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Schmidt "Liebesaffären zwischen Problem und Lösung" (Buchrezension)
Wenn Du mich (Marian Zefferer) fragst, welches Buch die Bibel des hypnosystemischen Arbeitens ist, dann ist es dieses hier. Gunther Schmidts "Liebesaffären zwischen Problem und Lösung" ist das Buch, in dem Du die meisten und die stärksten Fallbeispiele zu dieser Arbeitsweise findest. Es geht deutlich tiefer als seine kompakte Einführung, und genau das macht es für alle, die hypnosystemisch arbeiten wollen, so wertvoll.
Worum es geht
Das Buch vertieft, was Schmidt in seiner "Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung" systematisch aufgebaut hat. Während die Einführung das Modell erklärt, zeigt "Liebesaffären", wie es in schwierigen Kontexten lebendig wird: anhand zahlreicher Fälle, ausführlicher als im kleinen Band, mit mehr Methoden und einigen konkreten Sprachmustern für die Praxis.
Gunther Schmidt ist der Begründer der Hypnosystemik, Leiter des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg und einer der meistzitierten Köpfe im deutschsprachigen Feld. Wer seine Arbeit kennt, weiß: Hier schreibt jemand, der über Jahrzehnte mit den schwierigsten Fällen gearbeitet hat.
Meine ehrliche Lese-Erfahrung
"Liebesaffären" ist ein dichtes Buch. Es hat deutlich mehr Seiten als die Einführung und nimmt sich Zeit, jeden Gedanken auszuführen. Es setzt kein Vorwissen voraus, belohnt aber jeden, der konzentriert dranbleibt. Am stärksten sind für mich die Fallbeispiele. Es sind einige darunter, bei denen sich eine ganze Therapie oder eine einzelne Intervention auf einmal um 180 Grad dreht. Diese Wendungen sind faszinierend zu lesen, und sie zeigen besser als jede Theorie, was hypnosystemische Arbeit eigentlich kann.
Was ich aus dem Buch bis heute mitnehme, sind genau diese Fälle und Schmidts Haltung. Er beschreibt sehr offen, wie er arbeitet, was er für hilfreich hält und was nicht. Diese Haltung ist eigentlich der rote Faden des ganzen Buches.
Was das Buch stark macht
Die Idee, die alles trägt
Es gibt einen Gedanken, der das ganze Buch durchzieht und den ich am liebsten mag: Nicht das Problem ist das Problem. Die Beziehung zum Problem macht das Problem erst zum Problem. Das klingt im ersten Moment wie ein Wortspiel, ist aber das Herz der ganzen Methode. Solange ich gegen meine Angst kämpfe, wird sie größer. In dem Moment, in dem ich wahrnehme, was sie eigentlich regeln will, beginnt sie sich zu verändern. Genau diese Verschiebung steckt im Titel: die "Liebesaffäre" zwischen Problem und Lösung, die beiden gehören zusammen.
Aufmerksamkeit ist der Hebel
Schmidt zeigt durchgehend, dass Aufmerksamkeit das eigentliche Werkzeug ist. Wohin der Fokus geht, dorthin geht das Erleben. Ein Klient, der sich einseitig auf sein Leid konzentriert, sinkt unmittelbar tiefer hinein. Derselbe Klient, der ergänzend auf Ausnahmen und kleine Erfolgsschritte schaut, erlebt sofort eine leichte Verbesserung. Schmidt beschreibt das mit einem Bild, das hängenbleibt: Da, wo die Aufmerksamkeit hingeht, entstehen Physiologie, Denken und Emotion.
Suggestion wirkt immer nur als Selbstsuggestion
Eine Stelle hat mich besonders gefreut, weil sie genau das ausspricht, was ich in meiner Konversationshypnose immer wieder betone: Die Bedeutung einer Botschaft wird nie vom Sender bestimmt, sondern immer vom Empfänger. Damit ist die alte Vorstellung von Hypnose als Fremdsteuerung erledigt. Jede Suggestion wirkt nur, wenn der Klient sie zu seiner eigenen macht. Das deckt sich vollständig mit der Non-State-Sicht: Wir machen Angebote, der Mensch entscheidet, was daraus wird.
Werkzeuge für den Alltag
Praktisch wird es, wenn Schmidt zeigt, wie man Problem- und Lösungsmuster vergleicht, wie man ein Symptom als kompetenten Lösungsversuch liest und wie man eine festgefahrene Problemtrance in eine Lösungstrance einlädt. Auch die Würdigung des Leids kommt nicht zu kurz: Schmidt warnt davor, zu schnell auf Lösung zu drängen, weil das eine leidende Seite des Klienten erneut übergehen kann. Das ist eine sehr reife, respektvolle Haltung, die den Klienten als Kooperationspartner ernst nimmt.
Für wen ist das Buch geeignet
- Coaches, die ihre Gespräche tiefer und wirksamer machen wollen
- Menschen, die im Team mit anderen arbeiten und Bewegung in festgefahrene Situationen bringen wollen
- Alle, die einen fundierten Einstieg ins hypnosystemische Coaching suchen und bereit sind, sich auf ein dichtes Fachbuch einzulassen
Für wen ist es weniger der richtige Startpunkt? Wer einfach nur einmal kurz reinschnuppern und ein bisschen anstupsen will, ist mit dem schlankeren Band, der "Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung", besser bedient. Die "Einführung" ist der leichtere Einstieg, "Liebesaffären" der vertiefende zweite Schritt.
Mein Fazit
"Liebesaffären zwischen Problem und Lösung" ist ein sehr gutes Buch und für mich das Standardwerk, wenn es um Fallbeispiele zum hypnosystemischen Arbeiten geht. Es macht Sitzungen klarer, weil es Dir eine Haltung und ein Repertoire gibt, mit dem Du auch in schwierigen Kontexten handlungsfähig bleibst. Wer hypnosystemisch arbeiten will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.
Wenn Du die Methode von Grund auf praktisch lernen willst, findest Du die Basis in meinem kostenlosen Hypnose-Workbook und im Hypnose-Practitioner-Online-Training, in dem ich hypnosystemische Konzepte mit Konversationshypnose verbinde.
Was Du davor oder danach lesen kannst
- Schmidt, G. Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer. Der leichtere Einstieg, wenn Dir "Liebesaffären" zu dicht ist. Meine Rezension dazu.
- Trenkle, B. Dazu fällt mir eine Geschichte ein. Carl-Auer. Dieselbe Schule, ganz anderer, erzählerischer Zugang. Meine Rezension dazu.
- Mein Artikel zu den 8 hypnotischen Prinzipien als Grundlage, auf der Schmidts Konzepte praktisch wirken.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen "Liebesaffären" und Schmidts "Einführung"?
Die "Einführung" baut das hypnosystemische Modell kompakt und systematisch auf. "Liebesaffären zwischen Problem und Lösung" geht deutlich tiefer, hat mehr Seiten, mehr Methoden und vor allem viele ausführliche Fallbeispiele aus schwierigen Kontexten. Ich empfehle, mit der Einführung zu starten und dann zu "Liebesaffären" zu greifen.
Setzt das Buch Vorwissen voraus?
Nein. Es ist dicht geschrieben und verlangt konzentriertes Lesen, baut die Konzepte aber selbst auf. Wer sich auf ein anspruchsvolleres Fachbuch einlässt, kommt gut hinein.
Was bedeutet "Nicht das Problem ist das Problem"?
Es heißt, dass oft nicht das Symptom selbst die eigentliche Schwierigkeit ist, sondern die Art, wie jemand zu seinem Problem in Beziehung steht. Verändert sich diese Beziehung, etwa von Kampf zu Verstehen, dann verändert sich häufig auch das Problem selbst.
Für wen lohnt sich das Buch in der Praxis?
Vor allem für Coaches, Berater und alle, die mit Menschen arbeiten und festgefahrene Situationen in Bewegung bringen wollen. Wer eine konkrete Methode für den Coaching-Alltag sucht, findet hier reichlich.
Quelle
- Schmidt, G. (2023). Liebesaffären zwischen Problem und Lösung: Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten. Carl-Auer Verlag.
Siehe auch
- Bernhard Trenkle "Dazu fällt mir eine Geschichte ein" (Buchrezension) — Marians meistempfohlenes Buch in Hypnose- und Storytelling-Ausbildungen. Trenkles Fallvignetten in der Erickson-Tradi...
- Gunther Schmidt: Der Pionier der Hypnosystemik — Gunther Schmidt: Der Pionier der Hypnosystemik
- Problemtrance und Lösungstrance: Schmidts Schlüsselbegriff — Schmidts Schlüsselbegriff: Symptome sind selbstinduzierte Trancezustände. Aufmerksamkeit als Hebel zwischen Problem- ...
- Bandler & Grinder "Patterns" Band 1 (Buchrezension) — Marians ehrliche Rezension des NLP-Hypnose-Klassikers Patterns Band 1 von Bandler & Grinder. Position: für Anfänger n...
- Symptome als Lösungsversuche: der Schmidt-Reframe im Coaching — Symptome als kompetente Lösungsversuche mit Preis. Sechs Coaching-Fragen, die das Symptom utilisieren statt bekämpfen.
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.