Zwei Menschen stehen rauchend vor einem Bürogebäude im Gespräch
Die Zigarettenpause ist selten nur eine Zigarette.

Warum schaffe ich es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören?

Die Frage ist schon falsch gestellt. "Warum schaffe ich es nicht" setzt voraus, dass Du es nicht schaffst. Wer diese Frage lange genug mit sich herumträgt, bekommt am Ende eine Antwort darauf. Und das ist das Problem.

Ich (Marian Zefferer) höre diese Frage oft, und meine erste Reaktion ist immer dieselbe: Streich sie aus Deinem Repertoire. Nicht aus Höflichkeit. Weil sie Dich in die Richtung lenkt, aus der Du herauswillst.

Danach kommt die eigentliche Antwort, und die hat mit Willenskraft wenig zu tun.

Ich habe das in einem kurzen Video zusammengefasst. Wenn Du es lieber hörst als liest:

Wie Du die Frage umbaust

Sprache legt fest, wonach Du suchst. Frage eins lautet: "Warum schaffe ich es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören?" Dein Kopf liefert brav Belege für das Scheitern. Drei abgebrochene Versuche, die Party im Mai, der Stress im Job.

Frage zwei: "Warum habe ich es noch nicht geschafft?" Ein einziges Wort mehr, und die Sache steht offen. "Noch nicht" behauptet einen Zeitpunkt danach.

Frage drei, und das ist die, mit der ich arbeite: "Wie kann ich es mit all den Erfahrungen der letzten Jahre jetzt mit Leichtigkeit schaffen?" Diese Frage zwingt Dich, nach Wegen zu suchen. Sie utilisiert obendrein Deine bisherigen Versuche als Material statt als Beweislast.

Das ist kein Wortspiel zur Selbstberuhigung. Es ist eine Präsupposition, also eine Voraussetzung, die im Satz mitreist, ohne ausgesprochen zu werden. In "Wie schaffst Du es mit Leichtigkeit" steckt: Du schaffst es, und es geht leicht. Darüber diskutiert der Kopf gar nicht erst, er beantwortet die Frage.

Handgeschriebener Notizblock mit drei Zeilen und ein Füllfederhalter auf einem HolztischProbier es einmal aus, bevor Du weiterliest. Stell Dir die dritte Frage und warte zehn Sekunden. Bei den meisten Menschen kommt etwas. Das ist derselbe Mechanismus, den ich in der Konversationshypnose für alle möglichen Anliegen nutze.

Der Teil, der weiterrauchen will

Jetzt zur Antwort auf die Frage, die Du eigentlich gestellt hast.

In den allermeisten Fällen gibt es einen Anteil in Dir, der sagt: Stopp. Ich brauche das noch. Ich will das noch. Der größere Teil von Dir weiß längst, dass Rauchen ungesund ist, teuer ist, stinkt. Es gibt tausend Gründe. Und trotzdem steht da einer und hält dagegen.

Dieser Anteil ist nicht dumm. Er hat Gründe, und sie sind meistens erstaunlich vernünftig.

Am häufigsten sind es soziale Gründe. In der Arbeit sind die Rauchpausen der einzige Moment, in dem jemand fünf Minuten aus dem Großraumbüro verschwindet, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Da draußen wird geredet. Da erfährst Du Dinge, die in keiner Mail stehen. Oder: Die Menschen, die Du magst, rauchen. Was passiert mit diesen Freundschaften, wenn Du nicht mehr dabeistehst?

Das sind sinnvolle Bedenken. Solange sie unbeantwortet bleiben, verliert jeder Rauchstopp gegen sie. Nicht sofort. Aber nach drei Wochen, wenn der erste Stresstag kommt.

Fachlich heißt das positive Absicht: Hinter jedem Verhalten, das Du loswerden willst, steckt ein Bedürfnis, das Dir gute Dienste leistet. Die Zigarette ist ein Lösungsversuch für Anschluss, Pause und Regulation. Gunther Schmidt beschreibt solche Konstellationen als Anteile mit unterschiedlichen Aufträgen, die derselbe Mensch gleichzeitig verfolgt (Schmidt, 2022). Wer nur den lauteren Anteil bedient, bekommt den leiseren als Gegner.

Du hörst nicht auf zu rauchen, solange ein Teil von Dir dafür bezahlt.

Was die Forschung dazu sagt

Hier lohnt ein ehrlicher Blick auf die Zahlen, weil sie genau diesen Punkt stützen.

Anil Batra und sein Team haben 360 aufhörwillige Raucher zufällig auf zwei Gruppenprogramme verteilt: sechs Wochen Hypnotherapie oder sechs Wochen kognitive Verhaltenstherapie. Nach zwölf Monaten waren 15,0 Prozent der Hypnose-Gruppe durchgehend rauchfrei und 15,6 Prozent der Verhaltenstherapie-Gruppe (Batra et al., 2024). Die Methoden liegen also gleichauf.

Die interessantere Zahl steht daneben: Rund 85 Prozent rauchen nach beiden Programmen weiter. Eine Cochrane-Übersicht über 14 randomisierte Studien mit 1926 Teilnehmern kommt zum selben nüchternen Bild. Hypnose als Zusatz zu anderen Maßnahmen zeigt einen Vorteil, den die Autoren wegen methodischer Schwächen selbst vorsichtig einordnen; gegen gleich intensive andere Verfahren bleibt kein Unterschied übrig (Barnes et al., 2019).

Daraus lese ich etwas anderes heraus als "Hypnose hilft nicht". Die Methode ist offenbar nicht der Engpass. Ob eine Sitzung mit Induktion oder ein Verhaltensprogramm mit Hausaufgaben läuft, macht kaum einen Unterschied. Was den Unterschied macht, ist die Frage, ob die inneren Bedenken abgeräumt sind, bevor das Aufhören beginnt. Genau das ist in Gruppenprogrammen schwer zu leisten, weil dort alle dasselbe Skript bekommen.

Weitere Auswertungen zu Rauchstopp, Gewicht und Suchtthemen habe ich in der Hypnose-Forschung mit Studien im Überblick gesammelt. Wie eine Sitzung zur Raucherentwöhnung abläuft, steht in meinem Überblick zu Rauchen aufhören mit Hypnose.

Die Bedenken einzeln ausräumen

Jetzt wird es praktisch. Nimm jedes Bedenken und behandle es wie einen Auftrag, den Du neu vergeben musst.

Die Rauchpausen. Was genau brauchst Du an ihnen? Den Wechsel des Raums, die fünf Minuten ohne Bildschirm, den Smalltalk. Alles drei geht auch mit einem Kaffee, einer Runde ums Gebäude oder einem Glas Wasser am Fenster. Der Trick liegt darin, den Ersatz vorher festzulegen und in den Kalender zu schreiben. Ein Bedürfnis, das erst um 15 Uhr nach einer Lösung sucht, greift zur schnellsten.

Die Freundschaften. Geh weiter mit raus. Du musst nicht rauchen, um dabeizustehen. Viele überspringen diesen Schritt, weil sie den Ort meiden wollen. Damit kappen sie genau die Verbindung, die der bremsende Anteil schützt, und liefern ihm das beste Argument für den Rückfall.

Der Stress. Hier braucht es einen ehrlichen Blick: Nikotin senkt den Stress, den der Entzug selbst erzeugt. Was übrig bleibt, ist die Pause und das Atmen. Beides lässt sich trainieren, und zwar in Selbsthypnose in derselben Länge wie eine Zigarette.

Das Gewicht. Wer diese Sorge hat, sollte sie aussprechen, bevor sie im Hintergrund arbeitet. Ein Anteil, der eine Gewichtszunahme fürchtet, sabotiert zuverlässig, wenn ihn niemand fragt.

Person steht mit einer Tasse Kaffee am offenen Fenster einer hellen Küche und schaut hinausDie Reihenfolge ist der Punkt. Erst die Aufträge neu vergeben, dann aufhören. Wer umgekehrt vorgeht, kämpft gegen sich selbst und nennt das Ergebnis später mangelnde Disziplin. Wie Du zwei gegenläufige Anteile in ein Gespräch bringst, habe ich im Ambivalenz-Coaching und im Seitenmodell ausführlich beschrieben.

Der Zwei-Wochen-Deal

Es gibt einen Zwischenschritt, der erstaunlich gut funktioniert, wenn ein Anteil noch bremst.

Du hörst testweise für zwei Wochen auf. Nur zum Anschauen, wie es sein wird. Keine Entscheidung fürs Leben, kein Schwur, keine Bilanz. Zwei Wochen.

Das nimmt dem bremsenden Anteil sein stärkstes Argument, nämlich die Endgültigkeit. Er muss nichts für immer hergeben, er darf nur einmal hinsehen. Und oft passiert dabei etwas, das kein Argument der Welt vorher erreicht hätte: Nach zehn Tagen merkst Du, dass Du die Raucherpause gar nicht brauchst, weil Du insgesamt ruhiger bist. In dem Moment sagt der innere Zweifler von selbst: In Ordnung. Dann ist es kein Problem mehr.

Das ist eine hypothetische Frage in Handlungsform. "Mal angenommen, Du probierst es zwei Wochen. Was wäre dann anders?" verändert die Aufmerksamkeit schon beim Fragen. Die zwei Wochen liefern die Erfahrung dazu.

Ein Hinweis aus der Praxis: Sag vorher, was passiert, wenn Du in diesen zwei Wochen doch rauchst. Nämlich nichts. Es ist ein Test, kein Versprechen. Ohne diese Klausel wird aus dem Experiment wieder ein Versuch, der scheitern kann.

Welche Prinzipien hier arbeiten

Aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien greifen bei diesem Thema vor allem drei.

Das Kooperationsprinzip: Der bremsende Anteil ist ein Verhandlungspartner. Ich behandle ihn wie jemanden, der einen guten Grund hat, und frage nach diesem Grund, bevor ich irgendetwas vorschlage. Milton Erickson hat genau so gearbeitet, auch bei Symptomen, die seinen Klienten schadeten (Erickson & Rossi, 2016).

Das Utilisationsprinzip: Die gescheiterten Versuche sind Material. Jemand, der dreimal aufgehört hat, weiß präzise, wann es kippt. Diese Information ist mehr wert als jeder allgemeine Tipp (Hammel, 2011).

Die Aufmerksamkeit: Wohin Du schaust, dorthin geht die Energie. Deshalb steht ganz oben in diesem Artikel die Umformulierung der Frage und nicht am Ende.

Was dabei hilft, ist eine freundliche Haltung dem bremsenden Anteil gegenüber. Stephen Gilligan beschreibt, dass ein abgewerteter innerer Anteil lauter wird, je härter man gegen ihn vorgeht (Gilligan, 2010). Bei Rauchern klingt das dann so: "Ich bin einfach zu schwach." Dieser Satz hat noch nie jemanden zum Nichtraucher gemacht.

Wann Du Begleitung brauchst

Vieles davon kannst Du allein machen. Die Frage umbauen, die Bedenken aufschreiben, den Ersatz für die Pause festlegen, zwei Wochen testen.

Für einen Teil der Themen reicht das nicht, und der Grund ist banal: Du siehst Deinen eigenen blinden Fleck nicht. Wenn Du Regie führst und gleichzeitig erlebst, arbeitest Du mit derselben inneren Landkarte, aus der das Problem stammt. Warum Selbsthypnose an dieser Stelle an eine Grenze kommt, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben. Ein Gegenüber stellt die Frage, auf die Du selbst nicht kommst.

Und ein rechtlicher Hinweis, der dazugehört: Als Coach arbeite ich an Zielen, Gewohnheiten und am Umgang mit Belastungen. Eine behandlungsbedürftige Abhängigkeit ist etwas anderes. In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten dem Heilpraktiker- und Heilberufsrecht vorbehalten, in Österreich greifen Psychotherapiegesetz und Lebens- und Sozialberatung, in der Schweiz gilt kantonales Recht. Bei starker körperlicher Abhängigkeit gehört der Hausarzt mit ins Boot.

Häufige Fragen

Warum schaffe ich es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören? In den meisten Fällen gibt es einen inneren Anteil, der gute Gründe für das Rauchen hat: soziale Kontakte in der Raucherpause, die Unterbrechung im Arbeitstag, die Regulation bei Stress. Solange diese Bedenken unbeantwortet bleiben, gewinnen sie spätestens beim ersten Stresstag.

Wie wirksam ist Hypnose bei der Raucherentwöhnung? In einer randomisierten Studie mit 360 Rauchern waren nach zwölf Monaten 15,0 Prozent der Hypnose-Gruppe durchgehend rauchfrei, gegenüber 15,6 Prozent in der Verhaltenstherapie-Gruppe (Batra et al., 2024). Beide Verfahren liegen damit gleichauf, und beide lassen rund 85 Prozent zurück, die weiterrauchen.

Was mache ich mit den Raucherpausen, wenn ich aufhöre? Lege den Ersatz fest, bevor Du aufhörst, und geh weiter mit vor die Tür. Gebraucht werden der Ortswechsel, die Pause vom Bildschirm und das Gespräch. Die Zigarette ist dabei der austauschbare Teil.

Bringt ein Testzeitraum von zwei Wochen etwas? Er nimmt dem bremsenden Anteil die Endgültigkeit. Viele stellen in dieser Zeit fest, dass sie die Zigarette weniger vermissen als erwartet, und entscheiden sich danach freiwillig weiter. Wichtig ist die Abmachung, dass ein Rückfall im Testzeitraum keine Folgen hat.

Kann ich das allein machen oder brauche ich einen Coach? Die Frage umformulieren, Bedenken sammeln und den Zwei-Wochen-Test aufsetzen, das geht allein. Schwierig wird es bei dem Anteil, den Du selbst nicht siehst. Für diesen Punkt brauchst Du ein Gegenüber, das die passende Frage stellt.

Fazit

Aufhören scheitert selten an der Technik. Es scheitert an einem Anteil, den niemand gefragt hat.

Angenommen, Du fragst diesen Anteil heute zum ersten Mal, was er von der Zigarette hat. Was würde er antworten?

Die sprachlichen Werkzeuge dafür findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du mit ambivalenten Anliegen im Gespräch arbeitest, übst Du im Hypnose-Practitioner.

Quelle

  • Barnes, J., McRobbie, H., Dong, C. Y., Walker, N., & Hartmann-Boyce, J. (2019). Hypnotherapy for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews, 6, CD001008. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001008.pub3
  • Batra, A., Eck, S., Riegel, B., Friedrich, S., Fuhr, K., Torchalla, I., & Tönnies, S. (2024). Hypnotherapy compared to cognitive-behavioral therapy for smoking cessation in a randomized controlled trial. Frontiers in Psychology, 15, 1330362. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1330362
  • Erickson, M. H., & Rossi, E. L. (2016). Hypnotherapie (Leben Lernen, Bd. 49): Aufbau - Beispiele - Forschungen. Klett-Cotta.
  • Gilligan, S. G. (2010). Liebe dich selbst wie deinen Nächsten: Die Psychotherapie der Selbstbeziehung. Carl-Auer. (Originalwerk publiziert 1997)
  • Hammel, S. (2011). Handbuch der therapeutischen Utilisation (Leben Lernen, Bd. 239): Vom Nutzen des Unnützen in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde und Beratung. Klett-Cotta.
  • Schmidt, G. (2022). Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer.

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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