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Mehrere warme Lichtlinien, die parallel in dieselbe Richtung laufen und dabei heller werden

Gruppenhypnose beim Reizdarm: 54 statt 25 Prozent

Ein Raum an der Medizinischen Universität Wien, ein Stuhlkreis, zehn Menschen mit einem Reizdarm, bei dem die übliche Behandlung versagt hatte. Zehn Wochen darmgerichtete Hypnose in der Gruppe. Fünfzehn Monate später ging es 54 Prozent von ihnen besser. In der Vergleichsgruppe, die dieselbe medizinische Betreuung und zusätzlich stützende Gespräche bekam, waren es 25 Prozent.

Hypnose gilt als Einzelarbeit. Eine Therapeutin, ein Klient, eine Stunde. Gabriele Moser hat 2013 gezeigt, dass das eine Gewohnheit ist und keine Bedingung. Ich (Marian Zefferer) halte diese Arbeit für eine der praktisch folgenreichsten der ganzen Reizdarm-Forschung, weil sie die Behandlung bezahlbar macht. Sie ist eine von über 300 Studien, die ich in der Hypnose-Forschung mit Studien im Überblick gesammelt habe.

Was untersucht wurde

Das Team der Klinik für Innere Medizin III in Wien sichtete 164 Patienten mit Reizdarm-Syndrom nach den Rom-III-Kriterien. 100 davon waren therapierefraktär, bei ihnen hatte die übliche Behandlung nichts gebracht. Diese 100 wurden im Verhältnis 1:1 zugeteilt.

Die eine Gruppe bekam medizinische Standardbehandlung plus stützende Gespräche. Das ist ein harter Vergleich, weil auch dort jemand zuhört und Zeit schenkt.

Die andere Gruppe bekam dasselbe und obendrauf zehn wöchentliche Sitzungen darmgerichtete Hypnose, verteilt über zwölf Wochen, in der Gruppe.

Gemessen wurde eine klinisch bedeutsame Verbesserung über mehrere Lebensbereiche hinweg, erhoben mit der IBS Impact Scale, direkt nach der Behandlung und noch einmal nach zwölf Monaten Nachbeobachtung. Dazu Lebensqualität, Angst und Depressivität. Ausgewertet wurde nach dem Intention-to-treat-Prinzip, 90 Patienten erhielten die zugeteilte Behandlung.

Was herauskam

Direkt nach der Behandlung hatten sich 28 von 46 Hypnosepatienten gebessert, also 60,8 Prozent, gegenüber 18 von 44 in der Vergleichsgruppe, also 40,9 Prozent. Ein Abstand von 20 Prozentpunkten, knapp signifikant (P = 0,046).

Dann wurde es interessant. Über 15 Monate hinweg lag die Hypnosegruppe bei 54,3 Prozent, die Vergleichsgruppe bei 25,0 Prozent. Der Abstand war auf 29,4 Prozentpunkte gewachsen (Vertrauensbereich 10,1 bis 48,6; P = 0,004).

Schau Dir die beiden Zahlenpaare genau an. Die Hypnosegruppe rutschte von 60,8 auf 54,3. Die Vergleichsgruppe stürzte von 40,9 auf 25,0. Der Vorsprung wurde nicht größer, weil die Hypnose weiterwirkte wie ein Medikament mit Depotwirkung. Er wurde größer, weil die eine Gruppe ihr Ergebnis behielt und die andere es verlor.

In Prozentpunkte übersetzt heißt das: Von etwa dreieinhalb behandelten Menschen geht es einem auf Dauer besser, dem es ohne die Hypnose nicht besser gegangen wäre. Körperliches und seelisches Wohlbefinden verbesserten sich ebenfalls deutlich stärker als unter Standardbehandlung allein (P kleiner 0,001). Geschlecht, Alter, Krankheitsdauer und Reizdarm-Typ hatten keinen Einfluss darauf, wem es half.

Die Hypnosegruppe hielt ihr Ergebnis. Die Vergleichsgruppe verlor es. Der Abstand wuchs, als längst niemand mehr behandelte.

Was das für Deine Praxis heißt

Der Satz, den Du morgen sagen kannst, nimmt der Gruppe das Peinliche.

Jemand kommt mit einem Darmthema und sagt: "In einer Gruppe über meine Verdauung reden, das mache ich nicht." Dann antwortest Du mit dem, was in so einem Raum wirklich passiert: "In der Gruppe redet keiner über seine Verdauung. Alle üben dasselbe, und jeder hört zehn Wochen lang, dass es anderen genauso geht."

Damit arbeitest Du mit dem Kooperationsprinzip aus meinen 8 hypnotischen Prinzipien. Die Gruppe ist dabei die Ressource. Neun andere Menschen, die mitmachen, sind ein stärkeres Argument für die Sache als jede Erklärung von Dir. Wer in Woche drei zweifelt, sitzt neben jemandem, der schon etwas bemerkt hat.

Der zweite praktische Punkt steckt in der Dosierung. Zehn Sitzungen über zwölf Wochen, plus Üben zwischen den Terminen. Wer beim Reizdarm nach zwei Terminen ein Ergebnis erwartet, arbeitet gegen die Datenlage. Was zwischen den Sitzungen passiert, trägt den größeren Teil, und dafür lohnt ein Blick auf Selbsthypnose im Alltag.

Wie das Vorgehen beim Reizdarm im Detail aussieht, welche Bilder tragen und wie Du eine Sitzung aufbaust, findest Du in Hypnose bei Reizdarm. Dass die Wirkung mit der Zeit zunimmt, zeigt auch die Meta-Analyse von Schaefert 2014, in die diese Wiener Daten eingegangen sind.

Grenzen der Studie

100 zugeteilte Patienten sind wenig für eine so große Zahl. Der Befund direkt nach der Behandlung ist mit P = 0,046 hauchdünn signifikant, der Vertrauensbereich reichte dort von 0 bis 40,2 Prozentpunkten und berührte damit die Null. Belastbar ist vor allem das Langzeitergebnis.

Verblinden lässt sich eine Hypnosebehandlung nicht. Wer zehn Sitzungen bekommt, weiß es. Dazu kommt ein Unterschied an Kontaktzeit: Die Hypnosegruppe saß zehn Mal zusätzlich in einem Raum mit einem Behandler. Ein Teil des Effekts gehört also der Aufmerksamkeit und der Erwartung. Für die Frage, was Hypnose eigentlich ist, liefert das Material für beide Lager, siehe State- und Non-State-Theorie.

Und die Patienten waren therapierefraktär, ausgewählt an einem Spezialzentrum mit einem erfahrenen Team. Was davon in einer gewöhnlichen Praxis übrig bleibt, hat Lindfors 2012 untersucht, mit einem ehrlichen Ergebnis: Die Wirkung reist mit und wird dabei leiser.

Ein rechtlicher Hinweis zum Schluss. Reizdarm gehört ärztlich abgeklärt, weil sich hinter denselben Beschwerden anderes verbergen kann. In Deutschland ist die Behandlung von Krankheiten dem Heilpraktiker- und Heilberufsrecht vorbehalten, in Österreich greift das Psychotherapiegesetz, in der Schweiz gilt kantonales Recht. Als Coach arbeitest Du am Umgang mit der Belastung, die Diagnose bleibt beim Arzt, wie ich es in Hypnose in der Medizin beschreibe.

Häufige Fragen

Wirkt darmgerichtete Hypnose beim Reizdarm auch in der Gruppe? Ja. Bei Moser und Kollegen verbesserten sich über 15 Monate 54,3 Prozent der Patienten mit Gruppenhypnose, gegenüber 25,0 Prozent mit medizinischer Standardbehandlung und stützenden Gesprächen (P = 0,004). Alle Behandelten waren vorher therapieresistent.

Wie viele Sitzungen umfasst das Gruppenprotokoll? Zehn Sitzungen, eine pro Woche, verteilt über zwölf Wochen, mit Üben zwischen den Terminen. Die älteren Einzelprotokolle aus Manchester arbeiten mit sieben bis zwölf Sitzungen, siehe Whorwell 1984.

Für wen hat die Gruppenhypnose am besten gewirkt? Geschlecht, Alter, Krankheitsdauer und Reizdarm-Typ hatten in dieser Untersuchung keinen Einfluss auf den Langzeiterfolg. Eine Vorauswahl nach diesen Merkmalen lässt sich aus den Daten nicht begründen.

Fazit

Zehn Menschen, zehn Termine, ein Ergebnis, das nach fünfzehn Monaten noch steht. Die wichtigste Zahl dieser Studie ist der wachsende Abstand. Er sagt, dass die Behandlung den Patienten etwas in die Hand gegeben hat, das er ohne Behandler weiterbenutzt. Genau daran erkennst Du gute Hypnose.

Angenommen, Du würdest Dein nächstes Thema so aufbauen, dass es nach dem letzten Termin weiterarbeitet. Was würdest Du als Erstes anders machen?

Die sprachlichen Bausteine für körpernahe Suggestionen findest Du im kostenlosen Hypnose-Workbook. Wie Du eine Gruppe in dieselbe Richtung führst und wie Du eine Behandlung über zehn Wochen tragfähig hältst, übst Du in der Hypnose-Practitioner-Ausbildung an echten Anliegen.

Quelle

  • Moser, G., Trägner, S., Gajowniczek, E. E., Mikulits, A., Michalski, M., Kazemi-Shirazi, L., Kulnigg-Dabsch, S., Führer, M., Ponocny-Seliger, E., Dejaco, C., & Miehsler, W. (2013). Long-term success of gut-directed group hypnosis for patients with refractory irritable bowel syndrome: A randomized controlled trial. The American Journal of Gastroenterology, 108(4), 602-609. https://doi.org/10.1038/ajg.2013.19

Siehe auch

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Marian Zefferer, MSc

Über den Autor: Marian Zefferer, MSc

Marian Zefferer ist Hypnose- (WHO) und NLP-Trainer (IN, DVNLP, ÖDVNLP) bei Landsiedel NLP Training und Experte für die 8 hypnotischen Prinzipien. Er bildet Coaches, Therapeuten und Trainer aus, die Hypnose wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig alltagstauglich einsetzen wollen.

Sein Markenzeichen: Er schlägt die Brücke zwischen Hirnforschung und Alltagsrealität, getragen von drei Pfeilern — wissenschaftlicher Tiefe, didaktischer Präzision und gelungenem Praxistransfer mit einer Prise Humor.

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