Inhaltsverzeichnis
- Die Wildschweine zwischen ihr und dem Ziel
- Warum das Aufschieben logisch war
- Jedes Verhalten ist in seiner Landkarte richtig
- Wie Du die Konstruktion sichtbar machst
- Die Beziehung zum Problem entscheidet
- Womit Dein Klient gerade verbunden ist
- Du weißt es nie
- Der Klient hypnotisiert zurück
- Häufige Fragen
- Fazit
- Quelle
Realitätskonstruktion: Wo Hypnose wirklich ansetzt
Eine Klientin von mir konnte hervorragend prokrastinieren. Eine Arbeit, die sie seit über einem Jahr vor sich herschob. Sie wusste, was zu tun war. Sie tat es nicht.
Ich (Marian Zefferer) habe sie gefragt, was ein Bild davon ist. Wie sie das erlebt.
Ihre Antwort: Sie ist eine Wanderin. Vor ihr liegt das Ziel. Und zwischen ihr und dem Ziel liegen Löcher im Boden, viele davon, alle von Wildschweinen aufgewühlt. Die Wildschweine sind noch da.
Eine Woche später war die Arbeit fertig geschrieben.
Über diese Art zu arbeiten habe ich ein längeres Video aufgenommen, inklusive weiterer Fallbeispiele. Wenn Du lieber zuhörst:
Die Wildschweine zwischen ihr und dem Ziel
Von außen betrachtet ist Prokrastination absurd. Du solltest die Steuererklärung machen. Du machst sie nicht. Fertig. Wer nur das sieht, hält den Menschen für unvernünftig.
Schau Dir jetzt an, was sie mir beschrieben hat. Zwanzig Wildschweine zwischen ihr und dem Ziel. Löcher, in denen sie stecken bleibt, dazu Schuhe, die dafür nicht gemacht sind.
Ich kann das ernst nehmen, weil ich selbst einmal einem begegnet bin. Ich war ungefähr fünf, spazieren mit meinen Eltern, ich bin querfeldein gelaufen. Auf einmal stand zehn Meter vor mir ein Wildschwein und kam auf mich zu. Ich hatte Todesangst und bin gerannt, so schnell ich konnte. Ich habe es zu meinen Eltern geschafft, das Tier war weg. Vermutlich hatte ich es beim Fressen gestört. Erinnern kann ich mich bis heute daran.
In ihrem Bild ist der Weg zum Ziel lebensgefährlich. Und in dem Moment, in dem Du das siehst, kippt die Bewertung. Das Aufschieben ist die vernünftige Entscheidung. Es wäre unklug, da durchzugehen.
Genau hier trennen sich zwei Herangehensweisen. Die eine arbeitet am Verhalten: mehr Disziplin, bessere Zeitplanung, ein Wochenplan mit Belohnungssystem. Die andere arbeitet an dem Bild, in dem das Verhalten entstanden ist.
Wir sind das Bild durchgegangen. Ich habe gefragt, wie sie da hinkommen könnte. Wie müsste der Weg aussehen. Was müsste sich verändern.
Drei Antworten kamen. Erstens: kein gerader Weg. Schlangenlinien fühlen sich besser an, so kann sie den Mulden ausweichen. Zweitens: Wenn sie unterwegs einen Schuh verliert, lässt sie ihn liegen. Sich zu bücken und am Boden zu suchen, würde die Aufmerksamkeit der Tiere auf sie ziehen. Dann geht sie eben barfuß weiter. Drittens: Sie hat einen Wanderstock. Damit geht sie aufrecht und selbstbewusst voran, in Schlangenlinien, und fühlt sich trotz der Wildschweine sicher.
Sie hat an der Aufgabe nichts geändert. Sie hat die Landschaft geändert, durch die sie zu ihr geht.
Warum das Aufschieben logisch war
Viele haben ein bestimmtes Bild von Hypnose im Kopf: Einer redet ununterbrochen, der andere liegt flach da und übernimmt. Für manche hat das einen Reiz, weil so viel Einfluss verlockend klingt.
Nur greift Reden allein sehr kurz. Die Sprachverarbeitung ist ein kleiner Teil dessen, was in Dir passiert. Das Hypnotische ist Deine Realitätskonstruktion.
Was Du gerade siehst, hörst und fühlst, ist Rohmaterial. Dein Gehirn macht daraus eine Bedeutung, und diese Bedeutung ist nie neutral. Ein Waldstück ist für den einen der Ort seiner Kindheitssommer und für den anderen der Ort, an dem etwas Schlimmes passiert ist. Der Wald ist derselbe. Das Erleben liegt Welten auseinander.
Die äußere Realität bleibt, wie sie ist. Was Dein Gehirn daraus macht, verändert sich. Und das ist der Punkt, an dem Hypnose ansetzt.
Damit ist ein Hypnotiseur jemand, der drei Dinge tut. Er erkennt, in welcher Realitätskonstruktion sein Gegenüber gerade lebt. Er entwickelt mit ihm ein Bild davon, in welcher Konstruktion er lieber leben würde. Und dann setzt er Schritte von A nach B, meist sprachlich, über Metaphern, Analogien und Bilder.
Das deckt sich mit dem, was Gunther Schmidt Problemtrance nennt: Ein Problem ist eine Trance, die sich ein Mensch selbst induziert, indem er seine Aufmerksamkeit immer wieder auf dieselben inneren Bilder richtet. Und es passt zur Non-State-Theorie, nach der Hypnose wirksame Kommunikation ist. Es braucht keinen Sonderzustand, um an einer Realitätskonstruktion zu arbeiten. Es braucht Kontakt.
Praktisch heißt das: Bevor Du an einem Verhalten arbeitest, brauchst Du das Bild, in dem dieses Verhalten steht. Sonst arbeitest Du gegen etwas, das Du nicht kennst.
Jedes Verhalten ist in seiner Landkarte richtig
Ich habe das in zwanzig Jahren mit sehr unterschiedlichen Anliegen erlebt, und die Regel hält: Hinter jedem Verhalten steht ein sinnvoller Mechanismus. Immer.
Zwei Beispiele, die das greifbar machen.
Streit. Ich werde laut. Ziemlich laut. Und wenn es weitergeht, fange ich an, unter der Gürtellinie zu argumentieren. Vom Verstand her weiß ich, dass das die Beziehung nicht besser macht und mir nicht bringt, was ich will. Ich mache es trotzdem.
Warum? Weil zwei Realitäten gleichzeitig laufen. Die äußere: Wir streiten darüber, wie aufgeräumt die Wohnung ist. Eine Belanglosigkeit. Die innere: Verlieren fühlt sich existenziell an. Und wenn Verlieren existenziell ist, ist Verlieren keine Option. Dann packe ich alles aus, was ich habe.
Rauchen. Jemand kommt zu Dir und will aufhören. Die erste Frage, die sich lohnt: Warum hat er es noch nicht getan? Da muss etwas sein, das ihn hält.
Oft sitzt es auf der Identitätsebene. Wer bist Du als Raucher, und wer wärst Du als Nichtraucher? Wenn in der Prägung eines Menschen die Raucher die Coolen waren und die Nichtraucher die Uncoolen, und uncool als Kind bedeutet hat, keine Freundin und keine Freunde zu haben, dann hängt an dieser Zigarette Zugehörigkeit. Intellektuell weiß der Mann natürlich, dass er heute nicht seinen Freundeskreis verliert. Das spielt keine Rolle. Hypnotisch zählt die Gefühlsebene und das innere Bild. Und wenn das innere Bild "existenzbedrohlich" meldet, wird er es nicht tun. Was für die Raucherentwöhnung heißt: Die Identitätsfrage kommt vor der Suggestion.
Gunther Schmidt hat für diese Sicht einen Begriff geprägt, der die Richtung vorgibt: Symptome als Lösungsversuche. Was von außen wie ein Defizit aussieht, ist von innen eine Leistung mit einem Preis. Im Coaching arbeiten wir dasselbe über die positive Absicht: Jeder Anteil verfolgt etwas Sinnvolles, auch wenn das Mittel längst nicht mehr passt.
Wie Du die Konstruktion sichtbar machst
"Die Landkarte ist nicht das Gebiet" steht in jedem NLP-Buch. Wie Du an die Landkarte kommst, steht selten drin. Deshalb hier die Fragen, mit denen ich arbeite.
Frage 1: "Was ist ein Bild davon?" Oder: "Wie erlebst Du das?" Das ist die Türöffner-Frage. Sie holt die innere Konstruktion nach außen, ohne sie zu bewerten. Bei der Klientin kamen daraufhin die Wildschweine. Manche antworten mit einer Szene, manche mit einem Gegenstand, manche mit einem Körpergefühl. Alles davon ist brauchbar.
Frage 2: "Wie müsste der Weg aussehen?" Jetzt bleibst Du im Bild und veränderst darin. Nicht die Aufgabe wird verhandelt, die Landschaft wird verhandelt. Schlangenlinien statt gerader Linie. Ein Wanderstock. Das klingt harmlos und ist der eigentliche Eingriff.
Frage 3: "Was bräuchtest Du, damit das machbar wird?" Die Frage richtet sich an den Teil, der bremst. Sie liefert Dir die Bedingungen, unter denen er mitgeht.
Frage 4: "Angenommen, Du hättest eine gute Beziehung zu diesem Teil. Wie würde sich das auswirken?" Die stärkste der vier. Sie ist hypothetisch, deshalb kostet sie den Klienten nichts. Er muss nichts glauben und nichts zugeben. Er darf nur einmal hinschauen. Genau das ist der erste Schritt der Veränderung, und genau deshalb ist es Konversationshypnose: Es sieht aus wie ein Gespräch.
Damit Du diese Fragen überhaupt sinnvoll stellen kannst, brauchst Du das Handwerk davor. Wahrnehmung schulen heißt: mitzubekommen, wie es Deinem Gegenüber gerade geht, wo er zu sich selbst steht und in welcher Beziehung er zu seinem Thema steht.
Die Beziehung zum Problem entscheidet
Ich hatte einen Klienten, der sehr viel arbeitete und deswegen schwer krank wurde. Die Krankheit war bedrohlich, und entsprechend hat er sein Arbeitsverhalten bewertet: das Schlimmste überhaupt, restlos abgelehnt.
Das hat eine gute Seite. Wer sein Verhalten so bewertet, hat viel Energie für Veränderung. Es hat auch eine teure Seite. Dieser Teil gehört zu ihm. Wer einen Teil von sich hasst, hasst sich selbst mit.
Ich habe ihn gefragt, wie es sich auswirken würde, wenn er zu diesem Anteil eine gute Beziehung hätte. Er hat abgewehrt. Ich habe ihm zugestimmt, dass sein Leid real ist und seine Krankheit ernst. Und dann habe ich die Frage präzisiert: Es geht nicht darum, alles gut zu finden, was er tut. Es geht um den Anteil, der ihm sehr viel Geld und sehr viele Möglichkeiten verschafft hat. Angenommen, zu dem hätte er eine gute Beziehung.
Ab da wurde es weich.
Stephen Gilligan hat darüber ein ganzes Buch geschrieben, "Liebe dich selbst wie deinen Nächsten". Sein Kerngedanke: Das, was Du an Dir bekämpfst, wehrt sich mit genau der Energie, die Du dagegen aufwendest.
Im Aikido, das ich selbst trainiert habe, ist das die Grundlogik. Es gibt keinen Block. Beim Blocken gewinnt immer der Stärkere, und irgendwann ist immer jemand stärker. Also nimmst Du die Energie des Angreifers auf und leitest sie um.
In der Hypnose heißt dasselbe Utilisationsprinzip. Deshalb habe ich als Symbol dafür zwei Aikidoka gezeichnet. Du sagst dem Angreifer nicht, mit welchem Angriff er kommen soll. Du nimmst das, was da ist, und leitest es um.
Der Unterschied im Alltag ist gewaltig. Wer gegen die Zigarette kämpft, gegen den Alkohol, gegen das Aufschieben, hält das eine Weile durch. Zwölf Stunden, drei Wochen, sechs Monate. Dann kommt der Rückschlag. Wer stattdessen mit dem Anteil arbeitet, der das Verhalten trägt, verändert die Konstruktion. Für Außenstehende sieht das manchmal aus wie Zauberei: Die haben doch nur geredet, und der Typ ist danach ein anderer. Praktisch arbeitest Du dabei mit dem Seitenmodell, und der bremsende Anteil ist derselbe wie der Teil, der Dich schützt, wenn Du sichtbar werden willst.
Womit Dein Klient gerade verbunden ist
Du bist immer mit irgendetwas assoziiert. Liest Du das hier konzentriert, bist Du mit diesem Text verbunden. Läuft nebenbei das Handy und die Waschmaschine, verteilst Du Dich. Das Assoziationsprinzip beschreibt genau das.
Die interessante Frage ist nie, ob jemand assoziiert ist. Sie lautet: Hilft ihm diese Assoziation gerade?
Ein Kind mit Lernschwierigkeiten ist bei jedem Reizwort "Lernen" mit dem Anteil verbunden, der Wut hat. Solange das so bleibt, wird jede Nachhilfestunde diesen Anteil füttern. Es gibt Kollegen, die solchen Kindern Zaubertricks beibringen, die auf einem Rechenprinzip beruhen. Auf einmal wird es interessant, sich mit Zahlen zu beschäftigen, weil man damit andere Menschen verblüfft. Die Zahlen sind dieselben. Der Anteil, mit dem das Kind ihnen begegnet, ist ein anderer.
Der zweite Fall geht in eine unerwartete Richtung. Ein Schüler, dauerhaft schlecht in der Schule, nahe am Durchfallen, hört von seiner Lehrerin, er werde es nie zu etwas bringen und bei ihr schon gar nicht. Das ist ein sehr starkes Assoziationsangebot, und es zeigt in eine ungute Richtung.
Er hat sich anders entschieden. Er ging in den Anteil, der sagt: Dir werde ich es zeigen. Zum ersten Mal in seinem Leben war er richtig motiviert, hat monatelang gebüffelt, sich in allen Fächern deutlich verbessert und später die Matura gemacht.
Daraus folgt etwas Wichtiges für Deine Arbeit. Du machst Angebote nach bestem Wissen. Was Dein Klient damit macht, entscheidet er. Und er entscheidet manchmal anders, als Du gedacht hast. Sagst Du zu einem Menschen "Du hast doch auch Stärken", kann er sich dadurch aufgebaut fühlen. Er kann sich dadurch auch noch kleiner fühlen und tiefer in den Anteil rutschen, der sich als Opfer erlebt. Beides ist möglich.
Du weißt es nie
Ich werde oft gefragt, wie man Menschen liest. Meine ehrliche Antwort: Du weißt es nie.
Du kannst Deine Wahrnehmung jahrelang trainieren, und das lohnt sich. Trotzdem bleibt der entscheidende Teil unzugänglich. Jemand hat vielleicht eine schlechte Erfahrung im Wald gemacht, und Deine schöne Waldmetapher landet im Graben. Vielleicht kommt ein Geruch durchs offene Fenster, der eine Erinnerung auslöst, von der Du nichts ahnst. How shall you know?
Deshalb halte ich wenig von dem Modell, bei dem einer redet und der andere liegt. Die Interaktion ist dort sehr dünn. Du stellst am Anfang ein paar Fragen, spulst dreißig Minuten ab, fragst am Ende "Wie war's?" und hörst dreimal "komisch". Dann vertröstest Du auf die nächste Sitzung.
Effizienter geht es interaktiv. Dialogische Hypnose. Offene Augen, oder halboffen: Der Klient schließt sie nur, wenn er sich gerade konzentriert. Dann bekommst Du innerhalb einer Sitzung so viel Rückmeldung, dass Du laufend nachschärfen kannst. Du merkst nach drei Sätzen, ob ein Bild trägt. Du wirst sprachlich präziser, weil Du weißt, worauf Du Dich beziehst. Deshalb arbeite ich auch so oft ohne Induktion: Wer wach im Gespräch ist, gibt Dir mehr Material.
Der Klient hypnotisiert zurück
Streng genommen hypnotisierst Du niemanden. Es läuft in beide Richtungen.
Jemand, der depressiv verstimmt ist, kommt zu Dir und bietet Dir eine Trance an. Bilder, Tonfall, Tempo, eine ganze Weltsicht. Stephen Gilligan sagt dazu, dass manche depressiven Klienten ausgezeichnete Hypnotiseure sind. Sie hypnotisieren den Therapeuten mit, bis der ebenfalls überzeugt ist, dass hier gerade nichts geht.
Und Du musst ein Stück weit einsteigen. Wer in "Alles ist super, Probleme gibt es nicht" sitzen bleibt, versteht nicht, wovon der andere spricht. Ein bisschen Angleichen gehört zum Verstehen dazu.
Ab da wird es ein Wechselspiel. Du machst Angebote, er steigt teilweise ein und teilweise nicht, dann kommt sein nächstes Angebot. Ich erlebe das wie einen Tanz. Es gibt jemanden, der führt, und es braucht trotzdem beide. Der Klient bietet eine Trance an, Du nimmst sie auf und machst ein anderes Angebot daraus, und so bewegt sich das spiralförmig in die Richtung, in die er will.
Der Preis dieser Sichtweise ist, dass Du selbst nie außerhalb stehst. Wer das nicht mitdenkt, landet dort, wo der Coach in die Problemtrance rutscht und die Sitzung dann von beiden Seiten festgehalten wird.
Länderhinweis: Coaching und Psychotherapie sind im deutschsprachigen Raum unterschiedlich geregelt. In Deutschland gilt das Heilpraktikergesetz, in Österreich das Psychotherapiegesetz sowie die Lebens- und Sozialberatung, in der Schweiz die kantonalen Regelungen. Bei Krankheitswert gehört die Behandlung in therapeutische Hände. Die Arbeit an inneren Bildern im Coaching-Kontext ist davon unberührt.
Häufige Fragen
Was ist Realitätskonstruktion in der Hypnose? Realitätskonstruktion beschreibt das innere Modell, das ein Mensch aus seiner Wahrnehmung baut. Zwei Personen erleben dieselbe Situation völlig verschieden, weil ihre Erfahrungen unterschiedliche Bedeutungen daran geknüpft haben. Hypnose arbeitet an diesem Modell. Die äußere Situation bleibt, wie sie ist, und das Erleben verändert sich.
Warum prokrastiniere ich, obwohl ich es besser weiß? Weil das Aufschieben innerhalb Deines inneren Bildes vernünftig ist. Meist steckt eine vorweggenommene Erfahrung dahinter: Überforderung, Bewertung, Scheitern, Kontrollverlust. Solange dieses Bild aktiv bleibt, arbeitet mehr Disziplin gegen einen Teil von Dir, der Dich schützen will. Wirksamer ist es, das Bild zu erfragen und darin etwas zu verändern.
Kann man unter Hypnose manipuliert werden? Suggestionen wirken dort, wo sie zur inneren Realität eines Menschen passen. Was seiner Konstruktion widerspricht, wird abgelehnt, im Wachzustand wie in Trance. Deshalb ist Hypnose ein Wechselspiel aus Angebot und Rückmeldung. Der Klient entscheidet laufend mit, worauf er eingeht.
Verändert Hypnose die Persönlichkeit? Was sich verändert, ist die Beziehung zu einzelnen Anteilen. Wer sein Aufschieben, seine Wut oder seine Vorsicht bisher abgelehnt hat und diesen Anteil als sinnvoll erkennt, verhält sich anders. Von außen wirkt das manchmal wie ein anderer Mensch. Die Person bleibt dieselbe, ihre inneren Bilder haben sich verschoben.
Wie erfrage ich das innere Bild eines Klienten? Mit einer offenen Frage: "Was ist ein Bild davon?" oder "Wie erlebst Du das?" Danach bleibst Du im Bild und veränderst darin: "Wie müsste der Weg aussehen?" Wichtig ist, das Bild ernst zu nehmen und es nicht in Fachsprache zu übersetzen. Die Metapher des Klienten ist präziser als jede Deutung von außen.
Muss der Klient die Augen schließen? Nein. Viele Sitzungen laufen mit offenen oder halboffenen Augen, weil Du dabei laufend Rückmeldung bekommst und Deine Sprache nachschärfen kannst. Der Klient schließt die Augen dann, wenn er sich auf ein inneres Bild konzentrieren möchte. Das ist eine Frage der Zweckmäßigkeit.
Fazit
Menschliche Probleme sind selten unvernünftig. Sie sind vernünftig innerhalb eines Bildes, das Du noch nicht kennst. Deine Arbeit beginnt damit, dieses Bild sichtbar zu machen, und geht dann darin weiter.
Angenommen, Du fragst Deinen nächsten Klienten bei seinem Thema als Erstes: "Was ist ein Bild davon?" Was würde er antworten, und was würdest Du dadurch verstehen, das Du bisher übersehen hast?
Wenn Du diese Art zu arbeiten von Grund auf lernen willst: Im kostenlosen Hypnose-Workbook findest Du die Grundlagen zum Einstieg. Und in der Hypnose-Practitioner-Ausbildung üben wir genau das an echten Anliegen der Teilnehmer: die Konstruktion erfragen, im Bild bleiben, darin verändern.
Quelle
- Gilligan, S. G. (2010). Liebe dich selbst wie deinen Nächsten: Die Psychotherapie der Selbstbeziehung (B. von Bechtolsheim, Übers.). Carl-Auer. (Originalwerk publiziert 1997)
- Gilligan, S. (2014). Generative Trance: Kreativen Flow erleben. Junfermann.
- Schmidt, G. (2022). Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer.
- Hammel, S. (2011). Handbuch der therapeutischen Utilisation: Vom Nutzen des Unnützen in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde und Beratung. Klett-Cotta.
- Watzlawick, P., Beavin, J. H., & Jackson, D. D. (2016). Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien (13. Aufl.). Hogrefe.
- Erickson, M. H., & Rossi, E. L. (2011). Hypnose erleben: Veränderte Bewusstseinszustände therapeutisch nutzen. Klett-Cotta.
Siehe auch
- Hypnose im Coaching - Wie wird Hypnose im Coaching-Prozess angewendet? — Erfahre, wie Hypnose im Coaching-Prozess eingesetzt wird, um persönliches Wachstum und Veränderungen zu fördern. Entd...
- Wahrnehmung (Hypnose) — Kurzer strukturierter Lexikon-Eintrag: Definition, Funktionsweise, Drei-Schritt-Übung (Wahrnehmen, Hypothese, Überprü...
- Wahrnehmung als Fundament der Hypnose
- Hypnose für Coaches - das Werkzeug, das Coaching tiefer macht — Coaching und Hypnose teilen sich den Werkzeugkasten. Vier Werkzeuge (hypothetische Frage, Pacing/Leading, Anker, Refr...
- Konversationshypnose - hypnotische Wirkung im Gespräch — Marians USP-Artikel zur Konversationshypnose - hypnotische Arbeit im normalen Dialog ohne formale Induktion. Drei Säu...
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Über den Autor: Marian Zefferer, MSc
Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.
Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.
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