Externalisierungsgesellschaft

Das Vermögen ist sehr ungleich verteilt.

Laut der Hilfsorganisation Oxfam besaß im Jahr 2016 das reichste Prozent der Weltbevölkerung so wie viel wie die restlichen 99 Prozent. Inzwischen - so ist aus anderen Quellen zu vernehmen - besitzen die 8 reichsten Menschen so viel, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Acht zu dreieinhalb Milliarden.

Im Weltmaßstab gibt es eine sehr große Ungleichheit zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern. Diese Ungleichheit ist größer als die zwischen den Ärmsten und den Reichsten in einem Land.

Beim Externalisieren wird etwas aus dem Inneren nach außen verlagert. Das tun zum Beispiel Organisationen, wenn sie nicht für die durch ihr Verhalten verschuldeten Umweltschäden aufkommen. Die Kosten werden auf unbeteiligte Dritte abgewälzt. Das sind oft die Steuerzahler eines Landes oder die Bevölkerung des Landes, in das die Produktion eines Produktes ausgelagert wurde. Der die Externalisierung werden fremde Ressourcen ausgebeutet und die Kosten auf Außenstehende abgewälzt. Auf diese Weise wird der eigene Reichtum gemehrt, während anderen geschadet wird. Der eigene Aufstieg wird nur durch das Zurückbleiben der anderen ermöglicht.

Den Mächtigen ist es dabei immer möglich, den Welthandel zu ihren Gunsten zu beeinflussen ("Korngesetze", TTIP-Abkommen). Der Soziologe Stephan Lessenich schreibt über die Externalisierungsgesellschaft: "Wir leben keineswegs über unsere Verhältnisse. Wir leben über die Verhältnisse anderer."

Unter ökologischen Gesichtspunkten stehen viele Industrieländern gar nicht so schlecht da, weil sie systematisch, die für ihren Bedarf notendigen Umweltbelastungen in anderer Länder verlagert haben. Europa und Nordamerika verbrauchen sehr viele Ressourcen, doch wird ihr Bedarf an biologisch nutzbaren Acker- und Weideland, Waldgebiete und Fischgründe nicht innerhalb der Grenzen ihres Landes gedeckt sondern er wird in ein Land mit meist deutlich niedrigerem Lohnniveau verlagert. Und dort geht dies mit massiven Schädigungen der natürlich Umwelt einher. Dies ist das Fußabdruck/Umweltzerstörungs-Paradoxon. Der Ökologische Fußabdruck der frühentwickelten Industrienationen ist scheinbar gering, während das Ausmaß seiner wahren Umweltzerstörung sehr hoch ist.

Wir leben unseren hohen Standard auf Kosten anderer. Wir hinterlassen dort Umweltzerstörung und Armut durch die Art, wie wir wirtschaften. Dies führt zu einer großen Ungleichheit und macht sich unter anderem dadurch bemerkbar, dass in die Lebenserwartung in Länden wir Tschad, Afghanistan oder Somalia 30 Jahre weniger als bei uns ist.

Quelle:
"Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis"
Stephan Lessenich
Der Autor lehrt am Institut für Soziologie der LMU München und ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.
www.stephan-lessenich.de