Aufgeschlagenes Fachbuch mit Lesebrille auf einem Schreibtisch in warmem Licht - Erickson Rossi Hypnotherapie Rezension
Erickson & Rossi "Hypnotherapie" - Marians Rezension des Praxis-Klassikers

Erickson & Rossi "Hypnotherapie" (Buchrezension)

Wenn mich jemand fragt, mit welchem Erickson-Buch er anfangen soll, sobald er therapeutisch oder veränderungsorientiert arbeitet, dann zeige ich (Marian Zefferer) auf dieses hier. "Hypnotherapie. Aufbau - Beispiele - Forschungen" ist für mich das Buch, in dem Erickson und Rossi am dichtesten an der eigentlichen Arbeit dran sind: an dem, was im Raum passiert, wenn Veränderung geschieht.

Worum es geht

"Hypnotherapie" ist das systematische Werkstattbuch des Duos Erickson und Rossi. Wo das Schwester-Buch "Hypnose erleben" vor allem die hypnotischen Phänomene zeigt, also Katalepsie, Ideomotorik, veränderte Bewusstseinszustände, geht "Hypnotherapie" einen Schritt weiter in die Anwendung. Es fragt nicht nur: Was passiert in Trance? Sondern: Wie wird daraus eine therapeutische Veränderung?

Das Buch ist nach einem klaren Prinzip gebaut. Es stellt eine Technik oder ein Vorgehen vor, zeigt dann ein ausführliches Fallbeispiel, oft mit wörtlichem Transkript, und seziert anschließend, was Erickson getan hat und warum. Aufbau, Beispiel, Forschung. Genau das verspricht der Untertitel, und genau das hält das Buch.

Was das Buch für mich so wertvoll macht

Mehr Fälle, mehr Transkripte

Der erste Grund ist schlicht die Dichte. "Hypnotherapie" enthält mehr durchgearbeitete Fallbeispiele und mehr wörtliche Transkripte als die meisten anderen Erickson-Werke. Du liest nicht nur, dass Erickson etwas konnte, Du liest mit, wie er es Satz für Satz getan hat.

Für mich ist das die wertvollste Form, Hypnose zu lernen. Eine Technik abstrakt erklärt zu bekommen, bringt wenig. Eine Technik im echten Gespräch zu sehen, mit allen Pausen, Wiederholungen und scheinbaren Umwegen, bringt sehr viel. Diese Beispiele kannst Du modellieren.

Utilisation und indirekte Suggestion in Aktion

Inhaltlich kreist das Buch um das, was den Kern der ericksonschen Hypnose ausmacht. Im Zentrum steht das Utilisationsprinzip: alles, was der Klient mitbringt, zu nutzen, statt dagegen zu arbeiten. Ein Symptom, ein Einwand, eine Eigenheit, eine Körperhaltung, bei Erickson wird daraus das Material der Veränderung.

Dazu kommen die indirekten Suggestionen, die ich in kaum einem anderen Buch so klar an konkreten Fällen nachvollziehen konnte. Erickson sagt selten "Tun Sie X". Er baut Situationen, in denen X die naheliegende, eigene Antwort des Klienten wird. Das Buch zeigt diesen Unterschied an lebendigen Beispielen, nicht an Definitionen.

Geschrieben für die Praxis

Das ist der Punkt, der mich überzeugt hat: "Hypnotherapie" ist für Coaches und Therapeuten direkt relevant, weil es um Therapie geht, um Veränderungsarbeit mit echten Menschen und echten Anliegen. Praktische Übungen führen in die Handhabung der einzelnen Techniken ein. Du kannst das Gelesene also nicht nur bewundern, Du kannst damit anfangen zu arbeiten.

"Hypnotherapie" oder "Hypnose erleben"?

Diese Frage bekomme ich oft, deshalb hier klar: Die beiden Bücher haben einen unterschiedlichen Fokus, und beide sind ausgezeichnet.

"Hypnose erleben" ist stärker auf die hypnotischen Phänomene ausgerichtet. Du verstehst danach besser, was Trance ist und wie sie sich zeigt. Diese Phänomene sind faszinierend, im therapeutischen Alltag aber nur bedingt direkt einsetzbar.

"Hypnotherapie" setzt genau dort an, wo es um die Anwendung geht. Wenn Du mit Klienten arbeitest und Werkzeuge für die Veränderung suchst, ist dieses Buch näher an Deinem Alltag. Ich würde sagen: "Hypnose erleben" schärft das Verständnis, "Hypnotherapie" schärft das Handwerk. Wer beide liest, hat beides.

Für wen das Buch ist

"Hypnotherapie" ist kein Einsteigerbuch in dem Sinne, dass es Dir die ersten Schritte abnimmt. Es entfaltet seine volle Kraft, wenn Du Grundlagen der Konversationshypnose schon mitbringst.

Geeignet ist es vor allem für:

  • Coaches und Therapeuten, die mit Hypnose veränderungsorientiert arbeiten
  • alle, die Utilisation und indirekte Suggestion nicht nur verstehen, sondern an echten Fällen sehen wollen
  • Absolventen des Hypnose-Practitioner, die ihre Praxis vertiefen möchten

Wer dagegen erst einmal erleben will, was Hypnose überhaupt ist, beginnt entspannter mit Trenkles "Dazu fällt mir eine Geschichte ein" oder Priors "MiniMax-Interventionen".

Mein Fazit

"Hypnotherapie" ist für mich das praxisnächste Werk aus der Feder von Erickson und Rossi. Viele Fälle, viele Transkripte, ein klarer Fokus auf die therapeutische Anwendung. Es ist ein Buch zum Arbeiten, nicht nur zum Lesen.

Wenn Du mit Hypnose echte Veränderung begleiten willst, gehört es in Dein Regal. Die praktische Grundlage, um die ericksonschen Prinzipien Schritt für Schritt selbst zu üben, findest Du in meinem kostenlosen Hypnose-Workbook. Und wer das systematisch mit Übung und Feedback lernen will, ist im Hypnose-Practitioner richtig.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen "Hypnotherapie" und "Hypnose erleben"?

Beide stammen von Erickson und Rossi und ergänzen sich. "Hypnose erleben" zeigt vor allem die hypnotischen Phänomene (Katalepsie, Ideomotorik, veränderte Bewusstseinszustände). "Hypnotherapie" ist stärker auf die therapeutische Anwendung ausgerichtet und enthält mehr Fallbeispiele und Transkripte. Für die Praxis von Coaches und Therapeuten ist "Hypnotherapie" meist relevanter.

Ist das Buch für Anfänger geeignet?

Es ist kein erstes Einstiegsbuch. Es entfaltet seinen Wert, wenn Du Grundkenntnisse der Hypnose und der Konversationshypnose mitbringst. Mit dieser Basis ist es ein hervorragendes Werkstattbuch für die Praxis.

Worum geht es inhaltlich vor allem?

Im Zentrum stehen das Utilisationsprinzip und die indirekte Suggestion, also Ericksons Kunst, alles zu nutzen, was der Klient mitbringt, und Veränderung anzuregen, ohne sie aufzudrängen. Das Buch zeigt das an konkreten Fällen mit wörtlichen Transkripten.

Quelle

  • Erickson, M. H., & Rossi, E. L. (2016). Hypnotherapie (Leben Lernen, Bd. 49): Aufbau - Beispiele - Forschungen (B. Stein, Übers.). Klett-Cotta. (Originalwerk publiziert 1979)

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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