippen verhindert dabei, dass Keime von der Haut in die Probe gelangen. Der Becher sollte möglichst rasch in die Praxis oder ins Labor gebracht werden.

Wann eine urologische oder gynäkologische Untersuchung sinnvoll ist

Bei wiederkehrenden Infektionen wird außerdem eine Ultraschalluntersuchung empfohlen. Damit lassen sich Nieren und Blase beurteilen und prüfen, ob nach dem Wasserlassen Restharn zurückbleibt. Ansprechpartner für die Abklärung können die Hausarztpraxis, eine Frauenärztin oder ein Urologe sein.

Eine Blasenspiegelung ist bei wiederkehrenden Blasenentzündungen in der Regel nicht nötig. Sie kommt infrage, wenn Blut im Urin bestehen bleibt, wiederholt andere Erreger als E. coli gefunden werden oder die Beschwerden auf eine interstitielle Zystitis hindeuten. Eine gynäkologische Untersuchung ist sinnvoll, wenn zusätzlich Beschwerden im Scheidenbereich bestehen. Nach den Wechseljahren kann die Frauenärztin oder der Frauenarzt außerdem beurteilen, ob die Schleimhäute durch den Östrogenmangel verändert sind.

Bleiben die Beschwerden trotz unauffälliger Urinkulturen bestehen, ist ein Blasentagebuch nützlich. Darin werden über mehrere Tage Trinkmenge, Toilettengänge, Urinmengen und Beschwerden notiert. Gemeinsam mit weiteren Untersuchungen in der Urologie lässt sich so klären, ob eine Reizblase oder eine interstitielle Zystitis hinter den Beschwerden steckt.

Behandlungsmöglichkeiten bei einer akuten Blasenentzündung

Für die Behandlung von Blasenentzündungen gibt es mehrere Wege. Bei unkomplizierten Infektionen kommen neben Antibiotika auch Schmerzmittel, pflanzliche Mittel oder ein kurzes Abwarten infrage. Bei einem Teil der Frauen heilt die Entzündung innerhalb einer Woche auch ohne Antibiotikum ab. Welcher Weg passt, hängt von der Stärke der Beschwerden, möglichen Begleiterkrankungen und Ihren eigenen Wünschen ab. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In der Schwangerschaft und bei Warnzeichen wie Fieber oder Flankenschmerzen ist immer eine ärztliche Behandlung nötig.

Antibiotika: wann sie nötig sind und welche Folgen sie haben können

Ein Antibiotikum wirkt bei einer bakteriellen Blasenentzündung gut und lässt die Beschwerden meist innerhalb weniger Tage abklingen. Antibiotika sind verschreibungspflichtig und werden ärztlich verordnet. Welches Mittel infrage kommt, richtet sich nach den Beschwerden, der Vorgeschichte und gegebenenfalls dem Ergebnis der Urinkultur. Das Antibiotikum sollte genau nach Anweisung eingenommen und nicht vorzeitig abgesetzt werden, auch wenn die Beschwerden bereits nachlassen.

Antibiotika können Nebenwirkungen haben. Häufig sind Übelkeit, Durchfall, Hautausschlag und Scheidenpilz. Seltener treten allergische Reaktionen oder andere schwerwiegende Nebenwirkungen auf. Vor der Einnahme sollten deshalb Vorerkrankungen, Allergien und andere Medikamente mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

Jede Einnahme erhöht außerdem das Risiko, dass Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika werden. Solche resistenten Erreger lassen sich schwerer behandeln. Ob ein Antibiotikum tatsächlich nötig ist, wird deshalb sorgfältig abgewogen.

Beschwerden lindern

Zur Linderung der Symptome kommen entzündungshemmende Schmerzmittel infrage. Sie verringern Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen. Bei leichten Beschwerden kann das ausreichen, während die Blasenentzündung von selbst abheilt. Wird auf ein Antibiotikum verzichtet, können die Beschwerden allerdings länger anhalten. Auch das Risiko einer Nierenbeckenentzündung steigt dann leicht. Schmerzmittel haben ebenfalls Nebenwirkungen, etwa auf Magen und Nieren, und sind nicht für alle Frauen geeignet.

Viele Frauen empfinden Wärme, etwa eine Wärmflasche auf dem Unterbauch, als angenehm. Ausreichendes Trinken unterstützt zudem das Ausspülen von Bakterien aus der Blase.

Pflanzliche Mittel bei Blasenbeschwerden

Auch pflanzliche Arzneimittel können bei einer unkomplizierten Blasenentzündung die Beschwerden lindern. Eingesetzt werden zum Beispiel Bärentraubenblätter. Ihren Inhaltsstoffen wird eine Wirkung gegen Bakterien und Entzündungen zugeschrieben, außerdem fördern sie die Harnausscheidung. Bärentraubenblätter sind nur für eine kurze Anwendung gedacht und in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Nierenerkrankungen nicht geeignet. Einer Kombination aus Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut werden entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften zugeschrieben. Als Nebenwirkung können dabei Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Bei einem Teil der Frauen lässt sich mit pflanzlichen Mitteln ein Antibiotikum vermeiden. Bessern sich die Beschwerden nicht deutlich, kann trotzdem eine antibiotische Behandlung nötig werden. Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben und sollten deshalb mit der Ärztin, dem Arzt oder in der Apotheke abgesprochen werden. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung in der Regel nicht.

Wie sich Blasenentzündungen im Alltag vorbeugen lassen

Um einer Blasenentzündung vorzubeugen, können Sie im Alltag auf einige Dinge achten. Ein sicheres Mittel gegen Rückfälle gibt es dabei nicht.

Trinken und regelmäßiges Wasserlassen

Ausreichend zu trinken ist eine der einfachsten Maßnahmen. Empfohlen werden mehr als anderthalb Liter am Tag, vor allem Wasser. Die Blase wird dadurch häufiger gespült. Bakterien werden so ausgeschwemmt, bevor sie sich vermehren können. Bei einer Herzschwäche oder bei Dialyse sollte die Trinkmenge vorher ärztlich abgestimmt werden.

Den Harndrang sollten Sie nicht zu lange unterdrücken. Nach dem Geschlechtsverkehr wird oft geraten, Wasser zu lassen, damit Keime aus der Harnröhre gespült werden.

Schonende Intimhygiene und Wischen von vorne nach hinten

Für die Intimhygiene reicht warmes Wasser aus. Intimsprays oder Intimlotionen sind überflüssig. Nach dem Stuhlgang sollten Sie mit dem Toilettenpapier immer von vorne nach hinten wischen. So gelangen möglichst wenige Darmbakterien in die Nähe von Scheide und Harnröhre.

Was bei häufigen Rückfällen langfristig unterstützen kann

Bei häufigen Rückfällen geht es neben der Behandlung der Blasenentzündung auch darum, neue Infektionen zu reduzieren. Welche Maßnahmen dafür passen, hängt vom persönlichen Muster ab. Treten die Infektionen vor allem nach dem Geschlechtsverkehr auf, stehen andere Schritte im Vordergrund als bei trockenen Schleimhäuten nach den Wechseljahren oder bei Diabetes. Notizen dazu, wann die Beschwerden beginnen und ob eine Urinkultur die Infektion bestätigt hat, erleichtern die Planung. Ziel ist es, die Zahl der Rückfälle zu senken und die Lebensqualität zu verbessern.

Die Schleimhäute stärken

Nach den Wechseljahren kommen Östrogenpräparate infrage, die direkt in der Scheide angewendet werden, etwa als Creme oder Zäpfchen. Sie sollen die Schleimhaut kräftigen und das Wachstum der schützenden Milchsäurebakterien fördern. Bei manchen Frauen sinkt dadurch die Zahl der Blasenentzündungen. Die Präparate werden ärztlich verordnet. Mögliche Nebenwirkungen sind Juckreiz, Brennen oder leichte Blutungen. Über die Folgen einer Anwendung über viele Monate ist noch wenig bekannt. Östrogentabletten zum Einnehmen beugen Blasenentzündungen dagegen nicht vor.

Eine weitere Möglichkeit ist eine sogenannte Blaseninstillation. Dabei wird in der Arztpraxis eine Lösung mit Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat über einen dünnen Katheter in die Blase gegeben. Beide Stoffe sind natürliche Bestandteile der Schutzschicht auf der Blasenschleimhaut. Ziel der Behandlung ist es, diese Schicht wieder aufzubauen und Entzündungen zu verringern. Danach kann es vorübergehend brennen oder zu leichten Krämpfen im Bereich der Blase kommen.

Darmflora und Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker, Fruchtsäfte aus Beeren sowie Joghurt oder Kefir mit lebenden Milchsäurebakterien werden ebenfalls zur Vorbeugung empfohlen. Da die Erreger einer Blasenentzündung meist aus dem Darm stammen, wird vermutet, dass bestimmte Lebensmittel über die Darmflora, das sogenannte Darmmikrobiom, das Risiko beeinflussen können.

Bei Frauen, die regelmäßig frische Fruchtsäfte trinken, vor allem aus Beeren, treten Rückfälle seltener auf. Cranberrys etwa enthalten Pflanzenstoffe, sogenannte Proanthocyanidine, die das Anhaften von Bakterien an der Schleimhaut der Harnwege erschweren sollen.

Fruchtsäfte enthalten allerdings viel Zucker. Eine Ernährung mit wenig Süßem hilft dagegen, den Blutzucker stabil zu halten, was vor allem bei Diabetes wichtig ist.

Auch der regelmäßige Verzehr von Joghurt, Kefir und anderen gesäuerten Milchprodukten mit lebenden Milchsäurebakterien wird mit selteneren Rückfällen in Verbindung gebracht. Man vermutet, dass diese Mikroorganismen zum Aufbau eines gesunden Mikrobioms im Darm beitragen und dort Erreger wie E. coli zurückdrängen können. Milchsäurebakterien gibt es auch als Probiotika in Form von Kapseln, Säften oder Vaginalzäpfchen.

Vorbeugende Mittel ohne Antibiotikum

Daneben gibt es Mittel, die Rückfällen ohne Antibiotikum vorbeugen sollen. Ihr Nutzen ist insgesamt nur schwach belegt.

Cranberry-Präparate enthalten die Pflanzenstoffe der Moosbeere in konzentrierter Form. Frauen, die sie regelmäßig einnehmen, bekommen etwas seltener eine Blasenentzündung, allerdings nur während der Einnahme. Möglich sind Magen-Darm-Beschwerden. Hochdosierte Produkte können zudem das Risiko für Nierensteine erhöhen.

D-Mannose ist ein natürlicher Zucker, der mit Traubenzucker verwandt ist. Sie soll ebenfalls verhindern, dass sich Erreger an der Blasenschleimhaut festsetzen. Gelegentlich treten Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen auf. Da D-Mannose den Blutzucker beeinflussen kann, sollten Frauen mit Diabetes die Einnahme vorher ärztlich besprechen.

Bei der sogenannten Immunprophylaxe soll das Immunsystem lernen, typische Erreger besser abzuwehren. Dafür gibt es Kapseln mit einem Extrakt aus abgetöteten E.-coli-Bakterien und eine Impfung mit inaktivierten Bakterien. Beide werden ärztlich verordnet. Ob sie Rückfällen tatsächlich vorbeugen, ist noch nicht sicher nachgewiesen. Bei den Kapseln sind Magen-Darm-Beschwerden die häufigsten Nebenwirkungen, bei der Impfung können Reaktionen an der Einstichstelle auftreten. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung in der Regel nicht.

Wann eine vorbeugende Antibiotikagabe infrage kommt

Bei sehr häufigen Rückfällen kann ein Antibiotikum auch vorbeugend eingesetzt werden. Es wird dann ärztlich verordnet und in niedriger Dosierung über einen längeren Zeitraum eingenommen. Die Zahl der Blasenentzündungen sinkt dadurch. Allerdings treten recht häufig Nebenwirkungen auf, wie sie auch bei einer kurzen Behandlung vorkommen. Viele Frauen brechen die Einnahme deshalb ab. Außerdem können sich bei längerer Einnahme resistente Erreger entwickeln.

Häufige Fragen zu chronischen und wiederkehrenden Blasenentzündungen

Was ist eine chronische oder wiederkehrende Blasenentzündung?

Als wiederkehrend gilt eine Blasenentzündung, wenn innerhalb von sechs Monaten mindestens zwei oder innerhalb eines Jahres mindestens drei Infektionen auftreten. Als chronisch bezeichnen viele Frauen außerdem Beschwerden, die über längere Zeit nicht abklingen, auch wenn keine Bakterien nachweisbar sind. Die Unterscheidung ist für die Behandlung entscheidend, denn Antibiotika helfen nur bei einer bakteriellen Ursache.

Welche Symptome sind bei einer Blasenentzündung typisch?

Eine Blasenentzündung zeigt sich meist plötzlich durch Schmerzen beim Wasserlassen und den ständigen Drang, zur Toilette zu müssen, obwohl kaum Urin kommt. Dazu können ein Ziehen oder Druck im Unterbauch, ein veränderter Urin und gelegentlich Blut im Urin kommen. Bei älteren Frauen fällt eine Infektion oft eher durch neu auftretenden Urinverlust oder einen ungewohnten Geruch auf.

Warum bekommen Frauen häufiger Blasenentzündungen?

Das liegt vor allem an der Anatomie: Bei Frauen liegt die Harnröhrenöffnung nah am After. Die Harnröhre selbst ist nur wenige Zentimeter lang, sodass Keime aus dem Darm schnell in die Blase aufsteigen können. Die feuchte Umgebung durch die Nähe zur Scheide erleichtert es ihnen zusätzlich, sich anzusiedeln.

Welche Ursachen können wiederkehrende Blasenentzündungen haben?

Wiederkehrende Blasenentzündungen haben meist mehrere Ursachen gleichzeitig. Zu den Risikofaktoren gehören Geschlechtsverkehr, Verhütung mit Spermiziden, Diaphragma oder Dreimonatsspritze sowie hormonelle Veränderungen in Schwangerschaft und Wechseljahren. Auch Restharn, Diabetes, ein geschwächtes Immunsystem und eine gestörte Darm- oder Scheidenflora, etwa nach Antibiotika, können Rückfälle begünstigen.

Wie werden wiederkehrende Harnwegsinfektionen untersucht?

Bei wiederkehrenden Infekten wird der Urin zusätzlich zum Teststreifen im Labor untersucht, um den genauen Erreger und das passende Antibiotikum zu bestimmen. Ein Ultraschall zeigt, ob Nieren und Blase unauffällig sind und ob sich die Blase vollständig entleert. Damit das Laborergebnis stimmt, sollten Sie die Probe aus dem mittleren Teil des Urinstrahls auffangen.

Wann werden Antibiotika bei einer Blasenentzündung eingesetzt?

Antibiotika kommen nur bei einer Blasenentzündung infrage, die durch Bakterien ausgelöst wird. Ob tatsächlich eines nötig ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn leichte Beschwerden lassen sich manchmal auch mit Schmerzmitteln oder pflanzlichen Mitteln überbrücken, bis die Entzündung abheilt. Weil jede Einnahme Nebenwirkungen haben und Resistenzen fördern kann, lohnt sich eine bewusste Entscheidung.

Was kann zur Vorbeugung wiederkehrender Blasenentzündungen beitragen?

Im Alltag gehören dazu ausreichend trinken, Harndrang nicht lange aufschieben und nach dem Toilettengang von vorne nach hinten wischen. Je nach persönlicher Situation kommen weitere Maßnahmen infrage, etwa Östrogenpräparate für die Scheide nach den Wechseljahren, Cranberry-Präparate, D-Mannose oder in bestimmten Fällen ein vorbeugendes Antibiotikum. Welche davon für Sie passen, sollten Sie ärztlich besprechen.

Wann sollte eine Blasenentzündung ärztlich abgeklärt werden?

Gehen Sie zur Ärztin oder zum Arzt, wenn eine Blasenentzündung nach einigen Tagen nicht besser wird, schlimmer wird oder immer wiederkommt. Bei Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Schmerzen in der Flanke sollten Sie sich umgehend melden, weil diese Anzeichen auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen können. Auch Blut im Urin und Beschwerden in der Schwangerschaft gehören in ärztliche Hände.

Weitere Fragen zu Blasenentzündungen

Was ist eine Honeymoon-Zystitis?

Mit Honeymoon-Zystitis ist umgangssprachlich eine Blasenentzündung gemeint, die kurz nach dem Sex auftritt. Beim Geschlechtsverkehr gelangen Keime aus dem Intimbereich leichter zur Harnröhre. Mit sexuell übertragbaren Krankheiten hat sie nichts zu tun. Ein häufiger Rat lautet, direkt danach Wasser zu lassen.

Welche Rolle spielen Spermizide und Diaphragmen?

Spermienabtötende Mittel erhöhen das Risiko für Blasenentzündungen, ebenso Diaphragmen, die meist zusammen mit solchen Mitteln verwendet werden. Auch Kondome mit spermizider Beschichtung zählen dazu. Bei häufigen Infektionen lohnt es sich, mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt über eine andere Verhütungsmethode zu sprechen.

Kann Diabetes das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen?

Ja, Frauen mit Diabetes bekommen leichter Harnwegsinfektionen, vor allem bei hohen Blutzuckerwerten. Hohe Werte schwächen die Abwehr und können dazu führen, dass Zucker in den Urin gelangt, in dem sich Bakterien leichter ansiedeln. Ein gut eingestellter Blutzucker ist deshalb ein wichtiger Teil der Vorbeugung. Wer D-Mannose zur Vorbeugung nutzen möchte, sollte das wegen möglicher Auswirkungen auf den Blutzucker vorher ärztlich klären.

Was ist eine interstitielle Zystitis?

Die interstitielle Zystitis, auch Blasenschmerzsyndrom genannt, ist eine chronische Blasenerkrankung, an der keine Krankheitserreger beteiligt sind. Betroffene haben anhaltende oder immer wiederkehrende Blasenschmerzen und müssen sehr häufig zur Toilette, oft auch nachts. Bleiben Urinkulturen trotz typischer Beschwerden unauffällig, ist eine gezielte urologische Abklärung sinnvoll.

Welche Rolle spielt die Flüssigkeitszufuhr?

Wer ausreichend trinkt, muss öfter zur Toilette und spült dabei Bakterien aus der Blase. Als Richtwert gelten mehr als anderthalb Liter täglich, am besten Wasser. Wer herzkrank ist oder zur Dialyse geht, sollte die Trinkmenge vorher mit der Ärztin oder dem Arzt absprechen.

Sind pflanzliche Mittel bei Blasenbeschwerden sinnvoll?

Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung können pflanzliche Arzneimittel eine Alternative sein, mit der sich manche Frauen ein Antibiotikum ersparen. Dazu zählen etwa Bärentraubenblätter sowie eine Mischung aus Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut. Lassen Sie sich vor der Anwendung in der Apotheke oder ärztlich beraten, denn auch Pflanzenmittel haben Nebenwirkungen und eignen sich nicht in jeder Situation, etwa in der Schwangerschaft. Tritt keine deutliche Besserung ein, sollte erneut geprüft werden, ob ein Antibiotikum nötig ist.



Siehe auch