Inhaltsverzeichnis
- Was VAKOG ist
- Warum gustatorisch oft weggelassen wird
- Was die Forschung wirklich zeigt
- VAKOG in der Praxis - was ich tatsächlich nutze
- Anwendung in der Hypnose
- Mythen rund um VAKOG
- Mini-Übung
- Bezug zur Hypnose und zu den 8 Prinzipien
- Wenn Du tiefer einsteigen willst
- Häufige Fragen
- Bin ich ein "visueller Typ"?
- Hilft es, VAKOG vor einem Coaching zu testen?
- Was, wenn der Klient sich keine Bilder vorstellen kann?
- Brauche ich alle fünf Sinne für eine Hypnose-Sequenz?
VAKOG - die fünf Sinneskanäle in Hypnose und Coaching
"Stell Dir vor, wie der Sand zwischen Deinen Zehen warm wird, hör die Wellen rollen, riech die salzige Luft, sieh die Sonne untergehen." Vier Sinne in einem Satz - und die Coaching-Sequenz trägt schon fast von selbst. Das ist VAKOG: eine Abkürzung aus dem NLP, die für Visuell, Auditiv, Kinästhetisch, Olfaktorisch und Gustatorisch steht. Ich (Marian Zefferer) zeige Dir, was das Modell ist, wie es heute sinnvoll genutzt wird und warum es um multimodale Sprache geht - nicht um Lerntypen.
Was VAKOG ist
VAKOG ist eine NLP-Abkürzung für die fünf menschlichen Sinneskanäle:
- Visuell - Sehen, Bilder, innere Vorstellung
- Auditiv - Hören, Geräusche, innere Stimmen
- Kinästhetisch - Körperempfindungen, Bewegung, Gefühle
- Olfaktorisch - Riechen
- Gustatorisch - Schmecken
Bandler und Grinder haben das Modell ab 1976 entwickelt. Die Grundidee: Menschen verarbeiten Erleben über mehrere Sinneskanäle gleichzeitig - und Sprache, die mehrere Kanäle anspricht, wirkt tiefer als Sprache, die nur einen aktiviert.
Warum gustatorisch oft weggelassen wird
Gustatorisch (Schmecken) gehört zu den fünf Sinnen - deshalb steht das G in VAKOG. In der Praxis braucht man es allerdings selten. In den meisten Coaching- und Hypnose-Settings hat der Geschmack keinen natürlichen Bezug zur Sprache, in der gerade gearbeitet wird. Wer "schmeck den Wind" einbaut, bringt Klienten oft eher heraus, als sie tiefer hineinzuholen - das Bild kippt unfreiwillig ins Skurrile.
Sinnvoll ist Gustatorisch dort, wo der Geschmack thematisch dazugehört: Genuss, Essstörungen, Raucherentwöhnung, kulinarische Erlebnisse. Sonst lasse ich das G weg und arbeite mit V, A, K und gelegentlich O - vier Kanäle reichen fast immer.
Was die Forschung wirklich zeigt
Hier liegt eines der größten Missverständnisse rund um VAKOG. Drei zentrale Punkte:
Lerntypen nach VAKOG gibt es nicht. Die populäre Idee, manche Menschen lernten "besser visuell", andere "besser auditiv" oder "besser kinästhetisch" - das ist mit der Forschung nicht haltbar. Pashler et al. (2008) haben in einem viel zitierten Review klar gezeigt: es gibt keine Evidenz dafür, dass die Anpassung des Lehrstils an einen vermeintlichen "Lerntyp" das Lernen verbessert. Die Sache an sich entscheidet, nicht der Kanal.
Was hingegen sehr gut belegt ist: multimodale Sprache wirkt. Wer Vokabeln zugleich sieht und hört, lernt sie zuverlässig besser als wer sie nur sieht oder nur hört. Das ist unabhängig vom primären Repräsentationskanal des Lernenden. Mayer (2009) hat das in der Cognitive Theory of Multimedia Learning systematisch belegt - mehrere Sinneskanäle gleichzeitig erzeugen tiefere Spuren als ein einzelner.
Den primären Repräsentationskanal gibt es allerdings. Menschen unterscheiden sich klar darin, welcher Kanal in ihrem inneren Erleben dominiert. Manche haben einen sehr aktiven inneren Dialog, andere hören häufig Musik im Kopf, wieder andere sind stark kinästhetisch. Das ist eine echte individuelle Variation. Sie hat aber nichts mit Lerntypen zu tun - wer "auditiv geprägt" ist, lernt Vokabeln nicht ausschließlich besser durch Hören. Auch sein Gehirn profitiert vom Sehen plus Hören mehr als vom Hören allein.
Die alte NLP-Kritik (Sharpley 1987, Heap 1988, Witkowski 2010) hat in diesem Punkt am Modell vorbei argumentiert: sie hat die "Lerntypen-These" widerlegt - die ist auch widerlegt - aber den primären Repräsentationskanal mit der Lerntypen-These vermischt. Beide Dinge sind getrennt zu betrachten.
VAKOG in der Praxis - was ich tatsächlich nutze
In meiner Praxis ist VAKOG eine Checkliste, ob die Sprache reichhaltig genug ist:
- Habe ich etwas Visuelles dabei? (Bild, Szene, Farbe)
- Habe ich etwas Auditives? (Geräusch, Stimme, Musik)
- Habe ich etwas Kinästhetisches? (Körperempfindung, Bewegung, Temperatur)
- Habe ich etwas Olfaktorisches? (Geruch - wo es passt)
- Habe ich etwas Gustatorisches? (Geschmack - nur wo es thematisch dazugehört)
Drei Kanäle reichen meistens, vier sind sehr gut. Fünf braucht es selten - und wenn alle fünf reingequetscht werden, wirkt es oft überladen.
Anwendung in der Hypnose
Drei Bereiche, in denen ich VAKOG am häufigsten nutze:
Future Pacing. Mehr dazu unter Future Pacing. Der Klient probt mental eine zukünftige Situation - mit Bild, Ton, Körpergefühl. "Du sitzt im Konferenzraum, das Licht ist warm, Du hörst Deine eigene Stimme klar, die Schultern sind locker."
Ressourcen-Anker. Mehr dazu unter Ankertechnik. Ein hilfreicher Zustand wird über mehrere Sinneskanäle aktiviert und mit einem Trigger verknüpft. "Erinnere Dich an einen Moment voller Klarheit. Was hast Du gesehen? Was gehört? Wie hat sich das angefühlt?"
Ressourcen-Imagination. Eine bestimmte Eigenschaft oder Haltung wird sinnlich aufgebaut: "Stell Dir vor, wie Du selbstbewusst auf der Bühne stehst. Du stehst kerzengerade, der Boden trägt Dich, Du spürst einen festen Stand unter den Füßen. Das Licht ist freundlich, der Atem ruhig, Deine Stimme klar." Solche multimodalen Imaginationen stärken Ressourcen, ohne dass eine formale Trance-Einleitung nötig wäre.
Mythen rund um VAKOG
Drei Mythen, die immer wieder auftauchen - und die heute nicht haltbar sind:
"Der Klient ist visuell - sprich mit ihm visuell." Falsch. Klienten wechseln Sinneskanäle je nach Aufgabe und Inhalt. Eine Festlegung auf einen Kanal verkürzt Dein Repertoire und das Erleben des Klienten. Außerdem profitiert auch ein "visueller" Klient von zusätzlichen Kanälen - das Erleben wird tiefer, nicht flacher.
"An den Augenbewegungen erkennst Du immer den Lead-Sinn." Augenbewegungs-Theorien sind empirisch schwer haltbar. Es gibt vielleicht Korrelationen, aber an einem einzigen Körpersprachmerkmal lassen sich nie klare Ableitungen über innere Verarbeitungswege machen. Im Coaching ist das Werkzeug nicht zuverlässig genug, um damit zu arbeiten.
"Verbale Hinweise zeigen den Repräsentations-Typ." Wenn ein Klient sagt "ich sehe das so", heißt das nicht, dass er ein "Visueller" ist - es heißt, dass er gerade visuell denkt. Das kann sich im nächsten Satz ändern. Wer daraus eine Persönlichkeitsdiagnose ableitet, baut auf Sand.
Mini-Übung
Nimm einen Satz aus Deinem letzten Coaching - oder erfinde einen. Schau, welche Sinneskanäle drin sind. Wahrscheinlich sind es ein oder zwei. Erweitere den Satz auf drei oder vier Kanäle.
Beispiel: - Vorher: "Stell Dir einen sicheren Ort vor." - Nachher: "Stell Dir einen sicheren Ort vor. Was siehst Du dort? Welche Geräusche sind da? Wie fühlt sich der Boden unter Deinen Füßen an?"
Das ist VAKOG in der Anwendung.
Bezug zur Hypnose und zu den 8 Prinzipien
VAKOG ist die Werkzeugliste für die Sinnesaktivierung - eines der zentralen acht hypnotischen Prinzipien. Wer multimodal arbeitet, aktiviert auch Aufmerksamkeit (mehr Sinneskanäle = stärkerer Fokus), Assoziation (jeder Kanal hängt an Erinnerungen) und Wiederholung (Kanäle verstärken sich gegenseitig).
Brücke zur Wachhypnose - bildhafte Sprache ist VAKOG in Aktion.
Wenn Du tiefer einsteigen willst
Im Hypnose-Workbook findest Du Übungen zu Sinnesaktivierung - der praktischen Form von VAKOG. Im Hypnose-Practitioner übst Du multimodale Sprache mit Live-Feedback.
Häufige Fragen
Bin ich ein "visueller Typ"?
Es gibt persönliche Vorlieben - das ist das primäre Repräsentationssystem. Manche Menschen haben sehr viel inneren Dialog, andere viele Bilder, andere viel Körperempfinden. Das heißt aber nicht, dass die anderen Sinneskanäle weniger benutzt werden - in Summe nutzt jeder Mensch alle Kanäle täglich, und mehr Sinneskanäle in Sprache wirken bei jedem stärker als ein einzelner.
Hilft es, VAKOG vor einem Coaching zu testen?
Eher nein. Ein Test produziert eine Etikettierung, die mehr verstellt als hilft. Besser: in der Sprache mehrere Kanäle anbieten und beobachten, worauf der Klient reagiert.
Was, wenn der Klient sich keine Bilder vorstellen kann?
Dann arbeitest Du mit den Kanälen, die bei ihm gehen - oft Geräusche, Körperempfindungen oder Wörter. Das ist genau der Wert von VAKOG: mehrere Kanäle zur Auswahl.
Brauche ich alle fünf Sinne für eine Hypnose-Sequenz?
Dre
Siehe auch
- Sinnesaktivierung in der Hypnose: Bilder schlagen Begriffe - VAKOG plus 6. Sinn (Kognition), zwei Workbook-Beispiele Abnehmen und Einschlafen, Stolpersteine, Aphantasie-Klienten.
- Seitenmodell im Coaching - eine Seite von mir
- Positive Absicht im Coaching - die unsichtbare Tür
- Konsequenz-Frage im Coaching - die Zukunft konkret machen
- Hypnotische Verknüpfungen - und, während, weil - Drei Brückenwörter und ihre Wirkung im Coaching, mit vier Anwendungsbeispielen.
Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.