Der Atomausstieg - Ein längst überfälliger Schritt

Der folgende Beitrag wurde von unserer Gast-Autorin Petra Garbas verfasst.


Atomkraft? Nein, danke!
Atomkraft? Nein, danke!

Der Atomausstieg stellt einen unerläßlichen Schritt für das Überleben der Menschheit und die Erhaltung unseres Planeten dar. Die Vergangenheit hat uns mehrmals sehr deutlich gezeigt wie gefährlich Atomkraft sein kann.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Kurze Einführung in die Materie
  2. Die deutsche Geschichte der Atomindustrie
  3. Rückbau der Kernkraftwerke
  4. Anti-Atom-Bewegung
  5. Risiken der Atomenergie
  6. Schaden an der Natur
  7. Höhere Strompreise?
  8. Das Thema Geld
  9. Wie sieht es in anderen Ländern aus?

    Kurze Einführung in die Materie

    Das griechische Wort “átomos” bedeutet unteilbar.
    Demokrit (460-370 v. Chr.) bezeichnete die kleinsten Teilchen als Atome, aus denen nach seiner Vorstellung die Welt bestehe. Doch seine Ideen setzten sich nicht durch. Damals glaubte man an die vier Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser.
    1897 entdeckte der englische Physiker Joseph John Thomson, dass die Kathodenstrahlung aus geladenen Teilchen besteht, welche aus den Atomen kommen. Die Bezeichnung Atom war also falsch, auch Atome bestehen aus mehreren Teilen.
    1911 entdeckte Rutherford, dass das Atom aus Kern und Hülle zusammengesetzt ist.

    Auf der Erde gibt es auf natürliche Weise eine ionisierende Strahlung. Auch vom Kosmos dringt Strahlung bis zu uns. Niemand kann sich ihr entziehen. Die Strahlung stammt aus natürlichen Quellen, die unabhängig vom Menschen entstanden sind. Diese natürliche Strahlung belastet uns nicht. Sie beträgt 2 Milli-Sievert pro Jahr.
    Künstlich hervorgerufene Strahlenbelastung stammt nicht nur aus der Atomindustrie, auch aus der Medizin kann sie kommen z.B. durch Röntgenuntersuchung und Computertomographie. Diese Strahlung kann auch bis zu 2 Milli-Sievert betragen und muß zur natürlichen Strahlung dazu addiert werden.
    Durch die atomare Nutzung wird Strahlung in noch viel stärkerem Ausmaß freigesetzt, welche zerstörerisch wirken kann. Studien belegen das bereits sehr eindrucksvoll.
    Bereits ab:

    • 100 Milli-Sievert ist ein leicht erhöhtes Krebsrisiko nachweisbar
    • 0,5 Sievert kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Abgeschlagenheit und erhöhtem Infektionsrisiko


    1896 entdeckte Becquerel die Radioaktivität.

    1898 entdecken Marie und Pierre Curie den Zerfall des Elementes Radium in andere Elemente, wobei ionisierende Strahlung abgegeben wird.

    1932 entdeckte James Chadwick das Neutron.

    1933 erkannte der ungarische Physiker Leo Szilard, dass eine Kettenreaktion möglich ist, wenn es ein Element gibt, das zwei Neutronen freisetzt, wenn es eines aufnimmt.

    1939 weisen Joliot, Halban und Kowarski die bei der Kernspaltung freiwerdenden Neutronen nach, die eine Kettenreaktion in Gang setzen.

    1941 wurde Plutonium entdeckt.

    1941 erbaut der "Uranverein" einen Versuchsreaktor.

    1942 konstruiert und baut Enrico Fermi seinen ersten Versuchsreaktor, mit der ersten kontrollierten Kettenreaktion.

    1945 fand die erste Explosion einer Atombombe statt. Obwohl die Bombe eher primitiv war, hatte sie mit ihrem nur apfelsinengroßen, 6 Kilogramm schweren Plutoniumkern eine Sprengkraft von 21.000 Tonnen TNT. Die meisten Wissenschaftler waren erschüttert.

    Am 6. August 1945 wurde eine Atombombe über dem Zentrum von Hiroshima abgeworfen. 150.000 Menschen waren sofort tot, die gesamte Stadt war zerstört. Im Zentrum Hiroshimas waren Menschen regelrecht verdampft. Von ihnen blieb nur ein Schatten an Häuserwänden. Andere waren derart schnell verbrannt, dass sie als verkohlte Reste, ihre Kinder noch im Arm, in den Straßen standen.

    Am 9. August 1945 wurde eine zweite Atombombe über Nagasaki abgeworfen. Wegen schlechter Sichtverhältnisse verfehlte diese Bombe ihr Ziel, die Mitsubishi-Werke. Es starben “nur” 22.000 Menschen sofort.

    Weitere 300.000 Menschen starben in Hiroshima und Nagasaki an den Spätfolgen der Bomben, meistens nach jahrelangem Siechtum.

    1951 wurde im US-Staat Idaho mit einem Versuchsreaktor zum ersten Mal Strom durch Kernenergie erzeugt.

    1956 Fertigstellung des ersten britischen Kernkraftwerks, das als erstes Kernkraftwerk weltweit zur kommerziellen Stromerzeugung ans Netz ging.

    1957 wird als erster Reaktor in Deutschland der Forschungsreaktor der TU München - das Atomei - in Betrieb genommen.

    1961 ging in der Bundesrepublik Deutschland das erste kommerzielle Kernkraftwerk ans Netz, 20 km südöstlich von Frankfurt am Main.

    1966 ging in der DDR das erste Atomkraftwerk in Rheinsberg ans Netz.

    1986 ereignete sich in Tschernobyl der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der friedlichen Kernenergienutzung.

    11.3.2011 beschädigt ein schweres Seebeben das Kernkraftwerk in Fukushima.

    15.3.2011 beschließt die Bundesregierung ein dreimonatiges Moratorium.

    Am 30. Juni 2011 beschließt der Bundestag den Ausstieg aus der Kernenergie bis spätestens 2022.

    2018 gehen in China zwei der modernsten Kernkraftwerke westlicher Bauart weltweit zum ersten Mal in Betrieb.

    Ein Atomkraftwerk kann man sich wie ein altes Dampfkraftwerk vorstellen. Nur das hier nicht mit Kohle, Holz oder Öl geheizt wird, sondern mit Atomkraft. Das bedeutet, eingeschlossen in einem Reaktor wird ein radioaktiver Brennstoff platziert. Dieser Brennstoff wird dann mit Neutronen beschossen. Dadurch entsteht eine Kettenreaktion. Der Brennstoff zerfällt und gibt dabei ungeheuer viel Hitze ab. Diese Hitze verdampft zu Wasser. Der dabei entstehende Wasserdampf treibt eine Turbine an. Strom entsteht.

    Die weithin sichtbaren großen Türme sind nicht der Reaktor selbst, sondern Kühltürme. In ihnen wird der heiße Dampf wieder abgekühlt. Der Rauch aus den Schornsteinen ist also wirklich nur Wasserdampf.

    Die deutsche Geschichte der Atomindustrie

    Bis zum Mauerfall im Jahre 1989 existierten in der DDR zwei Kernkraftwerke. Im Zuge der Wiedervereinigung wurden sie abgeschaltet. Der Rückbau wird auf mindestens 6,6 Mrd. Euro geschätzt.

    1998 nach dem Wahlsieg von Bundeskanzler Schröder, wurde der versprochene Ausstieg aus der Atomenergie angegangen.

    2000 wurde eine Vereinbarung mit den vier deutschen Kernkraftwerksbetreibern getroffen. Danach sollten die Atomkraftwerke nach dem Erzeugen bestimmter Strommengen abgeschaltet werden.

    Bis 2005 wurden nur zwei Atomkraftwerke abgeschaltet.

    2010 kam es zum “Ausstieg vom Ausstieg”. Die Regierung machte die getroffene Vereinbarung wieder rückgängig.

    2011 nach der Katastrophe von Fukushima änderte die Politik nach vielen Protesten ihren Kurs.

    Die Laufzeitverlängerung wurde wieder rückgängig gemacht und der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie wurde beschlossen. Acht ältere Kernkraftwerke wurden sofort abgeschaltet. Die übrigen neun Kraftwerke sollen bis Ende 2022 stufenweise abgeschaltet werden.

    Nach dem Moratoriumsbeschluss schürte die Atomindustrie systematisch Ängste, dass der Atomausstieg zu Blackouts führen würde. Welche jedoch nie eingetreten sind.
    Im Mai 2011 waren aufgrund des Moratoriums wegen Wartungsarbeiten nur noch sechs Reaktoren am Netz. Trotzdem konnte der Energiebedarf mühelos gedeckt werden.

    Folgende Kernkraftwerke verloren 2011 ihre Betriebserlaubnis

    Atomkraftwerk
    Atomkraftwerk © Thomas Millot, Unsplash
    • Kernkraftwerk Biblis A
    • Kernkraftwerk Biblis B
    • Kernkraftwerk Brunsbüttel
    • Kernkraftwerk Isar 1
    • Kernkraftwerk Krümmel
    • Kernkraftwerk Neckarswestheim 1
    • Kernkraftwerk Philippsburg 1
    • Kernkraftwerk Unterweser

    Ausstiegsplan bis 2022

    Die übrigen neun Reaktoren, so sieht es der Zeitplan der Bundesregierung vor, sollen in den Jahren 2015 bis 2022 abgeschaltet werden. Die Reihenfolge wurde wie folgt festgelegt:

    • 31.12.2015:
      Grafenrheinfeld (Bayern), am 27.6.2015 vorzeitig abgeschaltet
    • 31.12.2017:
      Gundremmingen B (Bayern), planmäßig abgeschaltet
    • 31.12.2019:
      Philippsburg II (Baden-Würtemberg)
    • 31.12.2021:
      Brokdorf (Schleswig-Holstein)
      Grohnde (Niedersachsen)
      Gundremmingen C (Bayern)
    • 31.12.2022:
      Emsland (Niedersachsen)
      Isar 2 (Bayern)
      Neckarswerstheim II (Baden-Würtemberg)


    In drei Jahren geht also das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz. Doch der Rückbau der stillgelegten Atomkraftwerke wird noch viele weitere Jahre in Anspruch nehmen.
    Außerdem ist die Frage nach einer sicheren Entsorgung der benutzten Brennstäbe bis heute nicht geklärt.

    Rückbau der Kernkraftwerke

    Atommüll
    Atommüll iStock/Tero Vesalainen

    Mit der Abschaltung eines Kernkraftwerks ist es noch lange nicht getan. Es folgt eine sehr lange Phase des Rückbaus.

    Dazu ein Beispiel:
    Das erste deutsche Kernkraftwerk (in Kahl) war 25 Jahre in Betrieb. Der vollständige Abriss nahm 34 Jahre in Anspruch. Der Grund für die lange Zeit des Abbaus liegt darin, dass viele verstrahlte Teile aufwendig zerlegt und gereinigt werden müssen. Brennelemente benötigen mindestens fünf Jahre, um in einem Abklingbecken abgekühlt zu werden. Danach können sie in Castor-Behältern zwischengelagert werden. Der Rückbau eines Kraftwerks erfolgt oft erst nach einem sogenannten „sicheren Einschluss”. Bei dieser Technik wird mit Hilfe einer Betonhülle die Biosphäre abgeschirmt.

    Die Atomkonzerne sind gesetzlich verpflichtet, Geld für den Rückbau zurückzulegen. Für die Atomkraftwerke der ehemaligen DDR müssen leider die Steuerzahler aufkommen.

    Anti-Atom-Bewegung

    1973 gewann die Ani-Atom-Bewegung zunehmend an Bedeutung. Die Proteste gegen den Bau neuer Atomkraftwerke, Zwischenlager und Atommülltransporte wurden immer lauter.
    Es erkannten immer mehr Menschen, dass Atomkraft nicht ungefährlich für Mensch und Umwelt ist. Nicht immer sind die Proteste bis zum Schluß wirklich friedlich geblieben. So gab es 1986 Verletzte und sogar einen Toten zu verzeichnen. Wenn man sich die Chronik der Anti-Atom-Bewegung einmal anschaut, dann ist deutlich zu erkennen, dass die Zahl der Demonstranten stetig wuchs. Trotz vieler großer Proteste der Bevölkerung wurde z.B. das Kernkraftwerk in Brokdorf geplant und erbaut. Hier stand eindeutig der Profit der Kernkraftbetreiber im Vordergrund.
    Wir leben in einer sogenannten Demokratie, wo das Volk mitentscheiden darf. Bei den Recherchen zu diesem Thema konnte ich leider nicht erkennen, dass die Sorgen und Wünsche der Bevölkerung ernst genommen und respektiert wurden.

    Risiken der Atomenergie

    Radioaktiv
    Radioaktiv © Johannes Daleng, Unsplash

    Atomkraftwerke sind niemals sicher. Im Laufe der Geschichte kam und kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Zwischenfällen. Wir müssen gar nicht so weit schauen. Auch deutsche Kernkraftwerke sind nicht sicher. Es zeigte sich auch hier, dass die Bevölkerung nicht immer wahrheitsgemäß informiert wurde.

    Hier eine kleine Liste von Zwischenfällen in deutschen Kernkraftwerken

    4.5.1986
    im AKW Hamm-Uentrop führte der Stau in einem Zuleitungsrohr zum Austritt von stark radioaktiv belastetem Helium. Die Strahlenbelastung in der Umgebung stieg auf das Vierfache der durch die Wolke von Tschernobyl verursachten Radioaktivität.

    16.12.1987
    In dem AKW Biblis A kam es beinahe zu einer nuklearen Katastrophe. Durch ein Leck in einem Ventil gingen hohe Mengen von Kühlmittel verloren. Der Unfall ereignete sich, als der Reaktor nach einer unplanmäßigen viertägigen Abschaltung wieder angefahren werden sollte.
    Der Grund war menschliches Versagen. Es wurde eine geraume Zeit übersehen, dass ein Ventil nicht ordnungsgemäß schloss. Die Automatik konnte das Problem nicht erkennen. Insgesamt 107 Liter radioaktives Kühlwasser trat durch dieses Ventil aus. Auslaufendes Kühlwasser kann zu einer Kernschmelze führen, was z.B. in Fukushima geschehen ist. Dies gilt bisher als einer der schwersten Störfälle eines deutschen Atomkraftwerkes.

    14.12.2001
    Im AKW Brunsbüttel explodierte ein Wasserrohr eines Sicherheitsbehälters. Der Betreiber versuchte diesen Vorfall zu vertuschen. Nach einer späteren Überprüfung der Anlage stellte man fest, dass wenn die Explosion nur wenige Meter verschoben stattgefunden hätte, nach Einschätzung des Umweltinstituts München ein Kühlmittelverlust wahrscheinlich gewesen wäre. Das kann letztlich einen Super-GAU auslösen.

    28. Juni 2007
    Im AKW Brunsbüttel ereignete sich ein Kurzschluss und das AKW musste heruntergefahren werden. Als Folge kam es zu massiven Stromschwankungen im norddeutschen Netz. In der Stadt Hamburg gab es teilweise Stromausfälle. Als mögliche Folge dieser Netzschwankungen kam es am Abend noch zu einem Brand in einem Transformator. Erst nach vielen Stunden konnte der Brand gelöscht werden. Das Atomkraftwerk wurde per Schnellabschaltung vom Netz genommen.

    Forscher des Max-Planck-Insitutes haben sich 2012 einmal die Mühe gemacht und kalkuliert, dass etwa alle zehn bis zwanzig Jahre mit einer Kernschmelze in einem der 440 weltweit vorhandenen Reaktoren zu rechnen ist.

    Auch im Normalbetrieb kommt es zu radioaktiver Belastung der Umgebung.
    Jeder Reaktor gibt eine gewisse Strahlung nach außen ab.
    Jedes Zwischenlager gibt Strahlung an die Umgebung ab.
    Radioaktivität gelangt in die Luft und ins Wasser.
    Eine Studie des Krebsregisters Mainz zeigt, dass in der Umgebung von Atomkraftwerken eine Häufung von Leukämie beobachtet werden kann.

    Schaden an der Natur

    Ein Atomkraftwerk benötigt Uran. Die Uranvorkommen der Erde sind begrenzt. Der Abbau des Urans hat bis heute teilweise verheerende Auswirkungen für die Umwelt und die dort lebenden Menschen mit sich gebracht. Die Landschaft in diesen Gebieten ist nachhaltig zerstört.

    Trotz des Ausstiegsbeschlusses gibt es in Deutschland ein Unternehmen, das im Uranhandel tätig ist. Die in Frankfurt am Main ansässige Urangesellschaft kauft und verkauft Uran auf den internationalen Märkten. Die Gesellschaft besitzt ein Tochterunternehmen in den USA.

    Durch einen Gau gelangen viele Mengen radioaktiven Materials in die Umwelt. Dies belastet Menschen, Flüsse, Tiere sowie auch Pflanzen massiv. Auch an Tieren können gehäuft Missbildungen beobachtet werden. Ihre Population in den betroffen Gebieten zeigt Veränderungen auf.

    Höhere Strompreise?

    Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Ministeriums wurde geschätzt, dass bei einem schnellen Atomausstieg der Strompreis um maximal 25 Euro im Jahr steigen wird. Ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien würde langfristig sogar niedrigere Strompreise ermöglichen.

    Sachverständige für Umweltfragen sind der Ansicht, dass weder längere AKW-Laufzeiten noch neue Kohlekraftwerke erforderlich sind um unseren Strombedarf zu decken.

    Das Thema Geld

    Eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigte, dass die Kernkraftbetreiber bei einer Laufzeitverlängerung von acht bis zehn Jahren mindestens 119 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen würden.
    Bei steigenden Strompreisen könnten die Mehreinnahmen bis zu 233 Milliarden Euro betragen. Maximal die Hälfte der Gewinne könnte an den Staat gehen.

    Durch die Laufzeitverkürzung jedoch schätzen die Kernkraftbetreiber Gewinneinbußen bis zu 22 Milliarden Euro.
    Aufgrund einer Klage beim Bundesumweltministerium können die AKW-Betreiber Vattenfall und RWE offenbar mit rund einer Milliarde Euro Entschädigung rechnen. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor.
    Wie hoch die Entschädigungssumme jedoch für die AKW-Betreiber am Ende wirklich ausfallen wird, kann erst Anfang 2023 genau ermittelt werden. Dann erst steht die tatsächlich nicht produzierte Strommenge und der damit entgangene Gewinn fest.
    Die Kosten hat natürlich der Steuerzahler zu tragen.

    Wie sieht es in anderen Ländern aus?

    Liste der Länder



    Polen möchte einen Teil seines Energiebedarfs ab dem Jahr 2033 mit Atomstrom decken.

    China will bis zum Jahr 2020 insgesamt 343 Milliarden in den Ausbau von „sauberer Energie“ investieren. Dazu zählt für das Land neben Wind, Wasser und Sonne auch die Atomkraft.

    Irland war mit den Planungen für sein erstes Atomkraftwerk schon sehr weit fortgeschritten, als es aufgrund massiver Proteste der Bevölkerung dieses Projekt wieder einstellte.

    Österreich besitzt zwar ein kommerzielles Kernkraftwerk, welches aber auf Grund einer Volksabstimmung nie in Betrieb genommen wurde.

    Schweden beschloß nach einer Volksabstimmung keine weiteren Kernkraftwerke mehr zu bauen. Die damals im Bau befindlichen sechs Reaktoren wurden dennoch fertiggestellt. Der Ausstieg aus der Kernenergie sollte bis 2000 abgeschlossen sein. Diese Frist wurde auf 2010 verlängert und im Jahr 2009 ganz aufgehoben.

    Griechenland beschloss Ende 1976 die Errichtung eines Kernkraftwerks und bewilligte die staatlichen Mittel zur Planung. Ziel war es die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. 1983 wurden die Planungen eingestellt, nachdem keine zufriedenstellenden Antworten auf die Frage der Sicherheit bei See- und Erdbeben gegeben werden konnten.

    Neuseeland ist seit 1984 Nukleartechnik-frei. 1987 erließ es darüber hinaus den “New Zealand Nuclear Free Zone Disarmament and Arms Control Act,” der auch die Stationierung von Atomwaffen sowie das Befahren neuseeländischer Gewässer mit atomgetriebenen Fahrzeugen verbietet.

    Dänemark entschied sich 1985 endgültig gegen die Nutzung der Kernenergie, nachdem es Auseinandersetzungen um ein Endlager für den nuklearen Abfall aus drei kleinen, stillgelegten Versuchsreaktoren gab.

    Die Philippinen hatten 1984 den Bau eines Atomkraftwerks schon fast beendet, als kurz nach der politischen Wende und der Katastrophe von Tschernobyl der Ausstieg verkündet wurde.

    Italien schaltete nach der Katastrophe von Tschernobyl alle vier Atomkraftwerke ab.

    Kuba baute zwei Kernkraftwerke, welche nie in Betrieb gingen. Die Konservierung der einen Bauruine verschlang ca. 10 Millionen US-Dollar. Kuba setzt seitdem auf einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien, wie zum Beispiel der Windenergie.

    Belgien beschloss bis 2025 aus der Atomkraft auszusteigen. Die sieben belgischen Kernreaktoren sollten jeweils vierzig Jahre nach Beginn des kommerziellen Betriebs abgeschaltet werden. Für die ersten beiden Reaktoren war entsprechend die Abschaltung 2015, für die letzten 2025 vorgesehen.

    In der Schweiz werden seit 2011 keine neuen Kernreaktoren mehr genehmigt. Die bestehenden Anlagen sollen nach Ende ihrer „sicherheitstechnischen“ Laufzeit abgeschaltet werden. Somit ist der Atomausstieg in der Schweiz bis 2034 vollzogen. Der erste der insgesamt fünf Reaktoren wird 2019 vom Netz gehen.

    In Japan war bis zur Nuklearkatastrophe in Fukushima die Kernenergie unumstritten. Sie produzierte damals ein knappes Drittel des in Japan verbrauchten Stromes.
    Nach der Reaktorkatastrophe beschloss Japan, langfristig aus der Kernkraft auszusteigen.
    Als unmittelbare Konsequenz des Reaktorunglücks wurden die meisten japanischen Kernkraftwerke sofort abgeschaltet. Nach einem Regierungswechsel wurde der vollständige Kernenergieausstieg wieder rückgängig gemacht.

    In Litauen war von 1983 bis 2009 ein Kernkraftwerk mit zwei Reaktorblöcken in Betrieb. Die beiden Reaktoren wurden gemäß einer Vereinbarung zwischen Litauen und der EU am 31. Dezember 2009 stillgelegt. Zu dieser Zeit betrug der Anteil von Kernenergie zur Gesamtstromerzeugung 70 Prozent. Litauen ist somit nach Italien und Kasachstan das dritte Land weltweit, das all seine kommerziellen Atomkraftwerke außer Betrieb gesetzt und damit faktisch einen vollständigen Atomausstieg vollzogen hat.

    2014 wurde in Frankreich ein Energiewende-Gesetz beschlossen. Es sieht vor, den Anteil der Kernenergie an der Gesamtstromerzeugung bis 2025 von 75% auf 50 % zu senken. Dafür werden mehr als 20 der insgesamt 58 Atomkraftwerke abgeschaltet.

    In Taiwan plante die Demokratische Fortschrittspartei im Jahr 2016 alle Atomkraftwerke Taiwans bis 2025 abzuschalten.

    Im Juni 2017 kündigte der südkoreanische Präsident an, bis 2057 vollständig aus der Atomkraft auszusteigen. Die bestehenden AKWs sollen künftig nach 40 Jahren vom Netz gehen.

    Im Februar 2019 kündigte die spanische Regierung an, zwischen 2025 und 2035 alle Atomkraftwerke abschaffen zu wollen.

    Quellen

    Atomausstieg weltweit utopisch oder logisch
    Atomausstieg
    Atomausstieg
    Sofortiger Atomausstieg ist möglich
    Atomausstieg in Deutschland
    Bundesregierung beschließt Ausstieg aus der Kernkraft bis 2022
    Der weite Weg zur grünen Wiese - Wie ein Atomkraftwerk abgebaut wird
    Nach dem Abschalten
    Strahlung
    Unfälle Atomkraftwerke
    Vielfalt der Reaktoren
    Energiewirtschaft und Politik - Gesetze
    AKW Rückbau in Deutschland - Schafft Deutschland den Atom-Ausstieg?
    Geschichte der Kernenergie
    Geschichte der Atomkraft - Am Ende des Fortschritts
    Atomkraft
    Aufstieg und Niedergang der Atomkraft in der westlichen Welt
    Deutschlands erstes AKW - Atomstrom, ja bitte!
    MOZ - Nachrichten Brandenburg
    Chronik der Anti-Atom-Bewegung
    Atomkraft - Gefahren - Unfälle
    Radioaktivität der Umwelt
    Atomenergie
    Welche Schäden ruft radioaktive Strahlung hervor?
    Das Ökosystem nach der Atomkatastrophe in Fukushima
    AKW Entschädigung - Atomausstieg
    AKW-Rückbau kostet Multimilliarden Euro
    DDR Kraftwerk Lubmin nach Wende abgeschaltet
    Rückbau des KKW dauert an