Bienensterben

Gastbeitrag von Xenia Heidelmeier

Ein kleines Gedankenexperiment

Bienen
Bienen iStock/Sushaaa

Angenommen du gehst nach einem stressigen Tag in den Supermarkt um dein Abendessen einzukaufen. Die Gemüseregale sind leer, es gibt keine Tomaten, keine Äpfel keine Birnen mehr. Das ist wirklich seltsam, du hattest dich auf die Pizza wirklich gefreut. Zum Glück gibt es ja noch die Tiefkühltruhe. Aber auch die ist leer. Seltsam, auch Kaffee und Deo sind nicht zu finden. Du gehst zum Ladenbesitzer und fragst, was es damit auf sich hätte. Schließlich kaufst du seit Jahren hier ein und hast wirklich keine Lust, von Laden zu Laden zu hetzen, um deinen Einkauf zu machen. Dieser jedoch zuckt die Achseln. Die Produkte ,die du kaufen wolltest seien in der Produktion einfach zu teuer. Was früher Bienen und andere bestäubende Insekten getan hätten, müsse nun von Hand erledigt werden.

Klingt abwegig?

Aber nicht nur der Supermarkt der Zukunft hält einige Überraschungen bereit. Wir alle kennen mittlerweile die kleinen Informationstexte, die hinten auf den Verpackungen der meisten Lebensmittel angegeben sind. Wer wissen will ,was in dem Produkt ,das er gerade kaufen möchte enthalten ist, braucht ihn nur zu lesen. Stell dir vor du findest ein Produkt, auf dem folgendes zu lesen ist:

  • kann vermutlich Krebs erzeugen
  • kann das Kind im Mutterleib schädigen
  • wirkt schädigend für Populationen von Siebenpunktkäfern (Marienkäfer), Florfliege, Brackwespe
  • Mittel ist giftig für Fisch und Fischnährtiere

Das klingt nicht wie etwas was du gerne essen würdest richtig?
Was ist wenn ich dir erzähle, dass das Mittel dessen Beipackzettel dieser kleine Text hier ziert, wahrscheinlich öfter auf deinem Teller landet, als dir lieb ist?
Es handelt sich um Biscaya. Es wird von Landwirten aus konventioneller Landwirtschaft verwendet um dein Gemüse vor Fressfeinden zu schützen, ein sogenanntes Pestizid also.
Das steht auf der Plastikverpackung deines Gemüses nicht zu lesen. Dafür meistens der Preis des Produktes, der wesentlich geringer ist, als das Produkt aus biologischer Erzeugung.
Welche Stoffe du deinem Körper zuführen willst ist grundsätzlich deine eigene Entscheidung. Dabei solltest du dir allerdings im klaren sein, dass eben diese Wahl größere Auswirkungen hat, als du denkst. Denn wenn du keine Lust hast das Gedankenexperiment in Naher Zukunft in der Realität zu erleben, dann ist es eine Überlegung wert, vielleicht doch ein bisschen mehr Geld für Essen auszugeben und das Bioprodukt zu kaufen.

Was das jetzt mit den Bienen zu tun hat?

Über 80% der Blütenpflanzen werden von Insekten und anderen Tieren bestäubt. Auch Sonnenblumen aus denen das Öl hergestellt wird, das nicht nur in vielen Lebensmitteln enthalten ist, sondern auch in vielen Kosmetik und Pflegeprodukten. Wie eben schon im Gedankenexperiment angedeutet.
Bei Biscaya handelt es sich um ein Nervengift aus der Gruppe der Neonicotinoide. Es tötet neben den sogenannten Schädlingen auch die für uns nützlichen Insekten ab. Unter anderem Bienen, die entweder sofort verenden, oder die Orientierung verlieren und nicht mehr zu ihrem Bienenstock zurück finden.
Pestizide die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden, sind deshalb eine der Hauptursachen für das Sterben der Bienen.
Der wirtschaftliche Druck auf die Landwirte ist immens, denn der Endverbraucher möchte möglichst wenig Geld für Lebensmittel ausgeben.
Vor etwa 50 Jahren lockte die chemische Industrie Landwirte in die Abhängigkeit von Pestiziden und Dünger.. In deren Verkaufsveranstaltungen wird die Umwelt als Feind dargestellt. Die Gifte seien ein Mittel legitimer Notwehr. Schon in der Ausbildung wird diesen Menschen eingeimpft man komme ohne Chemieriesen, wie zum Beispiel Bayer-Monsanto nicht weit. Allerdings könne biologische Landwirtschaft für Landwirte genauso lukrativ sein, behauptet ein Biobauer der von konventioneller Landwirtschaft auf biologische Produktionsweise umstieg.

Die Herausforderung

Welche Auswirkungen dies hatte wird schon jetzt deutlich. Imker verlieren zwischen 10 und 30 % ihrer Völker im Jahr.
Vor zehn Jahren gab es einen Unfall im Rheinland, in dem der Wind vergiftete Samen in die Umgebung verteilte. 12.000 Bienenvölker starben.
Aber der Verlust der Bienen hat noch größere Auswirkungen auf die Artenvielfalt. In den bayrischen Isarauen schrumpfte die Vielfalt der Insekten beispielswiese um 75% , als die Bienen verschwanden. Im Leipziger Auwald schrumpfte der Wildbienenbestand seit 2000 sogar um 90%. Auch einen Studie im Rheinland in der fast 30 Jahre lang Insektenfallen aufgestellt wurden verzeichnet einen Rückgang um 80%.
Wenn die Insekten sterben, dann werden auch die Vögel, deren Nahrungsgrundlage die Insekten bilden bald folgen. 2012 wurden die für die Bienen besonders gefährlichen Neonikotinoide verboten. Ob dies als Erfolg anzusehen ist, bleibt allerdings fragwürdig. Denn schon sollen neue Gifte auf den Markt gebracht werden, die schädlich für Bienen sind. Biscaya ist weiterhin erlaubt.
So entstanden auch riesige Monokulturen auch Agrowüsten genannt, in denen weder Bienen noch andere Insekten Nahrung finden können. Darüberhinaus sind auch herbizidresistentes Unkraut und Überdüngung der Böden die Folge.

Es existieren mittlerweile verschiedene Lösungsansätze zu diesem Problem. Sogar der Chemieriese Bayer-Monsanto forscht auf einem Versuchshof im Bayrischen Land. Auch werden Drohnen und Roboter entwickelt, die die Pflanzen nur dort schützen sollen, wo es konkret benötigt wird. Bakterien sollen in Zukunft eine Alternative zu Pestiziden darstellen. Man könnte sich jedoch auch für eine gerechtere Verteilung der Steuergelder engagieren. Die Bauern die sich für den Schutz von Artenvielfalt, Klima und Tieren einsetzen sollten mehr Subventionen seitens der EU erhalten. Die EU zahlt den Bauern 300 Euro Subventionen pro Hektar, das sind 55 Milliarden Euro pro Jahr, etwa soviel wie insgesamt für Umwelt, Naturschutz, Bildung, Forschung ,Verkehr und digitale Infrastruktur ausgegeben wird. Dabei ist es egal wie diese Felder bewirtschaftet werden. Der Umstieg auf ökologische Landwirtschaft würde sich auch für die Landwirte lohnen, jeder 10. Bauernhof produziert mittlerweile biologisch.
Die sogenannte biologische Schädlingsbekämpfung stellt auch eine alternative zur Schädlingsbekämpfung mit chemischen Produkten dar. Schon verhältnismäßig kleine Grünflächen neben dem Acker wirken sich positiv auf die Artenvielfalt aus.
Aber auch als Verbraucher kann man eine ganze Menge darüber hinaus tun.
Natürlich die ökologische Landwirtschaft unterstützen und sofern es finanziell möglich ist Bioprodukte kaufen. Man könnte zum Beispiel die eigene Speisekarte etwas aufmotzen und einen Kräuterkasten anlegen, dieser findet sogar auf der Fensterbank Platz. Außerdem lohnt er sich doppelt für dich: du hilfst nicht nur den Bienen, sondern hast auch immer frische Kräuter zur Hand. Es ist allerdings wichtig, dass du die Kräuter immer soweit wachsen lässt, dass sich Blüten bilden können. Geeignete Kräuter sind z.B. Zitronenmelisse, Salbei, Lavendel, Schnittlauch, Oregano, Basilikum, Thymian oder Minze. Du könntest auch Kapuzinerkresse dazwischen pflanzen. Wenn du einen großen Garten hast lege ein Kräuterbeet an.
Sorge in deinem Garten für Ecken, in denen wachsen darf, was wächst. Bienen und andere Tiere werden es dir danken. Sehr schön sieht es z.B. aus, Inseln oder Randbereiche des Rasens mit Wildblumen bewachsen zu lassen. Du könntest auch Teile deines Rasens zur Blumenwiese umfunktionieren.
Wenn du einen eigenen Garten hast, könntest du generell bienenfreundliche Pflanzen anpflanzen. Dazu gehören: Die meisten Obstbäume (Apfel, Birne, Quitte, Sauerkirsche), viele andere Obstsorten (Erdbeere, Brombeere, Johannisbeere), generell Kräuter und etliche Gemüse wie Zucchini, Fenchel), Zierblumen (Sonnenblume, Narzissen, Königskerze, Mohn, Krokusse, Margeriten, Rosen) und viele Gehölze wie z.B. Kastanie, Haselnuss oder Trompetenbaum. Allgemein lohnt es sich, einheimische Pflanzen zu wählen. Das kommt auch anderen Tieren zugute und die Pflanzen sind besser an die hiesigen Witterungsbedingungen angepasst, so dass man länger Freude daran haben wird.
Kaufe möglichst Honig aus der Region. Denn damit stärkst du einerseits die Imker vor Ort, die sich selbst für beste Bedingungen für die Bienen einsetzen. Andererseits erteilst du damit dem oft fast schon industriell hergestellten Supermarkthonig eine Absage. Wenn du keinen Imker in Ihrer Nähe findest, kaufe wenigstens Bio-Honig aus Deutschland. Dieser wird auch oft auf Bauernmärkten angeboten.


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