Völkerwanderung

Immigranten Flughafen
Immigranten am Flughafen iStock/joyt

Der Begriff Völkerwanderung wurde durch die Migration germanischer Gruppen nach Europa in der Spätantike geprägt, doch auch heute ist Völkerwanderung ein zentrales Thema unserer Zeit. Denn die Zahlen der Menschen die vor Kriegen, Verfolgung, Klimawandel und Hunger fliehen sind so hoch wie nie zuvor. Ende 2017 waren es laut der UN 68,5 Millionen Menschen weltweit, fast drei Millionen mehr als im Jahr 2016 – Tendenz steigend.

Fluchten gab es schon immer: „Die Boat People“ die sich 1975 vor dem Terror des kommunistischen Vietnams retteten, die Polen unter dem Kriegsrecht der 80er-Jahre oder auch die Menschen aus den Kriegsregionen der Balkankriege der 90er-Jahre. Jede dieser Fluchten war räumlich und zeitlich begrenzt, doch was wir heute erleben ist etwas vollkommen anderes: Eine Weltflucht.

Boot mit Flüchtlingen
Boot mit Flüchtlingen iStock/SeppFriedhuber

Der Prozess der Globalisierung schafft eine größere geographische Mobilität, vereint Kulturen und integriet sie in ein globales freies Markt- und Wirtschaftssystem. „Freie Marktwirtschaft“ wird angepriesen und bringt einigen wenigen, beispielsweise den G8-Staaten viele Vorteile. Viele andere leiden jedoch unter der dunklen Seite der Globalisierung. Sie stellen mit Hungerlöhnen und Arbeit unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen die Ressourcen und Produkte her, die wir für unseren Lebensstandard benötigen. Die dadurch hervorgerufene große globale Ungleichheit bringt die Menschen der Zweiten- und Dritten Welt dazu, auch einen besseren Lebensstandard anzustreben und die geographische Mobilität zu nutzen. In der Zeit von Smartphone und Internet sind wir schließlich ihr Vorbild. Sie fliehen vor Hunger, Krieg, Ungleichheit oder auch aus wirtschaftlichen Gründen und es werden immer mehr. Ihr Ziel: Europa, Amerika, Australien, egal wo – Hauptsache weg von dem Elend, das unweigerlich den Tod bringt.

Vollgepackter Bus mit Flüchtlingen
Vollgepackter Bus mit Flüchtlingen iStock/yoh4ann

Dominiert wird das internationale Migrationsgeschehen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Asiaten und Afrikanern sowie von Mittel- und Südamerikanern. Und wer kann es ihnen verdenken? Wie würdest Du in ihrer Situation handeln?
Trotzdem lässt sich ein Trend verzeichnen, der es Migranten zunehmend schwer macht einen Ortswechsel zu vollziehen. Während Kapital durch eine Deregulierung der Märkte immer freier fließen kann, wird es Menschen durch Maßnahmen wie verschärfte Visapflichten, die Sichere-Drittstaaten-Regelung und die Bekämpfung illegaler Migration schwer gemacht in Industrienationen Fuß zu fassen. Australien beispielsweise setzt schon seit 15 Jahren auf Horrorvideos mit Haien, Giftschlangen und Krokodilen und zeigt die tödlichen Gefahren bei der Überfahrt, um Flüchtlinge fernzuhalten. Es werden keine Kosten gescheut. Sollten es dann doch Verzweifelte wagen, sich auf den Weg nach Australien zu machen, werden sie auf die Pazifikinsel Nauru abgeschoben. „Die Kannibalen Insel“ wird sie auch genannt, denn Männer, Frauen und Kinder werden auf einer abgelegenen Insel ohne Hoffnung oder Schutz oder Hilfe festgehalten.

Stempel in Europa
Papierkram für die Einreise iStock/ugurhan

Zusätzlich stoppen physische Grenzen oder unüberwindliche natürliche Hindernisse die Migranten weltweit und (finanzieller) Ressourcenmangel, fehlende Papiere oder mangelnde Netzwerke lähmen das Fortkommen. Damit verbunden sind Camp-Urbanisierung und die Entwicklung von Camp-Cities. Flüchtlingscamps im Niemandsland mit Großstadtcharakter.