Aufgeschlagene Biografie im warmen Licht neben einer alten Fotografie
John Hughes' Erickson-Biografie "The Master Wounded Healer" - Marians Rezension

Hughes "Erickson: Wounded Healer" (Buchrezension)

Ich (Marian Zefferer) habe viel über Milton Erickson gelesen. Ich dachte, ich kenne seine Geschichte. Dann nahm ich John Hughes' Biografie "The Master Wounded Healer" zur Hand und war in wenigen Stunden durch, mit einer ganzen Reihe von Aspekten, die ich vorher nicht kannte. Genau das macht dieses kurze Buch so wertvoll.

Worum es geht

Hughes erzählt das Leben von Milton H. Erickson, dem wohl einflussreichsten Hypnotiseur des 20. Jahrhunderts. Das Buch ist bewusst kein Fachbuch über die Geschichte der Hypnose und keine Methodensammlung. Es ist eine Lebensgeschichte. Wer den Menschen und den Meister Erickson näher kennenlernen will, ist hier richtig. Wer ein Lehrbuch über hypnotische Techniken sucht, ist es nicht.

Erickson kam am 5. Dezember 1901 in Aurum, Nevada zur Welt, einem Ort, der heute eine Geisterstadt ist. Sein Vater war Farmer, und der junge Milton wollte selbst Farmer werden. Mit 17 veröffentlichte er bereits einen Zeitschriftenartikel. Es ist diese bodenständige Herkunft, die später so gut zu seinem unprätentiösen Stil passt.

Meine ehrliche Lese-Erfahrung

Was mich am meisten gefesselt hat, sind die Stationen, an denen Erickson seine eigenen Krisen zum Lehrmeister gemacht hat.

1918, kurz nach der Highschool, traf ihn ein Polio-Anfall und lähmte ihn fast vollständig. Seine Genesung verdankte er wesentlich der Selbsthypnose. Er stellte sich Schritt für Schritt vor, wie er jede einzelne Bewegung zurückgewinnt, und nutzte die Erinnerung des Körpers an frühere Bewegungen als Weg zurück. Wer verstehen will, wie tief Selbsthypnose wirken kann, findet hier eine der eindrücklichsten Geschichten überhaupt.

Auch seine körperlichen Besonderheiten hat Erickson utilisiert. Er war tontaub, rot-grün-farbenblind und hatte eine schwere Lese-Rechtschreib-Schwäche. Letztere löste sich einmal in einem regelrechten Aha-Blitz auf, als er plötzlich den Unterschied zwischen zwei Zeichen erkannte. Später deutete er solche plötzlichen Erleuchtungen selbst als selbst ausgelöste Trancezustände. Bei ihm war die eigene Wahrnehmung immer Forschungsgegenstand und Werkzeug zugleich.

Ein Detail hat mich als Non-State-Theoretiker besonders gefreut. Hughes zeigt, dass Erickson die direkte Suggestion ungefähr genauso oft verwendet hat wie die indirekte. Er hat die indirekten Methoden nur deshalb so betont, weil sie damals unbekannt waren. Das passt zu meinem Bild von Hypnose als wirksamer Kommunikation und räumt mit dem Mythos auf, ericksonsche Arbeit sei immer nur verschlüsselt und indirekt.

Daneben gibt es viele menschliche Episoden. Der Konflikt mit Clark Hull, für den das Unbewusste eine leere Tafel war, auf die der Hypnotiseur seine Befehle prägt. Erickson hielt das für falsch, schwieg als Berufsanfänger aber zunächst. 1939 wurde er von Margaret Mead wegen ihrer Beobachtungen von Trancezuständen auf Bali konsultiert. 1976 erhielt er als erster Mensch die Benjamin-Franklin-Goldmedaille. Und ganz nebenbei erfährt man, dass er seinen Patienten oft 60 statt 50 Minuten gab und sein Honorar nie über 40 Dollar pro Stunde nahm. Solche Details sagen mehr über seine Haltung als jede Methodenbeschreibung.

Für wen ist das Buch geeignet

  • Erickson-Fans, die schon etwas über ihn wissen und mehr über den Menschen dahinter erfahren wollen
  • Coaches, Therapeuten und Trainer, die ihre Arbeit in einer ericksonschen Tradition verorten und ihre Wurzeln kennen wollen
  • Alle, die eine kurze, fesselnde Lebensgeschichte schätzen, die man an einem Wochenende durchliest

Für wen ist es nicht das richtige Buch? Wer eine Einführung in hypnotische Techniken oder einen Überblick über die Geschichte der Hypnose sucht, greift besser zu einem Fachbuch. Hughes erzählt ein Leben, kein Lehrwerk. Wenn Du das weißt, bekommst Du genau das Richtige: ein sehr nahes Porträt eines außergewöhnlichen Menschen.

Mein Fazit

"The Master Wounded Healer" ist eine ausgezeichnete, kurze Biografie. Sie liest sich schnell und schenkt selbst belesenen Erickson-Kennern neue Einblicke. Mir hat sie gezeigt, wie sehr Erickson seine eigenen Verletzungen zum Ausgangspunkt seiner Meisterschaft gemacht hat, daher der Titel vom verwundeten Heiler. Wenn Du den Menschen Erickson näher kennenlernen willst, ist dieses Buch eine klare Empfehlung.

Wenn Du die ericksonschen Methoden danach selbst aufbauen willst, findest Du die Grundlagen in meinem kostenlosen Hypnose-Workbook. Und wenn Du diese Methoden mit Übung und Feedback lernen willst, ist mein Hypnose-Practitioner-Online-Training der passende Rahmen.

Was Du dazu lesen kannst

Häufige Fragen

Ist "The Master Wounded Healer" ein Lehrbuch über Hypnose?

Nein. Es ist eine Biografie über Milton Erickson. Es geht um sein Leben und seine Person, nicht um eine systematische Einführung in hypnotische Techniken.

Gibt es das Buch auf Deutsch?

Mir ist keine deutsche Ausgabe bekannt. Das Buch ist auf Englisch erschienen. Wer Englisch liest, kommt damit gut zurecht, denn es ist klar und zügig geschrieben.

Was macht die Biografie besonders?

Sie ist kurz und fesselnd und bringt selbst Lesern, die Erickson schon kennen, neue Aspekte. Besonders eindrücklich ist, wie Erickson seine eigenen Krankheiten und Krisen mit Selbsthypnose in Lernerfahrungen verwandelt hat.

Hat Erickson wirklich vor allem indirekt gearbeitet?

Laut Hughes nicht ausschließlich. Erickson nutzte direkte Suggestion etwa so häufig wie indirekte und betonte die indirekten Methoden vor allem deshalb, weil sie damals kaum bekannt waren.

Quelle

  • Hughes, J. C. (2012). The Life and Time of Milton H. Erickson, M.D., the Master Wounded Healer. Hughes Publishing.

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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