Interview mit Stephan Landsiedel


R: Wie fand Deine erste Begegnung mit NLP statt?
Das war 1992. Mir ging es gerade nicht so gut - der erste große Liebeskummer. Ich hatte die Frau meiner damaligen Träume regelrecht erobert und dann war es plötzlich vorbei. Sie hat kein Wort mehr mit mir geredet und kurze Zeit darauf ging sie mit einem anderen Jungen. Irgendjemand hatte eine unwahre Geschichte in die Welt gesetzt. Das war so schlimm für mich, dass ich nahe daran war mein Leben zu beenden.
Da fiel mir im Schlafzimmer meiner Eltern ein Buch in die Hände mit dem Titel “Grenzenlose Energie - Das Power Prinzip”. Ich hätte es mir vielleicht gar nicht genauer angesehen, wenn nicht der Preis so unverschämt hoch gewesen wäre. Etwa 100 DM. Also lieh ich mir das Buch von meinen Vater aus - ich glaube, er hat es bis heute nicht gelesen. Der Autor ist Tony Robbins und etwa 3 Jahre später sollten sich unsere Wege beginnen zu kreuzen. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen. Die wichtigsten Inhalte habe ich zusammengefasst und dann die Papiere an die Wände in meinem Zimmer gehängt. Jeden Abend vorm Schlafengehen habe ich sie mir durchgelesen. Dabei habe ich die Techniken immer und immer wieder an mir selbst ausprobiert. Dann in einer klaren Vollmondnacht habe ich beschlossen, nach einem Jahr Trauer wegen dieser Liebesgeschichte, dass ich nie wieder mich selbst bemitleiden will und von heute an eine neues Leben beginne. Am Anfang war es nicht so leicht, aber mit jedem Tag wurde es immer besser und besser. NLP hat mir das Leben gerettet und gleichzeitig ein neues dazu gegeben. Natürlich gab es immer wieder schwierige Situationen, Menschen die sterben, Beziehungen, die scheitern, Unfälle und Krankheiten, aber nie wieder habe ich seitdem mich selbst verloren. Dann erwachten meine Träume und Visionen und ich begann mein Leben daran auszurichten.

 

R: Bei wem hast Du Deine NLP-Ausbildungen gemacht?
Den Practitioner habe ich in Landau bei Ursula Ullrich und Peter Göbel gemacht. Beide habe ich sehr respektiert und geschätzt. Inhaltlich war die Ausbildung für mich nichts Neues, ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits alle existierenden deutschsprachigen NLP-Bücher verschlungen. Heute wäre das allerdings kaum möglich, denn das Angebot ist in den letzten Jahren explodiert.
Die Practitioner-Ausbildung war aber dennoch sehr gut. Das Entscheidende ist nämlich die Praxis. Kaum jemand lernt NLP nur aus einem Buch und ich hatte damals noch nicht so viel Ahnung, wie man NLP mit anderen anwendet. In meiner Gruppe waren vor allem erfahrene Therapeuten. Ich war mit 21 mit Abstand der jüngste Teilnehmer. Als nächstes kam jemand mit Mitte 30. Ich konnte viel von den Teilnehmen von damals lernen.
Für die Master-Ausbildung sollten es dann echte Cracks sein, so habe ich eine Ausbildung mit mehreren Trainern gemacht. Haupttrainer war Johann Kluczny vom NLP-Institut Berlin, Dr. G. Beyer hat den Hypnoseteil gemacht, Klaus Grochowiak den Business-Teil mit den Meta-Programmen und das Sahnehäubchen war Michael Grinder in Gruppendynamik und Umgang mit Angriffen. Das klang sehr gut, war aber wesentlich weniger intensiv als der Practitioner. Die Trainer haben ständig gewechselt und das hat der Gruppendynamik mehr geschadet als genutzt.
Die Trainer-Ausbildung habe ich dann bei Klaus Grochowiak in Wiesbaden gemacht, weil er mir technisch und didaktisch als einer der besten erschien. In Kombination mit zahlreichen Seminaren mit Tony Robbins eine irre Mischung.

 

R: Welche Qualifikationen besitzt Du außer NLP?
Zunächst mal mein abgeschlossenes Psychologie-Studium. In Kombination mit den praktischen NLP-Erfahrungen hat mir das richtig Spaß gemacht, so dass ich sogar ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes für meine herausragenden Studienleistungen bekam.
Ich habe außerdem eine Ausbildung zum Kursleiter für Entspannungsverfahren. In letzter Zeit habe ich mich auch viel mit Spiral Dynamics beschäftigt und die Level I, II und III bei Don Beck gemacht. Dazu kommt Kinesiologie (Touch for Health und BrainGym) und eine Ausbildung in körperorientierte Psychotherapie. In den letzten Jahren habe ich sehr viele NLP-Ausbildungen begleitet. (Doch all das ist aus meiner Sicht viel weniger bedeutsam als mein Selbststudium. Ich liebe es einfach Bücher zu lesen und Audio-Programme zu hören. In meiner Zeit bei Kienbaum habe ich viel gelernt über Personalentwicklung, Führung und Assessment-Center. Durch meine Diplom-Arbeit habe ich mich intensiv mit dem Thema Präsentation beschäftigt. Diverse Nebentätigkeiten haben mich gezwungen, mich mit dem Thema “Verkaufen” auseinander zu setzen. Heute verkaufe ich sehr gerne. Meine ersten gescheiterten Beziehungen haben mich dazu gebracht, mich intensiv mit dem Thema Flirten mit NLP auseinander zu setzen.

 

R: Mit welchen Worten würden Deine Teilnehmer Deinen Trainingsstil beschreiben?
Mein Trainingsstil ist sehr locker, unterhaltsam und witzig. Am Wichtigsten ist mir Authentizität. Ich bin zu einer Zeit auf den Trainermarkt gekommen, da gab es Großgruppenseminare und kaum ein Referent hat sich in seinem Leben selbst an das gehalten, was er da verkündet hat. Der Money-Coach ging pleite, der Erfolgs-Coach landete im Knast und der Gesundheitsexperte hatte einen Herzinfarkt. Wenn man das erlebt und gerade dabei ist, sich in diesen Markt zu bewegen, dann prägt einen das. Ich beschloss also auf große Show zu verzichten, lieber kleinere Brötchen zu backen, aber dafür das auch wirklich zu sein, was man da vorne repräsentiert. Manchmal war ich echt entsetzt einige Trainer hinter den Kulissen zu sehen und sie nicht wieder zu erkennen - so sehr wichen ihre Ratschläge von dem ab, wie sie selbst lebten.

 

R: Was liebst Du am NLP?
Ich liebe die pragmatische Herangehensweise des NLP, getreu dem Ausspruch: “Wenn etwas nicht klappt, so wie Du es gerade probierst, dann mach etwas anderes.” Mir gefällt außerdem dass so viele Menschen ohne ein Studium oder eine langjährige Ausbildung mit NLP ihr Leben verändern können. Natürlich steckt da auch eine Gefahr drin, aber ich glaube, dass die Vorteile überwiegen. Der Mensch als ein Stück weit der Gestalter seines Schicksals. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich NLP so früh in meinem Leben kennen lernen durfte. Es hat mich sehr geprägt - die Art wie ich lerne, wie ich denke, wie ich mit mir selbst umgehe. Das ist schon sehr prägend gewesen.

 

R: Was ist Dein eigener Beitrag zum NLP?
Durch mein erstes Buch vor allem habe ich vielen Menschen einen einfachen Zugang zu NLP verschafft. Im Rahmen meiner NLP-Master-Arbeit habe ich ein neues Format konzipiert, das zur Lebensplanung sehr gut eingesetzt werden kann und mehrere NLP-Elemente miteinander kombiniert. Verschiedene kleinere NLP-Formate bzw. Abwandlungen der bisherigen Versionen gehen auch auf mich zurück. Mein wichtigster Beitrag für NLP ist jedoch die Gründung von Landsiedel NLP Training als Plattform für NLP Trainer und NLP-Interessierte. Jeden dritten Tag findet irgendwo in Deutschland ein NLP-Abendseminar mit einem Landsiedel Trainer statt. Das sind über 120 kostenfreie Abendseminare in Deutschland. Ich möchte, dass jeder Mensch NLP kennen lernen kann. Unsere günstigen Kursgebühren und jetzt die 38,- Euro Seminare sollen eine Teilnahme möglichst vielen Menschen ermöglichen. Unser kostenfreies E-Mail-NLP-Trainingsprogramm wurde bisher von mehr als 10.000 Menschen abonniert. In den letzten Jahren haben mehr als 10.000 Menschen an meinem Seminaren und Vorträgen teilgenommen. Seit einiger Zeit halte ich mindestens einmal pro Monat ein kostenfreies NLP-Online-Seminar. Wir haben inzwischen 14 Standorte in Deutschland und weitere kommen dazu. Das Netzwerk wächst und wächst.

 

R: Welches NLP-Buch würdest Du einem NLP-Neuling empfehlen?
Zunächst einmal mein eigenes Buch: “Way Up - den eigenen Traum leben”. Das ist eine tolle Einführung in NLP und sehr motivierend geschrieben. Viele Beispiele und Geschichten verdeutlichen das Gesagte. Dann das Buch von John Seymour und Joseph O´Connor “Neurolinguistisches Programmieren - Gelungene Kommunikation und persönliche Entfaltung”.

 

R: Welchen Trainer / Dozenten sollte man erlebt haben?
Anthony Robbins. Der Mann hat einfach Power und Charisma. Egal, was man von ihm hält, er ist ein Super-Entertainer und macht einfach viel Spaß. Ich war ja lange Zeit mit ihm immer wieder unterwegs und habe in seiner Crew gearbeitet. Das war eine sehr aufregende Zeit mit den ganzen Feuerläufen. Auch seine Bücher sind sehr gut und vor allem die Audio-Programme.
Für etwas kleinere Gruppen empfehle ich Michael Grinder - den Bruder von John Grinder. Wahnsinn, was der mit seiner Körpersprache macht. Seine Spezialthemen sind Gruppendynamik und nonverbale Kommunikation.

 

R: Welche Rolle spielt NLP in der Zukunft?
Oft werde ich gefragt, ob der NLP-Hype vorüber ist oder zumindest abflacht. Ich glaube das nicht. Durch den Modelling-Ansatz bietet NLP nahezu unendlich viel Material. Und wenn ich sehe, was alleine bei uns in den Master-Arbeiten entstanden ist, dann weiß ich, dass NLP noch eine große Zukunft vor sich hat und noch viel mehr Menschen NLP kennen lernen sollten. Eine meiner Visionen ist, dass NLP als ein Schulfach unterrichtet wird. Es muss ja nicht NLP heißen. In Heidelberg hat man "Glück" als Schulfach eingeführt und testet das gerade. Das finde ich toll! Mal eine sinnvolle Alternative zu so manch anderen Fächern. Wir werden auf so vieles vorbereitet, aber nicht auf die emotionalen Dinge im Leben, wie man Ziele erreicht, wie man einen Raum in der Kommunikation mit anderen schafft, in dem sich beide oder alle Beteiligten gerne aufhalten. Wie baut man die Brücke zum anderen auf? Wie geht man mit sich selbst um, wenn einen der innere Kritiker fertig machen will oder man Angst vor einer Rede oder einer Prüfung hat?
Menschliche Interaktion wird in der Zukunft neben der Gesundheit eine Schlüsselrolle spielen. Die Computer werden im Verhältnis nicht mehr so viel leistungsfähiger werden als bisher. Natürlich werden sie immer besser und kleiner, aber den Hauptproduktionsvorteil haben sie uns schon geleistet. Der "Optimierungsfaktor" der jetzt noch bleibt, ist der Mensch. Es wird in der Zukunft mit immer mehr Menschen und immer weniger Ressourcen vor allem darum gehen, dass wir eine gute Ausbildung haben, lange gesund und mit Freude arbeiten können. In Deutschland werden in jeden studierten Kopf ca. 100.000 Euro an Ausbildungsgebühren hinein gesteckt. Das kann man nicht einfach mit 65 Jahren abschreiben. Wir werden also länger arbeiten und das können wir nur, wenn wir Sinn und Erfüllung in unserem Beruf und unseren Beziehungen finden. Dabei kann uns NLP sehr helfen. Wenn jeder die NLP-Grundannahmen beherzigt, dann werden wir toleranter und offener miteinander umgehen. Wir werden uns flexibler in neuen Projekten auf neue Menschen einlassen können und das wird einen entscheidenden Unterschied machen. NLP Anwender gehen anders mit sich selbst und ihren Mitmenschen um. Sie denken ökologisch und systemisch. Daher sehen sie nicht nur ihren eigenen Vorteil sondern auch die Auswirkungen auf das System. Das ist natürlich manchmal sehr komplex und nicht zu durchschauen, aber schon alleine der Versuch ist besser als ein egoistisches Verhalten, dass andere erst gar nicht in die eigenen Überlegungen mit einbezieht.
Ich wünsche mir mehr Unternehmen, die nicht nach Gewinnmaximierung streben, sondern danach einen wertvollen Beitrag für diese Gesellschaft zu leisten. Ich wünsche mir, dass NLP vielen Menschen den Mut, die Kraft und die Ausdauer gibt, ein solches Werk auf die Beine zu stellen.