Lanktons Geschichten mit Zauberkraft, aufgeschlagen mit Notizen
Das Metaphern-Lehrbuch der Erickson-Schule

Lankton & Lankton "Geschichten mit Zauberkraft" (Buchrezension)

Es gibt im Hypnose- und Coaching-Bereich Bücher, die Geschichten erzählen - und es gibt Bücher, die Dir zeigen, wie eine therapeutische Geschichte unter der Motorhaube funktioniert. Stephen und Carol Lanktons Geschichten mit Zauberkraft gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Es ist das systematische Metaphern-Lehrbuch der Erickson-Schule. Wer wirklich tief verstehen will, wie eine therapeutische Metapher gebaut, gesteuert und ausgewertet wird, kommt an den Lanktons nicht vorbei.

Meine Gesamtbewertung in einem Satz

Ein präzise aufgebautes, anspruchsvolles Metaphern-Lehrbuch der Erickson-Schule - kein Anfängerbuch fürs Storytelling, aber für alle, die tief einsteigen wollen, ein sehr lohnender Klassiker.

Was das Buch ist

Stephen und Carol Lankton waren direkte Schüler von Milton H. Erickson. In Geschichten mit Zauberkraft nehmen sie die therapeutische Metapher auseinander, beschreiben ihre Bestandteile, ihre Wirkmechanismen und ihre praktische Konstruktion. Das Buch enthält ausgearbeitete Transkripte, Loops und Fallbeispiele - alles sehr klar strukturiert, sehr analytisch, sehr durchdacht.

Drei Stärken, die ich bis heute mitnehme

Erstens: Systematischer Aufbau. Die Lanktons sortieren Metaphern nach Funktion, nach Wirkrichtung, nach Einbettung in den Gesamtprozess. Wer einmal verstanden hat, wie sie therapeutische Geschichten kategorisieren, hat ein Raster, mit dem sich jede Geschichte in der eigenen Praxis auf ihre Funktion hin überprüfen lässt.

Zweitens: Loops und ihr genauer Aufbau. Das Buch erklärt Nested Loops und ihre Wirkmechanik so klar, wie ich es sonst kaum gesehen habe. Die Transkripte zeigen Schritt für Schritt, wie eine Geschichte geöffnet, eine zweite eingebettet und die erste später wieder geschlossen wird - und warum genau diese Struktur kognitive Aufmerksamkeit so geschickt bindet.

Drittens: Genau erklärte Fallbeispiele. Es gibt zwar Fallbeispiele, aber sie sind sehr analytisch und logisch aufbereitet. Du bekommst nicht nur die Geschichte erzählt, sondern auch das Warum jeder einzelnen Wendung. Wer methodisch lernen will, schätzt das. Wer einfach Geschichten lesen will, eher nicht.

Was nicht ideal ist

Das Buch ist sehr systematisch und sehr durchdacht - dieser Stil verlangt aktive Konzentration und Lust auf Modell-Denken. Wer beim Lesen vor allem berührt werden will und vom warmen Erzählton lebt, wird hier weniger andocken. Die analytisch-rationale Sprache ist eine bewusste Entscheidung der Autoren, aber sie macht das Buch zu keiner schnellen Lektüre.

Für wen das Buch passt

  • Coaches, Therapeuten, Trainer mit Vorerfahrung im Storytelling, die ihre Methodik schärfen wollen.
  • Alle, die Erickson-Sprachmuster und Metaphern systematisch verstehen wollen.
  • Profis, die Loops und Storykaskaden in ihrem Werkzeugkasten haben wollen.
  • Alle, die die Kernbotschaft einer Geschichte bewusst designen wollen.

Für wen es nicht der richtige Einstieg ist

Storytelling-Anfänger fangen hier nicht an. Das Buch ist anspruchsvoll und setzt voraus, dass Du mit therapeutischen Geschichten bereits eine Vorstellung verbindest.

Mein Einstiegspfad als Reihenfolge:

  1. Bernhard Trenkle - Dazu fällt mir eine Geschichte ein - der warmherzige, leichte Einstieg.
  2. Vera F. Birkenbihl - Story Power: Grundlagen für Storytelling (Junfermann) - eine klare, didaktische Einführung in die Grundprinzipien.
  3. Tad James - Kompaktkurs Hypnose - wenn die NLP-Hypnose-Wurzeln vertraut sein sollen, bevor Du in die Lanktons gehst.
  4. Erst danach die Lanktons.

Wer lieber live und strukturiert einsteigen will, ist im Hypnose-Practitioner oder mit dem kostenlosen Hypnose-Workbook gut bedient.

Wie ich das Buch konkret nutze

Ich lese die Lanktons selektiv. Wenn ich an einem konkreten Klienten-Thema arbeite und merke, dass meine Metapher noch nicht trägt, schlage ich das passende Kapitel auf und überprüfe meine Struktur an ihrem Raster: Wo ist meine Wendung? Wo löse ich die Spannung auf? Welche Funktion erfüllt meine Geschichte überhaupt? Das ist kein Lese-Buch, das ist ein Werkstatt-Buch. Genau dafür ist es gemacht.

Häufige Fragen

Ist Geschichten mit Zauberkraft ein Anfänger-Buch?

Nein. Das Buch ist systematisch und analytisch geschrieben, setzt eine grundsätzliche Vertrautheit mit therapeutischen Geschichten voraus und entfaltet seinen vollen Wert erst, wenn Du bereits eigene Erfahrung mit dem Erzählen im Coaching oder in der Therapie gesammelt hast.

Welches Buch sollte ich vor den Lanktons lesen?

Trenkles Dazu fällt mir eine Geschichte ein als warmen Einstieg, Birkenbihls Story Power als didaktische Grundlage, und wenn die NLP-Brille schon vertraut ist, Tad James' Kompaktkurs Hypnose. Erst danach lohnen sich die Lanktons in voller Tiefe.

Was unterscheidet die Lanktons von Trenkle?

Trenkle erzählt warmherzig und didaktisch indirekt - Du lernst, indem Du Geschichten hörst. Die Lanktons modellieren explizit - Du lernst, indem Du Bauteile auseinandernimmst. Beide Wege sind legitim. Trenkle wirkt schneller, die Lanktons tiefer.

Lohnen sich die Lanktons noch im Zeitalter von Online-Materialien?

Ja. Ihre Systematik findet sich in dieser Klarheit nirgendwo sonst. Wer Metaphern professionell einsetzt, profitiert vom strukturierten Blick auf das, was die meisten anderen Autoren intuitiv machen.

Quelle

  • Lankton, S. R. & Lankton, C. H. (1986). Geschichten mit Zauberkraft: Die Arbeit mit Metaphern in der Psychotherapie. Iskopress.

  • Trenkle, B. (2021). Dazu fällt mir eine Geschichte ein: Direkt-indirekte Botschaften für Therapie, Beratung und über den Gartenzaun (mit Vorwort von Manfred Lütz). Carl-Auer.

  • James, T. & Flores, L. (2017). Kompaktkurs Hypnose: Wie man Phänomene tiefer Trance hervorruft. Junfermann.

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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