Zwei leere Sessel im warmen Gegenlicht als Bild für die Übertragung der Problemtrance im Coaching
Zwei Sessel im Gegenlicht, dazwischen ein Raum, in dem sich Stimmungen übertragen.

Wenn der Coach in die Problemtrance rutscht

Ich (Marian Zefferer) hatte vor einer dritten Sitzung keine Lust auf meinen Klienten.

Das war neu für mich. Coaching und Training gehören zu den wenigen Tätigkeiten, aus denen ich mit mehr Energie herauskomme als ich hineingegangen bin. Und da saß ich, schaute auf den Termin im Kalender und merkte: Ich will da nicht hin.

Der Mann hatte tatsächlich ein Päckchen zu tragen. Zwei Sitzungen lang war ich mit ihm nicht weitergekommen, und irgendwo zwischen der zweiten und der dritten hatte ich angefangen, ihn in meinem Kopf als schwierig zu führen.

Genau dort war der Fehler. In dem Fall war ich das Problem.

Über diesen Gedanken habe ich nach einer Tour auf den Untersberg ein kurzes Video aufgenommen. Wenn Du lieber zuhörst:

Was Gilligan über schwierige Klienten sagt

Stephen Gilligan hat dafür einen Satz, der bei mir hängengeblieben ist: Manche Klienten sind so gut in ihrer Depression, dass sie den Therapeuten oder den Hypnotiseur in die Depression hinein hypnotisieren.

Das klingt zugespitzt und beschreibt etwas sehr Handfestes. Wer über Jahre in einem Erleben lebt, wird darin außerordentlich kompetent. Die Körperhaltung, das Sprechtempo, die Wortwahl, die Pausen, die Blickrichtung: alles ist aufeinander abgestimmt und wirkt. Es wirkt auf den Menschen selbst, und es wirkt auf jeden, der ihm eine Stunde lang gegenübersitzt.

Gunther Schmidt nennt dieses Erleben Problemtrance. Ein Symptom ist in dieser Lesart ein Trancezustand, den ein Mensch sich selbst immer wieder induziert, mit erstaunlicher Zuverlässigkeit und ohne Absicht. Ich habe das Konzept an anderer Stelle ausführlich beschrieben, in Problemtrance und Lösungstrance.

Was in der Literatur dabei selten steht: Diese Trance hört nicht am Rand des Sessels auf. Wenn ich von der Non-State-Position aus arbeite, also Hypnose als wirksame Kommunikation verstehe, dann ist das sogar die logische Folge. Kommunikation läuft in beide Richtungen. Wer eine Stunde lang Rapport zu einem Menschen hält, übernimmt ein Stück von dessen Erleben. Das ist der Preis und zugleich das Werkzeug unserer Arbeit.

Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Tag liegt oft nur darin, ob ich merke, dass es gerade passiert.

Fünf Anzeichen, dass Du selbst in der Problemtrance sitzt

Person sitzt nachdenklich in einem Sessel und blickt auf einen leeren zweiten SesselDie Anzeichen sind unspektakulär. Genau deshalb übersieht man sie.

1. Unlust vor dem Termin. Der zuverlässigste Frühwarner. Ein Termin, auf den Du keine Lust hast, obwohl Du Deinen Beruf magst, sagt etwas über den gemeinsamen Zustand aus, in den Ihr Euch gebracht habt.

2. Der Klient bekommt ein Etikett. Schwierig. Unmotiviert. Kommt nicht ins Tun. Sobald ich einen Menschen in meinem Kopf mit einer Eigenschaft versehe, arbeite ich ab diesem Moment mit dem Etikett und nicht mehr mit ihm.

3. Du prognostizierst. "Der wird das wieder nicht gemacht haben." Wer so denkt, geht mit einer fertigen Erwartung in den Raum. Erwartung ist eines der wirksamsten Werkzeuge in der Hypnose, und sie wirkt genauso zuverlässig in die unerwünschte Richtung.

4. Du strengst Dich mehr an als der Klient. Wenn ich in einer Sitzung ins Schwitzen komme und mein Gegenüber sitzt entspannt da, dann habe ich die Verantwortung an mich gezogen, die eigentlich zwischen uns liegt.

5. Du diskutierst. Argumente sind der Beleg dafür, dass wir beide in derselben Landkarte feststecken. Ich habe die Position des Klienten übernommen und versuche jetzt, sie von innen zu widerlegen.

Alle fünf beschreiben denselben Vorgang aus verschiedenen Winkeln: Ich habe die Perspektive gewechselt und arbeite jetzt aus der Problemsicht heraus.

Was ich in dem Fall gemacht habe

Vor der dritten Sitzung habe ich eine Übung gemacht, die im NLP Ressourcen schicken heißt. Sie dauert wenige Minuten und ist bewusst schlicht gehalten.

Erstens: Ich stelle mir den Menschen vor, so genau wie möglich. Gesicht, Haltung, Stimme.

Zweitens: Ich schaue nach, was ich ihm gerade nicht zutraue. Bei diesem Klienten war es Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, für sich selbst etwas zu entscheiden.

Drittens: Ich schicke ihm genau das. Manche stellen sich einen Strahl vor, manche eine Umarmung, manche einfach einen Satz. Die Form ist zweitrangig, die Richtung ist der Punkt.

Viertens: Ich prüfe, ob sich etwas verändert hat. Wenn ich beim zweiten Durchgang wieder an sein Gesicht denke, fühlt es sich anders an oder unverändert.

Die Sitzung danach war deutlich besser als die drei davor. Am Klienten hatte sich nichts geändert. Er wusste nichts von der Übung.

Ehrlicherweise weiß ich nicht, welcher Teil davon gewirkt hat. Vermutlich schlicht, dass ich meine Erwartung geändert habe und mit einer anderen Körperhaltung, einem anderen Tempo und einer anderen Aufmerksamkeit in den Raum gegangen bin. Für die Praxis reicht mir das. Der Effekt ist reproduzierbar, der Aufwand liegt bei fünf Minuten, und es gibt keinen Grund, ihn nicht zu nutzen.

Dein Zustand ist die erste Intervention der Sitzung. Sie läuft ab der Sekunde, in der Du den Raum betrittst, und zwar unabhängig davon, ob Du sie geplant hast.

Der Teilnehmer, der nicht assoziieren konnte

Problemtrance klingt nach schweren Themen. Sie funktioniert im Kleinen genauso.

In einer Ausbildung saß ein Teilnehmer, der überzeugt war, nicht assoziieren zu können. Also sich nicht in eine Situation hineinversetzen zu können, sie nicht aus den eigenen Augen zu sehen. Bei jeder Anleitung, die in diese Richtung ging, sagte er, das könne er nicht. Und probierte es gar nicht erst.

Dabei war er ständig assoziiert. In Übungen, in Gesprächen, beim Erzählen. Sein Problem war ein Gedankengebäude darüber, wie sich Assoziation anzufühlen hat und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Diese Voraussetzungen waren nie erfüllt, also lautete das Ergebnis jedes Mal: geht nicht.

Das ist ungefähr so, als würde jemand sagen, er könne den Mund nicht öffnen, während er es sagt.

Für mich als Trainer gibt es hier zwei Wege. Der eine ist, ihm zu erklären, dass er es kann. Der Weg führt in die Diskussion und damit in Anzeichen Nummer fünf. Der andere ist, ihn auf seine eigenen Erlebnisse aufmerksam zu machen, und zwar so, dass er sie annehmen kann. Er hatte diese Erlebnisse ja. Er hatte sie nur nicht als Beleg verbucht.

Dieser zweite Weg ist Arbeit am Aufmerksamkeitsprinzip. Ich verändere nichts an dem Menschen. Ich verschiebe, worauf er schaut.

Überlebbare Fehler

Ein Kollege hat einen Satz geprägt, den ich seither oft zitiere: Es ist gut, wenn Klienten überlebbare Fehler machen. Und zwar möglichst viele.

Die Einschränkung ist wichtig und schnell erklärt. Wo es um Leben und Tod geht, greife ich ein. Alles darunter sind Erfahrungen.

Der Grund, warum ein System diese Erfahrung braucht, ist derselbe, aus dem Du Dich an manchen Stellen selbst nicht siehst: Wer im Bild steht, sieht den Rahmen nicht.

Warum das für die Problemtrance zentral ist, zeigt eine Lerngeschichte, die Paul Watzlawick gern erzählt hat.

Ein Pferd steht in einer Box mit einem Metallgitter am Boden. Es ertönt eine Glocke, kurz darauf kommt ein Stromschlag. Glocke, Schlag. Glocke, Schlag. Das Pferd lernt schnell: Wenn ich bei der Glocke den Huf hebe, passiert mir nichts. Irgendwann wird die Anlage abgebaut. Es fließt kein Strom mehr. Das Pferd hebt trotzdem weiter den Huf, bei jeder Glocke, jahrelang.

Und es wird das nie herausfinden. Es sei denn, es macht einen Fehler. Zu müde, zu langsam, abgelenkt: Der Huf bleibt unten. Glocke, und nichts passiert.

Einmal genügt noch nicht. Beim nächsten Mal hebt es den Huf wieder. Aber nach ein paar solchen Fehlern kommt eine neue Information in ein System, das seit Jahren geschlossen war.

Jede Problemtrance ist so gebaut. Das vermeidende Verhalten verhindert die Erfahrung, die es auflösen würde. Wer nie vor Gruppen spricht, weiß nie, dass er es kann. Wer nie eine Grenze setzt, erfährt nie, dass die Beziehung das aushält.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem wir als Begleiter selbst Teil des Systems werden: Ein Coach in der Problemtrance schützt seinen Klienten vor genau diesen Fehlern. Er macht die Aufgabe kleiner, er sichert ab, er redet die Sache im Vorfeld weich. Aus Fürsorge. Und nimmt ihm damit die einzige Erfahrung weg, die die Sache ändern würde.

Milton Erickson hat in die andere Richtung gearbeitet. Er hat Menschen Aufträge mitgegeben, die sie im Alltag ausführen mussten, oft ohne Erklärung. Jay Haley hat diese Arbeitsweise ausführlich beschrieben. Wie Du solche Aufträge baust, steht in Hausaufgaben im Coaching.

Der Klient ist Dein Kooperationspartner

Das Kooperationsprinzip ist eines der acht hypnotischen Prinzipien, mit denen ich arbeite, und es liefert die sauberste Antwort auf das ganze Thema.

Ein Klient leistet keinen Widerstand. Er kooperiert immer, nur manchmal mit einer anderen Landkarte als der, die ich gerade im Kopf habe. Wenn die Übung liegen bleibt, war sie zu groß, zu fremd oder zu wenig seine. Das ist eine Information über meine Intervention.

Der Unterschied ist praktisch, nicht kosmetisch. "Der blockiert" beendet das Nachdenken. "Was genau ist meiner Aufgabe an ihm vorbeigegangen" macht es auf.

Ganz ähnlich funktioniert die Sache mit den inneren Anteilen. Wenn ein Teil eines Menschen etwas will und ein anderer das Gegenteil, dann bringt es wenig, eine Seite lauter zu bestärken. Die Arbeit besteht darin, beide Seiten in dieselbe Richtung zu bringen. Mehr dazu im Seitenmodell.

Drei Dinge, die Deinen Zustand stabil halten

Vorbereitung als Zustandsarbeit. Fünf Minuten vor der Sitzung reichen. Ressourcen schicken, eine kurze Selbsthypnose, eine Runde um den Block. Der Inhalt ist zweitrangig, die Regelmäßigkeit zählt.

Supervision. Für den eigenen blinden Fleck brauchst Du einen Spiegel von außen. Man steckt im eigenen Film, und von innen ist er kaum zu sehen. Warum das zur Praxis dazugehört, steht in Supervision in der Hypnose.

Eigene Erfahrungen sammeln. Wer selbst regelmäßig etwas tut, das ihn Überwindung kostet, hält seine eigene Landkarte in Bewegung. Ich merke den Unterschied deutlich zwischen Phasen, in denen ich viel Neues ausprobiere, und Phasen, in denen ich das nicht tue. Wie sich das dosieren lässt, steht in Angst vor Sichtbarkeit? Der Teil, der Dich schützt.

Und ein vierter Punkt, der sich schlecht in eine Liste einsortieren lässt: Ein Fall, der über Wochen nicht in Bewegung kommt, ist ein guter Anlass, das Thema anzusprechen. Nicht als Vorwurf. Als gemeinsame Beobachtung. "Mir fällt auf, dass wir beide seit drei Terminen an derselben Stelle sind. Was denkst Du darüber?" ist oft die wirksamste Intervention der ganzen Sitzung.

Länderhinweis: Coaching und Psychotherapie sind im deutschsprachigen Raum unterschiedlich geregelt. In Deutschland gilt das Heilpraktikergesetz, in Österreich das Psychotherapiegesetz sowie die Lebens- und Sozialberatung, in der Schweiz die kantonalen Regelungen. Bei Depressionen und anderen Krankheitsbildern gehört die Behandlung in therapeutische Hände. Die Frage nach dem eigenen Zustand stellt sich in beiden Berufen gleichermaßen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Problemtrance? Problemtrance beschreibt ein unerwünschtes Erleben, das ein Mensch sich selbst immer wieder induziert. Der Begriff stammt aus der hypnosystemischen Arbeit von Gunther Schmidt. Ein Symptom wird dabei als Trancezustand verstanden, der zuverlässig abläuft und ohne bewusste Absicht ausgelöst wird. Das Gegenstück ist die Lösungstrance, in der die Aufmerksamkeit auf dem gewünschten Erleben liegt.

Kann sich eine Problemtrance auf den Coach übertragen? Ja, und das ist alltäglich. Wer über eine Stunde Rapport zu einem Menschen hält, übernimmt etwas von dessen Erleben. Stephen Gilligan beschreibt das mit dem Bild, dass manche Klienten den Behandelnden in ihre Depression hinein hypnotisieren. Als Anzeichen taugen Unlust vor dem Termin, Etiketten für den Klienten und der eigene Drang zu diskutieren.

Woran merke ich, dass ich mit einem Klienten feststecke? Ein gutes Signal ist der Vergleich der Anstrengung. Wenn Du in der Sitzung mehr arbeitest als Dein Gegenüber, hast Du die Verantwortung an Dich gezogen. Ein zweites Signal sind Prognosen über den nächsten Termin. Beides lässt sich in einer Supervision gut überprüfen.

Was hilft gegen den eigenen Problemtrance-Zustand? Kurze Zustandsarbeit vor der Sitzung, zum Beispiel die Übung Ressourcen schicken. Dazu Supervision für den blinden Fleck und die Gewohnheit, Stagnation offen anzusprechen. Am wirksamsten ist meist die schlichte Frage, was Du dem Klienten gerade nicht zutraust.

Warum sollen Klienten Fehler machen dürfen? Weil vermeidendes Verhalten die Erfahrung verhindert, die es auflösen würde. Solange jemand die gefürchtete Situation umgeht, bekommt er nie die Information, dass sie anders ausgeht als erwartet. Überlebbare Fehler liefern genau diese Information. Wo es um ernsthafte Gefahr geht, gilt das ausdrücklich nicht.

Ist das dasselbe wie Gegenübertragung? Es beschreibt verwandte Beobachtungen aus zwei Traditionen. Die Gegenübertragung stammt aus der Psychoanalyse und arbeitet stark mit der Biografie des Behandelnden. Die hypnosystemische Sicht schaut auf den Zustand im Hier und Jetzt und darauf, wie er sich in wenigen Minuten verändern lässt. Für die Praxis ist der zweite Zugang schneller.

Fazit

Der Zustand des Begleiters ist Teil der Intervention. Wenn eine Zusammenarbeit stockt, lohnt der Blick auf die eigene Seite des Tisches zuerst, weil sie die Seite ist, an der Du sofort etwas ändern kannst.

Angenommen, Du gehst in Deine nächste schwierige Sitzung mit einer klaren Erwartung an das, was dieser Mensch kann. Was würde sich an den ersten fünf Minuten verändern?

Wenn Du das systematisch lernen willst: Im kostenlosen Hypnose-Workbook findest Du die Grundlagen zum Einstieg. Und in der Hypnose-Practitioner-Ausbildung arbeiten wir genau an diesen Situationen, mit echten Fällen aus dem Alltag der Teilnehmer.

Quelle

  • Gilligan, S. G. (2010). Liebe dich selbst wie deinen Nächsten: Die Psychotherapie der Selbstbeziehung. Carl-Auer.
  • Schmidt, G. (2022). Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer.
  • Haley, J. (2006). Die Psychotherapie Milton H. Ericksons. Klett-Cotta.
  • O'Hanlon, W. H. (1995). Eckpfeiler: Grundlegende Prinzipien der Therapie und Hypnose Milton H. Ericksons. iskopress.

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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