Hoffnung und Resilienz, Therapeutische Strategien von Milton H. Erickson, auf einem Tisch
Therapeutische Strategien von Milton H. Erickson

"Hoffnung und Resilienz" - Therapeutische Strategien von Milton H. Erickson (Buchrezension)

Es gibt Bücher über Milton Erickson, die ihn erklären - und Bücher, die ihn spürbar machen. Hoffnung und Resilienz schafft beides: Es ordnet Ericksons Vorgehen klar und systematisch und lässt ihn zugleich durch viele Fälle und Zitate selbst sprechen.

Ich (Marian Zefferer) habe das Buch mit großer Freude gelesen. Es ist eines der schönen aktuellen Werke, das Ericksons Haltung und Strategien zugänglich macht.

Meine Gesamtbewertung in einem Satz

Ein sehr gutes, klar aufgebautes Buch über Ericksons Strategien - mit vielen starken Fallbeispielen und Zitaten, das sowohl Einsteigern als auch Fortgeschrittenen echten Mehrwert bietet.

Was das Buch ist

Das Buch beginnt mit einer kompakten Biografie von Milton Erickson. Wer noch nicht viel über ihn weiß, bekommt damit einen warmen, gut lesbaren Einstieg. Danach ist das Buch strategisch aufgebaut: Es zeigt, wie ericksonsche Arbeit Schritt für Schritt gedacht ist, und unterlegt das mit zahlreichen Fallbeispielen und Originalzitaten.

Zwei Zitate sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Das erste beschreibt die Kunst des Rapports: mit einem Fuß in die Welt des Klienten zu gehen und mit dem anderen Fuß in der eigenen Welt zu bleiben. Das zweite bringt Ericksons ganze Haltung auf den Punkt - dass wirksame Ergebnisse allein durch die Aktivität des Klienten selbst entstehen und Therapie diese Aktivität anstößt und bestärkt.

Utilisation und Kooperation in Reinform

Ein roter Faden des Buches ist für mich das Zusammenspiel von Utilisation und Kooperation. Erickson beschreibt es sinngemäß so: Du nimmst das Denken des Klienten an. Du bekämpfst es nie, Du legst Dich nie damit an - Du nutzt es einfach und baust auf ihm auf, in jeder hilfreichen Richtung. Genau diese Haltung macht den Unterschied zwischen Druck und echter Veränderung.

Die Geschichte von Alan

Eines der eindrücklichsten Fallbeispiele handelt von Ericksons damals siebenjährigem Sohn Alan, der sich am Fuß schwer verletzte und schreiend und blutend ins Haus kam. In dem Moment, in dem Alan kurz Luft holte, nutzte Erickson diese Pause und gab ihm eine klare Aufgabe: ein großes Handtuch zu holen, nicht das kleine, das große. Alan tat es. Dann die nächste Anweisung, das Handtuch fest zu wickeln, nicht locker - fest. Als Alan fertig war, lobte Erickson die gute Arbeit. Das Handtuch saß ordentlich und fest, und Alan weinte nicht mehr.

Erickson bereitete seinen Sohn dann auf den Arztbesuch vor. Beim Chirurgen verlangte Alan selbstbewusst möglichst viele Stiche, weil seine Schwester immer mit ihren Stichen prahlte. Er blieb während der Versorgung ruhig und beklagte sich kein einziges Mal über Schmerz - er bat nur darum, die Nähte enger zu setzen, damit mehr Stiche hineinpassten. Für mich ist das ein Lehrstück darüber, wie die Lenkung der Aufmerksamkeit das Schmerzerleben verändern kann - eine Brücke, die ich oft auch im Kontext von Notfall und Erster Hilfe schlage.

Was ich aus dem Buch mitnehme

Vor allem die Verbindung aus klarer Struktur und lebendigen Beispielen. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie Erickson dachte, und gleichzeitig konkrete Bilder, die hängen bleiben. Die vielen Zitate laden dazu ein, immer wieder hineinzublättern.

Für wen das Buch passt

  • Einsteiger, die Erickson und seine Haltung kennenlernen wollen - die Biografie und die Beispiele machen den Zugang leicht.
  • Fortgeschrittene, die ihre strategische Arbeit mit frischen Fällen und Zitaten vertiefen wollen.
  • Alle, die ressourcen- und konversationsorientiert arbeiten und Inspiration aus der Quelle suchen.

Für wen es nicht der richtige Einstieg ist

Wer ein reines Schritt-für-Schritt-Übungsbuch zum Selbstlernen sucht, ergänzt es am besten mit einem praxisorientierten Trainingsrahmen wie meinem Hypnose-Komplettkurs oder dem kostenlosen Hypnose-Workbook. Das Buch ist stark in Haltung, Strategie und Fallmaterial - das eigene Üben kommt obendrauf.

Wie ich das Buch nutze

Ich nehme es zur Hand, wenn ich eine ericksonsche Strategie auffrischen oder ein gutes Zitat für ein Training suchen möchte. Es ist eines der Bücher, in denen man an fast jeder Stelle aufschlagen und etwas Brauchbares finden kann.

Häufige Fragen

Ist das Buch für Erickson-Einsteiger geeignet?

Ja. Es beginnt mit einer kompakten Biografie und führt mit vielen Beispielen behutsam in Ericksons Denken ein. Gleichzeitig bietet es Fortgeschrittenen genug Tiefe.

Was lerne ich konkret über Ericksons Arbeitsweise?

Das Buch ist strategisch aufgebaut und zeigt, wie Erickson Aufmerksamkeit lenkte, Widerstand vermied und die Eigenaktivität des Klienten nutzte - illustriert an zahlreichen Fällen und Zitaten.

Geht es um Hypnose oder um Therapie allgemein?

Um beides. Ericksons Strategien sind hypnotisch grundiert, lassen sich aber weit über die formelle Trance hinaus in Beratung und Coaching übertragen.

Quelle

  • Short, D., Weinspach, C., Trenkle, B., & Holtz, K. L. (2024). Hoffnung und Resilienz: Therapeutische Strategien von Milton H. Erickson. Carl-Auer.

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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