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Eine Zahl, die über 43 Studien gemittelt ist. Für die Gruppe stimmt sie. Für den Menschen vor Dir sagt sie wenig.

Hypnose wirkt: d = 0,60 über 43 randomisierte Studien

43 randomisierte Studien, zusammengerechnet an der Universität Konstanz. Bei Störungen mit ICD-10-Diagnose lag die Effektstärke der Hypnose bei d = 0,60. Übersetzt: Der durchschnittliche Patient mit Hypnose stand am Ende besser da als rund 73 von 100 Patienten in den Kontrollgruppen.

Das ist die deutschsprachige Zahl zur Wirksamkeit der Hypnose. Sie steht auf Praxiswebseiten und in Anträgen an Krankenkassen. Sie stimmt. Dazu gehört eine zweite Information, die fast immer weggelassen wird: Vier Jahre später hat der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Hypnotherapie für genau zwei Anwendungsbereiche anerkannt.

Ich (Marian Zefferer) sammle solche Arbeiten, weil mich interessiert, was die Forschung wirklich hergibt und wo sie aufhört. Diese Studie ist eine von über 280 auf meiner Seite Hypnose-Forschung: Studien im Überblick. Sie ist der beste Beleg dafür, dass ein guter Mittelwert und eine gesicherte Indikation zwei verschiedene Dinge sind.

Was untersucht wurde

Walter Bongartz, Erich Flammer und R. Schwonke von der Universität Konstanz durchsuchten die Literatur nach kontrollierten Studien zur Hypnose. 43 blieben übrig, alle mit Zufallszuteilung in die Gruppen. Erschienen ist die Auswertung 2002 in der Zeitschrift Psychotherapeut.

Die Autoren rechneten zwei Fragen getrennt durch, und das ist der Schlüssel zur ganzen Arbeit.

Die erste Frage: Was leistet Hypnotherapie bei Beschwerden, die eine ICD-10-Diagnose tragen? Angststörungen, psychosomatische Beschwerden, Abhängigkeiten.

Die zweite Frage: Was leistet Hypnose, wenn sie eine medizinische Maßnahme begleitet? Eine Operation, einen Eingriff, eine Behandlung, die ohnehin stattfindet.

Gemessen wurde jeweils am Ende der Behandlung, gewichtet nach Gruppengröße.

Was herauskam

Bei den klinischen Störungen lag die gewichtete Effektstärke bei d = 0,60. Das ist ein mittlerer Effekt, in derselben Größenordnung wie das, was die Psychotherapieforschung allgemein für wirksame Verfahren findet. Rechnerisch: rund 73 von 100 Kontrollpatienten wurden übertroffen.

Bei der Begleitung medizinischer Maßnahmen lag der Wert bei d = 0,38. Ein kleiner bis mittlerer Effekt, rund 65 von 100.

d = 0,60 bei eigenständiger Behandlung. d = 0,38 als Begleitung einer medizinischen Maßnahme. Hypnose ist also stärker, wenn sie die Behandlung ist, als wenn sie eine Behandlung begleitet.

Dieses Muster hält bis heute. Flammer und Alladin fanden 2007 für psychosomatische Störungen d = 0,61 über 21 randomisierte Studien, also praktisch denselben Wert. Für den Operationsbereich liefert die Jenaer Gruppe die genaueren Zahlen: 34 randomisierte Studien mit 2.597 Patienten, g = 0,53 für die seelische Belastung und g = 0,44 für den Schmerz. Und das große Update zur Hypnose als Zusatz zur Verhaltenstherapie findet mit d = 0,25 bis 0,41 am Therapieende ebenfalls den kleineren Wert für die Zusatzrolle.

Vier Auswertungen, zwei Jahrzehnte auseinander, dasselbe Bild.

Was das für Deine Praxis heißt

Ein mittlerer Effekt über 43 Studien beschreibt eine Gruppe. Über den Menschen, der bei Dir sitzt, sagt er nichts.

Der Satz, den Du morgen sagen kannst, wenn jemand fragt, ob das überhaupt wirkt: „Über 43 randomisierte Studien liegt der Effekt im mittleren Bereich, vergleichbar mit anderen wirksamen Verfahren. Ob es bei Dir wirkt, sehen wir nach drei Terminen. Vorher wäre jede Zusage von mir erfunden."

Das ist ehrlich, und es arbeitet. Du setzt einen Prüfzeitpunkt und machst Deinen Klienten damit zum Beobachter seines eigenen Prozesses.

Hier greift das Kooperationsprinzip aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien. Der Effekt entsteht zwischen Euch beiden. Wer prüft, ist beteiligt, und wer beteiligt ist, verändert mehr. Wie Du diese Haltung sprachlich aufbaust, steht im Kooperationsprinzip in der Hypnose. Wo Hypnose im medizinischen Umfeld sauber eingesetzt wird, zeigt Hypnose in der Medizin.

Grenzen der Studie

Die Arbeit ist von 2002, und die Datenbasis pro Störungsbild war damals schmal. Für manche Diagnosen standen nur zwei oder drei Studien zur Verfügung. Ein guter Gesamtmittelwert mittelt über gut belegte und kaum belegte Anwendungsfelder hinweg.

Dazu kommt der Publikationsbias. Moshagen und Musch haben 2008 in Contemporary Hypnosis genau für dieses Forschungsfeld gezeigt, dass Studien mit positivem Ergebnis deutlich häufiger veröffentlicht werden als solche ohne. Jede Effektstärke in diesem Bereich ist damit eher eine Obergrenze.

Die meisten ausgewerteten Studien arbeiteten mit klassischer Hypnose samt formaler Induktion. Über Suggestion im normalen Gespräch sagt diese Arbeit nichts. Dass es auch ohne Induktion geht, zeigen andere Studien, siehe State- und Non-State-Theorie.

Und dann die Einordnung, die am wichtigsten ist. Am 27. März 2006 beurteilte der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Hypnotherapie als wissenschaftlich anerkannt für Erwachsene in zwei Anwendungsbereichen: psychische und soziale Faktoren bei körperlichen Erkrankungen (F54) sowie Abhängigkeiten und Missbrauch (F1, F55), hier mit Belegen allein für Raucherentwöhnung und Methadonentzug. Für Kinder und Jugendliche reichte es für keinen Bereich. Ein mittlerer Effekt über alle Störungen hinweg ist etwas anderes als Evidenz für eine einzelne Indikation.

Rechtlich gilt: Wo eine Diagnose im Spiel ist, greifen in Deutschland das Heilpraktiker- und Heilberufsrecht, in Österreich das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz kantonales Recht. Als Coach arbeitest Du an Zielen und Gewohnheiten. Die Diagnose bleibt beim Arzt.

Häufige Fragen

Ist die Wirksamkeit von Hypnose wissenschaftlich belegt? Für mehrere Anwendungsfelder ja. Diese Meta-Analyse über 43 randomisierte Studien findet d = 0,60 bei klinischen Störungen und d = 0,38 bei der Begleitung medizinischer Maßnahmen. Am besten abgesichert sind heute Schmerz, Reizdarm und medizinische Eingriffe.

Was bedeutet eine Effektstärke von d = 0,60? Sie beschreibt den Abstand zweier Gruppen, gemessen in Streuungseinheiten. Bei 0,60 übertrifft der durchschnittliche Behandelte rund 73 von 100 Personen der Kontrollgruppe. In der Psychotherapieforschung gilt das als mittlerer Effekt.

Warum ist Hypnotherapie in Deutschland nur für wenige Bereiche anerkannt? Weil der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie pro Anwendungsbereich prüft und dort eine Mindestzahl unabhängiger Studien verlangt. 2006 war diese Schwelle für zwei Bereiche erreicht. Eine gute Gesamteffektstärke ersetzt diesen Nachweis nicht. Wie Du Hypnose innerhalb Deines Rahmens sauber einsetzt, übst Du im Hypnose-Practitioner.

Fazit

d = 0,60 ist eine ehrliche Zahl. Sie sagt: Hypnose gehört zu den wirksamen Verfahren. Sie sagt nicht, dass sie bei jeder Beschwerde belegt ist, und sie sagt gar nichts über den Menschen vor Dir.

Angenommen, Du würdest Deinem nächsten Klienten im ersten Termin einen Prüftermin nach drei Sitzungen anbieten. Was würde sich an seiner Mitarbeit verändern, noch bevor der Termin da ist?

Die sprachlichen Bausteine dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du sie im Gespräch aufbaust, lernst Du im Hypnose-Practitioner.

Quelle

  • Bongartz, W., Flammer, E., & Schwonke, R. (2002). Die Effektivität der Hypnose. Psychotherapeut, 47(2), 67-76. https://doi.org/10.1007/s00278-002-0207-z
  • Moshagen, M., & Musch, J. (2008). Publication bias in studies on the efficacy of hypnosis as a therapeutic tool. Contemporary Hypnosis, 25(2), 94-99. https://doi.org/10.1002/ch.355
  • Flammer, E., & Alladin, A. (2007). The Efficacy of Hypnotherapy in the Treatment of Psychosomatic Disorders: Meta-analytical Evidence. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 55(3), 251-274. https://doi.org/10.1080/00207140701338696
  • Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie nach § 11 PsychThG. (2006). Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der Hypnotherapie. Deutsches Ärzteblatt, 103(28-29), A-1979.

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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