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Casula "Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine" (Buchrezension)
Es gibt Bücher, die ich rezensiere, weil sie ein guter Einstieg sind. Und es gibt Bücher, die ich (Marian Zefferer) rezensiere, weil sie eine Sammlung von Beispielen enthalten, die ich so gut woanders kaum gefunden habe. Consuelo Casulas "Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine" gehört in die zweite Gruppe. Es ist ein fortgeschrittenes Buch, und gerade deshalb ist es so wertvoll für alle, die tiefer in die Sprache der Metaphern wollen.
Worum es geht
Casula arbeitet mit Geschichten und Metaphern, und sie zeigt, wie hypnotische Sprache im therapeutischen Gespräch wirkt. Das Buch ist reich an Beispielen, darunter auch weniger bekannte hypnotische Sprachmuster, die in den gängigen Einsteigerbüchern selten vorkommen. Genau diese Beispiele sind der Grund, warum ich das Buch unbedingt vorstellen wollte. Wer mit Metaphern in der Hypnose arbeiten will, findet hier ein Vorratslager an Formulierungen.
Meine ehrliche Lese-Erfahrung
Was mir am besten gefallen hat, ist eine Passage über die Syntax von Metaphern. Casula zerlegt dort, aus welchen sprachlichen Bausteinen eine wirksame Metapher gebaut wird. Das ist im Kern eine sehr praktische Landkarte des Milton-Modells, also der bewusst offenen, hypnotischen Sprache. Ich greife ein paar dieser Bausteine heraus, damit Du siehst, wie konkret das Buch wird:
- Sinnlich konkrete Ausdrücke. Casula unterscheidet Sprache, die nach außen zeigt (sehen, hören), von Sprache, die nach innen führt (fühlen, spüren). Wer die Sinneskanäle gezielt anspricht, macht eine Metapher erlebbar. Mehr dazu in meinem Artikel zu VAKOG und den Sinneskanälen.
- Nicht näher bestimmte Wörter. Verben ohne genaue Angabe oder ein fehlender Bezugsrahmen ("eine Gruppe", "jemand") lassen bewusst Lücken. Der Zuhörer füllt sie mit dem, was zu ihm passt. Das ist ein Kernmechanismus hypnotischer Sprache.
- Substantivierungen. Aus einem Vorgang wird ein Ding: "die Hoffnung", "das Bewusstsein". Solche Hauptwörter wirken, weil jeder sie mit eigenem Inhalt füllt.
- Truismen. Das sind Allgemeinplätze, denen niemand widerspricht ("er weiß, dass er vergessen kann"). Sie bauen Zustimmung auf und machen die nächste Aussage glaubwürdiger.
- Oxymora. Scheinbare Widersprüche wie "ein unstabiles Gleichgewicht" lenken die Aufmerksamkeit und erzeugen genau den kurzen Moment der Offenheit, in dem eine neue Bedeutung Platz findet.
- Ich-stärkende Botschaften. Sätze wie "in Dir ist alles vorhanden" wirken als positive Suggestion mitten in der Geschichte.
Genau diese Mischung macht das Buch aus. Es ist kein loser Beispielkatalog, sondern zeigt, wie die Bausteine zusammenspielen. Viele dieser Muster habe ich in meinem Artikel zu eingebetteten Suggestionen ausführlicher beschrieben.
Für wen ist das Buch geeignet
- Fortgeschrittene Anwender, die schon ein Einstiegsbuch wie Priors MiniMax-Interventionen und vielleicht Tad James gelesen haben und nun tiefer in die Sprache wollen
- Alle, die mit Metaphern arbeiten und einen reichen Fundus an Formulierungen suchen
- Coaches und Therapeuten, die einen therapeutischen Zugang über Geschichten erleben und vertiefen wollen
Für wen ist es nicht der richtige Einstieg? Wer leichte Kost oder den ersten Überblick sucht, ist hier zu früh. Das Buch setzt Vertrautheit mit hypnotischer Sprache voraus und entfaltet seinen Wert erst dann. Das ist keine Schwäche des Buches, sondern eine Frage des richtigen Zeitpunkts. Lies es, wenn Du die Grundlagen schon im Gepäck hast, dann wird es zu einem kleinen Schatz.
Mein Fazit
"Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine" ist ein fortgeschrittenes Buch mit außergewöhnlich vielen und teils selten gezeigten Sprachmustern. Wenn Du bereit für den nächsten Schritt bist und die Kunst der metaphorischen Sprache vertiefen willst, ist es eine echte Bereicherung. Die strukturierte Sicht auf die Syntax der Metapher allein lohnt die Lektüre.
Die Grundlagen, auf denen diese Muster wirken, findest Du in meinem kostenlosen Hypnose-Workbook. Und wenn Du hypnotische Sprache und den Umgang mit Metaphern systematisch, mit Übung und Feedback lernen willst, ist mein Hypnose-Practitioner-Online-Training der passende Rahmen.
Was Du davor lesen kannst
- Prior, MiniMax-Interventionen. Junfermann. Der leichte Einstieg in hypnotische Sprache. Meine Rezension dazu.
- Mein Artikel zum Milton-Modell - das System hinter den Sprachmustern, die Casula einsetzt.
- Mein Artikel zur Konversationshypnose - wie hypnotische Sprache im normalen Gespräch wirkt.
Häufige Fragen
Ist "Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine" für Anfänger geeignet?
Eher nicht. Das Buch setzt Vertrautheit mit hypnotischer Sprache voraus. Für den Einstieg empfehle ich zuerst ein leichteres Buch wie Priors MiniMax-Interventionen und danach diesen Titel.
Was ist das Besondere an dem Buch?
Die Fülle an Beispielen, darunter viele selten gezeigte hypnotische Sprachmuster, und eine klare Darstellung der Syntax von Metaphern, also wie eine wirksame Metapher sprachlich gebaut wird.
Worum geht es inhaltlich?
Um die Arbeit mit Geschichten und Metaphern im therapeutischen Gespräch und um die hypnotischen Sprachmuster, die diese Geschichten wirksam machen.
Für wen lohnt sich das Buch besonders?
Für fortgeschrittene Anwender, Coaches und Therapeuten, die mit Metaphern arbeiten und ihre sprachliche Werkzeugkiste erweitern wollen.
Quelle
- Casula, C. (2017). Gärtner, Prinzessinnen, Stachelschweine: Metaphern und Geschichten für die persönliche und berufliche Entwicklung. Carl-Auer Verlag.
Siehe auch
- Prior "MiniMax-Interventionen" (Buchrezension) — Marians Nr.-1-Einstiegsbuch für Konversationshypnose. Kurze, sofort anwendbare Sprachmuster: Wunschzustand-Frage, das...
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.