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Hammel "Therapeutische Utilisation" (Buchrezension)
Es gibt Prinzipien in der Hypnose, die sich schwer in Worte fassen lassen. Utilisation gehört dazu. Man kann es definieren, aber verstehen tut man es erst, wenn man es geschehen sieht. Genau deshalb mag ich (Marian Zefferer) Stefan Hammels "Handbuch der therapeutischen Utilisation" so sehr: Es erklärt nicht lange, es zeigt.
Worum es geht
Utilisation ist der Kern der ericksonschen Arbeitsweise und eines der wichtigsten Werkzeuge überhaupt. Die Idee dahinter: Alles, was da ist, lässt sich nutzen. Der Einwand des Klienten, sein Symptom, seine Eigenart, der Lärm vor dem Fenster, die Unterbrechung durch das Telefon. Statt gegen die Realität zu arbeiten, macht man sie zum Material der Veränderung. Wer tiefer einsteigen will, findet die Grundlagen in meinem Artikel zum Utilisationsprinzip.
Hammel nimmt sich genau dieses Prinzip vor und macht daraus ein Handbuch. Der Untertitel "Vom Nutzen des Unnützen" trifft es gut: Es geht darum, im scheinbar Störenden, Unpassenden oder Hinderlichen die Ressource zu entdecken.
Was das Buch stark macht
Rund 50 Fallbeispiele, die wirklich erklärt werden
Das Herzstück des Buches sind seine vielen Fallbeispiele. Es sind, wenn ich es richtig im Kopf habe, rund 50 Stück, und Hammel lässt sie nicht einfach stehen. Er erklärt sie. Er zeigt, was passiert ist, warum es gewirkt hat und welches Prinzip dahintersteckt.
Das ist für mich der entscheidende Punkt. Utilisation ist abstrakt und schwer lehrbar. Du kannst jemandem hundertmal sagen "Nutze, was kommt", und er wird trotzdem nicht wissen, wie. Aber wenn er fünfzig Mal gesehen hat, wie es konkret aussieht, beginnt das Prinzip in ihm zu arbeiten. Genau diesen Lernweg über Beispiele geht das Buch konsequent, und das gelingt ihm sehr gut.
Reframing und viele weitere Methoden
Neben der reinen Utilisation stellt Hammel eine ganze Reihe von Methoden vor, unter anderem Ansätze des Reframings, also der kunstvollen Umdeutung. Das Buch bleibt dabei immer am konkreten Fall, nie im rein Theoretischen. Du bekommst ein breites Repertoire, das Du direkt auf Deine eigene Arbeit übertragen kannst, ob in Beratung, Coaching, Therapie oder im familiären Kontext.
Leicht lesbar
Trotz des fachlichen Anspruchs liest sich das Buch angenehm und zugänglich. Man muss kein Vorwissen mitbringen, um die Beispiele zu verstehen und Freude daran zu haben. Das macht es zu einem guten Begleiter über längere Zeit, in den man immer wieder hineinschauen kann.
Was nicht ideal ist
Eine ehrliche Anmerkung zur Lese-Erfahrung: Die Fülle der Beispiele ist Stärke und Eigenheit zugleich. Das Buch reiht ein Beispiel an das nächste, und an das nächste, und an das nächste. Inhaltlich ist das großartig, strukturell fehlt dabei ein erzählerischer Spannungsbogen. Es ist weniger ein Buch, das Dich durch eine Dramaturgie trägt, als ein Steinbruch voller guter Beispiele, aus dem Du Dir holst, was Du brauchst.
Mich stört das wenig, weil ich genau wegen der Beispiele hineinschaue. Wer aber eine durchkomponierte Erzählung erwartet, sollte wissen, dass dieses Buch anders funktioniert: als Nachschlagewerk und Ideenquelle, nicht als Roman.
Für wen das Buch ist
"Therapeutische Utilisation" ist für alle gemacht, die das Prinzip praktisch lernen und anwenden wollen: Coaches, Therapeuten, Berater und alle, die in Gesprächen Veränderung begleiten. Soweit ich weiß, ist es das einzige eigenständige Buch, das sich ganz dem Thema Utilisation widmet. Damit ist es für mich schlicht das Standardwerk dazu.
Wer Utilisation zum ersten Mal hört, kann ruhig hier einsteigen, weil die Beispiele so zugänglich sind. Wer das Gelernte dann systematisch üben möchte, findet im Hypnose-Practitioner den passenden Rahmen.
Mein Fazit
Hammels "Handbuch der therapeutischen Utilisation" ist eine Fundgrube. Rund 50 erklärte Fälle, viele Methoden, leicht lesbar, und das beste Buch, das ich zum Thema Utilisation kenne. Die etwas listenartige Struktur nehme ich gerne in Kauf, denn was zählt, sind die Beispiele, und davon gibt es reichlich.
Wenn Du das Prinzip danach selbst in die Praxis bringen willst, hilft Dir mein kostenloses Hypnose-Workbook beim Einstieg.
Häufige Fragen
Für wen ist "Therapeutische Utilisation" geeignet?
Für Coaches, Therapeuten, Berater und alle, die das Utilisationsprinzip praktisch lernen wollen. Dank der vielen zugänglichen Fallbeispiele eignet es sich auch für Einsteiger, die sich für das Thema begeistern.
Was ist das Besondere an diesem Buch?
Es widmet sich als wohl einziges eigenständiges Werk ganz dem Thema Utilisation und macht das Prinzip über rund 50 erklärte Fallbeispiele greifbar. Gerade weil Utilisation schwer abstrakt zu vermitteln ist, ist dieser beispielbasierte Zugang besonders wertvoll.
Was könnte man am Buch kritisieren?
Die Struktur ist eher listenartig: ein Beispiel folgt auf das nächste, ohne übergreifenden Spannungsbogen. Wer eine durchkomponierte Erzählung erwartet, sollte das wissen. Als Nachschlagewerk und Ideenquelle ist gerade diese Fülle aber ein großer Vorteil.
Quelle
- Hammel, S. (2011). Handbuch der therapeutischen Utilisation (Leben Lernen, Bd. 239): Vom Nutzen des Unnützen in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde und Beratung. Klett-Cotta.
Siehe auch
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.