Thailand - Das Land des Lächelns verändert sich

Gastbeitrag von Laura Pfaffenbach

© Laura Pfaffenbach

Traumhafte Strände, schmackhafte Küche und prachtvolle Tempelanlagen. Thailands einzigartige Kultur und faszinierende Landschaft ziehen Jahr um Jahr Massen an Touristen an. Doch das “Land des Lächelns” hat auch seine Schattenseiten. Massentourismus, der unter anderem das maritime Leben zerstört und Ausbeute von Mensch und Tier.

Dennoch ist Thailand ein Land das mich von der ersten Minute an in seinen Bann gezogen hat. 2010 habe ich mich in das Land verliebt. Mittlerweile habe ich schon über ein halbes Jahr im Land gelebt und das Land von oben bis unten bereist. In keinem anderen Land fühle ich mich so wohl wie hier. Deshalb freue ich mich besonders, Dich heute in dieses faszinierende Land mit zu nehmen und dieses einmal kritisch zu betrachten.

Thailand ist ein Touristenmagnet

Thailand ist eines der bekanntesten Reiseziele Südostasiens. Mit einer Fläche so groß wie Frankreich hat es alles was sich ein Fernreisender oder Urlauber wünscht. Tropischer Regenwald, türkisblaues Wasser, Ruhe, Sorglosigkeit und einsame Strände. Bei den ersten beiden Stimme ich zu. Bei einsamen Stränden, muss ich zögern.

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Um dem Massentourismus wirklich zu entgehen, muss man sich schon etwas mehr mit dem Land und den Regionen auseinandersetzen. Der Tourismus ist zu einer boomenden Industrie geworden. Eine Industrie, die Land und Leute verändert.

Der Massentourismus in Thailand verändert Land und Leute

Thailand erwartet 2019 etwa 40 Millionen Besucher. Besucher, die sich in der Khao San Road in Bangkok Bananen Pancakes und Pad Thai gönnen, die sich dem Sextourismus in Phuket hin geben oder sich auf einer der legendären Vollmond-Strandpartys auf Kho Phangan in Ekstase trinken.

Thailand ist anziehend in jeglicher hinsicht. Doch Begleiterscheinungen des Tourismus gibt es einige.

Die Meere Sterben aufgrund des Massentourismus in Thailand

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77% der Korallen in den thailändischen Gewässern sind beispielsweise stark beschädigt oder zerstört, wie der Meeresbiologe Thon Thamrongnawasawat berichtet. Ursachen dafür sind neben dem Klimawandel und ungeklärten Abwässern, tausende von Tagesausflüglern die mit stinkenden Diesel Booten von A nach B gekarrt werden und dabei die maritimen Naturschönheiten des Landes zerstören.

Das Projekt von York Hovest “100 Tage Ozean - Helden der Meere” thematisiert genau diese und viele weitere Herausforderung mit denen unsere Meere kämpfen. York begleitet in seinem Projekt mehrere “Helden der Meere”, die aufklären und Lösungen zusammentragen die eine Veränderung und Rettung unserer Meere ermöglichen. Im Herbst 2019 wird er mit einem Ruderboot zum Schutz der Ozeane über den Atlantik fahren. Weiter Infos zum Projekt und zur geplanten Route gibt es hier.

Thailand hat neben dem Tourismus noch mit weiteren Herausforderungen zu kämpfen.



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Ausbeutung burmesischer Migranten in Thailand

Der Krieg in Myanmar hat Tausende von Flüchtlingen über die Grenzen nach Thailand fliehen lassen. Insgesamt leben etwa 1,4 Mio Burmesen in Thailand. Berufsmigranten, die in der Wirtschaft oder im Berufssektor tätig sind, gering qualifizierte Arbeitskräfte und Flüchtlinge, die vor Konflikten fliehen und in Flüchtlingscamps nahe der Grenzen zu Burma leben. Die meisten Flüchtlinge gehören Minderheiten aus Myanmar an, die vor Gewalt und Kämpfen zwischen den Streitkräften von Myanmar und den ethnischen bewaffneten Milizen der Rebellen geflohen sind.


Flüchtlinge in Thailand haben keine Rechte

Die rechtliche Lage der Flüchtlinge hat sich zwar in den letzten Jahren verbessert, ist aber immer noch ungeklärt. Trotz einem illegalen Status wurde eingeräumt, dass sie Zugang zu Bildung und dem Gesundheitssystem bekommen. Doch hier trügt der Schein. Lediglich 50% der in Frage kommenden Flüchtlinge sind in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert und über 200.000 Flüchtlingskinder können immer noch nicht zur Schule gehen, wie es in dem Thailand Migration Report 2019 heißt.

Laut der Studie der schwedischen Organisationen Schyst Resande und Fair Action “No Holidays for the Burmese” wurde bereits 2015 ermittelt, dass die Flüchtlinge aus Burma ausgebeutet werden. Arbeitsmigranten aus Myanmar, Kambodscha, Laos und Vietnam sind neben der Ausbeutung ihrer Arbeitgeber anfällig für körperlichen Missbrauch und Gewalt durch Kriminelle, die manchmal mit korrupten Beamten zusammen arbeiten und möglichen unbefristete Inhaftierung und Erpressung durch die thailändische Behörden.

Migranten aus Myanmar im Tourismusbranchen

Neben geschmuggelten Arbeitskräften von großen Industrien in der Fischzucht oder der Automobilindustrie, finden viele Migranten Arbeit als Reinigungskräfte, in der Gartenpflege und als Bedienstete oder Zulieferer für Hotels. In den Touristenhochburgen wie Kho Phangan, Khao Lak oder Phuket kann man Zeuge der Ausbeutung werden, wo die Burmesen unter den Fittichen der thailändischen Besitzer weit unter dem Mindestlohn der Thailänder und mit unfairen Regelungen über Mutterschutz, Urlaub und Unterbringung teilweise illegal angestellt sind.

Auch in den Gästehäusern wo ich gelebt habe konnte ich Zeuge dessen werden. Die Unterdrückung war zu sehen umso interessierter war ich in der Recherche und erschreckt über die Ausmaße. Gut dass es Projekte wie Helfen ohne Grenzen gibt, die Schulen für Flüchtlingskinder bauen, die Mangelernährung von tausenden von Kindern mit einem Ernährungsprogramm bekämpfen und die Jugendlichen darin fördern, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Elefanten - Das heiliges Tier das gefoltert und missbraucht wird

Ausbeutung scheint ein generelles Problem in Thailand zu sein. Bei meiner ersten Reise nach Thailand 2010 musste ich mit erschrecken feststellen, wie Elefanten - die grundsätzlich ein sehr hohes Ansehen in Thailand haben - behandelt werden. Bei einer organisierten mehrtägigen Reise durchs Hochland im Norden Thailands war ein Programmpunkt ein Elefantenritt.

Zuerst hatte ich mich darauf gefreut. EIne Elefantenbegegnung - wahnsinn. Doch die Stimmung ist schnell gekippt. Vorbei an anderen angeketteten und völlig verstörten Elefanten direkt führte der Weg zu dem Elefant der für uns bereit stand. Der Mahout, der Elefantenhüter zeigt uns den Weg wie wir auf den über 50kg schweren Sattel, der die kompletten Wirbelsäule des Elefanten verformt, aufsteigen können. Wir laufen los, wenn der Elefant nicht hört - und wir dürfen nicht vergessen das dies ein wildes Tier ist - wird ihm von dem Mahout, der auf deinem Nacken sitzt, ein Hacken in den Kopf gerammt - teilweise so tief, dass er anfängt zu bluten. Mir wird schlecht. Diese Folterung zu unterstützen zerreißt mein Herz.

Elefantenreiten in Thailand

Meine Entscheidung stand fest. Niemals möchte ich sowas mehr unterstützen. Ich möchte mehr über Elefanten herausfinden, denn es leuchtet mir nicht ein, warum diese wundervollen Wesen, die von den Einheimischen so geehrt werden so missbraucht werden? Die Thailänder vergleichen sogar den Umriss ihres Landes mit einem Elefantenkopf.

Bei meiner freiwilligenarbeit im Elephant Nature Park habe ich Antworten gefunden. Antworten die mich schockiert haben und weshalb ich entschied für die Elefanten ein Sprachrohr zu sein um jeden Thailand Reisenden daran zu erinnern keine solcher Elefanten Shows zu unterstützen und zu verstehen, was dahinter steckt.

Elefanten werden für den Holzbau und den Tourismus in Thailand eingesetzt Die Elefanten werden erst jüngst für den Tourismus missbraucht. Viel länger schon werden sie im illegalen Holzabbau eingesetzt. Dort wo Maschinen schwer in den dicht bewaldeten Dschungel nicht hin reichen werden die Dickhäuter verwendet um Teakholz und andere Hölzer aus dem Wald zu ziehen. Doch gerade im Tourismus kann jeder einzelne von uns seinen Beitrag leisten.

Doch man darf die Thais nicht verurteilen. Mit dem Tieren lässt sich gutes Geld verdienen, Löhne von mehreren 1000 Euros lassen sich damit verdienen. Der Verkaufspreis eines Babyelefant liegt bei dem Wert eines Sportwagens.

Jeder in Gefangenschaft lebende Elefant musste durch die traditionelle Phaa Jaan Zeremonie durch. Eine tagelange Folterung des Elefanten, bei dem er zwischen Holzpflöcke eingesperrt ist und ihm auf traumatische Art und Weise “die Seele” durch schonungslose Prügeleien und das Hineinboren spitzer Metallhaken in empfindliche Hautstellen gebrochen wird. Alles um dem Elefanten zu zeigen, wer der Herr ist und ihn unterwürfig zu machen.

Elefanten Sanctarys wie der Elephant Nature Park(ENP) kaufen in Gefangenschaft lebende Elefanten nicht nur frei und geben ihnen ein neues freies Zuhause, sondern engagieren sich massiv im Lande für ein Umdenken der Bevölkerung. Lek Chailert, die Gründerin vom ENP zieht durchs ganze Land durch Schulen, Fernsehsendungen sogar bis in Regierungshäuser um den ausgebeuteten Elefanten eine Stimme zu sein.

© Laura Pfaffenbach

Thailand - Faszination und Wahnsinn

Thailand - das Land des Lächelns, welches nie und nimmer sein Gesicht verlieren möchte. Doch auch in diesem Land, das übrigens eine konstitutionelle Monarchie ist bei dem das Königshaus über der Politik steht gibt es zahlreiche Herausforderungen.

Der Massentourismus, welcher von Jahr zu Jahr mehr wird verändert das Land. Im Vergleich zu meinem ersten Thailand Besuch vor 10 Jahren haben sich ganze Landstriche verändert, weil Hotelanlagen und Entertainment Programme errichtet wurden.

Es macht mich traurig zu sehen, dass die thailändische Kultur mehr und mehr verdrängt wird. Es macht mich wütend zu sehen wie respektlos manche Touristen mit den Einheimischen umgehen. Es macht mich nachdenklich die Berge an Müll und die Auswirkungen auf die Umwelt zu sehen.

Ich kann es verstehen, dass die auch die Menschen verändert. Wo vor Jahren noch Neugierde an den Besuchern im Lande herrschte, gleicht es heutzutage eher einem genervten Bilde.

Nichtsdestotrotz ist Thailand ein wunderschönes und absolut bereicherndes Ziel. Die Leichtigkeit der Einheimischen mit dem Leben umzugehen ist bewunderns- und nachahmenswert. Demnach kann ich nur empfehlen mit geschärften Bewusstsein einfach mal in diese Welt der Thais, des Buddhismus, der Tempel und Königsbildern zu tauchen und sich von dem Lächeln der Einheimischen anzustecken.

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Über Laura Pfaffenbach

Ich bin Laura Pfaffenbach - Digitale Nomadin, Outdoorcoach und UX Designerin.

Seit über 10 Jahren ist Reisen eine meiner größten leidenschaften. Es reizt mich Tag um Tag neues zu Lernen, neue Kulturen und Landschaften zu erkunden und dabei meinen Horizont zu erweitern. Durch meine jahrelange Tätigkeit bei den Pfadfindern ist für mich der Blick auf die Umwelt, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit dabei extrem wichtig.

Willst du mehr über Laura, ihre Tätigkeit als Weltretter Reporterin und ihr Projekt Pfade FINDEN wissen dann hör dir den Podcast mit Stefan Landsiedel an.

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